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Unterhaltungssendung «Wer wohnt wo?» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 16. September 2018 beanstandeten Sie die Sendung «Wer wohnt wo?» (Fernsehen SRF) vom 15. September 2018.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

Nachdem ich gestern Abend ihre neue Sendung WER WOHNT WO angesehen habe, muss ich Ihnen einfach schreiben: Bitte prüfen sie, ob diese Sendung wirklich ‘eine hohe Relevanz für unser Publikum’ hat. Es geht meiner Meinung darum, dass hier 5 privilegierte Personen ausgesucht wurden: So wohnen und einrichten kann sich sicher nur eine Minderheit von uns Schweizer Bürgern und Bewohnern leisten.

Das waren keine durchschnittliche Wohnsituationen. Es fehlten zum Beispiel das Wohnen in einem Reihenhaus, eine Genossenschaftswohnung, eine alternative Wohngelegenheit etc. Nun ist die Latte so hoch gelegt, dass man wohl nur noch steigern kann! So werden immer noch besser situierte Menschen zum Zug kommen und das Konsumverhalten der ‘zuschauenden Familien’ wird angekurbelt und diese Sendung wird dann noch dekadenter. Schade für die Grundidee! Sie hätten mehr für Nachhaltigkeit und Kreativität einsetzen und anregen sollen und zeigen können, wie mann/frau mit wenig Geld eine originelle Wohnung gestalten kann, etc.

Die Sendezeit am Samstagabend sollte doch nicht einfach auf Konsum ausgerichtet sein. (Auch wenn gleichzeitig der Unterhaltungswert eine grosse Rolle spielt.) Aber wenn es zur Norm gehört, dass mann/frau eine Scheune als Turnhalle hat für die Familie, zwei Porschées in der Garage, teure Kunst im Treppenhaus, dann können wir Normalbürger auf solche Sendungen verzichten! (Und während der Sendung noch der Hinweis zu hören ist, diese Personen seien dem gewöhnlichen MITTELSTAND zugehörig. Für mich waren diese Menschen OBERKLASSE Leute!) Ich war Lehrerin 45 Jahre lang an verschiedenen Orten und wage zu meinen, dass die Durchschnittsfamilie sich nicht leisten kann, so zu wohnen.

Meiner Meinung hat die Redaktion dieser Sendung versagt und zu wenig pädagogische Verantwortung übernommen. Das hat meiner Ansicht zur Folge, dass es mehr Klassen- Unterschiede und Spannungen geben wird.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die Abteilung Unterhaltung äußerte sich Frau Danielle Giuliani, Executive Producerin Factual Entertainment:

«Die Beanstandung zur Sendung ‘Wer wohnt wo?’ kritisiert die Auswahl der gezeigten Wohnungen und dass diese nicht repräsentativ für den Durchschnitt der Schweizerinnen und Schweizer sei. Die Bewohner der Wohnungen seien ausnahmslos privilegierte, reiche Protagonisten.

1. Kurzbeschrieb Sendungskonzept

«Das TV-Format ‘Wer wohnt wo?’ ist eine Sendung mit besonderem Augenmerk auf Wohndesign und die Leidenschaft für ‘schönes Wohnen’. Der zweite Fokus der Sendung bildet das Ratespiel, was auch im Titel der Sendung zum Ausdruck kommt. Sven Epiney fragt in der Anfangsmoderation: <Kann man anhand einer Wohnungseinrichtung herausfinden, wer dort zu Hause ist?>

