Vorname, Name Esther Hüsler Alter im Januar 63 Wohnort Olten Beruf/Haupttätigkeit Redaktorin Mitglied SRG AG SO seit 1995

11 Fragen an Esther Hüsler

1. Warum sind Sie der SRG Aargau Solothurn beigetreten?
Ich war schon immer fleissige Hörerin von Echo der Zeit, Rendez-vous am Mittag und später Regionaljournal. Auch habe ich von jung an Fernsehen geschaut, vor allem die politischen Gefässe wie Tagesschau und Rundschau sowie Krimis und Sport. Ich bin aber erst über meine neue berufliche Position 1995 in den Vorstand der damaligen RFGAS gekommen und habe gerne im Gremium mitgearbeitet. Wir haben versucht, die Diskussion um die Weiterentwicklung der Medien in die Breite zu tragen und die Trägerschaft bekannter zu machen. Das ist uns mit dem Wahltelefon oder der Schaffung des Medienpreises Aargau/Solothurn auch gelungen. Aus wettbewerbspolitischen Gründen war das Amt leider mit meiner Haupttätigkeit nicht mehr vereinbar.

2. Was ist Ihr Lieblingsprogramm, Ihre Lieblingssendung von Radio oder Fernsehen SRF?
Nach wie vor bin ich ein Fan des Echos der Zeit; am Sonntag über Mittag höre ich gerne die alten Hitparaden und abends das Country special. Und um 7:40 Uhr hat Morgenstund hat Gold im Mund (wahrscheinlich, weil es bei mir eher Blei ist). Auch Hörspiele finde ich toll – hoffentlich habe ich nach meiner Pensionierung etwas mehr Zeit dafür. Am Fernsehen sind es live-Sport sowie gut gemachte Krimis und Filme, halt oft alte Arthouse-Klassiker.

3. Gibt es bei anderen Anbietern noch etwas, das Sie lieber sehen oder hören?
Titel, Thesen, Temperamente; kultur aktuell, Capriccio, artour und wie die Kultursendungen auf den dritten deutschen Senderketten auf den dritten deutschen Sendekanälen. Das sind gut gemachte Kultursendungen. Auch den Weltspiegel auf der ARD möchte ich nicht missen. Klein, aber fein finde ich Karambolage auf Arte. Dort ist auch die Filmauswahl häufig nach meinem Geschmack.

4. Wie haben sich Ihre Mediengewohnheiten in den letzten Jahren verändert?
Ich höre wieder mehr Radio; auch dadurch bedingt, dass ich in Coronazeiten mehr Auto fahre und zuhause arbeite. Seit man auf dem Handy fernsehen kann, schaue ich mir auch hier und da etwas unterwegs an. Mit den Sendelisten switche ich auch häufiger zwischen den Sendern hin und her oder schaue fast parallel. Replay brauche ich aktuell nicht, es kommt immer irgendwo etwas, das mich interessiert. Aber als Alternative zu Aufnahmen, die dann doch nur auf alten Bildträgern verrotten, ist es etwas sehr Praktisches. Wer weiss, ob ich im Ruhestand, doch häufiger darauf zurückgreifen werde?

5. Haben Sie sich jemals bei SRF oder beim Ombudsmann beschwert?
Wenn ja: Waren Sie mit der Antwort zufrieden?

Ich habe mich noch nie beschwert, lese aber immer die Berichte des Ombudsmanns/der Ombudsstelle. Letztens war wieder einmal eine Beanstandung, die sie gut geheissen hat. In der Tat hatte mich das Dekor beim Interview mit Roger Federer auch gestört und ich hatte mich gefragt, was das soll. Aber zum Beschweren hat es dann doch nicht ganz gereicht.

