«DOK – Die Jagd nach Öl» führte zu einer Aussprache zwischen der Erdölvereinigung und Sendeverantwortlichen
Bern, 30. Juni 2010
Sehr geehrter Herr X
Mit Brief vom 31. Mai haben Sie zusammen mit Herrn Dr. Y und im Namen der Erdöl-Vereinigung die Sendung DOK vom 20. Mai mit dem Titel „Die Jagd nach Öl“ auf SF 1 beanstandet. Den Erhalt Ihrer Eingabe habe ich mit meinem Brief vom 4. Juni bestätigt.
Wie angekündigt, habe ich den Verantwortlichen des Schweizer Fernsehens eingeladen, zu Ihrer Kritik Stellung zu beziehen. Da Sie mit der Argumentation nicht befriedigt waren, haben Sie den Wunsch bestätigt, die Angelegenheit durch eine direkte Begegnung zwischen den Beteiligten zu erledigen (gemäss Art. 93 Abs. 1 Lit. a RTVG).
Unter meiner Leitung haben Sie am 30. Juni in Zürich die Gelegenheit gehabt, mit dem Redaktionsleiter „Dokumentarfilme“, Herrn Christoph Müller, und dem Autor des Beitrages, Herrn Beat Bieri, die Angelegenheit zu besprechen.
1. In Ihrem ausführlichen Schreiben werfen Sie dem Beitrag vor, einseitig und tendenziös gewesen zu sein. Er sei somit als Verstoss gegen die journalistische Sorgfaltspflicht zu werten. Dabei sei Ihnen bewusst, dass nicht nur wegen der aktuellen Katastrophe im Golf von Mexiko kritische Fragen gestellt werden dürfen und dass (auch) die Ölindustrie diese zu beantworten hat. Sie beanspruchen aber eine faire Darstellung der Zusammenhänge.
Sie fassen Ihre Kritik wie folgt zusammen:
„Der Titel der Sendung verrät bereits die (inhaltliche) Tendenz: Mineralölgesellschaften sind ‚Jäger’ nach Erdöl und nehmen keine Rücksicht – weder auf Umwelt noch die Menschen. Daher all die Unglücksfälle (Tankerunfälle, gegenwärtiges Unglück im Golf von Mexiko), die Ausbeutung der durch die Aktivitäten der Ölindustrie betroffenen Menschen – sei es als Geschädigte von Unglücken (Exxon Valdez, Golf von Mexiko) oder als Bewohner in Ölförderregionen (Nigeria). Noch schlimmer: Wegen der Jagd nach Öl werden Kriege geführt, weil das Öl angeblich knapper wird (‚Peak Oil’). Geht uns das Öl – nach Auffassung der Filmemacher wohl früher als später – aus, ist es zunächst vorbei mit Fliegen und wir müssten uns darauf gefasst machen, dass die autofreien Sonntage der 70er-Jahre zum Dauerzustand würden.
Kurz: Eine wahrlich apokalyptisch anmutende Darstellung einer Industrie, die mit der Förderung von Erdöl und Erdgas rund zwei Drittel der weltweiten Energienachfrage deckt.“
Sie vermissen in der beanstandeten Sendung Hinweise, welche die einseitige, journalistische Grundthese relativieren würden, zum Beispiel über:
- Häufigkeit und Umfang solcher Schadensereignisse verglichen mit der gesamten Ölförderung und dem Transport
- Beispiele über allseits befriedigende Schadensregulierungen als Folge von Unglücken
- Anstrengungen und Verbesserungen der Industrie im HSSE-Bereich (Health, Safety, Security, Environment)
- Die Rolle der Staaten als Erdölförderer, Aufsichtsbehörden und Vertragspartner der Erdölfirmen
- Die weitverbreiteten Vorbehalte gegenüber den Peak Oil-Theorien und ihren Verfechtern
- Den (auch) durch Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle möglich gewordenen, historisch beispiellosen Wohlstandsgewinn.
Sie vermerken, dass diese Aufzählung nicht abschliessend sei. Zudem seien insbesondere auch folgende, teilweise absolut formulierte Aussagen bzw. Unterstellungen als falsch zu betrachten:
- Die Erdölunternehmen kommen für die von ihnen verursachten Schäden nicht auf.
- Die Erdölförderung vernichtet die wirtschaftliche Existenz vieler Leute.
- Das Erdöl wird immer knapper.
- Die US-geführte Intervention im Irak (2003) ist erfolgt, um sich die irakischen Erdölressourcen zu sichern.
