SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Sendung über Energieautonomie von «Einstein»/«SRF MySchool» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 13. Juni 2017 beanstandeten Sie die Sendung "Ein Dorf wagt den Alleingang - Der Weg zur Energieautonomie" auf SRF MySchool (Fernsehen SRF) vom 4. Juni 2017.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

„Als Schweizerischer Verband für eine vernünftige Energiepolitik und Raumplanung beanstanden wir die oben genannte Sendung, da gegen das Sachgerechtigkeitsgebot verstossen wird.[2] In der Sendung wird ein einseitiges Bild der ‚Energiewende‘ vermittelt, nur die Vorteile von neuen erneuerbaren Energien in den Fokus gerückt sowie mehrere Begriffe falsch verwendet resp. Zusammenhänge vermischt.

1. Gleich zu Beginn des Films wird das porträtierte Dorf Feldheim als ‚energieautark und somit unabhängig vom Bundesstromnetz‘ betitelt. Einerseits wird damit ‚Energieversorgung‘ auf ‚Bundesstromnetz‘ beschränkt, was hinsichtlich der Tatsache unzulässig ist, dass nur ein kleiner Teil der in Feldheim verbrauchten Energie in Form von Strom konsumiert wird. Diese Vermischung ist insbesondere nicht akzeptierbar, weil der Film der Bildung von Jugendlichen dient, welche im Umgang mit Strom und anderen Energieträgern auf die Art und Form der Energie sensibilisiert werden sollen - Energie ist nicht gleich Strom!

2. Andererseits kann Feldheim nicht unabhängig vom Bundesstromnetz sein. Die Grafik ab 1:40 macht den Eindruck, als wäre Feldheim nicht am Bundesstromnetz angeschlossen (die Strommasten fallen zusammen). Dies ist aber nicht möglich. Zum einen, weil bei Flaute der Windpark von Feldheim keinen Strom produziert, bei viel Wind existiert aber in Feldheim kein Speicher für den Strom, weshalb der Strom zumindest kurzfristig via Bundesnetz bezogen werden muss. Des weiteren muss der Windpark ja den Strom aus dem Dorf wegbringen (99.5% des in Feldheim produzierten Windstroms wird nicht in Feldheim konsumiert; was wiederum für einen Anschluss am Bundesnetz spricht) und zuletzt dürfte in Feldheim kein Netz bestehen, welches automatisch auch bei grösseren Schwankungen die Spannung gleich hält und bei Stromüberfluss den Strom in Wärme verwandelt. Die Tatsachenfeststellung, Feldheim sei (direkt oder indirekt) nicht am Bundesstromnetz angeschlossen, ist somit falsch.

3. Der Film erweckt den Eindruck, dass in Feldheim auch bei einem grossen regionalen Stromausfall niemand etwas davon bemerkt habe (<beim letzten grossen Stromausfall hatten nur noch die Feldheimer Strom>). Dies dürfte eine falsche Tatsachendarstellung sein. Zu Beginn des Stromausfalls sind in Feldheim die meisten elektrischen Geräte ausgestiegen, denn es stand kurzfristig kein oder zu wenig Strom zur Verfügung. Nachdem die am lokalen Netz angeschlossene Biogasanlage hochgefahren wurde, hatten alle am Netz angeschlossenen Haushalte in Feldheim (wenigstens) Licht. Grosse Stromverbraucher wie eine Elektrotankstelle, Kühlschränke o. ä. dürften aber nicht betrieben worden sein.

4. Es entsteht der Eindruck, die Einwohnerinnen und Einwohner von Feldheim würden vollständig energieautark leben. Dies ist aber insofern falsch, weil in Feldheim nur eine einzige Elektrotankstelle besteht, zahlreiche Fahrzeuge mit fossilen Treibstoffen angetrieben werden und die im Ort konsumierten Produkte nicht aus lokaler Energie hergestellt sind. Zudem ist die Herkunft der Energieträger Mais, Gülle und Holz ungeklärt und es ist auch unklar, ob diese Energieträger übers ganze Jahr immer vollständig den Verbrauch bedarfsgerecht decken können.

