Inside SRF Kultur: Dem «Public Value» auf der Spur

Jahrzehntelang war das Zauberwort «Service public» eine Art terminus technicus, um Institutionen mit ihren öffentlichen Leistungen (z.B. Schulen, Bahn, Bus, Spitäler, Medien) zu legitimieren. Auch die SRG SSR mit ihrem landesweiten Programmauftrag wurde immer wieder über diesen Begriff etikettiert und definiert. Die wirtschaftsliberalen Entwicklungen mit ihren globalen und technologischen Implikationen der letzten Jahre aber bringen neuerdings einen Begriff zur Daseinsrechtfertigung von Kultur und Medien, der weniger die Leistung, als vielmehr den Wert des Angebots für die Menschen mit ihren immer individuelleren Ansprüchen in der Gesellschaft betont: «Public Value». Eine weitere Wortklauberei im Dschungel der Legitimationsdebatte? Nicht unbedingt.

«Public Value» bezeichnet den messbaren Nutzen, den eine Organisation erbringt. Entscheidend ist das neue Verständnis von «Wert»-Schöpfung, die erst durch Wertschätzung und gesellschaftliche Akzeptanz entsteht. Damit wird die gesellschaftsstabilisierende oder auch -verändernde Funktion von Organisationen betont. In der Praxis wurde das Public Value-Konzept besonders von öffentlichen Rundfunkanstalten aufgenommen. Diese sehen sich zunehmend gezwungen, ihre Finanzierung durch öffentliche Gelder mit ihrem Gemeinwohlbeitrag zu legitimieren.

Und was hat das mit der Inbetriebnahme des neuen SRF-Kulturstandorts und -Kompetenzzentrums in Basel zu tun? Viel. Der neue Medienbetrieb wird sich nämlich neu weniger an Quoten und althergebrachten Qualitätskriterien, sondern an der Leistung seines Nutzens und Wertes orientieren müssen. Und dies hat zwangsläufig Auswirkungen auf die regionale Kulturszene, die sich trotz des breiten Angebots, aber gleichzeitig knapperer öffentlicher finanzieller Mittel selber mehr um ihren Nutzenbeitrag und damit ihre Legitimation bemühen muss. Reicht der Nachweis der schieren Tradition nicht mehr? Vermutlich nicht. Die Debatte um die künftige Museumspolitik ist ein Indiz dafür. Und der jüngste Hinweis des Theaterdirektors, dass nur wer viel und oft und über den Rahmen seines Abo-Publikums hinaus spielen kann und will, den öffentlichen Auftrag wirklich erfüllt, erst recht.

Niggi Ullrich, Präsident SRG Region Basel

veröffentlicht in der PogrammZeitung, Ausgabe Januar 2019