Kritischer LINK-Artikel der SRG Region Basel löste Diskussion aus

«Die ländlich idyllische und alpine Schweiz wird im Programm von SF überproportional thematisiert und zelebriert», stellte der Vorstand der SRG Region Basel fest und meldete sich nach dem Sommerprogramm 2012 im LINK 5/2012 zu Wort. Im SF-Hauptprogramm nehme die traditionelle Schweiz unverhältnismässig viel Platz ein. Im Gegensatz dazu komme die agglo-urbane Lebensrealität zu kurz, lautet das Fazit.

LINK fragte daraufhin im Mitgliederforum nach der Meinung der SRG.D-Mitglieder. Lesen Sie hier die Debatte und eine Auswahl der Meinungsbeiträge nach:

«Mein Eindruck ist ein anderer und bezieht alle Formate mit ein. Ich freue mich an der bunten Mischung. Da Ländliches, dort Urbanes und insgesamt viel Informatives und Kulturelles. Für mich ein Abbild der Schweizerischen Realität und meiner Heimat.»
H. Ritter


«Es ist in der Tat so, dass das Landleben im Schweizer Fernsehen eine meines Erachtens überproportionale Bedeutung hat. Das Positive daran ist hingegen, dass die sehr schönen Seiten unseres Landes gezeigt werden – dies, obwohl der Eindruck vermittelt wird, dass nur das Landleben beschwerlich sei. Die Lebensverhältnisse vieler, die am Existenzminimum in urbanen Gebieten leben, werden hingegen nicht gezeigt, obwohl diese einen wesentlich grösseren Anteil an unserer Gesellschaft haben.»
H. R. Ott

«Die städtisch wenig-idyllische und agglo-urbane Schweiz wird in ‹Schweiz Aktuell›, ‹Tagesschau›, ‹10vor10›, ‹Einstein›, ‹ECO› etc. gut und ausreichend thematisiert und zelebriert. Zu Recht. Ich schätze es aber sehr, dass das immer noch existierende ‹Landleben› in speziellen Sendegefässen gezeigt wird. Gerade bei solchen Sendungen gelingt es womöglich den Eltern und Grosseltern (mir gelingt es jedenfalls), die Kids vom PC zu locken, um diese Dinge zu sehen, die sie zum Staunen bringen. Die Sendezeiten sind hier gut gewählt. Also, bitte mehr davon und zwar ruhig noch etwas realistischer.»
A. Wihler

«Gerade Sendungen über kulturelle Angebote, städtische Sportveranstaltungen und die Doku-Sendungen sind alle mehr oder weniger aus der Stadt. Auch die Wahlveranstaltungen, die Beiträge aus Bundes-Bern, die ‹Tagesschau›, die Wirtschaftsendungen, etc. berichten meist aus den Städten. Konzert, Theater, Musikveranstaltungen, Gesang, Unterhaltungssendungen, wie ‹Benissimo› mit internationalen Stars, Glanz und Gloria: alles ist aus der Stadt. Wissenschaftsendungen, meist von der Uni oder ETH, sind aus der Stadt. Die meisten Spielfilme werden in städtischen Studios gemacht und die städtische Familie wird dort sehr stark zelebriert. Auch die Sendung ‹Schawinski› nimmt sich ja meist einer städtisch bekannten Persönlichkeit an. Die SRG hat aber den Auftrag, das kulturelle Gut der ganzen Schweiz zu berücksichtigen und nicht nur das städtische. Deshalb kommen nun wieder vermehrt solche ländlichen Sendungen, die während 20 Jahren mehr oder weniger aus dem Programm fielen, weil man ‹modern› sein wollte. Auf dem Land haben folkloristische Vereinigungen auch von jüngeren Leuten vermehrten Zuwachs; auch diesem Grunde bestehen eine Rechtfertigung und ein Bedürfnis dieser Bevölkerung, dass sie in den Medien wahrgenommen wird. Für den Zusammenhalt von Stadt und Land ist dies wichtig, damit auch bei Abstimmungen der Graben zwischen Stadt und Land all zu gross wird und wichtige Anliegen auf der Strecke bleiben.»
B. Wyler

«Ich finde es richtig, dass im TV das Landleben gezeigt wird. In unserer viel zu hektischen Zeit ist das eine Oase, die schönen Landschaftsbilder eine Wohltat. Ich bin der Meinung, es sollte noch viel mehr gezeigt werden! Unsere Traditionen sind unsere Wurzeln; ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind, das gehört zu uns, zur Schweiz.»
M. Grabner

«Ich kann dem Vorstand der SRG Region Basel nur zustimmen und stelle dieselben Mängel ebenfalls fest. Dies ist auch mit ein Grund, dass gewisse gesellschaftliche Bereiche, Kulturen und Szenen des Stadtlebens im Fernsehen nicht oder viel zu spät aufgegriffen werden und man sich als urban lebender selber nur wenig mit dem gezeigten identifizieren kann.»
E. Clapasson

«Der Einwand der SRG Region Basel ist zuwenig überdacht. Das Fernsehen hat uns das Unbekannte unseres Landes zuzeigen. Dazu gehört die Arbeit und die Probleme der Bauern wie der Bewohner in den städtischen Gegenden.»
U. Schmid

«Endlich! Die Meinung der Region Basel teile ich voll und ganz. Schon seit längerer Zeit beschleicht mich ein Unbehagen, wenn ich sehe, wie im Programm die Proportionen zwischen Stadt und Land völlig verschoben dargestellt werden. Die Verklärung einer idyllischen und ländlichen Schweiz grenzt an Kitsch und ist in grossen Teilen schlicht falsch. Dies ist mit ein Grund, weshalb ich, abgesehen von den Informationssendungen, entweder auf ausländische Sender umstelle oder überhaupt abstelle. Hier wird die Mehrheit der Bevölkerung übergangen; und zur Bildung tragen diese Sendungen gar nichts bei, was meines Erachtens möglich und wichtig wäre. Lieber wären mir fundierte Dokumentationen über Zusammenhänge und Gegebenheiten oder Probleme verschiedener Regionen der Schweiz.»
V. Altorfer

«Die Frage sei erlaubt, ob es wohl sein könnte, dass sich urbane und politische Themen fast nicht in bewegten Bildern darstellen lässt. Dafür kommt dieser Teil der Bevölkerung ausgiebig, wenn nicht sogar grossmehrheitlich durch Politiker und Experten in Wortsendungen zum Zug. Unsere Wurzeln, unsere Vergangenheit liegt aber im Ländlichen. Ohne Herkunft keine Zukunft. Ausserdem sind ganz viele Sendungen herausragend und der Konsument hat reichlich Auswahl, sein Urteilsvermögen ist gefordert. Was mir nicht bekommt, schaue ich mir nicht an. Machen Sie es doch auch so statt zu versuchen auszugrenzen. Toleranz ist keine Einbahnstrasse.»
R. Jörg

Lesen Sie hier den Artikel der SRG Region Basel nochmals im Detail nach.

Im Mitgliederforum unter Fernsehen > Programm (Login erforderlich) können ausserdem auch Sie sich an der Diskussion beteiligen.

Bild: iStockphoto

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