2. Argumentation

Die Auswahl der Protagonisten ist bewusst auf Menschen ausgelegt, die sich ihren Wohntraum erfüllt haben. Präsentiert werden spezielle Wohnungen und aussergewöhnliche Einrichtungsstile, wie sie die Zuschauer wohl eher selten sehen. Es war nie das Ziel der Sendung, durchschnittliche Wohnungen von Herr und Frau Schweizer abzubilden. Das Raten um die Bewohner soll anhand besonders spezieller Objekte und überraschender Wohnwelten gezeigt werden. Die Protagonisten sind Menschen, die eine Leidenschaft für ‘schönes Wohnen’ teilen und diese zum Ausdruck bringen. Wie zum Beispiel Fotograf Thomas, der in einer eigens umgebauten Scheune wohnt. Darin hat er jahrelang alte Möbelstücke aus Brockenhäusern gesammelt und vieles selber handwerklich umgesetzt. Oder Yogalehrerin Dorothée, bei der selbst im schicken Landhaus einige Möbelstücke stehen, die sie bei Ikea gekauft hat. Die Protagonisten sind durchaus bodenständige Leute – es geht in der Sendung nicht um die Frage, wieviel Geld sie besitzen.

Der Einblick in solche besonderen Wohnwelten kann die Zuschauer wiederum dazu inspirieren, ihrem Zuhause mit kleinen Kniffs eine neue Frische zu geben. Vielleicht streicht sich jemand ja eine Wand farbig oder stellt vorhandene Möbel um. Dies muss nicht immer mit viel Geld verbunden sein, sondern kann im ganz kleinen Rahmen umgesetzt werden. Die Frage der Relevanz stellt sich also nicht über den Wert der Einrichtung einer Wohnung, sondern vielmehr über die Leidenschaft zum ‘schöner Wohnen’.

3. Fazit

Für eine zweite Auflage der Sendung im nächsten Jahr nehmen wir den Input von Frau X gerne auf. Wir werden weiterhin Häuser und Wohnungen von Menschen zeigen, die sich ihren Wohntraum erfüllt haben. Im Fokus bleiben spezielle Wohnwelten mit einem besonderen Blickfang, die mit viel Kreativität und Leidenschaft, mit mehr oder weniger finanziellen Mitteln erschaffen wurden.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Das Ganze ist ein Spiel: Es geht letztlich darum, dass einerseits die Beteiligten und anderseits das Publikum herausfinden, wer wo wohnt, welcher Stil zu wem passt. Das Spiel ist unterhaltend, ja spannend, und es handelt sich ja auch um eine Sendung, die unterhalten will.

Aber Sie haben natürlich Recht: Das sind keine Wohnungen des typischen schweizerischen Mittelstandes. Es sind Wohnungen und Häuser von Leuten, die ganz schön Geld in die Hand nehmen konnten, um sich ihr Zuhause so einzurichten, wie es ihnen ihr Geschmack vorgab. Es sind interessante Objekte, kein Zweifel, aber die Mehrheit des Publikums könnte jetzt nicht hergehen und morgen etwas Ähnliches umsetzen. Dazu fehlt den meisten das Geld.

Nur: Die Sendung verstößt gegen keine Bestimmung des Radio- und Fernsehgesetzes. Es steht nirgends geschrieben, dass in einer Sendung über Wohnungen und Wohnhäuser eine bestimmte Mischung gezeigt werden muss oder ein bestimmter Immobilienpreis nicht überschritten werden darf. Die Redaktion hat die Programmautonomie. Sie kann selber bestimmen, wie sie ein Thema angeht, besonders dann, wenn sie nicht faktische Ereignisse berichten muss. Die Vielfalt muss nicht in der einzelnen Sendung gespiegelt werden, sondern nur im Längsschnitt des Programms. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

Dennoch möchte ich der Redaktion empfehlen, in künftigen Folgen die Wohntypen mehr zu mischen, auch Häuser und Wohnungen mit aufzunehmen, die für größere Kreise erschwinglich sind. Auch diese kann man sehr individuell einrichten; auch diesen können die Personen ihren eigenen Stempel aufdrücken. Auf diese Weise könnten sich noch mehr Menschen mit der Sendung identifizieren.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


[1] https://www.srf.ch/play/tv/unterhaltung/video/wer-wohnt-wo---mit-sven-epiney?id=47376252-d053-4f51-89b0-2b4131b70029&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a

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