Die Illustration zeigt auf der linken Seite das Sendungslogo von "10vor10" und das Porträt von Moderatorin Wasiliki Goutziomitros. Auf der rechten Seite ist das Studiodekor von "Wie tickt die Schweiz" mit einem Porträt von Moderator Claudio Zuccolini abgebildet.
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Publikumsrat beobachtet «Wie tickt die Schweiz?» und «10vor10»

An seiner Aprilsitzung beschäftigte sich der Publikumsrat der SRG.D mit der neuen Spielshow «Wie tickt die Schweiz?» und mit dem News-Magazin «10vor10».

Im Zentrum von «Wie tickt die Schweiz?» stehen 100 Menschen, die die Schweizer Bevölkerung repräsentieren. Ihnen werden Fragen gestellt, welche die Haltung zu verschiedenen gesellschafts- und alltagsrelevanten Themen spiegeln. Wie viele von ihnen werfen nun gebrauchte Batterien in den normalen Müll? Neben den 100 Menschen werden drei prominente Teams Teil dieser Sendung sein. Die Teams haben die Aufgabe, bestmöglich einzuschätzen, wie die 100 Menschen auf die Fragen antworten, um am Ende 10’000 Franken für einen guten Zweck zu erspielen.

Der Publikumsrat ist vom Konzept der Sendung grundsätzlich überzeugt. Ein Publikumsratsmitglied hat die Sendung ausserordentlich unterhaltsam gefunden und sich gefreut, dass sowas an einem Samstagabend angeboten wird. Auch Moderator Claudio Zuccolini wird mehrheitlich gelobt. Er habe souverän durch die Sendung geführt und mit seinen Gesprächen mit den 100 Schweizerinnen und Schweizern und den Prominenten das Highlight gesetzt.

Eine grössere sprachliche Diversität gewünscht

Am Titel «Wie tickt die Schweiz?» stört sich ein Grossteil der Beobachtenden: So werde eine Show versprochen, die den Eindruck erweckt, dass die ganze Schweiz an diesem Experiment teilnimmt. Die Auswahl der 100 Menschen im Schaukasten sei aber bei weitem nicht so divers – alle sprechen ein perfektes Schweizerdeutsch. Marco Krämer, Leiter Bereich Quiz und Spiel und Gina Schuler, Formatentwicklerin bei der Unterhaltung, nehmen dazu Stellung. Sie betonen, dass sie eine repräsentative Verteilung angestrebt haben und dass von jedem Kanton Menschen dabei waren. Bei so einer Sendung können aber nicht alle zu Wort kommen. Ein mehrsprachiges Format würde zu träge werden, da die Zuschauer:innen keine Untertitel mögen würden. Ein Publikumsratsmitglied schlägt vor, dass jeweils ein Kantonswappen eingeblendet werden könne, um aufzuzeigen von wo die Menschen kommen. Marco Krämer weist darauf hin, dass neben der Sprache auch sonst auf Diversität geachtet wird. Die 100 Menschen sollten auch ein guter Mix zwischen jung, alt, Mann, Frau, Single und verheiratet sein.

Die Fragestellung in der Sendung war ebenfalls ein Thema, das kontrovers diskutiert worden ist. Einige Beobachtende merkten an, dass die gestellten Fragen teilweise genauer hätten formuliert werden können. Wer wirft gelegentlich eine Batterie in den Kübel? Wie genau definiert man einen Notvorrat? Marco Krämer verweist darauf, dass es bei den Antworten sowieso kein Richtig oder Falsch gebe. Ziel sei es vielmehr, eine gesellschaftliche Debatte anzustossen. Ein Publikumsratsmitglied pflichtet ihm bei. Ihn habe es nicht gestört, dass die Fragen so offen gestellt waren. Sonst wäre es zu akademisch geworden. Er fügt hinzu, dass Moderator Claudio Zuccolini ab und an eine Anmerkung machen könnte, dass es in vielen Dingen so sei, dass Menschen eine andere Erwartung haben.

