SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Reporter» «Einer gegen alle» beanstandet (II)

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Mit Ihrem Brief vom 21. Dezember 2017 beanstandeten Sie die Sendung «Reporter» (Fernsehen SRF) vom 3. Dezember 2017 mit dem Titel «Einer gegen alle».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«In diesem Dokument fasse ich meine Bedenken gegen die Brennwald-Sendung ' Einer gegen alle ' von TV SRF / Reporter' vom So . 03 . 12 . 2017 zusammen . Sie führen nun zu dieser Eingabe bei der 'Ombudsstelle SRF'.

Ich erachte diese Sendung als einseitige und verzerrte Darstellung der politischen und menschenrechtlichen Lage in Eritrea unter dem lokalen Regime in Asmara . Ich richte mich zusätzlich auch an die SRF-Leitung, welche diese Sendung wider besseres Wissen ausstrahlen liess und an den ' Eritreischen Medienbund , ' welcher sich zurecht gegen diese Propaganda wehrt.

HINWEISE:

Ich schreibe diese Eingabe als juristischer Laie und zähle auf eine der Sache angemessene Übersetzung der Ombudsstelle in ihre Sprache . Ich bin ihrer nicht mächtig . Ich bezeichne fortan als ' Brennwald-Sendung ' die Sendung von ' TV SRF / Reporter' vom So . 03.12.2017 mit dem Titel ' Einer gegen alle‘ , welche Reto Brennwald realisierte .

Mit dieser Eingabe protestiere ich gegen das Ausstrahlen dieser Brennwald­ Sendung im Namen von SRF. Aus meiner Sicht missbraucht ihr Autor , Reto Brennwald , SRF damit gezielt für innenpolitische Propaganda zugunsten der Blocher-Bewegung .

Er setzt damit implizit oder explizit einen Auftrag der Blocher-Bewegung , zugunsten ihrer polit i schen Ziele und zulasten der eritreischen Flüchtlinge in der Schweiz . Er hilft damit auch mit , die eritreischen Flüchtlinge in der Schweiz für die politischen Zwecke der Blocher-Bewegung zu missbrauchen . Sie verfügen über keine eigene Lobby für ihr Los als politische Flüchtl i nge in Bundesbern .

In dieser Eingabe werde ich den inkriminierten Sachverhalt des Missbrauchs von TV SRF für innenpolitische Propaganda anhand von drei Aspekten aufzeigen .

  • Das eigentliche Ziel der Auftraggeber von Brennwald
  • Die Auftragslage für Brennwald
  • Die ' Locher-Sto r y ' von Brennwald

1. Verletzungen der SRG-Sendekonzession und Forderungen

Der Sendebetrieb von SRG untersteht dem ' Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG)' . Es verlangt u.a. , dass SRG-Sendungen elementaren Anforderungen an die Qualität genügen. Die Brennwald-Sendung verletzt meiner Me i nung nach drei Anforderungen gemäss RTVG / ART 4 .

  • Verletzung der Grundrechte und der Menschenwürde: Die Sendung enthält in stossender Weise Gewaltverharmlosenden Inhalt zur Lage i n Eritrea .
  • Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots:: D i es e ' redaktionelle Sendung mit Informationsgehalt' enthält keine den Tatsachen und de n Ere i gnissen angemessene Darstellung der politis c hen u nd menschenrechtlichen Lage in Eritrea . S i e lullt das Publikum Faktenwidr i g in die Gefühlsduselei und die sch o n fast kindlichen Verharmlosungen des Hauptdarstellers 'Toni Locher ' ein.
  • Verletzung des Transparenzgebots: Die Sendung stellt den Ansichten und den Kommentaren des Hauptdarstellers ' Ton i Locher ' ( als bezahlter Honorarkonsul des eritreischen Diktators in der Schweiz ) keine der längst be k annten und etablierten Gegen - Darstellungen der Regime-Gegner gegenüber .

In ihrer Einseitigkeit der Darstellung verstösst diese SRF-Sendung meiner Ansicht nach in einmalig stossender Weise gegen RTVG / ART 4 und damit g e gen elementarste Regeln der SRG-Sendekonzession des Bunds . Zugleich widerspricht diese SRF-Sendung ihrem erklärten Anspruch , Teil der '4 . Gewalt im Staat ' zu sein . Deshalb stelle ich (ergänzend und bekräftigend zur parallelen Eingabe des ' Eritreischen Medienbunds ' ) folgende drei Forderungen an d i e ' Unabhängige Beschwerde i nstanz für Radio und Fernsehen (UBI ) ':

  • 1. Forderung: Die UBI soll TV SRF für die Ausstrahlung der Bren n wa l d ­ Sendung rügen . Mit ihrem Ausstrahlen in dieser missbräulichen Fo r m bot TV SRF Reto Brennwald und seinen impliziten oder e x pliziten A uftraggebern im Hintergrund eine unzulässige Plattform für einseitige innenpoli t ische Propaganda . Sie stellt damit einen groben Verstoss gegen die SRG-Sendekonzession dar .
  • 2. Forderung: Die UBI soll TV SRF verpflichten , e i ne zweite Sendung mit den etablierten und anerkannten Fakten als Gegen - Darstellung auszustrahlen . Diese neue Sendung soll den Ansprüchen an die ' 4 . Gewalt im Staat' dieses Mal genügen , sprich die Regime-Gegner und Regime-Befürworter paritätisch e i nbeziehen mit dem Ziel , der Schweizer Öffentl i chkeit ein ausgewogenes Bild der politischen und menschenrechtlichen Lage in Eritrea vorzulegen. Sie soll s i ch ihr eigenes Urteil bilden können , bevor unsere Behörden die erit r eischen Flüchtlinge im Namen der ' humanitären Schweiz ' ins ' Eritrea des Nat i onaldienstes ' zurückführen .
  • 3. Forderung: Die UBI soll von der SRF-Lei t ung geeignete Massnahmen einverlangen , welche dazu bestimmt sind , einen zukünftigen Missb r au ch v on SRF für innenpolitische Propaganda-Sendungen dieser Art zu verhindern .

