«Für die Musik steht mehr als die SRG auf dem Spiel»
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«Für die Musik steht mehr als die SRG auf dem Spiel»

Entgegen der Aussage in einigen unfair konzipierten Artikeln in der Sonntagspresse: Der Kampf gegen die No-Billag-Initiative hat in der Musikszene eine nie dagewesene Mobilisierung ausgelöst. Das hat viele Gründe. Ein Gastkommentar von Christoph Trummer, Musiker sowie Co-Präsident und Leiter der politischen Projekte SONART – Musikschaffende Schweiz.

«Es geht nicht primär, aber irgendwann auch um Geld: Aus all diesen Sendegefässen fliesst durch den Gebührentopf der SRG ein relevanter Teil der Einnahmen aus Urheber- und Interpretenrechten für Schweizer Künstlerinnen und Künstler. Einnahmen, die von Privaten nicht ersetzt würden, weil sie kleiner sind und grösstenteils viel weniger Schweizer Musik spielen. Die Charta der Schweizer Musik, die seit über zehn Jahren zwischen der SRG und den Musikverbänden verhandelt wird, hat zu vielen dieser bemerkenswerten Resultate entscheidend beigetragen.

Mit der Abschaffung der Gebührenpflicht wäre auch diese Charta hinfällig: Die angemessene Berücksichtigung des einheimischen Musikschaffens im Programm ist an das staatliche Geld geknüpft. Aber es gibt auch komplexere Gründe für die Sorgen in der Musikszene: Der internationale Wettbewerb macht aus dem grössten Teil der Schweizer Musik ein Spezialinteresse. In der kleinen Schweiz lassen sich Sendungen zu Spezialinteressen nicht mit Werbegeldern finanzieren. Es ist bezeichnend, dass es solche Sendungen bei den privaten Radiomachern fast ausschliesslich dort gibt, wo auch Gebührenanteile fliessen. Kein einziger Privatsender ohne Gebühren bemüht sich um klassische Musik, Jazz oder Electronica, für alternative Musik, die nicht ins massentaugliche Tagesprogramm passt.

«Der internationale Wettbewerb macht aus dem grössten Teil der Schweizer Musik ein Spezialinteresse. In der kleinen Schweiz lassen sich Sendungen zu Spezialinteressen nicht mit Werbegeldern finanzieren.»

Hier und dort setzen sich UNIKOM-Stationen ein, die aber ebenfalls 50 Prozent ihres Budgets aus den Gebühren erhalten. Hier wird also von der SRG zusammen mit den Halbprivaten dank der Gebühren ein echter Service public erbracht: Ein Angebot, das sich anders als solidarisch nicht finanzieren liesse in unserem kleinen Land. Auf diversen Plattformen kann man bei den Statements der Musikerinnen und Musiker sehen, dass sie – noch vor dem eigenen Sendeplatz und Portemonnaie – oftmals gerade diese Idee der Solidarität hinter der Service-public-Gebühr verstehen und verteidigen. Denn dort haben wir alle gemeinsam am meisten zu verlieren.»

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Text: Magazin LINK/Christoph Trummer, Musiker sowie Co-Präsident und Leiter der politischen Projekte SONART – Musikschaffende Schweiz

Bild: Portrait Christoph Trummer, Peter Mosimann; Portrait Büne Huber, Michael Schaer

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  1. Ursula Matter 13.02.2018 18:27

    Ich fühle mich - für mein Land und persönlich - bedroht von engstirnigen und egoistischen Menschen, die unsere gewachsene, weitsichtig und mit Liebe gepflegte Kultur auf allen Ebenen für die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Interessen willkürlich zerstören wollen.

  2. Ursula Matter 13.02.2018 18:33

    Im Nachgang zu meinem eben gesandten Kommentar möchte ich betonen, dass ich Rudi Matter weder kenne noch (meines Wissens) mit ihm verwandt bin.