SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«10vor10»-Beitrag über Schneekanonen beanstandet

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Mit E-Mail vom 11. Dezember 2015 beanstanden Sie den Beitrag „Umweltsünder Schneekanonen“ in der Sendung 10vor10 vom 9. Dezember. Den Erhalt Ihrer Einga­be habe ich mit meinem Brief vom 14. Dezember bestätigt.

Wie üblich, habe ich die Verantwortlichen von SRF gebeten, zu Ihren Kritiken Stel­lung zu beziehen. Dies ist erfolgt und in der Zwischenzeit habe ich die Angelegenheit analysieren können. Ich bin somit in der Lage, Ihnen heute meinen Schlussbericht zu senden.

1. Sie sind der Auffassung, dass der Bericht „nicht tragbar, tendenziös und rufschädi­gend“ verfasst worden sei. Als Begründung legen Sie Ihre E-Mail vom 10. Dezember an den Redaktionsleiter von 10vor10 bei. Ihr Schreiben lautet wie folgt:

„Am 30. Nov. 2015 war ein Kameramann mit Herr Zollinger bei uns, um einen Beitrag über die Beschneiung und unser Grossprojekt ‚Naturspeichersee Lej Alv‘ aufzuneh­men.

Während 5 Std. habe ich wohlwollend und ausführlich erstens das Thema erklärt und zweitens die Fragen von Herrn Zollinger beantwortet. Herr Zollinger war sichtlich überrascht von den imposanten Ausmassen, den interessanten Hintergrunderklärun­gen sowie meinen Ausführungen zur Nachhaltigkeit. So war es für ihn offensichtlich, dass wir mit unseren Überlegungen und Massnahmen jeweils dem Thema Nachhal­tigkeit und Umwelt respektvoll und pflichtbewusst begegnen.

Gestern Abend wurde der Beitrag nun ausgestrahlt. Meine und unsere erste Reak­tion: unseriöse, einseitige und negative Berichterstattung! Dass SRF linksorientiert ist, ist allgemein bekannt. Aber dennoch hätten wir eine faire und journalistisch ausge­glichene Berichterstattung erwarten, zumal Herr Zollinger die nötigen Fakten hatte. Das Thema unter dem Prädikat ‚Umweltsünder Schneekanonen‘ abzuhandeln, ist billigster Boulevardjournalismus.

Dass das Thema in Ihrer Sendung gleichentags ausgestrahlt wurde, an welchem Mountain Wilderness eine Studie zum Thema präsentierte, welche sich bei genauer Betrachtung als eine Semesterarbeit an der UNI Bern herausstellt (http://mountainwilderness.ch/fileadmin/user_upload/pdf/kommunikation/aktuell/2015/2015_Iseli_Kuenstliche_Beschneiung_01.pdf), bestätigt hier unsere Wahrnehmung der tendenziösen Berichterstattung des Gebührensenders.

Ich bin sehr enttäuscht von Ihnen. Immerhin ist 10vor10 ein meinungsbildendes Me­dium. Als Sie im September 2012 die Leitung des Nachrichtenmagazins 10vor10 übernahmen, waren es Ihre Worte: ‚..ein spannendes und hintergründiges Nachrich­tenmagazin zu publizieren‘, die der Pressemitteilung zu entnehmen waren. Leider ist es Ihnen mit diesem Beitrag gelungen, unseren national wichtigen und aktuell gebeu­telten Wirtschaftszweig Tourismus erneut mit einem negativen Vorurteil zu schwä­chen.

Wir würden es sehr begrüssen, wenn Sie in Zukunft professioneller mit dem emotio­nal heiklen Thema ‚Beschneiung von Skipisten‘ umgehen würden. Sollten Sie bei Gelegenheit einen prächtigen Skitag im Engadin einplanen, dann würde ich Ihnen gerne die schönen und interessanten Seiten der Beschneiung näher bringen. Wir bieten ein Produkt an, dass Menschen glücklich macht – auch Sie und Ihr Umfeld. Darauf sind wir stolz.“

Wie erwähnt, haben die Verantwortlichen von SRF zu Ihren Kritiken Stellung bezo­gen. Herr Christian Dütschler, Redaktionsleiter von „10vor10“, schreibt dabei Folgen­des:

„Herr Jordan beanstandet den Beitrag ‚Kampf ums Wasser‘, welchen wir am 9. De­zember 2015 ausgestrahlt haben. Gerne nehmen wir zu den einzelnen Vorwürfen Stellung.