Hinweise:

In der zuständigen SRF-Leitung sitzen Mitarbeiter*lnnen, welche den wahren Sachverhalt zu Eritrea kennen und erkennen können, dass der Sachverhalt gemäss Brennwald-Sendung reine Propaganda darstellt. Trotzdem liessen sie Brennwald gewähren , ohne eine objektiv korrekte Darstellung einzuverlangen . (Vgl. ' SRF-Organigramm' , gültig fürs Sendegefäss ' Reporter ') :[2]

In ihrem NZZ-Video zur Faktenlage für Eritrea vom 30.11 . 2017 gemäss Link[3] fasst ein NZZ-Team die Fakten zum Kenntnisstand über die wahren Verhältnisse in Eritrea in Sachen ' fehlende Staatlichkeit + fehlende Rechtsstaatlichkeit+ Menschenrechtslage' in unmissverständlicher Art zusammen. Diese leicht verständliche Kurz-Darstellung darf als repräsentativ gelten für den Kenntnisstand eines politisch wachen Publikums , also erst recht der SRF-Leitung . Ich fordere die Verantwortlichen für diese Eingabe auf, Brennwald-Sendung und NZZ-Video und EASO-Bericht ' Länderfokus Eritrea ' unten einem Fakten-Test zu unterziehen und uns nachher zu erklären, wie die zuständigen Verantwortlichen von SRF dazu kamen , die Brennwald-Sendung ohne inhaltliche Richtigstellung der Schweizer Öffentlichkeit vorzulegen . Der Eritreische Medienbund + seine Supporters zeigen sich zurecht empört über solche Zustände bei TV SRF . Uns allen , auch der zuständigen SRF-Leitung , steht seit AUG16 die neuste Ausgabe des bekannte EASO-Berichts 'Länderfokus Eritrea' zur Verfügung .[4]

Im Bericht stellt das SEM ( Schweizer Staatssekretariat für Migration) die anerkannten Fakten zur politischen und menschenrechtlichen Lage in Eritrea in höchster methodologischer und inhaltlicher Qualität bereit. Es beurteilt die Asyl-Gesuche von Eritreer*lnnen aufgrund dieses Berichts und datiert ihre Länderberichte regelmässig auf . Im Bericht stehen in unbestechlicher Qualität die Erkenntnisse des SEM­Teams für Eritrea . Er widerlegt die ganze Brennwald'sche + Locher ' sche Propaganda zur ' heilen Welt in Eritrea' , wie die Blocher-Bewegung und ih re sog . Schulterschluss-Allianz (SVP + FDP + rechte CVP) sie aus innenpolitischen Gründen für ihre Asyl-Politik der Abschottung benutzen. Als Folge dieses Berichts sendet die Schweiz Eritreer*lnnen mit ablehnendem Asyl-Bescheid nicht ins 'Eritrea des Nationaldienstes ' zurück .

2. Kontext

Wir alle können die innenpolitische Bedeutung der Brennwald-Sendung 'Alle gegen einen' angemessen einschätzen , sobald wir sie in ihren i nnenpolitischen Kontext stellen . Ich versuche mich mal darin, ihn uns näher zu bringen .

Ab APR15 führte die Blocher-Bewegung am Beispiel 'Asyl-Chaos ' einen Schweizweiten Test durch, ob sich mit der bekannten Mörgeli-Methode des medialen Auf bauschens politischer Schein-Probleme eine Stimmenmehrheit für ihre Schein­ Lösung gewinnen lässt. Dabei entstand ein (für die Blocher-Bewegung) bedeutsames Resultat: ' Ja, diese in jeder Hinsicht unseriöse Methode funktioniert , und wie ' .

Für ihren Test wählte sie aus ihren bekannten politischen Schein-Problemen das ' Asyl-Chaos' aus . Darunter verstand sie das faktische zusammenbrechen des Schweizer Asyl-Systems unter der schieren Last einer unkontrollierten Zuwanderung von Flüchtlingen damals im APR15 . Das 'Asyl-Chaos ' war und ist für uns alle offenkundig ein politisches Schein-Problem . Jede Schweizer*ln wusste bereits damals , dass es ein solches Problem noch nie zuvor in der langen humanitären Tradition der Schweiz je gab . Jede Schweizer*ln wusste auch , dass es in jenem APR15 von Afghanistan+ Syrien + Afrika (von dort speziell über das Mittelmeer) eine zT erhebliche Zuwanderung von Flüchtlingen in die Länder rund um die Schweiz gab , aber nur eine kleine Zuwanderung in die Schweiz . Trotzdem wagte die Blocher-Bewegung diesen faktisch Inhaltlosen, für ihre politische Methodik aber zentral wichtigen Test. Und die Mörgeli-Methode des medialen Aufbauschens dieses politischen Schein-Problems funktionierte tadellos. Unglaublich, aber wahr ...

Nach der nur 3-wöchigen Test-Periode mit dem Schein-Problem ' Asyl-Chaos ' ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Blocher-Bewegung (im WEB inzwischen gelöscht) eine Zustimmungsrate der Schweizer Bevölkerung von über 52 % zu ihrer impliziten Schein­Lösung ' Flüchtlinge raus ' (nie offen benannt) , obwohl das Stimmenpotential der SVP damals erst bei ca . 30 % lag (heute mehr) .

Die Blocher-Bewegung hatte diesen durchschlagenden politischen Erfolg auch dem Gratis-Mitwirken der Schweizer Medien (einschliess lich SRG) zu verdanken .

Unsere willfährigen Medien bauschten dieses politische Schein-Pro blem für die Blocher-Bewegung während drei Wochen mit allergröss tem Engagement zum Monster auf. Und mit dem schier endlosen Wiederholen (samt Nachdoppeln der wichtigsten Protagonisten Köppel, Mörgeli und Brunner mit Sonderaktionen in der Tagespresse) machten sie die Behauptung für die Öffentlichkeit jeden Tag etwas glaubwürdiger, der Schweiz drohe 'ein Asyl-Chaos '.

Nur eben: Beim Test ging es um die Manipulierbarkeit der Schweizer Öffentlichkeit und um den Zusammenbruch der '4. Gewalt im Staat' . ' Das Schweizer Asyl-Chaos ' traf dummerweise bis heute nicht ein . ..

Die Schweizer Medien (samt SRG) lassen sich zu diesem Engagement missbrauchen , statt ihre Rolle als ' 4. Gewalt im Staat' auszuüben . Denn sie erhoffen sich eine Zunahme von Auflage und Reichweite: Ihr Profit aus dem überquellenden Angebot an Blocher ' schen Schein-Problemen und Schein-Lösungen , welche sie freiwillig und gratis kolportieren .