5. Die Nachteile der in Feldheim vorhandenen Produktion durch neue erneuerbare Energien werden vollständig ausgeblendet.
a) Es existiert in Feldheim keine Möglichkeit, den Strom zu speichern.
b) Durch den Betrieb des riesigen Windparks mit über 40 Turbinen ist die Umgebung von Feldheim grossflächig mit hörbarem Lärm sowie Erschütterungen (Infraschall) belastet.
c) Der Greifvogelbestand ist in Feldheim dramatisch zurückgegangen, da zahlreiche Tiere an den Rotorblättern der Windkraftwerke erschlagen wurden. Das gleiche gilt für die Fledermäuse. Damit ist das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen geraten und dies hat gewichtige Massnahmen für Mensch und Umwelt. Hier von Nachhaltigkeit und sauberer Energie zu sprechen, wie das im Film geschieht, ist eine Farce.
d) Auch die Herstellung von Biogas ist laut Wikipedia ‚nicht unkritisch‘.

6. Inwiefern die Kostenangabe richtig ist, kann nicht überprüft werden. Die Frage bleibt offen, ob die Feldheimer (wie das beim Windpark zu erwarten ist) von hohen Subventionen profitieren, und die Gestehungskosten der Energie und des Stroms nicht selber vollständig berappen müssen.

7. Bei Minute 4:35 sagt der Kommentator: <Die Feldheimer setzen auf erneuerbare Energien: Wind, Mais und Schweinegülle. Statt Atom, Kohle und Heizöl>. Diese Aussage deutet - auch im Hinblick auf die oben genannten Punkte - darauf hin, dass der Film nicht neutral über Energieautarkie berichtet, sondern einseitig das Zielpublikum, jugendliche Schülerinnen und Schüler, beeinflussen will. Es wird einseitig - sogar mit einem Slogan - ein positives Bild der ‚Energiewende‘ vermittelt. Unsachliche und vermischende Angaben, falsche und einseitige Darstellungen sowie wertende Aussagen gehören zuletzt in die Bildung!

Entsprechend hat die Redaktion einen gleich langen Film über die Risiken und Probleme von Subventionen, der Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energieträgern (inkl. dem Speicher- und Verteilproblem) sowie der Abhängigkeit von Bandstrom (Atom und Kohle) und fossilen Treibstoffen zu produzieren. Die Redaktion ist verpflichtet, den Bildungsträgern sachgerechtes, differenziertes und ausgeglichenes Material zur Verfügung zu stellen.“

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für SRF MySchool antwortete Herr Christoph Aebersold, Leiter Strategie und Angebote, Bereich Junge Zielgruppen, wie folgt:

„X vom Verband Freie Landschaft Schweiz beanstandet den Filmbeitrag ‚Ein Dorf wagt den Alleingang/Ausstieg‘, der bei SRF mySchool im Schulfernsehen und auf der eigenen Website distribuiert wurde. Der Beitrag war ursprünglich von der Redaktion ‚Einstein‘ produziert und ist am 5.1.2017 ausgestrahlt und online gestellt worden.

X wirft der Redaktion von SRF mySchool insbesondere vor, dem Zielpublikum ein einseitiges Bild der ‚Energiewende‘ zu vermitteln und das Publikum zu beeinflussen. Er sieht das Gebot der Sachgerechtigkeit verletzt, wie es in den Publizistischen Leitlinien von SRF festgelegt ist. Sachgerecht ist demnach eine Berichterstattung, wenn sie alle verfügbaren Fakten in Betracht zieht und nur darstellt, was nach bestem Wissen und Gewissen für wahr gehalten wird. Sie verlangt eine faire Darstellung unterschiedlicher Meinungen.

Wir nehmen mit diesem Schreiben zur Beanstandung von Herrn X aus Sicht von SRF mySchool gerne Stellung. Da es sich um eine Übernahme eines Beitrags aus einer andere Redaktion handelt, wurde auch Thorsten Stecher, Redaktionsleiter von ‚Einstein‘, zu den Abklärungen hinzugezogen. Gegen das Gebot der Sachgerechtigkeit wurde unseres Erachtens im vorliegenden Fall nicht verstossen.