1. Vorwurf: ‚Unseriöse‘, ‚tendenziöse‘, ‚einseitige‘, ‚rufschädigende‘ Be­richterstattung

Herr Jordan kritisiert unsere Berichterstattung als ‚unseriös‘, ‚tendenziös‘, ‚einsei­tig‘ und ‚rufschädigend‘. Leider wird er dabei nicht konkret. Unsere Stellungnahme muss sich deshalb auf grundsätzliche Aussagen beschränken.

Der Autor des Beitrages hat breit recherchiert und stützte sich bei der Erarbeitung des Beitrages auf verschiedene seriöse Studien und Quellen:

  • Analyse der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Land­schaft WSL, die im Januar 2016 in der WWF-Studie ‚Das Wasser im Engadin – Öko­logie, Nutzung, Konflikte‘ publiziert werden soll. Diese zeigt, wie sich der Wasser­haushalt in 55 Untergebieten des Engadins verändern wird (‚signifikante Reduktion‘ der Jahresabflüsse, ‚allmähliche Abnahme‘ des Wassers im Engadin, ‚Schon jetzt kommt es zu Konflikten in der Trinkwasserversorgung, wenn zur Hochsaison mit Trinkwasser beschneit werden muss.‘, ‚Fast überall wird die natürliche Kapazität von Quellen und Bächen in und nahe den Skigebieten bereits vollständig ausgeschöpft.‘).
  • Zahlen und Fakten des Schweizer Seilbahn Verbands.
  • Forschungsprojekte und Studien (z.B. über 180-seitige Studie zum Klimawandel) des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Diese zeigen u.a. deutliche Einflüsse der Beschneiung auf die Natur, insbesondere durch die Was­serentnahme in Monaten, wo bereits wenig Wasser vorhanden ist. Auch für das SLF ist es fraglich, ob die Restwassermengen für die Natur reichen.
  • Analyse des UVEK resp. des Bundesamts für Energie BFE über die energetische Bedeutung der technischen Pistenbeschneiung
  • Verschiedene Dokumente des Bundesamts für Umwelt Bafu zur Koordination was­serwirtschaftlicher Vorhaben und zum Einzugsgebietsmanagement
  • ‚Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Rechtlicher Rahmen‘, Amt für Um­welt und Natur GR.
  • ‚Herausforderung Klimawandel‘, Amt für Wirtschaft und Tourismus GR und Berg­bahnen Graubünden.

Dazu kommen ausführliche Telefongespräche u.a. mit folgenden Experten resp. Organisationen:

  • Matthias Freiburghaus, Technischer Berater Wasser, Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW
  • Stephan Müller, Abteilungsleiter Wasser, Bundesamt für Umwelt
  • Ruedi Bösiger, Projektleiter, WWF Schweiz
  • Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin, WWF GR
  • Andreas Keller, Leiter Kommunikation, Verband Seilbahnen Schweiz
  • Adrian Jordan, Technischer Leiter, Engadin St. Moritz Mountains
  • Egon Scheiwiller, Direktor, Bergbahnen Motta Naluns
  • David Spinnler, Journalist, RTR (hat eine Hintergrundsendung zum Speichersee Lej Alv gemacht)

Wie Herr Jordan in seinem Schreiben bestätigt, hat sich der Autor auch für das Ge­spräch mit dem Beanstander sehr viel Zeit genommen. Ihm, wie auch den anderen Protagonisten, war zudem jederzeit klar, dass der Fokus des Beitrages auf dem Wasserverbrauch liegen wird. Die beiden zitierten Vertreter der Bergbahnen (der Beanstander Adrian Jordan als Technischer Leiter Engadin St. Moritz Mountains und Egon Scheiwiller, Direktor der Bergbahnen Motta Naluns) wussten zudem, dass im Beitrag auch eine Vertreterin des WWF zu Wort kommen würde.

Die breite Recherche des Autors mündete schliesslich in einen unserer Ansicht nach sachgerechten und ausgewogenen Beitrag.