Der Coup der Schweizer Medien half auch ihr, gar über die Dauer der Test-Periode hinaus . Damit aber gewöhnten sie sich selbst und die Schweizer Öffentlichkeit an die Schein-Probleme mit Schein-Lösungen aus der Küche der Blocher-Bewegung, statt dagegen einzuschreiten und ihre Rolle als '4. Gewalt im Staat' wahrzunehmen .

Seither leben wir mit diesen Lügen , und die genannten Players spielen vergnügt mit. Inzwischen warten sie gleichsam sehnsüchtig und bereit zu allen publizistischen Schandtaten auf das nächste politische Schein-Problem der Blocher-Bewegung . ..

3. Und was waren die Erkenntnisse, welche die Blocher-Bewegung aus diesem für sie überaus Erfolgreichen und Erkenntnis-reichen Test ziehen konnte?

E-1: In der Schweizer Pseudo-Demokratie lassen sich mit einfachsten Mitteln politische Schein-Probleme erfinden und dank tätiger Mithilfe unserer Medien wirksam zu ' echten Problemen' aufbauschen . Niemand stösst sich daran . Insbesondere machen unsere Medien als ' 4 . Pseudo-Macht im Staat ' dabei Bedenkenlos mit.

E-2: Zu politischen Schein-Problemen genügen (zuerst den Medien, und dann der Öffentlichkeit) offenbar solche politischen Schein­Lösungen wie jene der Blocher-Bewegung . Sie ist es , welche die Schein-Debatten in Gang bringt. Deren inhaltlicher Gehalt interessiert unsere Medien kaum, trotz ihres Anspruchs, die ' 4 . Macht im Staat' zu sein. Hauptsache, die Kasse stimmt wieder .

E-3: Nach jeder Runde mit einem neuen politischen Schein-Problem steht die Blocher-Bewegung mit einem um 1 ... 3 % grösseren Wählerpotential da. Denn viele Wähler*lnnen erkennen das wahre Ziel hinter den Schein-Debatten ganz offensichtlich nicht und fangen der Blocher-Bewegung an zu glauben , nachdem die Medien sie freiwillig und gratis zu scheinbar echten politischen Problemen hoch stilisierten: Die Rechnung geht für sie auf.

Milchbüchlein-Rechnung der Blocher-Bewegung: Bis zu den eidgenössi schen Wahlen 2019 werden ca. fünf Runden mit Schein-Problemen genügen , um (bei einem Zugewinn von je ca . 2 %) jene zusätzlichen 10 % Wähleranteil zu gewinnen, welche sie für die (relative) Macht in Bundesbern braucht.

HINWEIS: So Durchsetzungfähig, wie die Blocher-Bewegung heute aufgestellt ist , genügt in Bundesbern bereits ein Wähleranteil von ca. 40 %, um das politische System zu dominieren und im Anschluss die eigene Position weiter auszubauen. Jeder mit etwas Einblick in die Spielregeln von Bundesbern kann diesen Sachverhalt anhand elementarer Überlegungen nachvollziehen .

Ich verstehe die Brennwald-Sendung auf dem Hintergrund dieses Kontexts und werde im Folgenden aufzeigen, wie wir sie darin einbetten müssen, um ihre innenpolitische Bedeutung (und damit die Fehlleistung der SRF-Leitung) zu verstehen.

4. 'Eine Erfolgsstory' der besonderen Art

Die Blocher-Bewegung setzt ihre hochgradig wirksame Mörgeli-Methode bevorzugt bei drei Schlüssel-Themen ihrer Innen-Politik ein . Daraus wurde eine einzigartige ' Erfolgsstory '. Sie gilt solchen Partner-Bewegungen wie der AfD ('Alternative für Deutschland ' ) inzwischen als Vorbild.

  • Schein-Problem ' Asyl-Chaos'
  • Schein-Problem ' Überschwemmung der Schweiz mit Moslems '
  • Schein-Problem ' Arbeitsplatzverlust infolge Masseneinwanderung '

Wie genau müssen wir die Brennwald-Sendung also in ihren Kontext einbetten , um ihre innenpolitische Bedeutung zu verstehen?

4.1 Das eigentliche Ziel des Auftraggebers von Brennwald

Anhand von KAP 2 erkennen wir nun das eigentliche Ziel der Blocher-Bewegung beim Missbrauch solcher Schein-Probleme wie ' das Asyl-Chaos ': Die (relative) Macht in Bundesbern per Ende 2019 . Dabei spielt dieses politische Schein-Problem ' Asyl-Chaos' die Rolle eines politischen Kata l ysators . Denn:

  • Per ' Asyl-Chaos ' will sie einzig ihr Wählerpotential um einige gewichtige Prozente vergrössern, und mit anderen Schein-Problemen um weitere Prozente , bis es (nach gut 30-jähriger geduldiger politischer Arbeit) per Ende 2019 dann für die (relative) Macht in Bundesbern reichen wird .
  • Es geht um ein Plus von zusätzlichen 10 % im Vergleich mit den Wahlen 2015 . Das reicht vorerst, um die Macht in Bundesbern zu übernehmen . Der Sprung von knapp 30 % (Wahlen 2015 ) zu ' 40 % plus ' bei den Wahlen 2019 ist also das wahre Ziel bei diesen Manipulationen, nichts Anderes . Dabei gilt , dass diese Zusatz-Stimmen nur von bestimmten bürgerlichen Parteien stammen können (und andere dazu gewinnen) . Aber das ist ein anderes Kapitel auf dem 'Weg an die Macht der Blocher-Bewegung ' .
  • Und mit der politischen Schein-Lösung ' Flüchtl i nge raus ' am Beispiel ' Eritrea ' will die Blocher-Bewegung nur einfach aufzeigen , dass einzig sie das medial hochgepeitschte Schein-Problem nicht nur stellen , sondern auch lösen kann . Sie will also nicht wie vorgetäuscht das Problem lösen ' Wie führen wir die Eritreer - Flüchtlinge einer tragfähigen Zukunft in Eritrea zu ', beileibe nicht. Sie will auch nicht das Problem lösen 'Wie verschaffen wir den Flüchtlingen aus der 3 . Welt eine echte Lebensgrundlage zuhause ' . Gott bewahre . Sie will nur einfach ein paar Prozente an Wählerpotential dazu gew i nnen . Und das ist gut ' für sie ' (Blocher-Bewegung), aber nicht ' für sie ' (Eritreer­ Flüchtlinge) oder gar für 'für sie ' (Flüchtlinge aus der 3 . Welt' insgesamt ).