- Die Erdölverknappung wird (als erstes) den Luftverkehr zum Erliegen bringen.
Schon aus diesen Gründen seien die minimalen Anforderungen an eine objektive Berichterstattung missachtet worden. Die vollkommene Einseitigkeit der Sendung würde Ihrer Meinung nach auch in anderer Hinsicht zum Ausdruck kommen. In Ihrem Schreiben erwähnen Sie dabei Folgendes:
- „Es kommen keine Vertreter der Mineralölwirtschaft, z.B. von Shell, Esso, BP etc. zu Wort, die zu den Kernthemen Unglücke, Ressourcenverfügbarkeit, soziale Auswirkungen der Erdölförderung hätten Stellung nehmen können. Lediglich ein amerikanischer Konzernjurist von Exxon legt dar, dass Exxon für alle Schäden nach dem Exxon Valdez-Unglück aufgekommen ist. Die Kernthese der Sendung, die Jagd nach Öl werde immer rücksichtsloser und verzweifelter, bleibt unwidersprochen. Interoil, dessen Vertreter zu Wort kommt, ist ein Prospektionsunternehmen, in gewissem Sinne also ein Zulieferer der Mineralölwirtschaft, und steht keinesfalls auf der gleichen Stufe wie Esso, Shell, BP etc.
Schweizer Radio DRS hat übrigens diese Themen im Rahmen eines einstündigen, live ausgestrahlten ‚Doppelpunkts’ vom 11. Mai 2010 unter Beizug eines Greenpeace-Vertreters, eines Wirtschaftsethikers und des Linksunterzeichnenden in einer fairen Art und Weise abgehandelt.
- Das unfaire Vorgehen zeigt sich nicht nur im Ausschluss der Mineralölindustrie, sondern auch im Zusammenwirken gleich dreier Exponenten des schweizerischen Ablegers der ASPO (‚Association for the Study of Peak Oil’), nämlich der beiden ASPO-Vorstandsmitglieder Dr. Daniele Ganser und Dr. Walter Ziegler (beide kommen als Interviewte zu Wort) und ihres ASPO-Vorstandskollegen Basil Gelpke (dieser figuriert im Impressum des SF-Beitrags ‚Die Jagd nach Öl’ unter der Rubrik ‚Mitarbeit’). Herr Gelpke ist aber nicht nur Mitarbeiter von SF (mindestens in diesem Fall), sondern auch Co-Regisseur des Films ‚A Crude Awakening: The Oil Crash’ (2006). Der SF-Beitrag enthält denn auch Original-Ausschnitte dieses Films, ohne dass diese für die Zuschauer transparent gemacht worden wären.
Die ASPO ist keine wissenschaftliche Organisation, sondern vertritt die These, dass ‚Peak Oil’ bald bevorsteht (vor 2020) – die Mineralölindustrie sieht das anders. Die ASPO-Vertreter, insbesondere Dr. Ganser, verlangen in ihren öffentlichen Auftritten denn auch verstärkte Anstrengungen des Staates im Bereich der Energie- und Umweltpolitik. ASPO ist deshalb eine Lobby wie andere auch (vgl. zur ASPO Schweiz: www.peakoil.ch).
Die Grenzen zwischen redaktioneller Unabhängigkeit und Interessenvertretung scheinen uns aus diesen Gründen nicht eingehalten zu sein. ASPO allein das Feld zu überlassen, ist unfair und verletzt journalistische Sorgfaltspflichten.“
Nachdem ich Ihnen den Erhalt der Beanstandung telefonisch bestätigt habe, haben Sie mir per E-Mail mitgeteilt, dass das Thema in der Zwischenzeit, d.h. am letzten Dienstag im „Club“ in Anwesenheit des BP Schweiz-Chefs und von ihm in kontradiktorischer, fairer Weise diskutiert worden sei. Der „Club“ habe mit der Auswahl der Gesprächspartner die Latte gesetzt, die auch für die Macher des Dok-Films hätte relevant sein müssen.
