SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Arena» zum Thema «Homo-Ehe, Homo-Adoption» beanstandet

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Mit E-Mail vom 2. März 2015 hat mir die Unabhängige Beschwerdeinstanz UBI Ihre Eingabe des Vortages zur Behandlung weitergeleitet. Sie wurden darüber informiert. Sie beanstanden die Sendung „Arena“ vom 27. Februar. Den Erhalt Ihrer Eingabe habe ich mit meinem Brief vom 4. März bereits bestätigt.

Wie üblich, habe ich die Verantwortlichen von SRF gebeten, zu Ihren Kritiken Stel­lung zu beziehen. Dies ist erfolgt und in der Zwischenzeit habe ich die von Ihnen kritisierte Sendung sehr genau angeschaut. Ich bin somit in der Lage, Ihnen heute meinen Schlussbericht zu senden.

1. Sie begründen Ihre Beanstandung wie folgt:

„Ich schätze die integre, professionelle Art des Moderators Jonas Projer sehr. Trotzdem die Arena-Sendung vom 27. Februar 2015 war aus meiner Sicht eine journalistische Fehlleistung und eine Zumutung für den Zuschauer. Weshalb können so viele Fehler bei SRF 1 geschehen?

Die Gesprächsrunde war schlecht zusammengestellt, nicht professionell sowie ohne Spannkraft in den Aussagen. Es fehlten kompetente Fachleute.

SRF hat ein Foto eingeblendet von den zwei Müttern mit ihren Kindern in Front und meinte dazu, das Bild zeige Wohlergehen, Zufriedenheit und Glück der lesbischen Familie. So viel Fehlinformation darf nicht sein. Das ist Schein-Logik und unseriöse Information.

Die beiden Mütter konnten sich zur Frage äussern, wie die leiblichen Väter ihre Rolle in der lesbischen Beziehung wahrnehmen können. Die eine Mutter meinte, sie hätte dem Kind erklärt, wie es entstanden sei und dass der leibliche Vater das Kind auch einmal sehen werden könne.

Diese Aussage zeigt, wie schwer geschädigt diese Frau zum männlichen Geschlecht steht und dass sie nicht in der Lage ist, in Verantwortung zu beiden Eltern-Teilen das Kind zu erziehen. Genau diese entscheidende Antwort wurde vom Moderator übergangen und nicht weiter kommentiert. In der Sache traf die Mutter mit ihrer Aussage den Kern des Problems.

Diese tragische Situation zeigt eher die Notwendigkeit des Einschreitens der Vormundschaftsbehörde. So viel Egoismus zu Lasten des Kindes darf nicht toleriert werden.

Es darf nicht sein, dass SRF 1 eine Plattform bietet für solche Aussagen ohne kritische Anmerkung und diese Aussage noch mit einem ‚harmonischen Fotobild’ unterstützt. Darin sehe ich eine Verletzung der Konzession.“

2. Wie bereits erwähnt, haben die Verantwortlichen von SRF zu Ihren Kritiken Stellung bezogen. Ich möchte Ihnen das Schreiben von Herrn Jonas Projer, Redaktionsleiter von „Arena“, nicht vorenthalten. Er schreibt Folgendes:

„Vielen Dank für die Zustellung der Beanstandung von Herrn X zu unserer Sendung vom 27. Februar. Gerne nehmen wir dazu wie folgt Stellung.

Herr X kritisiert die Zusammenstellung der Gesprächsrunde als unprofessionell und «ohne Spannkraft» in den Aussagen. Die «Arena» ist eine politische Diskussionssendung, in der sowohl Politiker (Verena Herzog, SVP/Jacqueline Fehr, SP), wichtige Player in einem spezifischen Themenfeld (Giuseppe Gracia, Mediensprecher des Bistums Chur) als auch Betroffene (Leonard, Homosexueller) teilnehmen können und sollen. Die Zusammensetzung der Gesprächsrunde entsprach demnach vollumfänglich diesen Kriterien und kann darum keineswegs als nicht professionell bezeichnet werden. Die Sendung war sehr lebendig und alle Gesprächsteilnehmer diskutierten sehr engagiert. Inwiefern deren Aussagen jedoch über genügend oder zu wenig «Spannkraft» verfügten, liegt selbstverständlich im Auge des Betrachters.

Das Foto der Familie von Känel, welches in der Sendung eingeblendet wurde, zeigt die beiden Frauen mit deren Kindern. Im Rahmen der Vorstellung der von Känels wird das Foto wie folgt angekündigt: «Ich habe nämlich zwei Leute im Studio, zwei Frauen, die das Leben, die so eine Familie haben. Und hier sind sie, wir haben sogar noch ein Foto von ihnen vorbereitet.» Ein weiteres Mal wird das Bild nach dem Interview mit Maria und Martina von Känel eingeblendet. Dies im Kontext einer Frage an Giuseppe Gracia («Wenn sie sehen wie die [Frauen] leben, wenn wir diese Foto vielleicht nochmals zeigen können (...), beschwichtigt das die Sorgen oder nicht? Und wenn nicht, wieso nicht?»).

Dass SRF oder die Moderation dieses Bild unkritisch und unmittelbar mit «Wohlergehen, Zufriedenheit und Glück» in Verbindung brachte, wie von Herrn X angeführt, ist demnach nicht zutreffend. Ausserdem wurde in der Moderation differenziert, dass es sich im Falle der Familie von Känel um einen Einzelfall handelt, der nichts über das Generelle aussagt.

