«50 Jahre Sechstagekrieg» beschäftigt auch den Ombudsmann
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«50 Jahre Sechstagekrieg» beschäftigt auch den Ombudsmann

Zum 50. Mal jährte sich im Juni 2017 der Sechstagekrieg. Die «Tagesschau» widmete dem Ereignis in ihrer Ausgabe vom 5. Juni 2017 einen Fernsehbeitrag sowie ein Interview mit dem jüdischen Zeitzeugen Jochi Weil. Ein Fernsehzuschauer bezeichnet den Beitrag als unvollständig und nicht sachgerecht. Die Rollen von Opfer und Täter seien einseitig zulasten Israels verteilt. Ausserdem bezeichnet er den Interviewpartner Jochi Weil als «antiisraelischen Aktivisten». Ombudsmann Roger Blum stellt sich hinter die Darstellung des Sechstagekrieges durch die «Tagesschau». Allerdings hätte die unmittelbare Vorgeschichte des Sechstagekrieges gemäss Blum erwähnt werden müssen.

Man könne den Nahostkonflikt aus verschiedenen Perspektiven betrachten, gibt Ombudsmann Roger Blum zu bedenken. Aus der Perspektive und dem Parteistandpunktes Israels – diese nehme der Beanstander ein – oder der Palästinenser und der Araber. Man könne den Konflikt aber auch aus einer übergeordneten, internationalen, quasi «neutralen» Perspektive betrachten. Letztere Perspektive attestiert Blum dem beanstandeten «Tagesschau»-Bericht.

«Die ‹Tagesschau› urteilt im ganzen Bericht nie über ‹Gut› oder ‹Böse›. Sie stellt die beiden Sichtweisen einander gegenüber», Franz Lustenberger, «Tagesschau»

Die «Tagesschau»-Redaktion, vertreten durch Franz Lustenberger, ist überzeugt, im monierten Beitrag die wesentlichen Elemente des Sechstagekrieges von 1967 richtig zusammengefasst und erläutert zu haben. Man habe sich auf die Faktenlage rund um den Kriegsverlauf konzentriert. Der Bericht sei sachlich korrekt gewesen, so Lustenberger und weiter: «Die ‹Tagesschau› urteilt im ganzen Bericht nie über ‹Gut› oder ‹Böse›. Sie stellt die beiden Sichtweisen einander gegenüber (…)». Für Israel sei der Sechstagekrieg ein notwendiger Akt der Selbstverteidigung angesichts der Bedrohung gewesen, für die arabische Seite der Beginn grossflächiger Kriegshandlungen.

Die «Tagesschau» ist den Sechstagekrieg gemäss Roger Blum sachlich-nüchtern angegangen. Allerdings könne man diesen Krieg nicht beschreiben, ohne zu erwähnen, dass ihm während einigen Wochen Drohungen der Araber und gestiegene Spannungen vorausgegangen seien. Die «Tagesschau» habe dies nicht erwähnt, was Blum als Fehler wertet.

Wahl von Interviewpartner innerhalb Programmautonomie

Im zweiten Teil des monierten Beitrags ist ein Interview mit Jochi Weil zu sehen. Weil, ein gläubiger Jude, blicke auf das Geschehen vor 50 Jahren und die nachfolgende Entwicklung zurück, hält Lustenberger fest. Weil drücke seine persönliche Sicht aus eigener Betroffenheit heraus aus.

Mit den Erinnerungen und Überlegungen eines Zeitzeugen habe die «Tagesschau» im zweiten Teil des Beitrags die heutige Debatte und Gefühlslage gespiegelt, stellt Roger Blum fest. In der Wahl ihres Interviewpartners sei die Redaktion frei. Diese Wahl erachtet Blum als legitim. Blum bezeichnet es journalistisch sogar als guten Einfall, den Schilderungen des israelischen Siegeszuges von damals die Aussagen eines betroffenen Schweizer Juden beizufügen, der heute die Lage kritisch sehe. Weil gebe die Gefühlslage der meisten Schweizerinnen und Schweizer wieder, wenn er mit der Entwicklung nicht zufrieden sei.