Die Moderation weist auf den Fokus des Beitrags hin, nämlich auf den zunehmend hohen Wasserverbrauch der Beschneiungsanlagen:

[...] Fast die Hälfte aller Pisten werden mittlerweile beschneit. Doch die Schneespucker sind auch Wasserschlucker. Pro Saison brauchen die Kano­nen beinahe so viel Wasser wie die ganze Stadt Basel. Und der Durst ist noch lange nicht gestillt [...].

Zu Beginn des Beitrages wird in der Folge zuerst die grundsätzliche Problematik an einem konkreten Beispiel veranschaulicht:

Dreissigtausend Liter Wasser versprühen diese Düsen pro Stunde: Das ent­spricht dem Tagesverbrauch von rund 200 Personen. [...] Für die Beschnei­ung ist zur Zeit genügend Wasser vorhanden. Auch dank diesem neuen Speichersee, der seit dem Herbst genutzt wird. Kosten: 20 Millionen. Es ist der grösste Speichersee der Schweiz. Und trotzdem reicht er nicht aus, um das Skigebiet mit genügend Wasser zu versorgen.

Im Laufe des Beitrages kommen dann die Vertreter der Bergbahnen mit drei Zitaten zum Thema Wasserverbrauch ausführlich zu Wort:

Adrian Jordan, Technischer Leiter Engadin St. Moritz Mountains:

‚Der See bringt die Hälfte, von daher sind wir natürlich darauf angewiesen, noch Restwasser vom Tal heraufzupumpen, wie wir das in den letzten Jahren auch gemacht haben.‘

Egon Schweiwiller, Direktor Bergbahnen Motta Naluns:

‚Sie sehen da in dem Gebiet schon, dass wir einfach knapp sind, wir können nur neuralgisch beschneien, also neuralgische Punkte und wir müssen unbe­dingt durchgehend beschneien können, damit wir auf Saisonstart hin schlag­kräftig sind.‘

Selbst das Schlusswort gehört den Vertretern der Bergbahnen:

Adrian Jordan, Technischer Leiter Engadin St. Moritz Mountains:

‚Kann nicht sagen, ob das Wasser reicht in dreissig Jahren, einen solchen Planungshorizont haben wir in dem Sinne keinen, was das Wasser betrifft. Wir haben einfach eine Bezugslimite, das man nehmen kann. Und das hat in den letzten Jahren genügt. Wenn’s dann prekärer ist, muss man dann nach Lösun­gen suchen.‘

Die Gegenseite, der WWF, kommt im Beitrag einzig mit folgendem Zitat zu Wort:

Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin WWF GR:

‚Gerade im Winter, wenn alle Touristen da sind, wird es nicht reichen für Trink­wasser und Beschneiung. Und das hat dann zur Folge, dass man fürs Trink­wasser noch mehr Quellen anzapfen muss, dass man Grundwasser aufberei­ten muss für das Trinkwasser. Und das ist dann die indirekte Auswirkung von der Beschneiung.‘

Zu dieser Kritik vom WWF konnten die Vertreter der Bergbahnen zudem indirekt im Off-Text Stellung nehmen:

Die Betreiber beteuern, sie würden für die Kunstschnee-Produktion nur so viel Wasser verwenden, wie gesetzlich erlaubt ist. Hier in St. Moritz sind die Ski­gebiet-Verantwortlichen überzeugt: Der neue Speichersee entlaste zudem das Ökosystem: Aus dem Tal müsse viel weniger Wasser ins Skigebiet hochge­pumpt werden.

Von einer ‚unseriösen‘, ‚einseitigen‘ oder ‚tendenziösen‘ Berichterstattung kann also keine Rede sein. Die Kritik am Wassserverbrauch durch den Kunstschnee beruht auf seriösen Quellen. Die Bergbahnen konnten im Beitrag zu sämtlichen Kritikpunkten Stellung nehmen. Auch den Vorwurf einer Rufschädigung weisen wir zurück. Eine solche setzt die Verbreitung falscher Tatsachen voraus, was uns weder vom Bean­stander vorgeworfen noch tatsächlich der Fall ist.

Den Vorwurf einer ‚unseriösen‘, ‚tendenziösen‘, ‚einseitigen‘ und ‚rufschädigen­den‘ Berichterstattung weisen wir deshalb entschieden zurück.