«10vor10»: Viel Lob für Themensetzung und Moderation

Für eine zweite Besprechung hatten die Ratsmitglieder «10vor10», eine der wichtigsten Informationssendungen von SRF, analysiert. Ein Teil des Auftrages an die Beobachtenden bestand zudem darin, einen Abgleich mit der «Tagesschau» und dem «Heute Journal» auf ZDF vorzunehmen und die Themenwahl von «10vor10» im ganzen Monat März anzuschauen.

Konstruktiver Journalismus wird geschätzt

«10vor10» gehört für fast alle Beobachtenden zu den wichtigsten Informationsquellen. Ein Mitglied des Publikumsrats erkennt eine überaus positive Entwicklung. Er sieht darin ein sehr unterhaltendes Informationsmagazin. Was ihm besonders gefällt: Dass neben den News auch langfristig aktuelle Themen vertieft werden. Die Aufnahme von «Constructive journalism» – die Berichterstattung lösungsorientierter Nachrichten – findet er wichtig. Die Serien, wie z.B. die Idee, vermögen besonders zu gefallen – der Publikumsrat wünscht sich mehr davon.

Über den beobachteten Zeitraum legte «10 vor 10» im Grossen und Ganzen den richtigen Fokus in der Themenwahl, dies die Meinung einer grossen Mehrheit der Beobachtenden. Die Berichterstattung spiegelt ein gutes Verständnis dafür wider, was die Menschen bewegt und was gesellschaftlich relevant ist. Es sei aber nicht immer eine klare Abgrenzung oder Vertiefung zur «Tagesschau» festzustellen. Die Auslandberichterstattung dürfte für den Publikumsrat diverser ausfallen und auch weniger bekannte Kulturen, Länder und Regionen berücksichtigen.

Arthur Honegger, Co-Leiter Fokus und Moderator 10 vor 10, Gregor Meier, Leiter News & Aktualität, Tristan Brenn, Chefredaktor CR Video und Urs Schnellmann, Co-Leiter Fokus diskutierten mit dem Publikumsrat. Für ihn sei «10 vor 10» ein Informationsmagazin, das nicht Eins-zu-eins die vier wichtigsten Themen des Tages abhandeln soll, wobei das wichtigste Tagesthema aber sicher drin sein müsse, sagt Gregor Meier. «Ein Beitrag soll aber immer auch überraschend sein.»

Die Abgrenzung zur «Tagesschau» sei immer eine Art Spagat, sagt Urs Schnellmann. Wie erzählen wir die Geschichte anders? Wie finden wir den anderen Dreh? Es sei immer ein Probieren, manchmal gelinge es besser, manchmal weniger. Das Ziel sei aber immer: bei «10 vor 10» muss man mehr erfahren.

Professionelles und sympathisches Moderationsteam

Das Moderationsteam erhält einstimmig gute Noten für seine Arbeit vor und hinter der Kamera. Allen wird eine hohe Professionalität und ein sympathisches Auftreten attestiert. Die Kompetenz und Vielseitigkeit in der Moderation tragen massgeblich zur Qualität der Sendung bei. Eine Beobachtende spricht Arthur Honegger auf seinen Moderationsstil an. Er gefalle ihr meistens, teilweise sei er aber für sie ein wenig zu blumig. Arthur Honegger nahm sogleich Stellung. Er frage sich bei jeder Anmoderation, wie er für die Zuschauer:Innen einen Zugang schaffen könne, der möglichst interessant sei. So komme seine eigene Note ins Spiel. Da das Moderationsteam Teil der Sendung sei, dürfe man seiner Meinung nach auch spüren, wer moderiere.

Tristan Brenn fügt hinzu. Die Moderation bei «10 vor 10» ist klar «Personality-driven». Das ist der grosse Unterschied zur «Tagesschau», bei der die Moderatorinnen und Moderatoren «Content-driven» auftreten müssen: «Wir haben den Anspruch an unser Moderationsteam, dass sie Themen auch mal von einer anderen Seite auftun und ich finde, dies gelingt uns ganz gut.»


Text: Publikumsrat SRG.D

Bild: SRG.D/Illustration Cleverclip

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