Auftrag SRF mySchool

Die Inhalte von SRF mySchool werden im Rahmen der Umsetzung des gesetzlichen Bildungsauftrags produziert. Eine Vereinbarung zwischen der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz D-EDK und Schweizer Radio und Fernsehen SRF definiert die Eckwerte. SRF mySchool ist thematisch auf den Schulunterricht ausgerichtet, soll das Wissensspektrum der Schülerinnen und Schüler erweitern und die Unterrichtsinhalte der Lehrpläne mit audiovisuellen Mitteln ergänzen.

Die Sendungen sind themenorientiert aufgebaut, visuell und inhaltlich attraktiv und darüber hinaus so gestaltet, dass sie neben dem Zielpublikum auch die interessierte Öffentlichkeit ansprechen. Die Sendungen werden im Fernsehen ausgestrahlt und im Internet abgebildet. Es werden Hinweise für die Anwendung in der Schule und Querverweise zu anderen themenbezogenen Produkten gegeben.

Die Sendungen beinhalten auch spezifisch schweizerische sowie aktuelle Inhalte. Die Behandlung von Energie-Themen lässt sich aus dem explizit festgelegten Lehrplan-Bezug von SRF mySchool ableiten. Im Lehrplan 21 werden verschiedene fächerübergreifende Themen unter der Leitidee nachhaltiger Entwicklung formuliert.[3]

Erläuterungen zur Beanstandung

In den folgenden Abschnitten gehen wir auf die einzelnen von X vorgebrachten Kritikpunkte ein:

1. Tatsächlich wird der Begriff ‚energieautark‘ im beanstandeten Filmbeitrag ausschliesslich auf die beiden Bereiche der Strom- und Wärmeversorgung angewendet. Eine Irreführung der Zuschauer/innen findet aber nicht statt, weil sowohl im Einführungstext auf der Website als auch im Filmbeitrag selber deutlich gemacht wird, dass in erster Linie die Unabhängigkeit Feldheims vom Stromnetz thematisiert wird.

Für den Begriff ‚energieautark‘ existiert überdies keine allgemein gültige Definition. Er wird je nach Zusammenhang für unterschiedliche Konzepte verwendet. Ein entsprechender Hinweis im zum Filmbeitrag gehörenden Webartikel hätte hier zusätzliche Klarheit schaffen können.

Das Porträt des Dorfs Feldheim ist bei SRF mySchool einer von mehreren Bestandteilen eines Dossiers zum Thema Energie. Andere Formen der Energieversorgung werden darin ebenfalls behandelt, so dass eine Sensibilisierung auf verschiedene Arten und Formen von Energie durchaus gegeben ist. Einige wenige Beispiele mit Titel und Kurzbeschrieb:

  • ‚Strom‘: Von A wie Ampere bis Z wie Zink-Kohle-Batterie – die Reihe ‚Strom‘ klärt Fragen rund um die elektrische Energie, erklärt die Unterschiede von erneuerbarer und nicht erneuerbarer Energie und zeigt, wie verschiedene Kraftwerke funktionieren.
  • ‚Energiewende‘: Wie eine drohende Stromlücke nach der Abschaltung der Kernkraftwerke mit alternativen Energien gestopft werden soll, beschäftigt unzählige Fachleute. Die Reihe ‚Energiewende‘ zeigt die verschiedenen Standpunkte.
  • ‚Blackout‘: In kurzen Erklärstücken werden die Gefahren aufgezeigt, mit welchen sich die Betreiber von Stromnetzen täglich konfrontiert sehen. Zudem stellen sie die weitreichenden Konsequenzen eines Stromausfalls dar.

2. Die Grafik im Filmbeitrag dient zur Veranschaulichung der Unabhängigkeit Feldheims vom bundesweiten Stromnetz. Die Strommasten fallen in der Grafik nicht zusammen, sondern verschwinden, nachdem die verschiedenen Komponenten der autarken Stromversorgung vom Sprecher erklärt und in der Grafik dargestellt worden sind.