2. Vorwurf: Ausstrahlung am Tag, an welchem Mountain Wilderness eine Studie zum Thema publizierte, welche auf einer Semesterarbeit basiere

Der Beanstander stellt in seinem Schreiben zudem fest, dass unser Beitrag am glei­chen Tag ausgestrahlt wurde, ‚an welchem Mountain Wilderness eine Studie zum Thema präsentierte, welche sich bei genauer Betrachtung als eine Semesterarbeit an der Uni Bern herausstellt‘. Deswegen sieht sich der Beanstander in seiner Wahrneh­mung einer ‚tendenziösen Berichterstattung‘ bestätigt.

Tatsächlich hat Mountain Wilderness – anders als der Beanstander schreibt – einen Tag vor der Ausstrahlung des beanstandeten Beitrages zwei Studien zur künstlichen Beschneiung vorgestellt (siehe Medienmitteilung vom 7. Dezember im Anhang). Unser Beitrag steht allerdings in keinem Zusammenhang mit den Analysen von Mountain Wilderness, die wir sonst namentlich erwähnt hätten. Auch kein Vertreter von Mountain Wilderness kommt in unserem Beitrag zu Wort. Tatsache ist, dass unser Beitrag bereits an einem früheren Tag hätte ausgestrahlt werden sollen. Aus Aktualitätsgründen hatte er am ursprünglich geplanten Datum jedoch keinen Platz und wurde verschoben.

Auch wenn die zeitliche Nähe tatsächlich ein Zufall ist: Es zeigt, dass das Thema in diesem warmen Winter besonders aktuell ist. Moutain Wilderness kommt in seinen Studien – auch wenn die eine davon das Resultat einer Semesterarbeit sein mag – offenbar zudem zu einem ähnlichen Schluss wie unser Autor durch seine unabhängi­ge Recherche: Der hohe Wasserverbrauch durch die künstliche Beschneiung ist ein zunehmendes Problem für den Wasserhaushalt der betreffenden Regionen.

3. Vorwurf: Schlagzeile ‚Umweltsünder Schneekanonen‘ sei ‚billigster Bou­levardjournalismus‘

Herr Jordan meint zudem, die Schlagzeile ‚Umweltsünder Schneekanonen‘ sei ‚billigster Boulevardjournalismus‘. Wir verstehen den Vorwurf von Herr Jordan so, dass er uns eine übermässige Zuspitzung des Themas in der Schlagzeile vorwirft.

Die von uns verwendete Schlagzeile lautete wörtlich:

‚Umweltsünder Schneekanonen – Wegen dem künstlichen Weiss wird das Wasser knapp.‘

Eine Schlagzeile muss naturgemäss zuspitzen, um ein Thema auf den Punkt zu bringen und das Interesse der Zuschauer zu wecken. Sie darf jedoch nicht so überspitzt sein, dass das Publikum getäuscht wird. Haben wir unserem Publikum mit dem Begriff ‚Umweltsünder‘ tatsachenwidrig etwas vorgegaukelt? Wir glauben nicht. Auch wenn die mit der künstlichen Beschneiung verbundene Technologie in der letzten Zeit verbessert worden sein mag, belastet sie die Umwelt immer noch erheb­lich. Im Beitrag fokussieren wir auf den Aspekt des Wasserverbrauchs. Dass dieser sehr hoch ist und in Zukunft noch zunehmen wird, belegen wir an verschiedenen Stellen im Beitrag:

  • Pro Saison brauchen die Kanonen beinahe so viel Wasser wie die ganze Stadt Basel. (Moderation)
  • Dreissigtausend Liter Wasser versprühen diese Düsen pro Stunde – das entspricht dem Tagesverbrauch von rund 200 Personen.
  • Die Beschneiung soll stark ausgebaut werden.
  • Egon Schweiwiller, Direktor Bergbahnen Motta Naluns: ‚Sie sehen da in dem Gebiet schon, dass wir einfach knapp sind, wir können nur neuralgisch beschneien, also neuralgische Punkte und wir müssen unbe­dingt durchgehend beschneien können, damit wir auf Saisonstart hin schlag­kräftig sind.‘
  • Weil immer mehr Wasser für die Beschneiung verwendet wird, befürchtet der WWF in Zukunft gravierende Folgen und Engpässe. Der Wasserhaushalt der ganzen Region werde verändert.
  • In Zukunft sollen noch mehr Wiesen zu Skipisten werden. Die Betreiber benö­tigen immer mehr Wasser – während durch den Klimawandel immer weniger Wasser zur Verfügung stehen wird.