Weniger bekannt ist der Grund für die Zusammenarbeit von Ton i Locher mit der Blocher-Bewegung in Sachen ' Rückführung der Eritreer-Flüchtlinge nach Eritrea '. Dabei hilft die Erkenntnis , dass es sich bei Locher um einen langjähr i gen Eritrea­Fahrer (Stichwort ' SUKE ' für ' Schweizerisches Unterstützungskomitee für Eritrea ') und um den heutigen Honorarkonsul für Eritreas D i ktators in der Schweiz hande l t.

Das Regime des Diktators lsayas Afwerki in Asmara (Hauptstadt von Eritrea) ist aufgrund seiner groben Missachtung elementarster Menschenrechte zuhause bekanntlich international isoliert und geächtet. Dieser Zustand macht dem Regime Nichts aus, im Gegenteil: Es sucht diese Abschottung, weil es so unbehelligt von aussen seine (durchaus respektablen) Entwicklungspläne für Eritrea viel leichter umsetzen kann als bei einer Öffnung. Deshalb sorgt es für eine strikte Abschottung, indem es Ausländern jeden Zugang zu seinen geheimen Gefängnissen + zu den Camps des Nationaldienstes strikt verweigert. Käme aus, was dort men­ schenrechtlich abgeht, es hätte sofort ernsthafte Probleme mit der UNO, mit potentiellen Investoren und mit der Welt-Gemeinschaft.

Dieser Umstand erweist sich geradezu als ideal für die Pläne der Blo cher-Bewegung . Denn s i e will (ohne jede Kontrollmöglichke it) vom Regime in Asmara das pure Gegenteil behaupten dürfen , nämlich dass dort politisch und menschenrechtlich nahezu ideale Verhältnisse für eine Rückführung der ' W i rtschaftsflüchtlinge aus Eritrea ' vorliegen (wir er i nnern uns : Gefragt ist eine e x emplarische Schein-Lösung zuhanden der Schwe i zer Öffentl i chkeit zum Schein-Problem 'Asyl-Chaos', welche Naturgemäss einzig die Blocher-Bewegung überhaupt kennen kann) .

Toni Locher bewundert Afwerki , den Diktator von Asmara , erklärtermassen . Bekanntlich führte Afwerki die eritreischen Freiheitskämpfer in ihrem langen, blutigen Kampf gegen Äthiopien an. Sie siegten. Eritrea ist seit 1993 offiziell unabhängig, Afwerki für die Kriegsgeneration ihr Kriegsheld. Bekanntlich führt Diktator Afwerki Eritrea seither mit harter Hand nach dem Vorbild der ex-DDR. Er gilt somit als kommunistischer Führer (was für mich noch nichts Ehrrühriges darstellt, sondern einfach eine politische Methode, wie er das Volk führen will).

Bekanntlich gilt Locher als 'Stalinist' (was für mich etwas Ehrrühriges darstellt ; we il e r die kommunistischen Idea l e damit den Machtmitteln unterordnet , welche die Führung nutzt) . Darin trifft er sich mit dem Diktator Afwerk i. Doch das eigentlich Problem ist ein anderes: Der Stalin i st ' Locher ' und der Autokrat ' Blocher' , das passt ideolog i sch wie die Faust aufs Auge. Das wiederum stört die be i den nicht ...

In dieser ganz besonderen Kombination von Interessen zwischen Blocher , Brennwald und Locher werden wir uns zurechtfinden müssen , wenn wir das Fehl­Verhalten der SRF - Leitung innen politisch einordnen wollen .

4. Die Auftragslage für Brennwald

Wie also kommen wir dazu , die Auftragslage für Brennwald be i seiner ' Brenn w ald-Sendung ' ( ausgestrahlt ausgerechnet am Vorabend zu r Ständeratsdebatte über Er i trea am 03 . 12 . 2017) korrekt einzuordnen?

Vorerst erscheint es fast , diese Auftragslage offenzulegen . Dann aber gehen dem polit i sch wachen Beobachter rasch die Augen auf. Denn beim zweiten Blick erkennen wir zu Brennwald die Zeichen an der Wand .

Brennwald ist ein altgedienter SRF-Vollprofi. Als solcher moderierte er Jahrzehntelang Sendungen solcher Sende-Gefässe wie ' Arena ' und 'Rundschau '.

Damit hat er privilegierten Zugang zu se in en früheren SRF-Kollegen .

Er bewegt sich dort auf Vertrauensbasis ein undaus .[5] Wir erkennen: Brennwald ist für Blocher auf der richtigen Spur . Brennwald betreibt heute seine eigene Medien-Firma, so ähnlich wie Aesch bacher und andere . Sie heisst 'Talk&Film GmbH' . Einer ihrer wichtigen Auftraggeber (nebst SRF) ist nachweislich Blochers BAZ (Basler Zeitung) , wo Brennwald (gegen Bezahlun ) als Moderator für deren TV-Sendung 'BAZ -Standpunkte ' dient. SRF strahlt sie aus . Diese Vermengung von 'private Firma ' und 'SRV-Sendungen im Auftrag Dritter ' führte bei ihm offenbar zu einem pr i vilegierten Zugang bei TV SRF für solche Propaganda-Sendungen wie ' Einer gegen alle '.[6]

Wir erkennen: Brennwald ist für Blocher immer besser auf der richtigen Spur . Brennwand schielt auf eine politische Karriere in Bundesbern. Von Reto Brennwald ist bekannt , dass er bei der SVP oder der FDP mit einer politischen Karriere liebäugelt. Andere SRF-Grössen vor ihm wiesen ihm den Weg in die grosse Politik . Einige Beispiele : SVP-NR Maximilian Reimann, ex-FDP-NR Filippo Leutenegger, SPS-NR Matthias Aebischer.[7] Wir erkennen: Brennwald ist für Blocher definit i v auf der richtigen Spur .

Blochers BAZ suchte ganz offensichtlich eine Bewährungsprobe auf dem Weg zu einer Polit-Karriere für die SVP von Brennwald in Bundesbern und fand sie i n der Brennwald - Sendung für TV SRF / Reporter über 'Toni Locher ' . Im Hinblick auf die Bewährungsprobe trifft sich Brennwald mit Locher. Die Blocher-Bewegung hat kein Problem, den Kontakt zu vermitteln. Denn : ' Man kennt sich '.