Im erwähnten Schreiben ist Folgendes zu lesen: „Im Lichte der positiven Erfahrungen im ‚Club’ und des über lange Jahre ungetrübten Verhältnisses zu SF würde ich es als zweckmässig erachten, wenn unsere Beanstandungen, an denen ich festhalte, unter Ihrer Leitung und im Gespräch mit SF behandelt werden könnten. Wir haben primär ein Interesse daran, dass SF die richtigen Folgerungen aus der aus unserer Sicht verunglückten Dramaturgie des Beitrags zieht. Prozessieren ist nicht unser Ziel.“
2. Wie bereits erwähnt, haben die Verantwortlichen des Schweizer Fernsehens zu Ihren Kritiken Stellung bezogen. Ich möchte Ihnen das Schreiben von Herrn Christoph Müller, Redaktionsleiter „Dokumentarfilme und Reportagen“, nicht vorenthalten. Er schreibt Folgendes:
„Mit Brief vom 31. Mai 2010 beanstandet Rolf X im Namen der Erdöl-Vereinigung den SF-Dok „Die Jagd nach Öl“. Anbei unsere Antwort auf die Kritik, dieser Dok sei „einseitig und tendenziös“ gewesen.
Herr X kritisiert bereits den Titel „Die Jagd nach Öl – vom hohen Preis des Wohlstandes“. Schon dadurch sei die inhaltliche Tendenz des Filmes verraten. Selbstverständlich soll der Titel bereits zu erkennen geben, wohin der Film zielt. Im Idealfall beinhaltet der Titel die Aussage des Filmes. Für diesen Film bedeutet der Titel: Der Rohstoff Öl wird rarer, man muss heute tiefer bohren, um an diesen zu gelangen. Man geht heute höhere Risiken ein, um Erdöl zu gewinnen. Man sucht heute Erdöl in (beispielsweise arktischen) Regionen, die bislang von der Erdölförderung verschont blieben. Wir glauben, dass man diese heutigen Umstände der Erdölbeschaffung durchaus als „Jagd nach Erdöl“ umschreiben kann.
Zu konkreten Punkten der Kritik:
Herr X kritisiert, dass wir die Schadensereignisse nicht mit der gesamten Ölförderung und dem Transport verglichen (also relativiert) hätten. Selbstverständlich kommt es bei den meisten Tankertransporten nicht zu Unfällen. Doch immerhin kam es seit 1960 zu über 70 bedeutenden Ölunfällen bei Tankertransporten. Laut Schätzungen fliessen infolge von Tankerunfällen jährlich rund 100‘000 Tonnen Öl ins Meer. In unserem Dok haben wir auf einige dieser Unfälle aufmerksam gemacht. Diese Unfälle hatten – und haben – oft katastrophale Schäden zur Folge.
Herr X kritisiert, dass wir keine Beispiele befriedigender Schadensregulierungen erwähnt hätten. Wir haben den Unfall der Exxon Valdez vom März 1989 näher betrachtet, weil dies der bislang verheerendste Ölunfall war und weil diese Katastrophe auch bezüglich der Schadensregulierung zu einem Prüfstein für die Ölwirtschaft geworden ist. Exxon hat anfänglich versprochen, alle Schäden zu vergüten. Doch anschliessend kam es während 20 Jahren zu langwierigen, prozessualen Auseinandersetzungen, viele der betroffenen Fischer fühlen sich heute von Exxon um eine faire Abgeltung betrogen, noch heute finden sich Ölreste im betroffenen Gebiet. Es gibt wohl auch Beispiele befriedigender Schadensregulierung, doch der wichtige Fall der Exxon Valdez ist nach Ansicht der Betroffenen kein solches Beispiel.
Herr X kritisiert, dass im Film zu wenig deutlich werde, dass der historisch beispiellose Wohlstandsgewinn durch Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle möglich geworden sei. Diese Kritik trifft unserer Ansicht nach nicht zu. Bereits der Untertitel („Vom hohen Preis des Wohlstandes“) weist auf diesen Zusammenhang hin. Und auch im Film wird Erdöl als „wichtigster Antriebsstoff“ des Wohlstandes bezeichnet.
