Warum sind die Radio- und TV-Gebühren in Deutschland tiefer als in der Schweiz?

In Deutschland beläuft sich der «Rundfunkbeitrag» auf 210 Euro (etwa CHF 245) pro Jahr und Haushalt. Die Radio- und TV-Gebühr in der Schweiz ist mit CHF 451 (bzw. ab Januar 2019 noch CHF 365) deutlich höher. Doch der erste Eindruck täuscht, denn die Leistung dieser beiden öffentlichen Medienhäuser ist schwer zu vergleichen:

  1. Im Unterschied zum nördlichen Nachbar produziert die Schweiz ein Vollprogramm in vier Sprachen. Der Aufwand dafür ist natürlich ungleich grösser, als wenn das Programm nur in einer Sprache produziert werden müsste.
  2. In Deutschland leben rund zehn Mal mehr Menschen als in der Schweiz, weshalb die sogenannten «Rundfunkbeiträge» pro Kopf bzw. pro Haushalt tiefer sind als in der Schweiz. Das Gesamtbudget der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland beträgt 8 Milliarden Euro. Die SRG muss mit weit weniger Geld zurechtkommen (rund 1.6 Milliarden Franken).
  3. Kosten stehen immer in einem Verhältnis zur Kaufkraft – und diese ist in der Schweiz deutlich höher als in Deutschland.

Am 4. März 2018 stimmen wir über die Eidgenössische Volksinitiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren (Abschaffung der Billag-Gebühren)» ab. Die Initiative will gebührenfinanzierte Medien verfassungsrechtlich verbieten. Die Abstimmung richtet sich allerdings nicht nur gegen die Empfangsgebühren (auch «Billag-Gebühr» genannt), sondern stellt die grundsätzliche Frage, ob die Schweiz künftig noch einen öffentlich getragenen Service public haben soll, oder nicht.