VR SRG befürwortet Teilumzug der Berner Radioredaktionen
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VR SRG befürwortet Teilumzug der Berner Radioredaktionen

Der Verwaltungsrat der SRG hat sich an seiner Sitzung von heute für den Umzug eines Teils der Radioredaktionen SRF von Bern nach Zürich ausgesprochen. Die Verlegung von insgesamt 170 Arbeitsplätzen soll vorbehältlich des Konsultationsverfahrens ab Ende 2020 stattfinden. Die SRG wird ihre Präsenz in Bern mit neuen Projekten verstärken und die Digitalisierung weiter vorantreiben. Sie reduziert gleichzeitig die Immobilienflächen unternehmensweit.

Damit die SRG zukunftsfähige Radioprogramme und andere Audiobeiträge in hoher Qualität realisieren und weiterentwickeln kann, hat der Verwaltungsrat SRG entschieden, einen Teil der heute in Bern ansässigen Radioredaktionen neu in Zürich anzusiedeln. Gilles Marchand, Generaldirektor der SRG: «Der Service public steht im Dienst der Gesellschaft. Er muss sich ständig neuen Rahmenbedingungen anpassen und gleichzeitig die Entwicklung der Medien antizipieren. 15 Jahre nach der Revolution im Videobereich finden die nächsten Umwälzungen im Audiobereich statt. Im Dialog mit den Teams ist es wichtig, die Präsenz unserer Sendungen und Programme auch in den neuen Mediennutzungsformen sicherzustellen, damit den Erwartungen der Öffentlichkeit gerecht zu werden und unseren Auftrag zu erfüllen.»

Mit der Reorganisation der Radioredaktionen setzt die SRG die Digitalisierung im Medienbereich fort. Diese Veränderung betrifft alle Unternehmenseinheiten der SRG in allen Landesteilen. Die Teilverlagerung der Radioredaktionen von SRF nach Zürich ab Ende 2020 findet vorbehältlich des gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahrens statt.

Programme und Arbeitsplätze schützen

Mit dem Immobilienprojekt in Bern spart die SRG jährlich 5 Millionen Franken, dies ohne Arbeitsplätze abzubauen und ohne das Programm zu tangieren. Der vom Verwaltungsrat SRG unterstützte Antrag ist Teil des von der SRG für 2019 definierten Effizienzsteigerungs- und Reinvestitionsprogramms von insgesamt 100 Millionen Franken. In der Deutschschweiz spart die SRG (Generaldirektion/SRF) 12 Millionen Franken mit Immobilien- und Infrastrukturprojekten – 5 Millionen davon in Bern an den Standorten von SRF und der Generaldirektion. «Wir sparen lieber im Immobiliensektor als im journalistischen Bereich. Und wir werden die Qualität unserer Radioprogramme zu sichern wissen, unabhängig davon, wo sie produziert werden», sagt Ruedi Matter, Direktor SRF.

Die vorgesehenen Sparmassnahmen betreffen vorwiegend die Infrastruktur der SRG. So sollen insbesondere die technischen Investitionen um 20 Prozent reduziert werden. Die Immobilienflächen der SRG sollen unternehmensweit um 25 Prozent reduziert und die Aktivitäten neu organisiert werden.

Auch in der französischsprachigen Schweiz wird die Immobiliensituation in den kommenden Jahren den Bedürfnissen der Digitalisierung und den wirtschaftlichen Zwängen (allmähliche Flächenreduktion) angepasst. RTS wird seine zwei Hauptstandorte in Genf und Lausanne sowie seine Regionalbüros beibehalten.

Die SRG bleibt in Bern stark vertreten und entwickelt neue Aktivitäten

Trotz des vorgesehenen Teilumzugs bleibt die SRG in der Stadt Bern mit 550 Mitarbeitenden – davon mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten von SRF, RTS, RSI, RTR und SWI – weiterhin stark vertreten. Dazu zählt das Studio Bundeshaus, aus dem auch in Zukunft über das bundespolitische Geschehen aus Bern berichtet wird.

Zusätzlich wird SRF seine Inlandredaktion in Bern ausbauen und die Präsenz in den deutschsprachigen Kantonen mit einigen Korrespondentinnen und Korrespondenten erweitern. Die Unternehmenseinheiten der SRG werden in Bern zudem einer Forderung der neuen Konzession entsprechen und ein Pilotprojekt starten, das Inhalte zu nationalen Themen für alle SRG-Kanäle in allen Landesteilen herstellen soll.

Ebenfalls in Bern betreut werden soll die neue digitale Plattform der SRG, welche à la carte, also den Bedürfnissen des Publikums angepasst, die SRG-Angebote mit Untertiteln in den Landessprachen anbieten wird. «Die SRG will in Bern – dem politischen Herz der Schweiz – mit neuen Aktivitäten ihren Standort zum nationalen politischen Kompetenzzentrum ausbauen. In diesem Sinn wird sie am Föderalismus und an der Zusammenarbeit zwischen den Regionen unseres Landes festhalten», sagt Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident der SRG.

Das Effizienzsteigerungs- und Reinvestitionsprogramm der SRG ist die Reaktion auf die vom Bundesrat 2017 beschlossene Plafonierung der Gebühreneinnahmen, auf die Reduktion der Gebühren sowie auf den Rückgang der Werbeeinnahmen, der alle Schweizer Medien betrifft. Diese Reform des Service public beinhaltet auch Anpassungen bei und Investitionen in die Digitalisierung der Medien sowie Reinvestitionen in Schweizer Kulturproduktionen. Die SRG hat diesbezüglich drei klare Prioritäten für die kommenden Jahre definiert: Die Unterscheidbarkeit ihrer Programme, die Zusammenarbeit mit privaten Schweizer Medien und die Kosteneffizienz.