Herr X kritisiert, dass der Film den Eindruck erwecke, Erdöl werde immer knapper. Doch dies trifft unserer Ansicht ja gerade zu: Mittelfristig betrachtet wird Erdöl knapper. Erdöl ist eine nicht erneuerbare Energiequelle, ein endlicher Rohstoff. Die Anstrengungen müssen immer intensiver werden, um an diesen Rohstoff zu gelangen. Man greift heute, wie der Erdölgeologe Walter Ziegler im Film sagt, „in die untersten Schubladen“. In diesem Zusammenhang kritisiert Herr X auch, dass der Film die Peak Oil-Theorie erläutere. Um was geht es da? Peak Oil heisst nichts anderes, als dass die Ölförderung zu einem Zeitpunkt ein Maximum erreichen und danach sinken wird. Diese Theorie ist im Prinzip unbestritten – auch in der Erdölwirtschaft, wie ja auch die Diskussion in der von Herrn X gelobten SF-Sendung „Club“ zeigte. Es liegt in der Natur dieses endlichen Rohstoffes, dass er einmal zur Neige gehen wird. In den USA, während 100 Jahren grösster Ölproduzent der Welt, ist dieser Peak im Jahre 1970 erreicht worden, in zahlreichen anderen Ländern ist dies mittlerweile ebenfalls geschehen. Die Streitfrage ist nun, wann ist das globale Fördermaximum erreicht? Da gibt es unterschiedliche Ansichten, wie wir in unserem Dok gezeigt haben. Aber ob dieser Peak Oil nun in zehn Jahren oder in zwanzig Jahren erreicht wird, ist unseres Erachtens zweitrangig. Ungemütlich ist es so oder so, dass Erdöl in absehbarer Zeit ein kostbares Gut werden wird, welches kaum mehr als billiges Antriebsmittel für Motoren oder als Heizmittel verwendet werden kann. Davor die Augen zu verschliessen, wäre nicht nur journalistisch naiv.
Herr X kritisiert, dass im Film zwei Mitglieder von ASPO zu Wort gekommen sind. Dies trifft tatsächlich zu, Herr Ganser und Herr Ziegler sind Mitglieder von ASPO. Wir haben diese beiden Fachleute jedoch nicht beigezogen, weil sie Mitglieder von ASPO sind (dies war uns anfänglich gar nicht bewusst), sondern weil sie in ihren Fachbereichen viel zu der von uns behandelten Thematik beitragen konnten. Wir betrachten es nicht als Problem, dass die beiden Interviewten Mitglieder von ASPO sind, denn was ist die ASPO überhaupt? Dabei handelt es sich um eine internationale Diskussionsplattform, gegründet von Erdölgeologen, um das Phänomen des Peak Oil zu debattieren. Es ist weder eine kommerzielle Lobby-Organisation, noch ist es eine ideologische Propagandavereinigung. Das ist schon daraus ersichtlich, dass das politische Spektrum der rund 20 eidgenössischen Parlamentarier, die als ASPO-Mitglieder dieser Diskussionsplattform angehören, von bürgerlich (Hannes Germann, SVP, Filippo Leutenegger, FDP, Reto Wehrli, CVP) bis links-grün (Susanne Leutenegger Oberholzer, SP, Daniel Vischer, Grüne) reicht.
Herr X kritisiert ferner, dass als Autor des Filmes gar noch ein drittes ASPO-Mitglied in unserem Dok mitgewirkt habe, nämlich der im Abspann genannte Basil Gelpke. Gelpke ist deshalb im Abspann aufgeführt, weil wir rund 7 Minuten aus seinem Dokfilm „The Oil Crash“ verwendet haben. (Ein Kino-Dokfilm übrigens, der mehrfach ausgezeichnet worden ist.) Bei aktuell produzierten Dokfilmen verwenden wir stets Material aus bestehenden Filmen, anders wären solche aktuellen Vorhaben gar nicht zu machen. Wir haben für den Öl-Dokfilm noch Material aus weiteren Filmen verwendet (beispielsweise aus einem Dok über das Mississippi-Delta oder Teile aus einem Cash-TV-Beitrag über Aktivitäten der norwegisch-schweizerischen Ölfirma Interoil in Kolumbien). Für die Verwendung dieser Ausschnitte werden Rechte erworben und abgegolten. Solche Teile werden dann verwendet, wenn sie thematisch und dramaturgisch in unser Konzept passen und wenn wir uns diese Ausschnitte preislich leisten können (was nicht immer der Fall ist). In jedem Fall bleibt die journalistische Verantwortung für das Gesamtwerk bei uns. Im Falle von schweizerischen Filmen haben wir die entsprechenden Autoren (eben Basil Gelpke und Stephan Hille von Cash-TV) im Sinne einer Würdigung im Abspann erwähnt. Keinesfalls hat Basil Gelpke weiteren Einfluss auf unseren Dokfilm gehabt, er hat unseren Dokfilm vor der Ausstrahlung auch nicht gesehen.
