«Das Programm soll in dieser Woche anders tönen und aussehen»
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«Das Programm soll in dieser Woche anders tönen und aussehen»

Im Oktober übernehmen bei SRF eine Woche lang Laien das Ruder. 200 Franken pro Tag erhalten die 50 Personen aus dem Publikum für ihre Arbeit bei «10vor10» oder «Echo der Zeit». Projektleiter Dominik Stroppel spricht im Interview mit persoenlich.com über «Rechte und Pflichten» der Schnupperlehrlinge und sagt, warum «Tagesschau» und «Arena» keine betreuen. 

Herr Stroppel, mit der «Hallo SRF!»-Publikumswoche startet das Schweizer Radio und Fernsehen eine Transparenzoffensive (persoenlich.com berichtete). Ein weiterer Versuch, der No-Billag-Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen?
Dominik Stroppel: Seit zwei Jahren intensiviert SRF unter dem Motto «Hallo SRF!» den Austausch mit dem Publikum. Der Blick hinter die Kulissen entspricht einem grossen Bedürfnis der Zuschauer und Hörerinnen – gerade auch im Hinblick auf eine Abstimmung.
 
50 Mitarbeiter werden im Oktober während einer Woche für SRF tätig sein. Lesen die Redaktionen die Leute selbst aus oder macht dies die Marketingabteilung oder das HR?
Wie es bei «normalen» Stellenausschreibungen auch der Fall ist, liegt der abschliessende Entscheid bei den jeweiligen Redaktionen. Das Projektteam hilft bei der vorhergehenden Sichtung.
 
Für die Rekrutierung hat SRF einen Trailer produziert (siehe unten). Mit wie vielen Bewerbungen rechnen Sie?
Wir wissen von keinem anderen Medienunternehmen, das schon einmal ein Projekt dieser Art durchgeführt hat. Insofern können wir nicht auf Erfahrungswerte zählen und lassen uns überraschen.

Welche Kriterien spielen bei der Rekrutierung der sogenannten Publikumsmitarbeiter eine Rolle?
Bewerberinnen und Bewerber müssen ein Interesse an der Produktion von Radio- und Fernsehsendungen mitbringen, sie sollen Lust haben, mitzuwirken. Dabei dürfen sie durchaus auch SRF-kritisch eingestellt sein. Und natürlich ist es wie bei jeder Bewerbung: Eine gewisse Originalität hilft, sich von den anderen Anmeldungen abzuheben.
 
Die Feedbacks bei «Hallo SRF!» drehten sich bisher um Themen wie die Lautstärke der Moderationen oder die Musikauswahl am Radio. Diese Stimmen stammen von einem eher älteren Publikum, welches TV und Radio nur als Nutzerin oder Nutzer kennt. Haben solche Personen überhaupt eine Chance auf einen Kurzeinsatz bei SRF?
Unbedingt. Insgesamt suchen wir rund 50 Personen, die für ein paar Tage bei verschiedenen Redaktionen mitarbeiten. Das Angebot an möglichen Aufgaben ist sehr breit – und wir erhoffen uns ebenso breit gefächerte Anmeldungen.
 
Wahrscheinlich sind auch Bewerbungen von jungen Menschen, die bereits journalistische Erfahrungen haben und sich einen Job im Journalismus erhoffen. Die nehmt ihr wahrscheinlich mit Handkuss, oder?
Natürlich sind junge Bewerberinnen und Bewerber sehr willkommen. Die Redaktion «Kassensturz» sucht zum Beispiel Jusstudierende, welche die juristische Beratung in der Sendung übernehmen. Und bei Virus sind Jobs in der Redaktion und im Social-Media-Team zu vergeben. Bei «10vor10» suchen wir Publikumsmitarbeitende, die ihre Vision einer «Aktualitätssendung der Zukunft» umsetzen möchten: Das müssen nicht zwingend junge Menschen sein, aber natürlich erhoffen wir uns erfrischende und junge Ideen.   
 
