Toni Locher vor einer Wand mit Fotos in "Reporter" vom 3.12.18
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Reporter» über Toni Locher hat keine Bestimmungen verletzt

«Reporter» vom 3. Dezember 2018 porträtiert in «Einer gegen alle» den Arzt, Entwicklungshelfer und Honorarkonsul Toni Locher. Der «Eritreische Medienbund Schweiz» sowie ein zweiter Beanstander kritisieren, in der Sendung sei die politische und menschenrechtliche Lage einseitig und verharmlosend dargestellt worden. Lochers Aussagen seien zu wenig kritisch hinterfragt worden. Der zweite Beanstander ortet zudem eine politische Absicht hinter der Ausstrahlung des Films. Ombudsmann Roger Blum kommt zum Schluss, dass die Sendung keine programmrechtlichen Bestimmungen verletzt hat.

In «Reporter» werde in erster Linie die Persönlichkeit der Protagonisten beleuchtet, erklärt Nathalie Rufer, Redaktionsleitern «Reporter», das Konzept der Sendung. Es stehe weder ein kontradiktorischer Ansatz noch das Abbilden der Meinungsvielfalt im Vordergrund, sondern der Mensch, sein Wesen, seine Meinung und Ansichten. Eine kritische Fragehaltung gegenüber dem Protagonisten sei jedoch journalistische Pflicht.

Ziel der beanstandeten Sendung sei gewesen, den umstrittenen Honorarkonsul Toni Locher zu porträtieren und herauszufinden, was ihn trotz breiter Kritik dazu bringt, an seiner positiven Grundhaltung gegenüber Eritrea festzuhalten, so Rufer weiter. Filmautor Reto Brennwald habe Toni Locher mehrmals mit den Aussagen seiner Kritiker konfrontiert. Die Botschaften Lochers seien dadurch relativiert und in einen Zusammenhang gestellt worden, findet Rufer. Beispielsweise seien die persönlichen Beziehungen Lochers und allfällige Interessenbindungen transparent gemacht worden. Den Vorwurf des zweiten Beanstanders, Filmautor Brennwald verfolge mit dem Beitrag eine politische Agenda, weist Rufer entschieden zurück.

Ist ein solches Porträt legitim?

Ombudsmann Roger Blum zeigt auf, dass Toni Locher die Zustände in Eritrea schönfärbt und zu Unrecht behauptet, es gebe im Land keine an Leib und Leben Verfolgte. Blum bejaht jedoch die Frage, ob eine Sendung eine solch umstrittene Person porträtieren darf. Ein Porträt habe den Zweck zu ergründen, wieso jemand gegen den Strom schwimme. Allerdings müsse der porträtierende Journalist genügend entgegenhalten.

Reto Brennwald habe tatsächlich immer wieder kritische Fragen gestellt. Hingegen hätte er nach Lochers Antworten nochmals auf der anderen Sicht beharren müssen. Diesen Fehler wertet Blum jedoch als Fehler in einem Nebenpunkt, der die freie Meinungsbildung des Publikums nicht beeinträchtigt habe. Denn dieses verfüge – auch aufgrund verschiedener Sendungen von Radio und Fernsehen SRF – über ein gewisses Vorwissen zu Eritrea. Zudem habe «Reporter» die Verbundenheit Lochers mit der eritreischen Diktatur aufgezeigt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer hätten daher Lochers Aussagen einordnen können. Roger Blum kann die Beanstandungen nicht unterstützen.


Schlussbericht Ombudsstelle 5264

Schlussbericht Ombudsstelle 5271

Zu «Reporter» vom 3. Dezember 2017


Text: SRG.D/dl

Bild: Toni Locher vor alten Fotos aus der Zeit des Befreiungskampfes. Aus «Reporter» vom 3. Dezember 2018. Screenshot, SRF

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Bild von «Reporter – Tod einer Königin» hat keine Bestimmungen verletzt

«Reporter – Tod einer Königin» hat keine Bestimmungen verletzt

Ombudsmann Roger Blum hatte eine Beanstandung der Sendung «Reporter» über eine nach Kamerun ausgewanderte Schweizerin zu behandeln. Die Beanstanderin kritisiert die Sendung als respektlos und schädlich für die Beteiligten. Ombudsmann Roger Blum kann diese Argumentation nicht teilen.

Weiterlesen

Bild von «Arena/Reporter»-Bericht war ausgewogen

«Arena/Reporter»-Bericht war ausgewogen

Ombudsmann Roger Blum beschäftigte sich aufgrund einer Beanstandung mit der Sendung «Arena/Reporter» über den Fall Kast und die KESB. Für den Beanstander ist die Sendung unausgewogen und nicht sachgerecht. Sowohl die SRF-Verantwortlichen als auch Ombudsmann Roger Blum können diese Argumentation nicht unterstützen.

Weiterlesen

Bild von «Arena/Reporter» durfte einen Demenzkranken filmen

«Arena/Reporter» durfte einen Demenzkranken filmen

Ombudsmann Roger Blum hatte zwei Beanstandungen der Sendung «Arena/Reporter» vom 5. November 2017 zu behandeln. Beide Beanstander stellen in Frage, ob es legitim sei, einen Demenzkranken im Film «Bis dass der Tod uns scheidet» zu zeigen. Sowohl die SRF-Verantwortlichen als auch Roger Blum erachten die Filmaufnahmen als rechtmässig. Der Ombudsmann kann beide Beanstandungen nicht unterstützen.

Weiterlesen

Alle Schlussberichte der Ombudsstelle jetzt ansehen

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit (bitte beachten Sie die Netiquette und Rechtliches)

Lade Kommentare...
Noch keine Kommentare vorhanden

Leider konnte dein Kommentar nicht verarbeitet werden. Bitte versuche es später nochmals.

Ihr Kommentar wurde erfolgreich gespeichert und wird nach der Freigabe durch SRG Deutschschweiz hier veröffentlicht