«Youngbulanz»: Wer kennt’s?
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«Youngbulanz»: Wer kennt’s?

Der Bildungsauftrag des SRF ist in der Verfassung festgeschrieben. Was aber sind zeitgemässe Formate, die zudem bei der Zielgruppe ankommen? Darüber diskutierten gestern Abend Schülerinnen und Schüler mit den Machern und den Expertinnen.

Die SRG Aargau Solothurn lud gestern Abend an die Fachhochschule Nordwestschweiz nach Brugg-Windisch zum Feierabendgespräch zum Thema Bildung beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Auf dem Podium diskutierten Nicole, Gema, Valentina, Chantal, Delia und Marco (Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Zufikon) mit Martina Burkard, Sekundarlehrerin, Prof. Dr. phil. Thomas Merz, Prorektor Forschung und Wissensmanagement Pädagogische Hochschule Thurgau, Medienpädagoge, und Stefano Semeria, seit kurzem Leiter Unterhaltung SRF und zuständig für die jungen Zielgruppen. Geleitet wurde das Gespräch von Peter Moor-Trevisan, Präsident der SRG AG SO.

Zum Beispiel «Dr. Bock»
Die Klasse der Sekundarschule Zufikon hatte in den letzten Wochen verschiedene Formate von SRF angesehen und ihre Rückmeldungen dazu filmisch festgehalten. Als Einstieg in das Gespräch wurde ein Beitrag von «Dr. Bock» (Online-Serie mit Beiträgen zum Thema Aufklärung) zum Thema Pubertät von Jungen eingespielt. Darauf folgte das Video mit der Rückmeldung von Vanessa und Marco. «Der Film ist technisch gut gemacht», meinte Marco. «Ich fände es aber sinnvoll, wenn nicht eine Frau und ein Mann die Sendung machen würden, sondern bei Männerthemen ein Mann und bei Frauenthemen eine Frau da stünde», war die Kritik von Vanessa.

Insgesamt beurteilten die Schülerinnen und Schüler die Reihe «Dr. Bock» als gut. Ein relevanter Einwand allerdings kam von Valentina: «Wir Junge suchen oft im Internet nach spezifischen Themen, auch zu Sexualität, wir suchen dabei aber nicht unbedingt beim SRF.» Und dieser Einwand führte automatisch zur Frage, die den Abend prägte.

Wie erreicht man die junge Zielgruppe?
Merz ist überzeugt, dass SRF in der jüngsten Zeit sehr viele sehr gute Formate entwickelt hat. «Ich würde mir erhoffen, dass hier Pädagogen und Macherinnen sich stärker vernetzen und die Formate eingebettet würden in aktuelle Lehrmittel. Denn mit dem obligatorischen Unterricht zur Medienkompetenz, den der Lehrplan 21 vorschreibt, ist die Ausgangslage dazu ideal.» Semeria bestätigte: «Das ist genau der Punkt, die Distribution der Formate ist schwierig, daran müssen wir noch arbeiten.»

Die Schülerinnen und Schüler waren sich aber einig, dass die Einbindung von Influencern in den neusten Formaten von SRF gelungen ist und zu mehr Reichweite der Formate beitragen kann. «Diese Influencer müssten aber auf ihren Instagram-Accounts oder Youtube-Kanälen die Verknüpfung herstellen», sagte Gema, «so kämen die Jungen eher zu SRF». Semeria wies jedoch auf ein besonderes Problem beim Engagement der Influencer hin: «Wir bezahlen die Influencer für ihre Arbeit, die sie für uns leisten, wir sind aber nicht immer bereit, für die Verlinkung  auf ihren Accounts oder Kanälen etwas zu bezahlen.»  

Ein viel kritisierter Punkt ist die Sprache, denn die Formate von SRF sind in Mundart gesprochen. «Jugendkultur ist sprachgebunden», stellte Semeria klar. «Wir verwenden deshalb die Mundart, denn unser Rahmen ist nicht das Klassenzimmer.»

Ist der Bildungsauftrag des SRF zeitgemäss?
Die Angebote von SRF werden von Lehrpersonen geschätzt. «Ich bin froh um die Angebote von SRF, denn bei diesen Beiträgen weiss ich, dass sie inhaltlich stimmen und vertrauenswürdig sind», sagte Burkard. «Ich kann einzelne Beiträge in den Unterricht einbetten, und ich kann sie mit gutem Gewissen weiterempfehlen.» Merz teilte diese Haltung: «Dieses Verständnis muss durch die Medienkompetenz geschult werden. Weshalb schaue ich etwas? Weil es mich interessiert oder weil es für mich wichtig ist?» Auch Semeria sieht den Bildungsauftrag als wichtig und zudem als spannende Herausforderung für SRF: «Es geht in unseren Formaten viel um Wertevermittlung, was ich als sehr wichtig erachte. Der Lerneffekt ist aber nur da, wenn die Inhalte mit Emotionen verbunden werden.» Denn Semeria ist überzeugt: «Man lernt nur, wenn man dabei auch lacht.»

Bildlegende:
Von links: Nicole, Gema, Valentina, Chantal, Delia und Marco, Martina Burkard, Thomas Merz, Stefano Semeria und Peter Moor-Trevisan.

 

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