Herr X behauptet, in unserem Dok kämen „keine Vertreter der Mineralölwirtschaft“ zu Wort. Das ist grotesk. Walter Ziegler ist einer der erfahrensten Erdölgeologen der Schweiz, er war ein Arbeitsleben lang für grosse Erdölfirmen tätig, hat auf der ganzen Welt Quellen erkundet. Auch wenn er mittlerweile pensioniert ist, bleibt er, allein aufgrund seiner Biographie, ein Mann der Erdölwirtschaft. René Graf ist in der Geschäftsleitung der norwegisch-schweizerischen Ölgesellschaft Interoil, einem mittelgrossen Ölproduzenten mit Förderanlagen in Peru und Kolumbien, der daran ist, Off-Shore-Bohrungen in Angola zu starten. Herr Graf, zuvor für grosse Ölmultis tätig, ist ein erfahrener Erdölgeologe, ein sehr kundiger Vertreter der Mineralölwirtschaft. Wir waren glücklich, mit diesen zwei Schweizer Gesprächspartnern kompetente Ölfachleute gefunden zu haben. Herr X ist offenbar verärgert, dass er als Vertreter der Schweizer Erdöl-Vereinigung (eine Vereinigung in erster Linie der Ölimporteure und -händler) nicht für diesen Dokfilm beigezogen worden ist. Wir haben das in Erwägung gezogen, doch uns dann entschieden, unsere Gesprächspartner nicht beim Schweizer Ölhandel, sondern auf Seiten der Produzenten, bei den „Quellen“ zu suchen, weil wir nur dort Informationen aus erster Hand über die heutige Ölförderung bekommen konnten. Herr X hat im Schweizer Fernsehen im Übrigen sehr oft Gelegenheit, seine Ansichten über das Ölgeschäft kundzutun. Seit 1994 sind in 88 Beiträgen Stellungnahmen und Statements von ihm ausgestrahlt worden.
Herr X behauptet, wir hätten eine „wahrlich apokalyptische Darstellung“ der Erdölindustrie geboten. Das finden wir nicht. Wir glauben, dass wir massvoll und sachgerecht über die Probleme der Erdölgewinnung berichtet haben. Das wahre apokalyptische Potenzial dieses Themas liegt nicht darin, dass die Zukunft der Fliegerei ungewiss ist, sondern im Problem der künftigen Ernährung der Weltbevölkerung. Dieses Problem haben wir nur knapp gestreift, dabei hätten wir hier ein wahrlich apokalyptisches Bild zeichnen können, wenn es uns nur um Angstmacherei gegangen wäre. Denn bis heute weiss kaum jemand, wie die Weltbevölkerung dereinst ohne das billige Benzin für die Motoren und die Petrochemie ernährt werden kann. Nein, uns ging es nicht darum, auf simple Weise Angst zu machen, im Gegenteil, wir haben den Film mit einem Augenzwinkern, mit den historischen Bildern der autofreien Sonntage aus dem Jahre 1973, untermalt mit leichtfüssiger Musik, zu Ende gehen lassen.
Selbstverständlich sind wir gerne bereit, die von Herrn X vorgeschlagene Diskussion zu führen, falls diese für notwendig und sinnvoll gehalten wird.“
3. So weit die Stellungnahme von Herrn Christoph Müller, Redaktionsleiter „Dokumentarfilme und Reportagen“ des Schweizer Fernsehens. Nachdem Sie diese Stellungnahme zur Kenntnis nehmen konnten, haben Sie mir mitgeteilt, dass deren Inhalt bei Ihnen „eher das Gegenteil der erhofften Besänftigung bewirkt“ habe. Sie haben mich somit gebeten, die angestrebte Aussprache zu organisieren.
Die Begegnung fand am 30. Juni 2010 in Zürich statt und dauerte von 15.30 bis 17 Uhr. Unter meiner Leitung haben seitens des Schweizer Fernsehens der Redaktionsleiter „Dokumentarfilme“, Herr Christoph Müller, und der Produzent des von Ihnen beanstandeten Beitrages, Herr Beat Bieri, sowie Sie selber als Vertreter der Erdöl-Vereinigung teilgenommen.
Wie von Ihnen gewünscht, war es möglich, die gegenseitigen Standpunkte zu diskutieren und zu vertiefen und verschiedene, offene Fragen zu klären. Ihr Anliegen wurde somit erfüllt und Sie haben ausdrücklich bestätigt, dass die Angelegenheit für Sie damit erledigt ist.
4. Ich bitte Sie, das vorliegende Schreiben als meinen Schlussbericht gemäss Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes RTVG entgegenzunehmen. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI (Monbijoustrasse 54A, Postfach 8547, 3001 Bern) orientiert Sie der beiliegende Auszug aus dem Bundesgesetz über Radio und Fernsehen.
Ich stehe gerne zu Ihrer Verfügung und grüsse Sie freundlich
Achille Casanova




