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«SRF News»-Beitrag «Rekordsommer 2018 – So trocken war es zuletzt vor 97 Jahren» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 26. Juli 2018 beanstandeten Sie den Beitrag «Rekordsommer 2018 – So trocken war es zuletzt vor 97 Jahren» auf SRF News vom 25. Juli 2018.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Auf SRF wird beim Wetter von einem trockenen Sommer 2018 berichtet, wie seit 97 Jahren nicht mehr. Als 62Jähriger Mann erinnere ich mich in die 1975/76ger Jahren, dann wirklich extrem 1983 musste ich mit der Feuerwehr und im Militärdienst Hilfe leisten. Da ist dieser Sommer kein Vergleich dazu, ausser dem 2003. Meine Grosseltern und Vater (Bauern) erwähnten noch 1947 der extremer wie 1983 gewesen sein soll.

1983 hier in der Schweiz, Kanton Zürich, kann unmöglich von 2018 getoppt werden. Eben noch mussten wir Keller auspumpen, da zu starker Regen kam und Hagel. Das gab es in den Top trockenen Sommern nicht.

Also ist das eine Fake News, (gelogen). Da plappern Schweizer Journalisten anderen Journalisten zum Beispiel Mecklenburg Vorpommern nach. Dort in Deutschland weiss ich es nicht, die Bilder sprechen eine traurige Sprache, Ernte.

Die Frage bleibt: Was wollen JournalistenInnen von SRF mit solchen Bad News erwirken? Welche Meldungen sind auch noch getürkt, falsch, oder wie man im Volksmund sagt, gelogen? Ich kenne einfachere Gemüter, die glauben was das Fernsehen oder Radio mitteilt, leben die ganze Zeit in Panik. Weltuntergang, Weltkrieg, Grippen Pandemie, Rentengeld Verlust, die Liste ist lang. Es ist verboten (öffentliche Unruhe) zu stiften mit Falschmeldungen.

Ich erwarte eine Richtigstellung in den Medien.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für SRF News antwortete dessen Bereichsleiterin, Frau Sandra Manca:

«Besten Dank, geben Sie uns Gelegenheit, auf die Beanstandung von Herrn X einzugen.

Herr X bezeichnet den kritisierten Beitrag als ‘Fake News’. Zur Begründung schreibt er u.a. er erinnere sich an das Jahr 1983, in dem er bei der Feuerwehr und im Militärdienst Hilfe leisten musste. Zudem berichtet er von den Erzählungen seiner Grosseltern, dass das Jahr 1947 noch ‘extremer’ als 1983 gewesen sein soll.

Im Beitrag wird SRF Meteorologe Christoph Siegrist wie folgt zitiert:

<Von April bis Juli fiel so wenig Regen wie seit fast 100 Jahren nicht mehr», sagt Siegrist. In den Statistiken des Bundesamtes für Meteorologie war es letztmals 1921 trockener.>

Die Grundlage für diese Aussage sind die Analysen der Klimatologen des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie.[2] Die Quelle wurde im Artikel deklariert. Die Basis für die beanstandete Aussage sind also Messwerte, die wissenschaftlich analysiert wurden. Zu beachten ist, dass der Sommer zum Erscheinungszeitpunkt des Beitrags (25. Juli 2018) noch nicht zu Ende war. Es ist also möglich, dass am Ende der Saison dieser Sommer weniger extrem abschneidet im Vergleich zu früheren Sommern.

Eine Aussage zum Verlauf der Niederschläge vom Frühjahr bis zum Erscheinen des Beitrags ist aber möglich, und da ist es eine extreme Trockenphase, die es seit 1921 nie mehr gab.

Wir bitten Sie die vorliegende Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung des Beitrags. Die subjektiven Wahrnehmungen und Erinnerungen können täuschen. Die wissenschaftlichen Messungen hingegen täuschen nicht, sondern ermöglichen auf sachlicher Basis Vergleiche. Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich behauptet, dass der Sommer 1976 einer der heißesten gewesen sei. In Tat und Wahrheit war er es nicht. Die Messungen seit 1864 erlauben es, eine unanfechtbare Statistik zu erstellen. Dabei müssen wir unterscheiden zwischen dem Grad der Trockenheit und dem Grad der Hitze. Meist geht beides zusammen. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es in einem Sommer an manchen Tagen extrem heiss ist, obwohl es zwischenhinein immer wieder regnet, oder dass es in einem anderen Sommer nie regnet, aber die Temperaturen trotzdem nicht so stark steigen. Nehmen wir die Trockenheit, also den Mangel an Niederschlägen, so lagen die drei Spitzenjahre zwischen 1865 und 1920, im vierten Rang liegt 2018, dann folgt 1921. Nehmen wir hingegen die Hitze, also die Höhe der Temperaturen, dann hat der Sommer 2018 das bisherige Rekordjahr 2003 übertrumpft, während die früheren Spitzen in den Vierzigerjahren erreicht wurden. Genau solche Aussagen hat der Text auf SRF News gemacht. Er gab also nur Fakten wider. Es gibt daher auch nichts richtigzustellen.

Es gibt daher keinen Anlass, von Fake News zu sprechen. Und Sie haben kein Recht, SRF der Lüge zu bezichtigen. Überhaupt möchte ich Sie bitten, nicht gleich zu verallgemeinern und zu vermuten, alles, was Radio und Fernsehen SRF ausstrahlen und publizieren, sei gelogen. Im konkreten Fall haben Sie sich geirrt – wie ich mich auch geirrt hätte – und nicht SRF News. Ich kann folglich Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


[1] https://www.srf.ch/news/schweiz/rekordsommer-2018-so-trocken-war-es-zuletzt-vor-97-jahren

[2] https://www.meteoschweiz.admin.ch/home.subpage.html/de/data/blogs/2018/7/extreme-regenarmut-und-rekordwaerme.html

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