In Luzern wird Konvergenz jeden Tag gelebt
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In Luzern wird Konvergenz jeden Tag gelebt

Beim Regionalstudio Zentralschweiz gehört die Medienkonvergenz längst zum Alltag. Die 18 Radiojournalisten arbeiten eng mit den zwei TV-Journalisten zusammen, obwohl die eigenständigen SRF-Redaktionen gar räumlich getrennt sind.

– Patricia Diermeier

«… und kannst Du uns auch einen O-Ton mitbringen?» Die Frage von Stefan Eiholzer, Leiter Regionalstudio Zentralschweiz in Luzern, mag banal klingen. Aber sie lässt aufhorchen, wenn er sie nicht seinen Mitarbeitenden, sondern Nicole Frank stellt. Denn die TV-Inlandkorrespondentin ist ihm weder unterstellt noch seiner Redaktion angegliedert. Sie arbeitet für die ­SRF-Newssendungen des Fernsehens, die organisatorisch vollkommen von den ­Radionews getrennt sind.

In der kleinen SRF-Welt von Luzern arbeiten beide Redaktionen Hand in Hand: «Als ich die Einsetzung des neuen Abts von Einsiedeln drehte, habe ich auf Wunsch des Regis auch O-Töne von der Ansprache des Bischofs aufgenommen, die ich für den TV-Beitrag nicht brauchte», erinnert sich Raphael Prinz, der mit Nicole Frank für SRF arbeitet.

O-Töne für beide Medien

Auch umgekehrt funktioniert es bestens, wenngleich aus technischen Gründen ­seltener. Denn während sich die Radioredaktion jeden Ton, den die TV-Kamera aufgezeichnet hat, ganz einfach vom Server laden kann, muss der Radiojournalist für einen TV-Beitrag natürlich einen Kameramann mitnehmen. So geschehen beispielsweise bei der Einsetzung von Alex Frei als neuer Sportdirektor beim Fussballclub FCL: Die SRF-Korrespondenten waren alle unterwegs. Da hat Radiomann Silvan Fischer einen Kameramann mitgenommen und mit dem SRF-Mikrofon das Interview für «sportaktuell» gemacht.

Ergänzung statt Konkurrenz

Als Konkurrenten haben sich die beiden Redaktionen noch nie gesehen, sondern vielmehr als ideale Ergänzung: So nehmen die TV-Leute regelmässig an den Wochenplansitzungen des Regis teil. Auch sind sie froh, bei Bedarf auf das Wissen und das Beziehungsnetz der langjährigen Kantonsspezialisten des Regis zurückgreifen zu können. Handkehrum profitiert das Regi manchmal von Recherchen der TV-Redaktion, denn der Manpower im Radio ist sehr knapp bemessen: Für die halbstündige Sendung stehen nur zwei Reporter zur Verfügung, alle anderen sind mit speziellen Aufgaben betraut. Da bleibt kein Raum für aufwändige Recherchen.

Vielfältige Medienerfahrung

Dass die beiden Redaktionen so gut harmonieren, hängt auch mit den Mitarbeitenden selbst zusammen: Nicole Frank hat während elf Jahren als Radiojournalistin gearbeitet, unter anderem auch für das Regi Zentralschweiz. In der Regiredaktion arbeiten vier Journalisten mit TV-Erfahrung, darunter auch Leiter Stefan Eiholzer, der Inlandkorrespondent war.

Diese Erfahrungen helfen, wenn es um die Beschaffung von Rohmaterial für die andere Redaktion geht. Denn TV und Radio haben andere Bedürfnisse, damit ein Beitrag interessant und spannend wird. Für Stefan Eiholzer ist es deshalb sogar gut vorstellbar, dereinst beide Redaktionen zu verschmelzen. Nicht nur räumlich, sondern auch arbeitstechnisch. Das könnte eine Optimierung für beide bringen. Aber vorerst bleibt das eine Vision. Optimiert ist einzig der Verpflegungssektor, denn nur in der Radioredaktion gibt es eine Kaffee­maschine. Damit beginnt die Konvergenz bereits am Morgen beim ersten Kaffee!

Patricia Diermeier ist Produzentin, Mediencoach und Regionalrätin der SRG Deutschschweiz.

Bild: Imagopress / Patrick Lüthy

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