Schneekanonen verbrauchen aber nicht nur – wie im Beitrag ausführlich dargelegt – sehr viel Wasser, sondern auch viel Strom. Das halten wir im Beitrag ebenfalls fest:

  • Adrian Jordan, Technischer Leiter Engadin St. Moritz Mountains

‚Der See bringt die Hälfte, von daher sind wir natürlich darauf angewiesen, noch Restwasser vom Tal heraufzupumpen, wie wir das in den letzten Jahren auch gemacht haben.‘

  • Aus diesem Stauwehr wollen die Bergbahnen das nötige Wasser zu den Schneekanonen pumpen. Wasser, das für die Stromproduktion vorgesehen war. Über zwanzigtausend Franken pro Saison wird das Wasser aus dem Elektrizitätswerk kosten.

Zusätzlich setzt die künstliche Beschneiung grosse (teils irreparable) Eingriffe in die Landschaft voraus, wie z.B. den im Beitrag gezeigte Speichersee.

Selbst wenn der Begriff ‚Umweltsünder‘ zuspitzen mag, so wird dieser mit dem inte­gralen Zusatz ‚wegen dem künstlichen Weiss wird das Wasser knapp‘ innerhalb der Schlagzeile sogleich konkretisiert und somit auch relativiert. Der breite Begriff ‚Um­weltsünder‘ steht also nicht unkommentiert da, sondern wird über den Zusatz so­gleich in Beziehung zum hohen Wasserverbrauch gesetzt. Es wird somit schon in der Schlagzeile klar, welchen umweltschädigenden Aspekt der Beitrag thematisieren wird. Das entspricht den Empfehlungen des Schweizerischen Presserats für einen fairen Journalismus: ‚Stark verkürzende, weit gehende Titel sind möglichst frühzeitig (be­reits im Untertitel oder Lead) zu relativieren‘ (Aus „So arbeiten Journalisten fair“, von Peter Studer und Martin Künzi).

Die Umweltbelastung durch die künstliche Beschneiung wird in den Medien seit längerem immer wieder mal thematisiert. Folgende Ausschnitte aus Presseartikeln mögen das verdeutlichen:

  • Schneegarantie mit Kehrseite - Kunstschnee bringt Skigebieten wirtschaftlichen Erfolg. Eine masslose Beschneiung kann aber auch ökologische Probleme verursachen.' (Neue Zürcher Zeitung, 3.3.2011; im Anhang)
  • ‚Die grosse Schnee-Schlacht‘ (...) ‚Doch die fix installierten Schneelanzen und verlegten unterirdischen Wasserleitungen haben die Landschaft vernarbt. Und das Hochpumpen des Wassers in Speicherseen sowie die Beschneiung selbst sind Energiefresser.‘ (Aargauer Zeitung, 24.12.2015; im Anhang)

Schliesslich möchten wir noch auf folgende Titel hinweisen, welche andere Medien für ihre Artikel zu der erwähnten – von uns jedoch nicht verwendeten – Studie von Mountain Wilderness gewählt haben (Artikel finden sich im Anhang):

  • ‚Umweltsünder: Schnee aus der Kanone‘ (Handelszeitung online, 8.12.2015)
  • ‚Schneekanonen belasten die Umwelt‘ (Bündner Tagblatt, 9.12.2015)

Aus den oben erwähnten Gründen sind wir der Meinung, dass die von uns verwen­dete Schlagzeile das Thema in einem zulässigen Rahmen zuspitzt und dem Publi­kum das eigentliche Thema des Beitrages, nämlich den aus ökologischer Sicht pro­blematisch hohen Wasserverbrauch der Schneekanonen, ankündigt.

