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Fernsehen SRF, «Tagesschau» («Wie bereitet sich die US-Solarenergie auf die bevorstehende Sonnenfinsternis vor?») beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail samt Beilage vom 3. September 2017 beanstandeten Sie die „Tagesschau“ des Fernsehens SRF vom 20. August 2017, und dort den Beitrag „Wie bereitet sich die US-Solarenergie auf die bevorstehende Sonnenfinsternis vor?“ [1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten. Sie erwähnen in Ihrer Eingabe, dass Sie „Unabhängig, Selbständig Erwerbender mit Hilfe auf dem Bau, gelernter Heizungstechniker“ seien, womit Sie ohne Zweifel darlegen möchten, dass Sie von keinen Interessen gesteuert sind.

 

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

„In der Tagesschau vom 20.8. wird gesagt, Solar sei die billigste Art der Stromerzeugung. Dies stimmt so nicht. Zu jeder Solaranlage gehört ein Speicher, der Tag zu Nacht, sowie Sommer zu Winter ausgleichen kann. Dies wird verschwiegen, weil eine Solaranlage ohne Speicher sinnlos ist. Ich kaufe ja auch kein Auto ohne Benzintank.

Die Kosten für Speicher sind enorm, und die technische Umsetzung mehr als Fragwürdig. Darum ist der Solarstrom eine der teuersten Arten der Stromerzeugung. Dies wird hier erklärt.[2]

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Dasselbe gilt für die Sendung NANO[3] vom 30.8. wo Solarenergie hochgejubelt wird, jedoch die Speicher mit dem Satz abgetan wird, die seien noch in der Entwicklung.

Die Speichertechnologie haben wir, in Form der Pumpspeicher. Linth Limmern hat eine Kapazität von 0.037 TWh, Quelle Axpo per E-Mail.  Speicherbedarf für CH ist jedoch 2 – 3 TWh bis 2050. [4] Das bedeutet dass die Speicherung für CH bei Pumpspeicher 200.- kostet pro Kopf und Jahr. Linth Limmern kostete 2.1 Mrd., Lebensdauer 80 Jahre. Batterie Speicher kosten 10 x mehr, also 2000.- pro Kopf und Jahr. Batterie habe ich den halben Marktpreis genommen 125.-/KWh und 20 Jahre Laufzeit, also sehr Grosszügig.

Da genügend Berge und Standorte für Pumpspeicher fehlen, werden also die Speicherkosten und somit der Solarstrom viel teurer. Darum sind die beiden Sendungen nicht Sachgerecht, und beinhalten das Vielfaltsangebot nicht.“

 

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die „Tagesschau“ antwortete Herr Franz Lustenberger wie folgt:

„Mit Mail und Brief vom 3. September hat Herr X den Bericht über die bevorstehende Sonnenfinsternis in den USA beanstandet. Er kritisiert, dass in der Tagesschau gesagt wurde, solar sei die billigste Art der Stromerzeugung. Er begründet dies mit den Kosten der Stromspeicherung und erwähnt Beispiele von Pumpspeicherwerken in der Schweiz.

Inhalt des Beitrages

Gegenstand des Beitrages vom 20. August war die bevorstehende totale Sonnenfinsternis in Teilen der USA. Der Beitrag von SRF-Korrespondent Peter Düggeli ging der Frage nach, was diese Sonnenfinsternis für die Produzenten von Solarenergie bedeuten wird, und wie sich die USA auf diesen temporären Ausfall von Solarenergie vorbereiten.

Auskunft geben ein Unternehmer in North Carolina, der Solarstrom produziert, und ein Verantwortlicher eines Stromnetzbetreibers in Kalifornien.

Beide Unternehmensvertreter aus der Energiebranche geben Auskunft zum temporären Ausfall von Sonnenenergie während der Sonnenfinsternis. Der Beitrag hat also einen ganz spezifischen Fokus (Ausfall der Solarenergie während der Sonnenfinsternis) und auch einen ganz lokalen Fokus (Kalifornien und North Carolina als wichtige Solar-Bundesstaaten in den USA).

Kein Vergleich der Stromkosten

Der Beitrag hat nie einen Vergleich zwischen unterschiedlichen Stromerzeugungsarten gemacht. Er hat auch nie eine ‚Vollkosten-Rechnung‘ zu den verschiedenen Arten der Stromerzeugung, respektive den Kosten der Speicherung, gemacht.

Alle Energiequellen werden und wurden in den USA subventioniert und profitieren von teils massiven Steuererleichterungen. Auch die Öl-, Kohle- und Gasindustrie zum Beispiel. Eine Vollkostenrechnung müsste zudem neben der Speicherung auch die externen Kosten der Herstellung (Umweltbelastung, Landschaftsbelastung durch Abbau von Kohle beispielsweise, etc.) sowie die weitergehenden Kosten der Entsorgung (beispielsweise der Kernenergie, etc.) berücksichtigen.