Mittlerweilen arbeiten Stalinist ' Locher' und Autokrat ' Blocher' in Sachen ' Rückführung der eritreischen Flüchtlinge ' als Beispiel zum Lösen des Schein-Problems 'Asyl-Chaos ‘ im Geiste eng zusammen. Locher möchte für Diktator Afwerki die jungen Diaspora-Eritreer wieder heimbringen . Denn der Aderlass für Eritrea ist gross. Blocher sieht kein Problem darin, Locher dabei beizustehen , kann Locher ihm doch umgekehrt dabei helfen , für das Schein-Problem ' Asyl-Chaos' mit der Schein-Lösung ‚ Flüchtlinge raus' eine konkrete Lösung ' Eritreer-Flüchtlinge zurückschaffen' einzufädeln. Und damit sitzen zwei ideologisch so gegensätzliche Männer wie Blocher und Locher plötzlich im gleichen Boot: So einfach kann 'das Schein-Problem Lösen ' manchmal werden .. . Damit erhalten Brennwald und Locher die angestrebte Gelegenheit, der Blocher-Bewegung einen grossartigen politischen Dienst zu erweisen : Eine gemeinsam bestandene Bewährungsprobe mit der SRF - Sendung ' Einer für alle' , ausgestrahlt zur besten Sendezeit für ihr Zielpublikum .

HINWEIS: Es lohnt sich, auch die Text-Einführung von SRF in die Sendung zu lesen . Wetten , dass auch sie von Brennwald stammt?

Wir erkennen: Gemeinsam sind Brennwald und Locher für Blocher voll auf der r i chtigen Spur ...

4.3 Die Locher-Story 'Einer gegen alle' von Brennwald

Die Locher-Story 'Einer gegen alle' (Dauer gut 22 Min . ) berührt und irritiert.

Vorbemerkung: Ich kenne eine langjährige Lebenspartnerin von Toni Locher persönlich . Sie ist heute 68 Jahre alt und lebt in einfachen Verhältnissen in der Schweiz. Sie lebte gut 12 wilde Jahre mit Toni Locher zusammen und gab Alles für ihr gemeinsames Projekt 'SUKE ' ('Schweizerisches Unterstützungskomitee für Eritrea ' ) .

Kleiner Tipp: Es wäre ein leichtes gewesen, dass Brennwald mit der langjährigen Lebenspartnerin von Locher Kontakt aufnimmt , um mehr zur Glaubwürdigkeit seines ' Zeugen für das Eritrea des Staatsdienstes' zu erfahren . Nur: Umständehalber tat er so was halt lieber nicht ...

SUKE: Diese langjährige Lebenspartnerin erzählt Pikantes aus der SUKE­Geschichte deutlich anders als Toni Locher in der Brennwald-Sendung.[8]

Krasse Täuschungen des TV-Publikums: Die Brennwald-Sendung zeigt vor dergründig in 22 Min. 'Das wahre Eritrea' , im Gegensatz zum ' Eritrea des Nationaldienstes ' gemäss dem EASO-Bericht ' Länderfokus Er i trea ' ( s i ehe Links oben) . Und genau darum geht es Brennwald und Locher ohne jeden Skrupel mit dieser Sendung .

Dieser Toni Locher war und ist nicht der Wohltäter am eritreischen Volk , als welchen Brennwald ihn darstellt. Da macht der Diktator-Freund Toni Locher sich wohl selbst etwas vor . Ebenso macht Brennwald mit ihm der Schweizer Öffentlichkeit per SRF-Sendung innenpolitisch etwas vor . Und das ist nicht in Ordnung : Denn das ist in meiner Welt 'innenpolitischer Auftragsjournal i smus der übleren Sorte '. Ich erkläre mich .

Diese Brennwald-Sendung zeigt nicht ' Das wahre Eritrea '. Und Brenn wald gibt sich keine Mühe , den Fragen auf den Grund zu gehen . Wer dort unter Zwang Jahrelang Nationaldienst leistete ( theoretisch sind bis über 30 Jahre Nationaldienst geschuldet ) , der kennt ' das Eritrea des Nationaldienstes ' und das lokale Regime des Diktato r s von einer ganz anderen , einer erdrückenden , po l it i sch und men schenrechtlich bedenklichen Seite .

Wer dort als Mann zB mit 20 daran dachte , eine Familie zu gründen , und im obligatorischen Nationaldienst steckte , der verfügte nicht mal über das Geld , eine Familie über die Runden zu bringen . Kein Wunder , dass sie vor so viel Unmenschlichkeit ins Ausland flüchteten .

Wer sich dort gegen diese üblen Verhältnisse wehrte , der landete leicht im Gefängnis und kam womöglich nicht mehr lebend raus .

Wer dort als junger Mann vor diesen Verhältnissen ins Ausland flüchtete , dessen Verwandte büssten womöglich für ihn m i t Gefängn i s .

So sieht die dramatische Realität der jungen Männer in Lochers ' heilen Welt von Eritrea' wirklich aus . Wie konnte Brennwald sie nur unreflektiert e i nfach für seine Sendung übernehmen? Diese Brennwald-Sendung zeigt ganz gezielt ein bösartig irreführendes Bild von Eritrea. Echte Beobachte*lnnen der Szene erkennen das sofort.

Min 7:15: Da gibt es eine längere Sequenz mit e i ner angehenden Ärztin im Zentralspital von Asmara . Sie erzählt , dass die Dauer ihrer Ausbildung 5 Jahre betrage , plus 1 Jahr im Nationald i enst. Das gilt für Frauen mit akademischer Ausbildung . Das gilt nicht für Männer , wobei Männer mit akademischer Ausbildung bzw . Männer aus führenden Familien auch Vergünstigungen erhalten , alle anderen aber bis über 30 Jahre lang ( ! !) im Nationaldienst feststecken.

Min 8:15: Da gibt es eine Sequenz mit Behauptungen von Brennwald , dass er sich in Eritrea habe frei bewegen und völlig frei filmen können. Wieso nur verschweigt Brennwald , dass er die Camps des Nationaldienstes und die geheimen Gefängnisse nicht besuchen durf te (und das auch gar nicht versuchte) .