Maria und Martina von Känel wurden in der Tat unter anderem zur Rolle der Väter ihrer Kinder befragt. Dies geschah im Kontext eines Interviews zum Alltagsleben der Familie von Känel.

Während dieses Interviews konnten sich die Gäste der Hauptrunde jederzeit zum Gesagten äussern und wurden aktiv zu Reaktionen aufgefordert. Folgende Fragen wurden hierbei direkt an Frau und Frau von Känel gestellt:

  1. Wie erleben Sie das Zusammenleben mit Ihren Kindern?
  2. Wie sagen diese Kinder Ihnen (‚Mama’, ‚Mami’, etc.)?
  3. Die Befürchtungen, dass das für die Eltern richtig ist, für homosexuelle Eltern eine Verwirklichung, aber dass es für die Kinder nicht das Richtige ist. Was denken sie zu diesen Befürchtungen?
  4. Der Papi, der fehlt?
  5. Sie haben zwei Kinder (...), diese Kinder haben selbstverständlich biologische Väter. Was für eine Rolle spielen diese Väter im Leben ihrer Kinder?
    • Was heisst eine gewisse Funktion [der Väter]?
    • Haben Sie das Gefühl, dass diese Kinder eine Lücke haben, weil die biologischen Väter, von denen sie wissen, dass es sie gibt, nicht da sind?

Herr X bemängelt in seiner Beschwerde die Reaktion des Moderators auf die Antwort von Maria von Känel. Seiner Ansicht nach zeigt die Aussage von Frau von Känel über das Verhältnis der beiden Kinder zu ihren Vätern «wie schwer geschädigt diese Frau zum männlichen Geschlecht steht und dass sie nicht in der Lage ist in Verantwortung zu beiden Eltern-Teilen das Kind zu erziehen».

Herr X beurteilt damit Frau von Känels Aussage inhaltlich und tut seine Meinung kund – was er als Zuschauer selbstverständlich kann und auch soll. Als Journalist und Moderator ist es jedoch nicht an mir, Standpunkte, Meinungen und Aussagen meiner Gäste zu bewerten oder, wie von Herrn X gewünscht, zu kommentieren. Stattdessen wurden an dieser Stelle entsprechend kritische Nachfragen gestellt (siehe oben) und das Wort an Herrn Gracia erteilt. Damit die journalistische Objektivität gewahrt bleibt, ist diese Vorgehensweise unabdingbar.“

3. Soweit die Stellungnahme des Redaktionsleiters von „Arena”. Nachdem ich die von Ihnen kritisierte Sendung analysieren konnte, scheinen mir die Argumente von Herrn Jonas Projer sehr plausibel zu sein. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann ich mich in meiner eigenen Beurteilung kurz halten.

Wie bereits mit dem Titel der Sendung „Homo-Ehe, Homo-Adoption – brauchen wir das wirklich?“ angekündigt wurde, ging es in der „Arena“ vom 27. Februar um eine hochaktuelle und kontroverse Frage: Soll man für Homosexuelle eine eingetragene Partnerschaft wie heute oder eine echte Ehe vorsehen? Wie stünde es dabei mit dem Adoptionsrecht?

Sie kritisieren dabei zwei Dinge. Zuerst einmal sind Sie der Meinung, dass die Gesprächsrunde schlecht und nicht professionell zusammengestellt worden sei. Dann monieren Sie vor allem, dass in der Sendung ein Bild der Familie Maria und Martina von Känel mit ihren zwei Kindern ohne kritische Kommentare gezeigt worden sei.

Nachdem ich die Sendung sehr genau angeschaut habe, kann ich Ihre kritische Einschätzung nicht teilen.

Dank einer ausgewogenen Zusammensetzung der Gesprächsrunde mit ausgewiesenen Persönlichkeiten war es möglich, die verschiedenen Aspekte der angesprochenen Problematik umfassend zu diskutieren. Sollen für Homosexuelle die gleichen Rechte gelten wie für Heterosexuelle oder soll am traditionellen Modell einer Ehe nur zwischen Mann und Frau festgehalten werden? Dass die Meinungen stark auseinander gingen, überrascht nicht. Doch das Gespräch war stets sachlich und – was mir wichtig erscheint – trotz Meinungsverschiedenheiten von gegenseitigem Respekt geprägt.

Dass im zweiten Teil der Sendung auch die Frage der Adoption zur Sprache kam, scheint mir logisch zu sein. Denn die Frage der Ehe lässt sich nicht von der Frage nach dem Adoptionsrecht trennen. Anders als Sie erachte ich das Beispiel der Familie von Känel samt Bild mit den Kindern als äusserst interessant. Sie gab dem Moderator wie auch den Teilnehmenden an der Gesprächsrunde durchaus die Möglichkeit, die Aussagen der beiden Mütter kritisch zu hinterfragen und kontrovers zu bewerten.

Ich gelange somit zur klaren Auffassung, wonach sich das Publikum über das Thema eine eigene Meinung bilden konnte. Das Sachgerechtigkeitsgebot wurde daher nicht verletzt. Ihre Beanstandung beurteile ich deshalb, soweit ich darauf eintreten konnte, als unberechtigt.

4. Ich bitte Sie, das vorliegende Schreiben als meinen Schlussbericht gemäss Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes RTVG entgegenzunehmen. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI (Monbijoustrasse 54A, Postfach 8547, 3001 Bern) orientiert Sie der beiliegende Auszug aus dem Bundesgesetz über Radio und Fernsehen.

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