6. Freuen Sie sich auf die weitere Entwicklung in der Medienwelt oder haben Sie eher Bedenken? Weshalb?
Als jemand, der sich ein Leben lang mit Medien beschäftigt und auch aktiv Inhalte gestaltet, muss man mit der Entwicklung Schritt halten. Wir haben ja fast als erste Teilgesellschaft darüber diskutiert, was die Digitalisierung für die Medien heisst. Als politischer Mensch machen mir die Sparübungen, das Verschwinden von gestandenen Medien und die zunehmende Konzentration schon Mühe und ich frage mich, wie ein politischer Diskurs geführt werden soll, wenn es keine Plattform mehr gibt, auf der sich alle treffen. Doch die Welt dreht sich weiter und bremsen bringt nichts. Die demokratische Meinungsbildung wird sich ihre Plattformen schaffen; jede Generation hat da ihre Formen und wird sich auch für die Zukunft wehren.

Was mich beschäftigt ist die Nabelschau, die sich mit der zunehmenden Konzentration auf die eigene "Bubble", die eigene Strasse, die eigene Stadt, den eigenen Staat immer mehr herauskristallisiert. Für uns waren Radio, Fernsehen, grosse Zeitungen, auch das Internet, ein Mittel in die weite Welt zu schauen und uns dafür zu interessieren, wie andere Menschen die Probleme lösen, die sich ihnen wie uns stellen. Und wir wollten viele Bilder von Unbekanntem sehen. Das hat sich verändert: Viele suchen überall das, was sie kennen.

Bedenklich finde ich, dass Information als selbstverständlich genommen wird und nicht mehr geschätzt wird, was journalistisches und künstlerisches Schaffen braucht und kostet. Dies steht der Gratismentalität entgegen, aber auch einem betriebswirtschaftlichen Denken, das sich im Sparen erschöpft.

7. Wie möchten Sie selbst auf diese Entwicklung einwirken und was möchten Sie damit erreichen?
Ich selber konsumiere weiterhin klassisch linear und gedruckt, solange dies möglich ist. Ich bezahle auch dafür. Ein öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen werde ich unterstützen, solange es mir, dem ganzen Land und allen Alters- und Sprachgruppen den Austausch ermöglicht. Und ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen. Deshalb bin ich noch in der Trägerschaft. Aber natürlich lebe ich nicht im Gestern: ich suche mir Informationen auch online zusammen und bin froh, Inhalte wieder zu finden. Die Zugänglichkeit der Archive ist toll und auch ein Projekt wie Memoriav, das Filmmaterial als Kulturgut sichert. Und ich finde es spannend, mit was sich junge Leute beschäftigen und welche Ausdruckformen sie finden. Ich werde an der Diskussion dranbleiben und bin gespannt, wie sich die Diskussion in den nächsten Jahren Bann bricht.

8. Können Sie uns ein Buch, einen Film, ein Musikstück empfehlen?
Das sind die gefürchteten Fragen: Ich bin ein breiter Konsument von Literatur, Film und Musik und ich finde es immer schwierig, andern Leuten eine Lektüre, einen Film oder Musik zu empfehlen. In jeder Situation eignet sich etwas anderes.

9. Was fehlt Ihnen zum Glück?
Nichts – ich bin gesund, neugierig, höre und sehe gut, bin mobil. Und ich habe einen lieben Familien- und Freundeskreis um mich. Im Moment muss man halt mehr telefonieren und schreiben, aber die Zeit kommt auch wieder, in der man reisen und die Kontakte direkt pflegen kann.

10. Wie viel Heimat brauchen Sie?
Über den Heimatbegriff lässt sich ausgiebig philosophieren. Spontan würde ich sagen: wenig. Aber ich fühle mich gerne zu Hause; ich merke, dass mir Werte, die als typisch schweizerisch gelten, wichtig sind, Zuverlässigkeit zum Beispiel. Ich schätze die rechtliche und verfassungsmässige Sicherheit in der Schweiz, die Vielsprachigkeit, die Jahreszeiten, die Traditionen im Jahresablauf – aber wahrscheinlich könnte ich mich an vielen Orten auf der Welt zu Hause fühlen. Wichtig sind die Menschen, die unser Leben teilen, mit denen wir älter werden und die nächsten Generationen, die ihre Welt gestalten müssen.

11. Möchten Sie unsterblich sein?
Nein!