Intransparente Fifa-Propaganda?
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Intransparente Fifa-Propaganda?

Während der Fussball-WM in Brasilien übertrug SRF sämtliche Spiele live und bot dem Schweizer Publikum zahlreiche Diskussions- und Informationssendungen. Zudem zeigte SRF zwei 26 Folgen des Magazins «FIFA WM-Preview». Es handelte sich dabei um eine Produktion der Fifa und nicht von SRF – in einer Beanstandung wurden diesbezüglich grundsätzliche Fragen aufgeworfen.

– Von Achille Casanova

In seiner sehr ausführlichen Eingabe übernahm ein aufmerksamer Zuschauer die bereits am 29. Juni unter dem Titel «SRF TV macht Fifa-Propaganda nicht transparent» geäusserte Kritik des Onlineportals «Infosperber». Das Magazin «FIFA WM-­Preview» sei eine Produktion der Fifa und würde praktisch nur Tourismus-PR für ­Brasilien und ein Hochjubeln der Fifa-WM enthalten. Die Sendungen würden durch verschiedene Gegenden Brasiliens führen und «stets [die] schönsten Strände und ­Attraktionen» zeigen. Die Fifa interviewte dabei ­Leute auf der Strasse, die sich ausnahmslos von der WM begeistert zeigten.

Der Beanstander wirft somit die Frage auf, ob es zulässig sei, dass SRF diese PR-Beiträge der Fifa überhaupt ausstrahle. Wenn schon, dann wäre das Fernsehen verpflichtet, «wenigstens Quelle und Herkunft der Bilder und Interviews klar transparent zu machen». Indem dies nicht erfolgt sei, wurde das Publikum hochgradig irregeführt. SRF hätte somit ihren Programmauftrag in keiner Weise erfüllt und die Konzession verletzt.

Publizistische Verantwortung wahrgenommen

In seiner Stellungnahme bestätigte Notker Ledergerber, SRF-Programmreferent Sport, dass es sich beim «FIFA WM-Preview» um eine Produktion der Fifa handelte. Bei der Akquisition der Rechte für die WM musste die SRG diese 26 Magazine zu 30 Minuten erwerben. Die Sportredaktion habe im Vorfeld diese Magazine geprüft und zur Ausstrahlung freigegeben. Das Fremdmaterial wurde bei SRF Sport stets visioniert, übersetzt und, wenn es redaktionell notwendig war, editiert, bevor die Ausstrahlung erfolgte. Damit nahm SRF Sport konsequent seine redaktionelle Verantwortung wahr.


Lupe

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Auch betreffend Transparenz hätte SRF ­genügend getan. Bereits mit dem Titel «FIFA WM-Preview» sei deutlich vermittelt worden, dass die Sendungen von der Fifa produziert worden waren. Ohne Fremd­produktionen könne SRF die Programme nicht füllen. Es würde ad ­absurdum ­führen, wenn sämtliche Sportproduktionen deklariert werden müssten.

Ausstrahlung durchaus zulässig …

Selbstverständlich konnte die Ombudsstelle nicht alle 26 Magazine analysieren. Aber bereits das Studium der Beiträge vom 12. und 26. Juni genügten, um für die geäusserte Kritik Verständnis zu haben. Vor allem der Beitrag vom 12. Juni war eine einzige Lobeshymne auf die WM in Brasilien und vermittelte den Eindruck, dass sämtliche Brasilianerinnen und Brasilianer von der WM in ihrem Land begeistert seien. Kein Wort über die zahlreichen Proteste wegen der Kosten der Veranstaltung.

Kann man deshalb die Ausstrahlung der Fifa-Magazine als rechtlich unzulässig erachten? Bei der Beantwortung dieser Frage muss berücksichtigt werden, dass sowohl die Bundesverfassung wie auch das Gesetz die Programmautonomie von Radio und Fernsehen gewährleisten. Diese beinhaltet namentlich auch die Freiheit in der Wahl eines Themas einer Sendung und in der inhaltlichen Bearbeitung. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Programmvorschriften respektiert werden.

Vorliegend war dies der Fall. Zwar – wie von Notker Ledergerber offen zugegeben – sei evident, dass das redaktionelle respektive journalistische Niveau des Fifa-­Magazins tiefer war als bei einem eigenproduzierten Politikmagazin. Eine journalistisch-kritische Auseinandersetzung sei aber nicht bei jeder ausgestrahlten Magazin-Sendung erforderlich. Dies sei für den durchschnittlichen Zuschauer nachvollziehbar.

… aber zu wenig klar

Gerade damit das Publikum dies auch nachvollziehen kann, spielt die Frage der Transparenz eine entscheidende Rolle. Wurde transparent genug übermittelt, dass es sich um eine Produktion der Fifa und nicht von SRF handelte?

Bei der Ausstrahlung des täglichen Magazins «FIFA WM-Preview» waren keine Einblender zu sehen, die das fremde Bildmaterial als solches gekennzeichnet hätten. Zwar wurde von Zeit zu Zeit das übliche Signet der Fifa gezeigt. Da aber sämtliche Beiträge von der WM in Brasilien mit diesem Signet versehen waren, genügte dies nicht, um klar zu vermitteln, dass es sich um einen durch die Fifa realisierten Beitrag handelte.

Dasselbe gilt für den Titel: «FIFA WM-Preview» kann zwar formal als Deklaration der Fremdproduktion angesehen werden. Doch das Publikum – das ständig mit der Bezeichnung Fifa konfrontiert war – würde dies wohl kaum merken. Umso mehr, als von «wir» gesprochen wurde. So vermerkte der Beanstander zu Recht, «unter ‹wir› verstehen die meisten Zuschauenden ‹Schweizer Fernsehen› und nicht ‹Fifa›».

Nach den geltenden Grundsätzen des Journalismus werden Transparenz und Ehrlichkeit verlangt. Mit dem einfachen Vermerk «Eine Produktion der Fifa» wären diese wichtigen Grundsätze erfüllt gewesen. Indem nicht klar auf die Fremdproduktion hingewiesen wurde, konnte sich das Publikum ungenügend eine eigene Meinung bilden. Durch diese Unterlassung kam deshalb die Ombudsstelle zur Auffassung, dass das Sachgerechtigkeitsgebot verletzt wurde und die Beanstandung als teilweise berechtigt zu beurteilen sei.

Bild: SRF


Ombudsstelle SRG.D, Kramgasse 16,
3011 Bern, ombudsstelle@srgd.ch
Weitere Beanstandungen finden Sie unter www.ombudsstellesrgd.ch


 

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