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SF-Chefredaktor Hansruedi Schoch über die irreführenden Resultate der SRG-Umfrage zur Minarett-Initiative

37% für die Minarett-Initiative, 53% dagegen, bei steigender Tendenz der Befürwortenden. So das Resultat der zweiten Umfrage der SRG SRG idée suisse zwei Wochen vor dem Abstimmungssonntag. Eine klare Sache, hätte man meinen können – doch an der Urne kam alles ganz anders: Das Abstimmungsresultat lag bei den Befürwortern satte 20% neben dem Umfrageergebnis, die Initiative wurde mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 57% angenommen. SF-Chefredaktor Hansruedi Schoch äussert sich im aktuellen CR-Newsletter über die irreführenden Resultate.

Aus dem CR-Newsletter 21/2009:

«Bereits während der Abstimmungssendung versuchte Claude Longchamps wiederholt zu erklären, warum Umfrage und Resultat so spektakulär auseinanderklaffen: Die Schlussmobilisierung sei einseitig gewesen, die Unentschiedenen hätten sich ganz offensichtlich klar auf die Seite der Befürworter geschlagen, und der eine oder andere Befragte habe am Telefon nicht die Wahrheit gesagt.

 

Eine detaillierte Analyse steht noch aus, doch klar ist, dass dieses krasse Missverhältnis die Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Umfragen im Vorfeld von Wahlen und Abstimmungen weiter anheizen wird. Deshalb hier noch ein paar Facts: Wenn man die Umfragepublikationen genau liest, stellt man fest, dass gfs.bern nie ein Nein oder ein Ja «prognostiziert» hat. Antonio Antoniazzi hat in seiner Zusammenfassung für die Medien, die er anlässlich der zweiten Welle (Publikation am 18.11.) getextet hat, explizit darauf hingewiesen, dass der Ausgang «unsicher» sei, da sich die Meinungsbildung atypisch entwickle, so wie es auch gfs.bern in seinem Medienbericht zur zweiten Welle klar festhält.

 

Zudem ist nicht nur gfs.bern falsch gelegen, sondern auch andere Umfrage-Institute sind ins Messer gelaufen (beispielsweise Isopublic mit 51% Nein zu 35% Ja). Dies lässt darauf schliessen, dass diesmal grundsätzlich etwas schwer Vorhersehbares geschehen ist.

 

Auftraggeber der Umfragen ist übrigens nicht das Schweizer Fernsehen, sondern die Chef-redaktorenkonferenz der SRG SSR idée suisse. Diese will nun in Zusammenarbeit mit gfs.bern – im Hinblick auf die nächsten Umfragen – genauer analysieren, was die Ursachen der grossen arithmetischen Diskrepanz sind. Neben der Überprüfung der wissenschaftlichen Methodik, stellt sich für uns in diesem Zusammenhang vor allem auch die Frage der jeweiligen journalistischen Interpretation und Gewichtung.»


Quelle: CR-Newsletter 21/2009

Datum: 01.12.09