Feldheim verfügt über einen Batteriespeicher, der gemäss eigenen Angaben natürliche Fluktuationen bei der Stromversorgung ausgleicht. Ausserdem produziert die örtliche Biogasanlage neben Wärme auch Strom. Der wird verwendet, wenn bei Flaute die Windräder stillstehen. Im Beitrag wird überdies erwähnt, dass die Energie aus dem Windpark, die in Feldheim nicht benötigt wird, ins Netz fliesst. Die Behauptung, Feldheim sei nicht am Stromnetz angeschlossen, wird im Beitrag nicht aufgestellt.

3. Im Filmbeitrag ist nicht die Rede von einem ‚grossen Stromausfall‘. Der Beanstander zitiert hier nicht korrekt. In Wahrheit heisst es: <Als im Herbst 2016 eine Überlandleitung ausfiel, lag alles ringsum im Dunkeln ... Nur in Feldheim brannte noch Licht.> Erwähnt wird ein Stromausfall, wie er in der Region aufgrund technischer Probleme und von Witterungsbedingungen immer wieder vorkommt.

Der Beanstander mutmasst, dass zu Beginn die meisten elektrischen Geräte ausgestiegen sein müssten, weil zu wenig Strom zur Verfügung gestanden hätte: <Erst nachdem die am lokalen Netz angeschlossene Biogasanlage hochgefahren wurde, hatten alle am Netz angeschlossenen Haushalte in Feldheim (wenigstens) Licht.> Das könnte sich durchaus so zugetragen haben, wie Thorsten Stecher von der Redaktion ‚Einstein‘ erklärt. Er hält fest, dass im Beitrag nichts anderes behauptet wird.

Seit der Ortsteil über ein eigenes Netz verfügt und die verschiedenen Komponenten bei der Energieproduktion zusammenspielen, gibt es jedoch gemäss Aussagen der Ortsvorsteherin keine kurzfristigen Ausfälle mehr: <Richtig ist, dass wir in Feldheim mit unserem Netz keine Stromunterbrechungen oder Stromschwankungen, wie in früheren Jahren, mehr kennen.> In den Kraftwerken von Feldheim wird in der Regel mehr Energie produziert, als die Dorfbewohnerinnen und -bewohner verbrauchen.

4. Der Eindruck, alle Einwohnerinnen und Einwohner von Feldheim würden vollständig energieautark leben, wird nicht vermittelt. Im Zentrum des Filmbeitrags stehen die Strom- und Wärmeversorgung des Ortsteils der Stadt Treuenbrietzen.

5. Allfällige Nachteile der in Feldheim vorhandenen Produktion durch erneuerbare Energien werden im Filmbeitrag nicht explizit thematisiert. Jede Form der Energiegewinnung bringt üblicherweise Vor- und Nachteile mit sich. Unser Ziel war es anhand des Beispiels von Feldheim zu zeigen, welche alternativen Wege möglich sind und auch schon beschritten werden. Zu den konkreten Kritikpunkten des Beanstanders, ist Folgendes zu sagen:

a) In Feldheim wurde 2015 eine Speicheranlage zum Ausgleich kurzfristiger Schwankungen der Netzfrequenz in Betrieb genommen. Schon vorher wurde die Biogasanlage zur Unterstützung der Stromproduktion bei Windstille eingesetzt.

b) Tatsächlich verursachen die Windräder hörbare Drehgeräusche. Dies führte in der Nachbarschaft der Anlagen von Feldheim auch schon zu Lärmklagen. Zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall gibt es in der Fachliteratur widersprüchliche Angaben. Allerdings scheint belegt zu sein, dass die Infraschallabgabe von Flugzeugen und Motorfahrzeugen höher liegt als jene von Windkraftanlagen.

c) Verschiedene wissenschaftliche Studien haben negative Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel nachgewiesen. Einerseits liegen die Risiken in der Kollisionsgefahr, andererseits in der dauerhaften baulichen Zerstörung von Lebensräumen. Die Gesetzgebung schreibt daher vor der Errichtung von Windkraftwerken umfangreiche Umweltprüfungen vor, wie sie auch bei anderen Bauprojekten üblich sind. Im Fall der Anlagen von Feldheim wurden verschiedene Ausgleichsmassnahmen für die Beeinträchtigung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen ergriffen. Die gesetzlichen Vorschriften bei Planung und Bau von Kraftwerksanlagen war indes nicht Gegenstand des Filmbeitrags. Generell hat die Erschliessung und Nutzung unbebauter Gebiete und sowie die Zersiedelung negative Auswirkungen auf die Biodiversität und die Vogelartenvielfalt. Dass in Feldheim der Greifvogelbestand durch den Bau der Windräder insgesamt dramatisch zurückgegangen ist, lässt sich gemäss Umweltprüfung derzeit nicht nachweisen.

