Wie viel persönliche Perspektive darf sein?
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Wie viel persönliche Perspektive darf sein?

Das Format «Nouvo» von SRF bereitet politische und gesellschaftliche Themen so auf, dass sie für Jugendliche und junge Erwachsene interessant und verständlich sind. Doch was halten diese eigentlich davon? Genau diese Frage stand am zweiten SRG Lab in Luzern im Vordergrund – und Antworten gab es viele.

«Journalismus ist eine Form von Austausch – nicht nur auf Social Media, sondern auch im echten Leben», beginnt Sara Maria Manzo, Leiterin der Fachredaktion Fullscreen beim SRF. Sie ist am Freitagabend, 12. April 2019, in Luzern, um mit jungen Menschen über «Nouvo» zu sprechen. Sie hoffe, dass ihr Redeanteil von Beginn an kleiner sei als der des Publikums, scherzt sie und führt eine kleine Vorstellungsrunde ein. Das Publikum ist bunt gemischt, rund 15 interessierte Personen zwischen 18 und 35 Jahren sind heute anwesend. Es stellt sich raus: die meisten kennen «Nouvo» gar nicht!

Ein persönlicher Zugang zu Informationen

Das ändert sich mit der heutigen Diskussion. Zusammen werden der Instagram-Auftritt, verschiedene Stories und Videos von «Nouvo» angeschaut. Das Feedback fällt unterschiedlich, aber immer differenziert aus. Neben allgemeinen Eindrücken wie dem Erscheinungsbild und der Themensetzung sind auch technische Fragen ein grosses Thema: Inwiefern müssen Bild und Ton zusammenpassen? Soll der Ton alleine reichen, sodass man das Video auch als Audioformat geniessen kann oder sind die Bilder mehr als eine Unterstreichung des Gesagten? Diese Unklarheiten spielen in die übergeordnete Diskussion ein, die die Runde am meisten beschäftigt: Wie lässt sich der persönliche Zugang mit dem Einbringen von Fakten vereinbaren? Bei einem Video zum Klimawandel, in dem «Nouvo»-Mitarbeiter Michael seinen CO2-Ausstoss berechnet und schockiert Daten zu Flugreisen präsentiert, wird diese brisante Frage aufgeworfen. Manzo erklärt, dass sie Haltung zeigten, aber niemals eine Meinung vertreten – das würde gegen die Richtlinien des SRF verstossen. Das Publikum gibt wiederum das Feedback, dass auch die Fakten aus einer persönlichen Perspektive präsentiert werden müssten. Auch die Verbindung mit den vielen Archivbildern stört viele. Manzo nimmt das Feedback dankbar an: «Das ist ein perfektes Beispiel für die Diskrepanz zwischen unseren eigenen Präferenzen und denen des Publikums».

Kein Broadcast – und das Publikum bestimmt mit

Dass so intensiv über die Machart reflektiert wird, hat bei «Nouvo» nochmal eine andere Relevanz als bei anderen Formaten. Denn hier dürfen die MacherInnen besonders viel experimentieren. «Wir machen kein Broadcasting», betont Sara Maria Manzo immer wieder. Experimentieren und Entwickeln sind die Stärken der 37-Jährigen, die schon bereits das Jugendportal «Bento» vom «Spiegel» mitgegründet und «NZZ Video» aufgezogen hat.

Auch mit «Nouvo» hat sie viel vor: Das Format beschäftigt sich mit Themen, die gesellschaftspolitische Relevanz haben und hat den Anspruch, diese verständlich und für die Zielgruppe interessant und anschaulich zu erklären. «Nouvo» muss sich nicht an den Nachrichten orientieren, sondern kann frei Themen setzen. Ob Klimawandel, Kinderbetreuung oder Wut in der Politik – ihrer Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Nun wollen sie diese Freiheit etwas eingrenzen und einen Fokus setzen. «Bis Ende des Jahres wollen wir wissen, was wir machen», so Manzo. Ein wichtiger Faktor ist dabei das Einbeziehen der Community. So entstand auch unter einem Video zum Klimawandel eine Diskussion, ob es was nütze, wenn einzelne Personen sich engagieren – woraufhin «Nouvo» dieses Thema aufgriff und ein Video dazu machte.

Journalismus als Austausch wird bei «Nouvo» gelebt - Im konstanten Austausch mit der Zielgruppe wird es dem Format sicherlich gelingen, sich als eine beliebte Informationsquelle des SRF zu etablieren. Und wer sich lieber weiterhin über die traditionellen Nachrichtenformate des SRF informiert, konnte vor dem SRG Lab bei der Abendsendung des Regionaljournal Zentralschweiz dabei sein.

Ausgewählte Fotos der Veranstaltung können sich auf Facebook angeschaut werden.


Die Autorin dieses Beitrags, Sonja Gambon, ist Mitte 20 und lebt in Luzern. Sie studiert an der Universität Luzern Weltgesellschaft und Weltpolitik im Master und arbeitet nebenbei als freie Journalistin.


Auf dem Foto schauen sich die Teilnehmenden des SRG Lab vom 12. April 2019 in Luzern zusammen mit Sara Manzo von SRF eine Nouvo-Produktion an. Copyright: SRG Zentralschweiz

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