Die Publikumsmitarbeiter sind 3,5 Tage für SRF im Einsatz und erhalten dafür laut Mitteilung ein «kleines Honorar» sowie eine Reisespesenentschädigung. Wie hoch wird dieser Lohn sein?
Die Anzahl der Einsatztage schwankt je nach Aufgabe. Die Publikumsmitarbeitenden erhalten pro Tag rund 200 Franken.
 
Das Publikum kann sich laut Ausschreibung als «Chefin oder Chef» von Radiomoderator Stefan Büsser bewerben. Kann das jemand aus dem Publikum wirklich leisten? Langjährige Radiomacher könnten das als Affront verstehen.  
Das neue «Hallo SRF!» ist ein Experiment. Und wie es bei Experimenten so ist, kann man den Ausgang nicht zu 100 Prozent voraussehen. Jemand aus dem Publikum wird einen Tag lang die Sendung von Stefan Büsser produzieren, mit allen Aufgaben, aber auch mit allen Rechten und Pflichten, die der Job mit sich bringt. Die Redaktionen werden die Publikumsmitarbeitenden natürlich unterstützen. 

Bei «10vor10» sollen die Schnupperlehrlinge zudem die «Aktualitätsendung der Zukunft» umsetzen. Ist das nicht etwas gar hochgesteckt formuliert?
Ein Redaktionsteam aus dem Publikum wird im Rahmen von «10vor10» seine Vision einer Newssendung der Zukunft realisieren. Hier sind wir besonders gespannt, welche Ideen die Bewerberinnen und Bewerber vorlegen. So lange die publizistischen Leitlinien von SRF eingehalten werden, ist im Rahmen der Publikumswoche sehr vieles möglich.
 
Für eine Woche sind in Radio, Fernsehen und Online 50 Laien am Werk. Wie garantieren Sie die Qualität für die Zuschauerinnen und Zuschauer während dieser Woche?
Unser Programm darf und soll in der Publikumswoche anders tönen und aussehen als sonst. Nicht schlechter, aber anders. Die Publikumsmitarbeitenden werden von den jeweiligen Redaktionen gecoacht und unterstützt. Auf dem Sender soll zwar immer erkennbar sein, dass es sich um Beiträge oder die Moderation eines Publikumsmitarbeitenden handelt. Mit Hilfe der Redaktionen soll dies aber in der für nicht ausgebildete Radio- und Fernsehmacher bestmöglichen Qualität geschehen.
 
Wie hoch ist das Budget für diese Marketingaktion?
Die Publikumswoche ist günstiger als andere Themenwochen, da die meisten Arbeiten im Rahmen des normalen Programms und in unseren eigenen Räumlichkeiten stattfinden. Die Gesamtkosten werden sich im mittleren sechsstelligen Bereich belaufen.
 
Insgesamt 16 Redaktionen nehmen Mitarbeiter aus dem Publikum auf. Nicht beteiligt sind allerdings Sendungen wie die «Tagesschau» oder die «Arena». Weshalb?
Die Teilnahme war absolut freiwillig. Die Abteilungen haben selber festgelegt, welche Redaktionen sich beteiligen. Die Offenheit im ganzen Haus gegenüber dem Projekt war aber sehr gross. 
               
Im Laufe der Woche greifen Sendungen die Publikumswoche auf, genauso tut es der Thementag zum Abschluss. Was ist da genau geplant?
Der Thementag bildet den Abschluss der Aktion. Im Stil von anderen Langzeitreportagen wird es am 13. Oktober auf SRF zwei den ganzen Tag lang einen Blick hinter die Kulissen von SRF geben. Das Publikum erlebt die Publikumsmitarbeitenden bei der Arbeit und erfährt, welche Erfahrungen – im positiven und im negativen Sinn – sie bei «Hallo SRF!» gemacht haben.

Die Fragen wurden schriftlich beantwortet. 


Dieses Interview wurde ursprünglich auf persoenlich.com veröffentlicht.


Text: persoenlich.com/Michèle Widmer

Purtret: Zvg.

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