Min 8:20: Da gibt es zwei längere Sequenzen mit Jungs im Internet­Cafe . Wieso nur zeigt Brennwald immer nur vielleicht 10-Jährige und keine 18-Jährigen? Ganz einfach: Die 18-Jährigen befinden sich i m Nationaldienst und kommen dort nicht mehr weg ( siehe oben) .

Min 9:30: Da gibt es eine längere Sequenz mit Behauptungen von Brennwald , dass die Menschen in Eritrea ‚ nicht an Leib und Leben bedroht seien , im Gegenteil ‘. Er verstieg sich sogar zur bewusst täuschenden Behauptung, dass das Regime neuerdings den Zugang zu den Gefängnissen geöffnet habe (Min 10 : 15) . Das SEM hat diese Lüge umgehend schriftlich dementiert (siehe unten). Im WEB steht kein Wort über diese Sensationsmeldung . Wieso nur verlangte Brennwald vom Diktatorfreund Locher nicht, dass er die geheimen Gefängnisse besuchen darf? Da hätte er sofort die Realität erlebt.

Wichtig ist in diesem Kontext festzuhalten , dass es in Eritrea verschiede ne Arten von Gefängnissen gibt:

1 . Gefängnisse des ' Prison and Rehabilitation Service' , in denen Verurteilte der regulären Justiz mit formellen Urteilen inhaftiert sind

2. Militärische Gefängnisse

3. Geheime Gefängnisse

Entscheidend wäre also der Zugang zu den Gefängnissen der Arten 2 + 3 gewesen . Brennwald verlangte ihn aber nicht.

Wieso nur weist Brennwald auf die elementare Logik des (seit über 20 Jahren fehlenden) Friedensvertrags mit Äthiopien nicht hin? Gäbe es Frieden mit Äthiopien , gäbe es die Rechtfertigung für diesen 'Nationaldienst ' nicht mehr. Der Vorwand für die Zwangsarbeit fiele weg: Das Regime müsste sich demokratisieren. Das bedeutet ganz einfach: Das Regime will diesen Frieden aus niederen Beweggründen nicht. Brennwald will nicht hinschauen. Und Locher will uns ein falsches Bild der Diktatur in Eritrea vermitteln.

Zwei wichtige Hinweise:

  • Gelingt es Locher mit Blochers und Brennwalds Hilfe , die Schweiz mit solchen Lügengeschichten zur Rückführung der echten eritreischen Flüchtlinge zu bringen , wird das den übrigen west-europäischen Regierungen als Vorbild dienen . Dann droht den echten eritreischen Flüchtlingen eine Kettenreaktion in ganz West-Europa , eine humanitäre Katastrophe also.
  • Stimmt der Hinweis im Link unten , gibt es falsche eritreische Flüchtlinge 'im Markt'. Das wäre ein echtes Thema gewesen für die Brennwald-Sendung , nicht die echten eritreischen Flüchtlinge, welche ganz klar politische Flüchtlinge gemäss der Genfer Flüchtlingskonvention sind .[9]

5. Erschreckendes Fazit: Drei Täuschungen aufs Mal

Tatsächlich stehen wir mit dieser Brennwald-Sendung vor einem propagandistischen Machwerk der übleren Sorte . Ich konnte es kaum fassen , als SRF es mir am So . 03 . 12 . 2017 , einen Tag vor einer wichtigen Ständeratssitzung zum Thema ' Erit rea', am Bildschirm präsentierte . Wie ist sowas nur möglich bei TV SRF ?

Mein Fazit erschreckt mich: Da liegen drei gezielte Täuschungen aufs Mal vor , welche sich Nahtlos ergänzen, und die SRF-Leitung nimmt sie nicht zur Kenntnis .

  • Täuschung über den Fluchtgrund: Die jungen Eritreer flüchten vor der Zwangsarbeit im Nationaldienst und ihrer willkürlichen Dauer ( bis über 30 Jahre) . Das sind keine ' Wirtschaftsflüchtlinge ', wie es der Blocher-Bewegung beliebt zu behaupten . Das sind echte politische Flüchtlinge gemäss der Genfer Flüchtlingskonvention . In ihrer Not flüchten sie unter Lebensgefahr über das Mittelmeer nach West-Europa .
  • Täuschung über die wahren Absichten der Auftraggeber von Brennwald: Brennwald präsentiert seine Sendung ' Einer gegen alle ' mit Toni Locher in der Hauptrolle mit der Absicht, der Schweizer Öffentlichkeit einen in jeder Hinsicht glaubwürdigen Gutmenschen, Mäzen und typischen 68-er vorzustellen . Die Tatsachen hinter dem Eritrea-Engagement von Locher aber sehen ganz anders aus: Er dient dem Menschenverachtenden Diktator als Honorarkonsul.
  • Täuschung über die Zusammenarbeit von Blocher mit Locher: Blocher und Locher sind ' Verbündete im Geist' . Nur Locher bietet Blocher diese einmalige Chance, scheinbar glaubwür­ dige Aussagen zur politischen und menschenrechtlichen Lage im 'Eritrea des Nationaldienstes ' zu machen, welche es rechtfertigen würden, die eritreischen Flüchtlinge guten Glaubens nach Eritrea zurückzuschicken. Nur Blocher bietet Locher als bezahltem Schweizer Honorarkonsul diese einmalige Chance, dem Diktator in Asmara die abtrünnigen jungen Männer aus der Schweizer Eritreer-Diaspora nachhause zurückzubringen und damit womöglich gleich auch die internationale Achtung zu überwinden.