Schliesslich weisen wir aus den ausführlich dargelegten Gründen auch den Vorwurf zurück, den ‚national wichtigen und aktuell gebeutelten Wirtschaftszweig Tourismus erneut mit einem negativen Vorurteil zu schwächen‘. Zusammenfassend sind wir der Meinung, dass unsere Berichterstattung zum Thema nicht nur sachgerecht, sondern auch ausgewogen war und sich das Publikum jederzeit eine eigene Meinung bilden konnte. Aus diesen Gründen bitten wir Sie, die Beanstandung zurückzuweisen.“

3. Soweit die umfassende Stellungnahme des Redaktionsleiters von „10vor10“. Herr Christian Dütschler argumentiert ausführlich und sehr überzeugend, warum seiner Meinung nach Ihre Beanstandung abgewiesen werden sollte. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann ich mich deshalb kurz halten.

In Ihrer Eingabe monieren Sie, dass der Beitrag „Umweltsünder Schneekanonen“ als „billigster Boulevardjournalismus“ angesehen werden kann. Ohne auf konkrete Fehl­leistungen hinzuweisen, werfen Sie der Berichterstattung vor, „nicht tragbar, tenden­ziös und rufschädigend“ gewesen zu sei. Sie vermissen insbesondere eine genügen­de Berücksichtigung Ihrer Hintergrunderklärungen und Ausführungen zur Nachhaltig­keit gegenüber dem SRF-Reporter. Der Schweizer Tourismus sei erneut mit negati­ven Vorurteilen geschwächt worden.

Nachdem ich die Angelegenheit analysieren konnte, sehe ich es anders. Die Aus­gangslage sollte unbestritten sein: Ohne Kunstschnee wäre es dieses Jahr in der Schweiz kaum möglich gewesen, über Weihnachten und Neujahr Ski zu fahren. Es ist deshalb volkswirtschaftlich durchaus verständlich, wenn fast die Hälfte der Skipis­ten künstlich beschneit wurden.

Doch es ist ebenso unbestritten, dass die künstliche Beschneiung von Skipisten jedes Jahr grosse Mengen an Wasser, Energie und Geld verschlingt. Sie selber geben offen zu, dass das Thema „emotional und heikel“ sei. Nicht umsonst wird der Einsatz von „Schneekanonen“ seit Jahren kontrovers diskutiert. Wenn bisher vor allem der Energieverbrauch in der Kritik stand, wird immer mehr auch der für die Be­schneiung notwendige Wasserverbrauch zum Thema. Dies war auch der eigentliche Fokus des Beitrages. Ausgehend von der Inbetriebnahme eines neuen Speichersees auf dem Skigebiet Corviglia analysierte 10vor10 die Folgen dieser Wasserbenutzung.

Dabei wurden die Fakten auf Grund der vorliegenden Daten korrekt wiedergegeben und Sie selber sowie der Direktor der Bergbahnen Motta Naluns hatten die Möglich­keit, Ihre Sicht der Dinge zu erläutern und die zwingende Notwendigkeit einer künst­lichen Beschneiung trotz Wasserverbrauch zu betonen.

Gewiss: In der Schlagzeile war von „Umweltsünder Schneekanonen“ die Rede. In diesem Sinne kann ich Ihre Unzufriedenheit durchaus nachvollziehen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Schneekanonen doch die Umwelt belasten, erachte ich diese Formulierung sicher als überspitzt, aber als journalistisch noch zulässig. Umso mehr, als im Bericht die Begründung für diese Einschätzung geliefert wurde.

Entscheidend ist aber, dass zur gesamten Problematik beide Seiten zu Wort kom­men konnten. Im Bericht wurde auf die widersprüchlichen Interessen des Tourismus und die ebenfalls berechtigten Sorgen für die Umwelt ausgewogen hingewiesen. Das Publikum war somit in der Lage, sich zur behandelten Frage eine eigene Meinung zu bilden. Das geforderte Sachgerechtigkeitsgebot wurde deshalb nicht verletzt. Ihre Beanstandung, soweit ich darauf eintreten konnte, kann ich somit nicht unterstützen.

4. Ich bitte Sie, das vorliegende Schreiben als meinen Schlussbericht gemäss Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes RTVG entgegenzunehmen. Über die Mög­lichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI (Monbijoustrasse 51A, Postfach 8547, 3001 Bern) orientiert Sie der beiliegende Auszug aus dem Bundesgesetz über Radio und Fernsehen.

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