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Fernsehen SRF «Rundschau» Beitrag über die «Reitschule Bern» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 27. März 2017 haben Sie den Rundschaubeitrag über die Reitschule Bern[1] in der «Rundschau» vom 22. März 2017 beanstandet. In diesem wird gezeigt, wie sich die Autonomen-Szene Berns radikalisiert, dass sich die Chaoten immer wieder in die Reithalle, wo die Polizei keinen Zutritt hat, zurückziehen und wer hinter den Randalen steckt. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Mit Spannung habe ich die Rundschau von letzter Woche, wie jede Woche, erwartet. Allerdings war ich nach dem Beitrag über die Reitschule in Bern als junger Berner der regelmässig und seit Jahren dort anzutreffen ist ein wenig verwirrt. Denn was gezeigt wurde entsprach leider überhaupt nicht den Tatsachen. Ich spreche hier unter anderem das gezeigte Organigramm, wo sie versucht haben die verschiedenen Einflussgruppen aufzuzeigen, an. Die Reitschule bietet nämlich mehr als nur Dachstock, Sous le Pont, Infoladen, linke Fussball Fans, RJG und 031. Unter anderem das Rössli, Frauenraum, Cafete, Tojo, Kino und Druckerei. Wenn sie schon einen Bericht über die Reitschule an bester Sendezeit zeigen sollte dieser auch der Wahrheit entsprechen und nicht wie ihr Beitrag das wie ein verzweifelter Versuch eines Reporters wirkt einen anständigen Beitrag über etwas zu erstellen worüber er selber anscheinend nicht wirklich Ahnung hat. Aber was tut man nicht alles für eine gute Quote ... guter Journalismus sieht anders aus.

B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Mario Poletti, Redaktionsleiter Rundschau schrieb:

Gerne nehmen wir Stellung zur Beanstandung von Herrn X.

Die gewaltsamen Ereignisse nach der Räumung eines besetzten Hauses an der Effingerstrasse 29 am 22. Februar 2017 im Umfeld der Reitschule haben die Redaktion der «Rundschau» bewogen, nach den Hintergründen und den Ursachen dieses Gewaltpotenzials zu suchen. Mit der Aufgabe betraut wurde Autor Georg Häsler, der in Bern lebt und die «Reitschule» seit ihrer Wiedereröffnung im Winter 1987 regelmässig besucht. Gespräche mit allen möglichen Kennern und Insidern führten zur Erkenntnis, dass die Freiräume in der «Reitschule» und anderswo in der Stadt Bern von kriminellen Gruppierungen wie der Sprayer-Gang «031» missbraucht werden. Der städtische Sicherheitsdirektor Reto Nause hat dies vor der Kamera bestätigt.

Es fällt uns schwer, den konkreten Gegenstand der Beanstandung zu erkennen. Den Vorwurf, die Berichterstattung entspreche nicht den Tatsachen, weisen wir zurück. Dies betrifft insbesondere auch die Grafik mit den einzelnen Gruppierungen, die sich in der «Reitschule» bewegen. Bei den Einzelgruppen wie dem Dachstock, dem Sous le Pont oder dem Infoladen wurde eine Auswahl präsentiert, sprachlich transparent formuliert mit einem «oder».

Den Anspruch der Reitschule hat Sandro Brotz in der Anmoderation formuliert – zitiert aus dem Manifest: «Rebellisch, unterhaltend und bewegend.» Der Fokus lag aus gegebenem Grund auf der Gewalt, die von der «Reitschule» ausgeht. Leider hat die Mediengruppe auf unsere Anfrage, eine Form der Kooperation zu finden, nicht reagiert. Weder mündlich noch schriftlich.

Aus diesen Gründen bitten wir Sie, die Beanstandung abzuweisen.

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung.

Der von Ihnen recht allgemein beanstandete Rundschaubeitrag zeigt auf, wer hinter den aktuellen Randalen in Bern steckt. Bereits in der Anmoderation von Sandro Brotz wird klar, dass es darum geht, herauszufinden, ob die Reithalle ein Rückzugsort für Kriminelle sei, wie gross der Einfluss der Gang 031 auf die Betreiber der Reithalle ist und wie schwer sich diese damit tun. Georg Häsler verschafft sich vor Ort einen Überblick und kommt mit verschiedenen Personen aus der Szene ins Gespräch. Keine einzige zeigt sich aber im Bild, sämtliche Stimmen werden nachgesprochen.

Bereits ein kurzer Blick ins Internet zeigt Herrn Häslers vielfältiges Arbeiten in und um Bern. Dass er in Bern lebt und die «Reitschule» seit ihrer Wiedereröffnung 1987 regelmässig besucht, macht ihn zusätzlich glaubwürdig. Der Einbezug von Reto Nause, Sicherheitsdirektor Bern/CVP; Maurice Lindgren, Stadtrat GLP/Bern; Alexander Feuz, Stadtrat SVP/Bern sowie Manuel C. Widmer, Stadtrat GFL/
Bern trägt zu einem – auch parteipolitisch – abgerundeten Bild über die Problematik bei. Dass nicht alle Reitschule-Gruppen in der Grafik aufgezeigt wurden, ist schon aus Gründen der Übersichtlichkeit nachvollziehbar. Sprachlich wurde – wie Herr Poletti anführt – transparent formuliert, und zwar mit dem Wort «oder». Das Publikum weiss damit, dass es sich um eine nicht abschliessende Aufzählung handelt.

Alles in allem sehe ich keinen Grund, Ihre Beanstandung zu unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann

[1] https://www.srf.ch/sendungen/rundschau/svp-elite-albert-roesti-reithalle-rueckkehr-der-dschihadisten

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