Es gibt Weltweit keine andere Chance für Blocher, zum innenpolit i schen Schein­Problem ' Asyl-Chaos ' eine scheinbar echte Lösung zu präsentieren als jene , welche Locher ihm mit dem Beispiel ' Eritrea ' bietet. Blocher hat sie gepackt. Brennwald und Locher dienen seinen innenpolitischen Zielen ideal-typisch . Er m i ssbraucht die Eritreer-Diaspora , Locher und Brennwald für seine Zwecke: Die Machtergre i fung in Bundesbern anhand einer Serie solcher Schein-Probleme mit Schein-L ö sungen. Und unsere Medien (samt TV SRF) unterstützen ihn dabei freiwillig und gratis . Wieso nur gab sich TV SRF / Reporter her für diese groben innenpolitischen Täuschungsmanöver? Verhält sich so 'die 4. Macht im Staat'?»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die Sendung «Reporter» antwortete die Redaktionsleiterin, Frau Nathalie Rufer, wie folgt:

«Ich nehme Stellung zur Beanstandung von X. Der Beanstander stört sich an der Berichterstattung über den Honorarkonsul von Eritrea im Rahmen des Sendeformats ‘Reporter’ unter dem Titel ‘Einer gegen alle’. Er empfindet den Film über Toni Locher als einseitig, sieht darin einen Verstoss gegen das Sachgerechtigkeitsgebot, eine Verletzung des Transparenzgebots sowie eine Verletzung der Grundrechte und der Menschenwürde. Der Beanstander ortet eine politische Absicht hinter der Ausstrahlung des Films. Diese solle der SVP dienen, insbesondere dem Strategen Christoph Blocher. Ausserdem unterstellt X dem Autor Reto Brennwald politische Voreingenommenheit.

Bevor ich auf die einzelnen Punkte eingehe, muss Grundsätzliches zum Sendeformat ‘Reporter’ geklärt werden. Das Konzept von ‘Reporter’ bewährt sich seit Jahren und sieht vor, Menschen mit ausserordentlichen Biografien an aussagekräftige Schauplätze zu begleiten. Dabei wird in erster Linie die Persönlichkeit der Protagonisten beleuchtet. Im Unterschied zu anderen Informationssendungen (wie z.B. Tagesschau, Rundschau, DOK u.a.) steht bei ‘Reporter’ nicht ein kontradiktorischer Ansatz oder das Abbilden der Meinungsvielfalt im Vordergrund, sondern der Mensch, sein Wesen, seine Meinung und seine Ansichten. Naturgemäss fällt aufgrund dieses Konzeptes jeweils dem Protagonisten und seiner Sichtweise, Haltung und Meinung ein hohes Gewicht zu. Handkehrum kann so ein situatives Porträt in Form einer authentischen Reportage geschaffen werden. Ein filmisches Bild, das einen Menschen anders zeigt, als ein normales Porträt. Interaktion und Beziehung zwischen Protagonist und Filmautor/Reporter darf in diesem Sendeformat spürbar sein, eine subjektive Erzählweise und Haltung ist möglich. Eine kritische Fragehaltung gegenüber dem Protagonisten ist journalistische Pflicht. Selbstverständlich werden auch bei dieser reportageartigen Porträtform die publizistischen Leitlinien von SRF berücksichtigt.

Toni Locher, Honorarkonsul von Eritrea und Gynäkologe, ist seit längerem ein viel diskutierter und hoch umstrittener Zeitgenosse. Zudem findet ein intensiver politischer Diskurs um eritreische Flüchtlinge in der Schweiz statt. Toni Lochers positive Meinung zum Land, für das er als Honorarkonsul in Diensten steht, widerspricht meistens der veröffentlichten Meinung und dem Bild, das Behörden von Eritrea zeichnen. In diesem Spannungsfeld ist es interessant und journalistisch reizvoll, diesen pointierten Kenner und Verfechter dieses afrikanischen Landes kritisch zu porträtieren und mit ihm nach Eritrea zu reisen. Der freischaffende Filmautor Reto Brennwald nutzte im Auftrag der Redaktion ‘Reporter’ die Gelegenheit, Toni Locher auf einer seiner Reisen zu begleiten, um an Ort und Stelle filmisch zu dokumentieren, wer dieser Mann ist, wie er zu seinen Überzeugungen gekommen ist und wie sich die Schauplätze auf der Reise präsentieren.

Es ist richtig, Toni Locher erhält im Film viel Raum und kann seine Sicht und Meinung zur Situation in Eritrea kundtun. Allerdings wird er von Autor Reto Brennwald immer wieder auf Widersprüche aufmerksam gemacht. Seine Meinung wird kritisch hinterfragt. Indem der Reporter überdies aufzeigt und dokumentiert, wie Toni Locher als junger Mann aktiv im Freiheitskampf Eritreas engagiert war, werden auch die persönlichen Beziehungen und allfällige Interessenbindungen transparent gemacht. Der Reporter spricht Toni Locher darauf an, dass er Seite an Seite mit heutigen Machthabern des autoritären eritreischen Regimes kämpfte. Dieser wiederum bestätigt und erzählt im Film über seine langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zu den heutigen Machthabern.

X unterstellt der Redaktion ‘Reporter’ sowie dem Autor Reto Brennwald, eine politische Agenda zu verfolgen. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Aufgrund dieses Films einen Zusammenhang oder gar eine Form von Zusammenarbeit mit der SVP oder mit den Anliegen Christoph Blochers herzuleiten, ist aus der Luft gegriffen.

Reto Brennwald war langjähriger SRF-Mitarbeiter, bevor er sich vor einiger Zeit selbständig machte. Er hat für die Redaktion ‘Reporter’ zahlreiche Filme realisiert, zunächst als Mitglied der Redaktion, danach als freier Autor im Auftragsverhältnis. Dies entspricht unseren Gepflogenheiten. Etwa ein Viertel der ausgestrahlten Reporter-Filme entstehen als sogenannte Auftragsproduktionen. Die Redaktion ‘Reporter’ wäre aufgrund ihrer personellen Kapazitäten gar nicht in der Lage, sämtliche Sendungen selber zu produzieren.