d) Die Herstellung von Biogas birgt verschiedene Risiken, der Anbau von Mais zur Gasgewinnung ist umstritten. Wie bei anderen Methoden der Energiegewinnung gibt es auch hier neben verschiedenen Vorteilen einige Nachteile. Auf diese im vorliegenden Filmbeitrag einzugehen, hätte den Rahmen gesprengt.

6. Der Aufbau der verschiedenen Anlagen zur Energiegewinnung in Feldheim wurde mittels Fördergeldern aus der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Brandenburg unterstützt. Die Auseinandersetzung mit den entsprechenden gesetzlichen Vorgaben oder gar die politische Frage nach der Sinnhaftigkeit von Subventionen war nicht Thema des Filmbeitrags.

7. Der Vorwurf, das Publikum einseitig beeinflussen zu wollen, trifft nicht zu. Die Aussage <Wind, Mais und Schweinegülle statt Atom, Kohle und Heizöl> wird im Beitrag nicht als Slogan verwendet. Vielmehr wird mit der stichwortartigen Gegenüberstellung von klassischen und neuen Energieträgern das Prinzip des Modells von Feldheim verständlich und greifbar gemacht. Ich kann nicht erkennen, wo im Filmbeitrag unsachliche oder gar falsche Angaben gemacht werden.

Fazit
Den Vorwurf der Manipulation des jungen Publikums weist die Redaktion entschieden zurück. Wir erkennen keinen Verstoss gegen das Sachgerechtigkeitsgebot. Im Vordergrund des Filmbeitrags ‚Ein Dorf wagt den Alleingang/Ausstieg‘ steht die exemplarische Darstellung des ‚Energiemodells‘ von Feldheim : Der Fokus liegt dabei auf der Nutzung unterschiedlicher Formen erneuerbarer Energie und auf dem Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten.

Tatsächlich wird auf die kontroverse Darstellung verschiedener gesellschaftspolitischer und politischer Fragen sowie Schwierigkeiten im Zusammenhang mit alternativen Energieversorgungsmodellen verzichtet. Bewusst, denn insbesondere die Beleuchtung der politischen Kontroverse hätte den Rahmen gesprengt und das eigentliche Thema in den Hintergrund rücken lassen. Denkbar wäre allenfalls, den Einführungstext auf der Website mit Hinweisen auf Vorbehalte gegenüber Windkraftanlagen zu ergänzen.

Allerdings ist der Beitrag auf SRF mySchool eingebettet in ein ‚Energie‘-Dossier, wo ein Teil dieser Fragen in anderen Artikeln und Videos durchaus erläutert wird. Auch im Schulfernsehprogramm auf SRF 1 wurde der Beitrag innerhalb eines Energie-Schwerpunkts ausgestrahlt. Wir sind der Meinung, dass mit dieser Form der Umsetzung die besonderen Anforderungen, die für Inhalte zu schulischen Zwecken bestehen, erfüllt werden. Das interessierte Publikum der angesprochenen Altersgruppen sollte in der Lage sein, sich aufgrund der vorliegenden Beiträge eine eigene Meinung zur Energiewende zu bilden.[4]

Die gesellschaftliche und politische Diskussion um die Vor- und Nachteile verschiedener Kraftwerke und Energieversorgungsmodelle ist im Übrigen immer wieder Thema in anderen Sendungen und Programmen von Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Verschiedene Beiträge können auf der Website srf.ch eingesehen werden, in unmittelbarer Umgebung und teilweise mit Verlinkung zu den Inhalten von SRF mySchool.

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Es ist sehr verdienstvoll, dass Fernsehen SRF im Rahmen von „SRF My School“ mit Sendungen und zusätzlichem Material zur Allgemeinbildung junger Menschen beiträgt. Die Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz ist positiv zu werten. Dass auch die Probleme der Energieversorgung und der Energiewende in diesem Rahmen thematisiert werden, versteht sich von selbst.