Umzug eines Teils der GD und von SWI an die Schwarztorstrasse

Nach der Verlegung von 170 SRF-Arbeitsplätzen von Bern nach Zürich ab Ende 2020 wird das Gebäude an der Schwarztorstrasse in Bern zu einem grossen Teil frei. Die SRG beabsichtigt deshalb, einen Teil der Generaldirektion und von SWI swissinfo.ch, die momentan an der Giacomettistrasse im Berner Ostring eingemietet sind, an die Schwarztorstrasse zu verlegen – die dort frei werdenden Arbeitsflächen werden mit Stabs- und Fachbereichen von GD und SWI besetzt. Welche Bereiche an der Giacomettistrasse bleiben, ist in Abklärung. Ebenfalls prüft die SRG zurzeit verschiedene Szenarien für eine Untervermietung des Gebäudes G1 an der Giacomettistrasse.

Text: SRG SSR

Bild: SRF / Peter Mosimann

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  1. Thomas Raaflaub 20.09.2018 08:35

    "SRF bi de Lüt"? Nein, von nun an bleibt die beschränkte Oerlikon-Nabelschau die einzige Sicht auf die Deutschschweiz. Braucht es eine weitere Volksabstimmung, bis die SRG die Vielfalt der Schweiz als ihre Stärke begreift und ihren Auftrag endlich besser wahrnimmt?

  2. Eberhart 25.09.2018 18:49

    Dann wäre ja alles schön und gut ... warum fehlt mir der Glaube, dass alles so toll und rosig wird in Bern. Stellen wir uns auf einen Service züric ein, oder wechseln auf die lokalen Privaten?

  3. Manuel Tanner 25.09.2018 18:56

    170 Leute welche preisgekrönte Radiosendungen hervorbringen einfach mal auf eine zum Pendeln nicht zumutbare Distanz umsiedeln. Ein unternehmerisch dermassen unsensibler und politisch sehr kurzsichtiger Eingriff in das am besten funktionierende Produkt des SRF erachte ich als Mitglied der SRG schlicht als beschämend und in keiner Weise nachvollziehbar. Die besten Leute bluten für ein wenig effizientes mittleres Management und den Prestigebau G1.

  4. Dr. Hans Herzog-Schaffter, Pratteln 25.09.2018 21:36

    Ich, mit Jahrgang 1923, habe die Zeit von Radio Beromünster mit den Studios Basel, Bern und Zürich noch erlebt, mit den Sprechern Hausmann, Held und x. (Der dritte Name ist mir entfallen.) Dass man heute glaubt alles nach Zürich verlegen zu müssen finde ich schlicht sehr bedauerlich.

    Trotzdem freundliche Grüsse

  5. Markus Schneider 26.09.2018 05:07

    Dieser Entscheid und vor allem auch die Begründung ist eine Gemeinheit (trotz Netiquette!!!) dem qualitativ hervorragenden Berner Studio und seiner Trägerschaft gegenüber, ein reines Machtspiel, ein weiteres Beispiel der staats- und medienpolitisch verhängnisvollen Konzentration der Medienmacht in Zürich. Er erschüttert die Grundfesten der SRG (dies Herrn Matter zum Abschied). Wir alle, die wir uns gegen No-Billag engagiert haben, sind von der SRG vor und nach der Abstimmung schlicht angelogen worden. Man muss das in aller Deutlichkeit sagen. Dieser traurige Entscheid und das Vorgehen der Hauptakteure wird jetzt im Interesse der Transparenz wissenschaftlich aufgearbeitet.

  6. Roland Jeanneret 28.09.2018 10:55

    Gratuliere zum Eigentor!
    Das stolze (und naive) Gehabe der SRG, sich von der Politik nicht dreinreden zu lassen, dürfte schon bald zum Bumerang werden: Das sture Durchziehen des Matter-Plans provoziert dermassen, dass damit zu rechnen ist, dass die Standortfrage ins neue Bundesgesetz über elektronische Medien (BGeM) gewürgt wird - und dann hat die SRG genau das Gegenteil von dem, was sie wollte.... Wie geht das alte Sprichwort: Wer nicht hören will, muss fühlen.

  7. Matthias Barth 30.09.2018 21:30

    Der Entscheid des SRG-Verwaltungsrates ist für mich absolut unverständlich und dessen schwammige Begründung nicht nachvollziehbar. Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier eine publikumswirksame Demonstration um nicht zu sagen Trotzreaktion auf die Plafonierung der Bundesbeiträge auf dem Buckel von 170 Angestellten stattfindet. Ich begrüsse den Entscheid des Vorstandes der SRG Bern Freiburg Wallis die Zusammenarbeit mit der SRG Deutschschweiz zu überprüfen.

  8. Strüby Werner SRG Region Basel 03.10.2018 00:37

    Vergeblich habe ich mich mit allen Kräften in den verschiedenen Medien gegen die No-Billag-Initiative eingesetzt. Das Hauptargument gegen die jungen Initianten und die SVP-Exponenten Rickli und Rutz aus Zürich war der Föderalismus und die hochstehende Qualität der Radio-Sendungen "Echo der Zeit" und "Rendez-vous am Mittag" aus Bern. Wir haben die Volksabstimmung mit sagenhaft hohen 71% gewonnen. - Und nun weiss der Verwaltungsrat nichts anderes als diesen hart erkämpften Sieg zu verspielen. Wie schon FAM im "Sonntags-Blick" geschrieben hat, diktieren nun die Verlierer die Agenda der SRG. Warum dieser Kniefall vor dem Millionen-Zürich und seinen Medien-Exponenten?