Schlussbericht Ombudsstelle 5119

Zur «Tagesschau» vom 5. Juni 2017


Text: SRG.D/dl

Purtret: Moderator Florian Inhauser, im Hintergrund Bild von Jochi Weil. «Tagesschau» vom 5.6.2017, Screenshot/SRF

Questa contribuziun pudess era plaschair Vus

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«Tagesschau»-Beitrag «50 Jahre Sechstagekrieg» beanstandet

5119 | Mit Ihrer E-Mail vom 25. Juni 2017 beanstandeten Sie die „Tagesschau“ von Fernsehen SRF vom 5. Juni 2017 und dort den Beitrag über den 50 Jahre zurückliegenden Sechstagekrieg. Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

Leger vinavant

Tut ils rapports finals dal mediatur/da la mediatura Guardar ussa

Ans communitgai Voss parairi (per plaschair cun resguardar Netiquette/cundiziuns generalas da fatschentas)

  1. Hanspeter Büchi 09/21/2017 5:41 nachm.

    Wenn Roger Blum von „sachlich-nüchtern“ spricht und sich hinter die SRF-Darstellung des Sechstagekriegs stellt blendet auch er – wie beanstandet – die wichtige Tatsache aus, dass es am 5. Juni 1967 Jordanien war, das einen Angriff gegen Israel startete! König Hussein schreibt in seinem Buch „My War with Israel“, dass Israel ihm am 5. Juni mitteilen liess, dass sich der israelische Angriff gegen die V.A.R. (Aegypten und Syrien) richte, - dass wenn er – Hussein – nicht interveniere, er keine Konsequenzen zu befürchten hätte. Die jordanische Offensive gegen Israel war jedoch bereits im Gang, womit Israels Armee nun auch Jordanien (ungewollt) zu bekämpfen hatte. Schliesslich wurden die Jordanien besiegt und aus Ostjerusalem und der Westbank vertrieben. Beides hatte bis 1948 zum jüdischen Mandatsgebiet gehört, war dann widerrechtlich von Jordanien erobert und besetzt worden.

    All das auszublenden widerspricht einer „übergeordneten, internationalen, quasi „neutralen“ Perspektive" völlig, – Ist entgegen der Aussage von Herrn Lustenberger sachlich nicht korrekt, der weiter behauptet, man habe sich auf die Faktenlage etc. konzentriert. Dem Beanstander trotz berechtigter Kritik den „Parteistandpunkt Israels“ unterzuschieben um sich dafür trotz eigener Mängel gleichzeitig in Selbstgerechtigkeit zu üben ist leider ein Ausdruck der Grundhaltung von SRF, unterstützt von der Ombudsstelle.

    Dabei nimmt gerade SRF einen „anti-israelischen Parteistandpunkt“ ein wenn als Interviewpartner – wie kann es anders sein - ein anti-israelischer Aktivist jüdischen Glaubens ausgewählt wird. Dass dabei Hetze und Terror gegen Israel kein Thema sind, ebenso wenig das Ziel der gültigen Charta der PLO/Fatah, Israel zu vernichten, darf nicht erstaunen. Interessant ist der Hinweis, dass Weil die Gefühlslage der meisten Schweizerinnen und Schweizer wiedergebe…. Diese Gefühlslage ist auch das Resultat der überwiegend einseitigen antiisraelischen Sendungen von SRF, die Israel in der Regel in ein schlechtes Licht rücken.

    Auf den auch von der Ombudsstelle festgehaltenen Fehler – das Weglassen der Kriegsvorbereitungen und –Drohungen auf arabischer Seite wird hier im Artikel leider nicht näher eingegangen, - was völlig unangemessen ist.