Programmkommission: Ungleichgewicht in der Berichterstattung über Stadt und Land und spielerische Begegnung mit dem Thema Buch

Das PK-Jahr 2017

  • 30.01. Im Fokus: Berichterstattung von Radio SRF 2 Kultur zu den «Solothurner Filmtagen»
  • 30.03. Programmbeobachtung des Regionaljournals BS BL zur Gewichtung der Beiträge zwischen Basel-Stadt und Baselland
  • 28.08. Weiterbildung mit Prof. Vinzenz Wyss der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft zum Thema «Wie misst man Qualitätsjournalismus?»
  • 17.10. Offene Programmbeobachtung mit Schülern des Gymnasiums Liestal zur "Jugendtauglichkeit" des Regionaljournal BS BL
  • 07.12. Programmbeobachtung von Beiträgen über das Internationale Literaturfestival «Buch Basel» seitens SRF 2 Kultur

Umtriebigkeit bietet nur bedingte Orientierung

Nach einer Einführung des zuständigen Redaktors zum Engagement der SRG SSR an den Solothurner Filmtagen hat die Programmkommission (PK) entsprechende Beiträge von Radio SRF 2 Kultur besprochen. Im Besonderen nahm sie das Setting und die Themenwahl der mit Gästen aufgenommenen «Kontext»-Sendung unter die Lupe und kam zum Schluss, dass weniger auch mehr sein kann. Die PK vertrat die Auffassung, dass eine kürzere Sendedauer und weniger Gäste dem Gespräch mehr Substanz gebracht hätten. Das Ganze wirkte aufgesetzt und theoretisch, vermisst wurde Festival-Atmosphäre. Der Hörer wurde nach Meinung der PK-Mitglieder nicht abgeholt. Demgegenüber gestalteten sich die flankierenden Sendungen informativ, unkompliziert und wirkten deshalb auf die Hörerschaft auch ein gesundes Mass lebendiger. Positiv aufgefallen ist der PK auch die umfassende Online-Berichterstattung . Angesichts der medienpolitischen Debatte wurde allerdings die Sichtbarmachung der Rolle der SRG als Förderin der Schweizer Filmproduktion und Partnerin des «pacte de l’audiovisuel» vermisst.

Tiefgründigere Berichte zu städtischen Themen

Zusammen mit dem externen Gast Jan Amsler, stellvertretender Chefredaktor der Sissacher «Volksstimme» , hat die PK über eine Zeitspanne von zwei Wochen den Versuch unternommen, herauszufinden wie ausgewogen das Regionaljournal über Basel-Stadt und Baselland berichtet. Die PK ging mit der von Jan Amsler eingebrachten Einschätzung einig, dass das Herz des Regi-Teams in Bezug auf die Themenwahl eher für den Stadtkanton zu schlagen scheint. Dieser Eindruck entsprang der Gewichtung von News, Reportagen und Dialekt, obschon die Redaktion nach eigenen Angaben darauf achtet, beide Kantonsteile in etwa gleich zu berücksichtigen. Zudem fiel auf, dass die Art und Qualität der Berichterstattung nicht immer vergleichbar war, was zu Bedenken Anlass gab, zumal das Regionaljournal BS BL das einzige elektronische Medium ist, welches die Region in ihrer Ganzheit abdeckt. Dennoch spürte man, dass der Wille der Redaktion da ist und basellandschaftlichen Themen durchaus mit dem nötigen Ernst begegnet wird.

Dem Thema Buch auf spielerische Art begegnen

Mit der Beobachtung der Beiträge über das Internationale Literaturfestival «Buch Basel» ging die PK der Frage nach, welchen Stellenwert die Literatur in der SRF-Berichterstattung hat. Im Fokus stand die Live-Übertragung der Buchpreisverleihung mit der Spoken Word Künstlerin Patti Basler als Studiogast. Mit ihr setzte die Redaktion einen cleveren Gegenpol zu den eher abgehobenen Laudationes. Der enge Rahmen der Preisvergabe wurde so auf eine erfrischende Art und Weise aufgesprengt. Das Konzept wurde von der PK positiv aufgenommen: Insbesondere die Tatsache, dass mit der neuen Herangehensweise bewusst auch gespielt und nicht nur Selbstbeweihräucherung betrieben wurde. Die PK zeigte sich zudem beeindruckt von der Leistung des Redaktors, der trotz einer am Sender unbemerkt gegbliebenen technischen Panne professionell durch die Sendung geführt hatte.

Markus R. Bodmer, Präsident der Programmkommission SRG Region Basel


Personelles

Eintritte: Carole Ackermann ,
Austritte: Irene Kurzmeyer
«Irene Kurzmeyer war so etwas wie die Doyenne der Programmkommission. Ihre langjährige Treue gegenüber dem Gremium zeichnet ihr hohes Mass an Kollegialität, Neugier und Flexibilität aus. Wissend, dass in Bezug auf strukturelle Fragen nicht immer Konsens bestand, habe ich Irenes Mitarbeit stets geschätzt. Insbesondere wenn es darum ging, Sendungen und Programme aus dem Kulturbereich im Radio zu beurteilen, war sie unübertrefflich vorbereitet und hat mit ihren Voten massgeblich beigetragen, den VertreterInnen der Redaktionen ein nachhaltiges Feedback zu geben. Nicht vergessen möchte ich Irenes Initiative, Programmbeobachtungen mit einem jüngeren Publikum zu teilen. So ist es ihr zu verdanken, dass wir mittlerweile einmal pro Jahr den Austausch mit einer Mittelschulklasse pflegen. Ein massgebender Schritt, um den Realitäten des modernen Medienkonsums Rechnung zu tragen.»

Markus Bodmer, PK-Präsident