Wir sind der Meinung, im Rahmen unseres Sendemandats unsere journalistische Sorgfaltspflicht erfüllt zu haben und weisen die erhobenen Vorwürfe zurück.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Ich maße mir nicht an, zu wissen, welche Informationen über Eritrea zutreffen und welche nicht. Das Land, wiewohl Mitglied der Uno und anderer internationaler Organisationen, etwa der „Afrikanischen Union“, schottet sich stark ab und lässt auswärtige Beobachter selten einreisen. So gibt es keine kontinuierliche Berichterstattung durch ausländische Medien, da Eritrea dauerhafte Akkreditierungen verweigert. Die Schweiz verfügt in Asmara, der eritreischen Hauptstadt, nur über ein Generalkonsulat; die für Eritrea zuständige Botschaft befindet sich in Khartum, der Hauptstadt des Sudan.[10] Eritrea hingegen ist in der Schweiz – in Genf – mit einer eigenen Botschaft vertreten; dort werden auch die konsularischen Geschäfte erledigt[11], während der Honorarkonsul in Wettingen, Toni Locher, keine diplomatischen Funktionen ausübt, sondern eher als Aushängeschild und Werbe-Botschafter Eritreas in der Schweiz wirkt.[12] So kommt es denn, dass viele Informationen gefärbt sind: Das Informationsministerium Eritreas macht auf seiner Website PR für das eigene Land[13]; der Eritreische Medienbund Schweiz vermittelt die Sicht der Opposition.[14] Man mag Berichte der Uno-Menschenrechtskommission[15] oder von Amnesty International[16] anzweifeln, wie Toni Locher das tut. Man kann die Qualifikation des Landes durch Freedom House als „not free“[17] und die Einstufung der Pressefreiheit in Eritrea durch „Reporter ohne Grenzen“ auf Rang 179 von 180[18] als zu oberflächlich, zu westlich-orientiert abtun. Aber man kann dem EASO-Bericht, dem Bericht des European Asylum Support Office[19], die Seriosität und die Differenziertheit nicht absprechen. Und daraus ergibt sich, dass Toni Locher die Zustände mit Sicherheit schönfärbt. Der Nationaldienst für junge Männer beträgt eben nicht 18 Monate, sondern 5-10 Jahre. Begründet wird das alles mit dem Ausnahmezustand, der wegen des letztlich ungelösten Konflikts mit Äthiopien anhält. Somit gibt es auch echte Fluchtgründe. Die Aussage Toni Lochers im Film von Reto Brennwald: „Es gibt keine an Leib und Leben Verfolgte“ ist mit Sicherheit unwahr. Die menschenrechtlichen Defizite werden auch durch Errungenschaften im Gesundheits- und Bildungswesen nicht aufgewogen.

Dem gegenüber steht die Frage, ob man den Gynäkologen und Honorarkonsul Toni Locher porträtieren darf und damit zeigen kann, welchen Weg der Walliser gemacht hat, wie er zum Anhänger der eritreischen Revolution geworden ist und wie er heute denkt. Man darf! Ein Porträt hat ja gerade den Zweck zu ergründen, wieso jemand gegen den Strom schwimmt. Die Frage ist eigentlich lediglich, ob der porträtierende Journalist genügend entgegenhält, ob er kritische Fragen stellt und dort, wo der Honorarkonsul eindeutig schönfärbt, markiert, was die internationalen Untersuchungsberichte sagen. Reto Brennwald hat in der Tat immer wieder kritische Fragen gestellt, aber dann die Antworten Toni Lochers stehen lassen, ohne nochmals auf der anderen Sicht zu beharren. Dies war meines Erachtens ein Fehler.

Ich halte es aber für einen Fehler in einem Nebenpunkt, der nicht dazu beitrug, die freie Meinungsbildung des Publikums zu beeinträchtigen, aus folgenden zwei Gründen:

1. Das Thema „Eritrea“ ist schon lange in den Medien. Die Schweizer Medien berichten alle in der gleichen Tonalität. Man hört und liest von den vernichtenden Urteilen in internationalen Berichten. Es gab eine Debatte nach der Politiker-Reise ins umstrittene Land. Auch Radio und Fernsehen SRF haben in diversen Sendungen über Eritrea informiert und diskutiert. Das Publikum verfügt also über ein gewisses Vorwissen.

2. Im Film von Reto Brennwald „Einer gegen alle“ wurde sofort klar, dass Toni Locher aus biographischen Gründen mit der eritreischen Diktatur verbunden ist und sie durch dick und dünn verteidigt. Man merkte sofort, dass er das Regime in einem positiven Licht sehen will, Gegenargumente hin oder her. Das Publikum konnte daher seine Aussagen einordnen.

Aus diesem Gründen kann ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen, so sehr ich Ihre Perplexität über den Film verstehe. Der Beitrag sprengte den Rahmen der Medienfreiheit nicht. Die Medienfreiheit – und damit die Programmautonomie von Radio und Fernsehen – lässt selbst anwaltschaftlichen Journalismus zu, vorausgesetzt, die angegriffene Gegenposition kommt in irgendeiner Weise zum Ausdruck.

Nicht weiter kommentieren möchte ich die von Ihnen konstruierte Verbindung zwischen Reto Brennwald, Toni Locher und dem SVP-Strategen Christoph Blocher und die geradezu verschwörungstheoretische These, der Film diene der Vorbereitung der „Machtergreifung“ durch die SVP nach den Wahlen von 2019. Die These ist abstrus, und es wäre besser, Sie würden sie ad acta legen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


[1] https://www.srf.ch/sendungen/reporter/einer-gegen-alle

[2] https://www.srf.ch/unternehmen/organisation

[3] www.facebook.com/nzz/videos/1834936166548972/

[4] 'Zusammenfassung EASO-Bericht 'Länderfokus Eritrea' 2015' (4 Seiten): https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftslaender/afrika/eri/ERI-res-ber-easo-d.pdf 'Aktualisierter EASO-Bericht 'Länderfokus Eritrea' 2016' (53 Seiten): https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftslaender/afrika/eri/ERI-ber-easo-nationaldienst-d.pdf

[5] www.retobrennwald.ch/persoenlich.html

[6] www.retobrennwald.ch/

[7] https://www.srf.ch/sendungen/glanz-und-gloria/people/schweiz/reto-brennwald-liebaeugelt-mit-polit-karriere

[8] www.suke.ch/

[9] http://www.mdrebahri.com/shockinq-revelations-on-the-issue-of-eritrean­refugees/

[10] https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/vertretungen-und-reisehinweise/eritrea/schweizer-vertretungineritrea.html

[11] https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/vertretungen-und-reisehinweise/eritrea/eritrea-vertretunginderschweiz.html#par

[12] http://www.honorarkonsul-eritrea.ch/

[13] http://www.shabait.com/

[14] http://eritreischer-medienbund.ch/

[15] https://documents-dds-ny.un.org/doc/UNDOC/GEN/G17/220/61/PDF/G1722061.pdf?OpenElement

[16] https://www.amnesty.de/jahresbericht/2017/eritrea#section-11842

[17] https://freedomhouse.org/report/freedom-world/2018/eritrea

[18] https://www.reporter-ohne-grenzen.de/eritrea/

[19] https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftslaender/afrika/eri/ERI-ber-easo-nationaldienst-d.pdf

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