War Bericht über energetische Sanierungen unausgewogen?
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War Bericht über energetische Sanierungen unausgewogen?

War «HeuteMorgen»-Bericht über energetische Sanierungen unausgewogen?

In «HeuteMorgen» vom 9. April 2015 ging es um energetische Sanierungen von Mietwohnungen. Die Morgeninformationssendung von Radio SRF berichtete über eine Studie des Bundes, welche untersucht, wer die Kosten bei energetischen Sanierungen von Mietwohnungen zu tragen hat. Der Hauseigentümerverband Schweiz beanstandet den Beitrag als unfair und unausgewogen.

Im monierten Beitrag wird von einem «Trick der Hauseigentümer beim Sanieren» gesprochen. Der Hauseigentümerverband (HEV) beanstandet diese Wortwahl als unfair. Das Wort «Trick» sei negativ konnotiert und verunglimpfe die Vermieter. Ausserdem würde der Begriff im Beitrag ohne weitere Erläuterung verwendet.

Weiter stösst sich der Hauseigentümerverband daran, dass sich ein Vertreter des Mieterinnen- und Mieterverbandes im Beitrag zweimal zur Studie äussern durfte, während der Hauseigentümerverband nicht Stellung nehmen konnte. «Kommt nur eine Partei zu Wort, so ist die Berichterstattung unausgewogen», schreibt der Hauseigentümerverband in seiner Beanstandung.

Der Ausdruck «Trick» sei eine zugespitzte Formulierung in einer Schlagzeile, erläutert Michael Bolliger, stv. Chefredaktor Radio SRF und Leiter SRF 4 News/«HeuteMorgen», in seiner Stellungnahme. Der Begriff sei nur einmal (in «HeuteMorgen» um 7 Uhr) und ausschliesslich in der Schlagzeile verwendet worden. Die unabhängige Studie belege, dass der Effekt (Anstieg der Mieten nach energetischen Sanierungen) aufgrund der Umsetzung durch die Hauseigentümer entstehe, rechtfertigt Bolliger den Gebrauch der Formulierung.

Gemäss Bolliger ist es naheliegend und sachgerecht, dass sich nebst den Verfassern der Studie auch der Mieterinnen- und Mieterverband (SMV) im Beitrag äussern konnte. Für den SMV, der sich für die Energiewende einsetzt, gebe es aufgrund dieser Studie einen Zielkonflikt. Die Mieterinnen und Mieter müssten nämlich mit teils deutlich erhöhten Mietkosten an die Energiewende zahlen. Der Hauseigentümerverband befinde sich nicht in einem solchen Zielkonflikt. Im monierten Beitrag seien jedoch auch die in der Studie genannten positiven Auswirkungen von energetischen Haussanierungen erwähnt worden.

Ombudsmann Achille Casanova zeigt für die Kritik des Beanstanders am Wort «Trick» Verständnis. Diese negative und pauschale Wortwahl sei allerdings nur in der Schlagzeile und nur in zwei Ausgaben von «Heute Morgen» getroffen worden. Es sei eine zugespitzte Formulierung, welche nicht geeignet sei, den Gesamteindruck der Berichterstattung wesentlich zu beeinflussen. Programmrechtlich sei diese Unvollkommenheit nicht relevant.

Eine Stellungnahme des Hauseigentümerverbandes wäre laut Praxis von UBI und Bundesgericht nur zwingend gewesen, wenn in der Sendung schwerwiegende Vorwürfe gegenüber Hausbesitzern gemacht worden wären, erklärt Casanova weiter.

Im beanstandeten Beitrag gehe es um die Akzeptanz der Energiewende an sich. Die Ziele der Energiestrategie 2050 sollen u.a. durch energetische Sanierungen erreicht werden. Wenn dadurch jedoch die Mietzinsen deutlich stiegen, würde gemäss Studie die Akzeptanz der Reform sinken. Die Befürworter der Energiewende – u.a. die Vertreter der SMV – seien mit einem Zielkonflikt konfrontiert und hätten einen ausgesprochenen Erklärungsbedarf. Dies sei für den HEV Schweiz nicht der Fall.

Casanova kommt zum Schluss, dass sich das Publikum über das Thema der Sendung eine eigene Meinung habe bilden können. Das Sachgerechtigkeitsgebot sei nicht verletzt worden.

Der Ombudsmann erachtet die Beanstandung als unberechtigt.

Quelle: Ombudsstelle SRG.D, Achille Casanova
Text/Zusammenfassung: Inside SRG, dl
Bilder: © Colourbox.de

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