Zunächst verdient das kleine Dorf Feldheim, Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark des deutschen Bundeslandes Brandenburg mit 128 Einwohnern auf 15,7 Quadratkilometern für seine Pionierleistung Bewunderung[5], und es ist nur zu begrüssen, dass die Schülerinnen und Schüler bei uns von solchen Initiativen erfahren. Die Feldheimer zeigten, dass Wagemut, praktisches Denken und Beharrlichkeit zum Ziel führen. Sie dienen dadurch jungen Leuten als Vorbild.

Das sehen Sie vermutlich auch so, aber das ist nicht Ihr Fokus. Ihr Fokus ist die Wirkung des Films auf die jungen Menschen. Sie sind zum Schluss gekommen, dass der von Ihnen beanstandete Beitrag nicht sachgerecht sei und die jungen Menschen einseitig beeinflusse. Anhand Ihrer sieben Punkte möchte ich meinerseits zu Ihrer Kritik Stellung nehmen:

1. Die implizite Gleichsetzung von Energie und Strom ist ungenau. In diesem Punkt haben Sie Recht. Da hat die Redaktion einen Fehler gemacht.

2. In Bezug auf das Bundesstromnetz hat der Beitrag korrekt informiert. Es wurde nie behauptet, die Gemeinde sei nicht im Bundesstromnetz.

3. In Bezug auf den Stromausfall war der Beitrag nicht falsch, aber nicht präzis genug. Dies ist allerdings ein Fehler in einem Nebenpunkt, der nicht geeignet ist, die Meinungsbildung des jungen Publikums einseitig zu beeinflussen.

4. Der Beitrag hat nicht behauptet, alle Einwohnerinnen und Einwohner von Feldheim seien vollkommen energieautark. Insofern war die Information korrekt.

5. Die Nachteile der erneuerbaren Energiequellen wurden tatsächlich ausgeblendet. Ihr Vorwurf stimmt, und die Redaktion räumt dies auch ein, argumentiert aber, dies im Einzelnen zu behandeln, hätte den Rahmen des Beitrags gesprengt. In der Tat muss Journalismus immer auswählen. Erschöpfende Vollständigkeit ist die Aufgabe eines Universal-Lexikons, nicht eines journalistischen Beitrags, der für den Tag gemacht ist, nicht für die Ewigkeit. Nur: Es wäre möglich gewesen, zumindest in einem Satz zu erwähnen, dass die neuen erneuerbaren Energien auch mit Nachteilen verbunden seien. So zu tun, als brächten sie ausschließlich Vorteile, kommt einer Irreführung des Publikums gleich.

6. Dass die Kosten dank Subventionen günstig sind, trifft zu, wie die Redaktion schreibt. Aber die Art, wie der Preis zustande kommt, war nicht das Thema des Beitrags.

7. Bei vier Ihrer sechs Kritikpunkte haben Sie Recht. Aber bei Punkt 6 war der von Ihnen aufgeworfene Mangel nicht das Thema und bei Punkt 3 handelte es sich um einen Fehler in einem Nebenpunkt. Bleiben die Punkte 1 und 5: Die Gleichsetzung von Strom und Energie war ungenau, und den Anschein zu erwecken, erneuerbare Energien seien frei von Nachteilen, war eine Irreführung des Publikums. Ich kann daher Ihre Beanstandung teilweise, nämlich in den erwähnten beiden Punkten, unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


[1] https://www.srf.ch/sendungen/myschool/wege-zur-energie-autonomie

[2] Das Radio- und Fernsehgesetz der Schweiz sagt in Artikel 4, Absatz 2: „Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann.“ https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20001794/index.html

[3] www.edk.ch/dyn/12048.php

[4] http://www.srf.ch/sendungen/einstein/geht-es-auch-ohne-stromanschluss

http://www.srf.ch/sendungen/myschool/wege-zur-energie-autonomie

http://www.srf.ch/sendungen/myschool/fokus/energie

[5] http://nef-feldheim.info/energieautarkes-dorf/

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