Die Tagesschau ist der Überzeugung, dass die allermeisten Zuschauerinnen und Zuschauer nicht den von Herrn X angenommenen Aspekt gesehen haben; dieser wurde im Beitrag überhaupt nicht angesprochen. Die allermeisten Zuschauerinnen und Zuschauer haben keinen energiepolitischen Beitrag zu den verschiedenen Arten der Stromerzeugung gesehen. Die allermeisten Zuschauerinnen und Zuschauer habe einen Vorschau-Beitrag zur bevorstehenden Sonnenfinsternis in den USA gesehen, nämlich einen Beitrag mit einem Reportage-artigen Einstieg bei einem Unternehmer der Solarenergie. Denn die Sonnenfinsternis vermindert die Produktion von Solarstrom nur während kurzer Zeit.

O2 Energies

O2 Energies[5] ist eine Firma in Cornelius (North Carolina), welche Solarfarmen entwickelt, besitzt und betreibt. Korrespondent Peter Düggeli hat nach Eingang der Beanstandung nochmals mit Joel Olson, dem Firmenchef von O2 Energies gesprochen. Seine Aussage: die Stromproduktion mit Solarenergie ist in North Carolina sehr kostengünstig.

Tagsüber, wenn der Solarstrom produziert und direkt ins System eingespiesen wird, dann ist diese Solar-Stromproduktion im Vergleich mit anderen Stromproduktionsarten aufgrund der tiefen Gestehungskosten konkurrenzfähig. Der Vergleich, den Joel Olson gemacht hat, ist legitim und wird in diesem Zusammenhang auch von der Energiebranche in North Carolina nicht angezweifelt.

Die Aussage, Solarstrom sei die billigste Art, macht der Protagonist im Beitrag selber, nicht die Tagesschau. Er kennt als Unternehmer die Kostensituation vor Ort bestens. Und – dies ist ganz wichtig im Zusammenhang mit der Beanstandung – der Protagonist und Unternehmer macht keine generellen Aussagen zu den Gestehungskosten der Stromproduktion von verschiedenen Produktionsarten an ganz verschiedenen Orten auf der Erde. Er bezieht sich einzig auf die Produktion von Solarstrom im Bundesstaat North Carolina, der als sonnenreicher Südstaat die Sonnenenergie seit Jahren fördert.

Fazit

Der von Herr X angesprochene Punkt – Kosten der Stromspeicherung – war nicht Gegenstand des Beitrages <wie bereitet sich die US-Solarenergie auf die bevorstehende Sonnenfinsternis vor?>

Die Tagesschau pflichtet Herrn X bei, dass in einem umfassenden Beitrag über die Kosten der verschiedenen Stromproduktionsarten die Kosten der Speicherung mitberücksichtigt werden müssten, neben vielen anderen internen und externen Kosten, inklusive der Subventionen und Steuererleichterungen seitens des Staates. Ein solcher Vergleich war aber weder Inhalt noch Ziel des Beitrages.

Der Beitrag hat sachgerecht die Frage abgehandelt, wie sich – aus aktuellem Anlass – die Solarbranche auf die kommende Sonnenfinsternis vorbereitet. Sie hat die Antwort gegeben, dass die ausfallende Sonnenenergie während dieser kurzen Zeit (die absolute Sonnenfinsternis dauerte wenige Minuten) durch andere Energieträger kompensiert werden muss. So wie dies auch bei Niedrigwasser in den Flüssen (Drosselung der Stromproduktion) oder beim temporären Ausfall eines Kernkraftwerkes geschieht.

Die Tagesschau bittet Sie, die Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.“

 

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Sie haben offensichtlich von diesem Beitrag der „Tagesschau“ etwas ganz Anderes erwartet und wurden dann nicht belohnt. Dabei ging es lediglich darum zu zeigen, wie sich die Produzenten von Sonnenenergie in den USA auf die bevorstehende Sonnenfinsternis vorbereiteten. Korrespondent Peter Düggeli hat dafür ein Beispiel aus North Carolina ausgewählt. Der an die Ostküste grenzende Staat North Carolina ist sowohl in Bezug auf die Fläche als auch in Bezug auf die Einwohnerzahl etwas größer als die Schweiz und ist im Quervergleich ein eher durchschnittlicher Bundesstaat. Im inneramerikanischen Vergleich liegt er unter den 50 Bundesstaaten genau in der Mitte, in der Energiepolitik sogar in der unteren Hälfte.[6] Aber North Carolina verfolgt ein staatliches Energieprogramm.[7] Und offensichtlich ist es im Bereich der Sonnenenergie weit vorn.

Für einen Vergleich mit der Schweiz hätte man in beiden Ländern zusätzliche Daten hinzuziehen müssen, wie Herr Lustenberger überzeugend darlegt. Der Vergleich mit der Schweiz war aber nicht die Absicht des Beitrags. Es war naheliegend, bei einer bevorstehenden großen Sonnenfinsternis, die einen markanten Teil der USA betraf, nach der Rolle der Sonnenenergie zu fragen, ist die scheinende Sonne doch ihre Quelle. Auf diese Frage gibt der Beitrag Antwort, und nicht mehr und nicht weniger war offensichtlich beabsichtigt. Sie hingegen fordern ein ganz anderes Thema ein. Da es kein „Recht auf Antenne“ gibt (Artikel 6, Absatz 3 des Radio- und Fernsehgesetzes)[8], muss ich Ihnen daher eine Absage erteilen und Ihre Beanstandung als unbegründet einstufen.

 

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

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