Illustration: Zeigefinger streckt sich in die Luft
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Netz Natur Spezial: Die Schweiz und die Jagd - die Diskussion» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 6. Januar 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Netz Natur Spezial: Die Schweiz und die Jagd - die Diskussion» vom 3. Januar 2019.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Im Namen des Vereins Pro Töss-Auen beschwere ich mich über eine Produkteplatzierung in der Diskussion zum Thema Jagd im Schweizer Fernsehen. Ausgestrahlt wurde die Sendung am Donnerstag, 03. Januar 2019.

Gegenstand der Beschwerde:

Im Verlauf der Sendung durfte die Jägerin Frau CorneliaThiel-Egenter, Geschäftsführerin der Firma Cervo Volante, ihre Lederprodukte prominent vorstellen und bewerben. Als ökologisch wurden diese Produkte beschrieben und als sinnvolle Verwertung von Materialien, die sonst weggeworfen würden. Das ist schon inhaltlich falsch, weil durch die Jagd in der Schweiz sehr grosse Mengen Bleimunition in die Umwelt gelangen. Genaue Zahlen werden nicht erhoben! Auch das Leder der Hirsche ist unter Umständen kontaminiert, Wildfleisch sowieso. Grundsätzlich finden wir es vom Verein Pro Töss-Auen unangemessen und konzessionswidrig, wenn ein gewinnorientiertes und zwielichtiges Unternehmen Gratiswerbung derart prominent platzieren darf.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Die Stellungnahme kam von Frau Franziska Egli, Teamleiterin der «Arena»:

«In ihrem Mail vom 06. Januar beanstandet Frau X vom Verein Pro Töss-Auen die Sendung ‘Netz Natur Spezial «Die Schweiz und die Jagd – die Diskussion’. Insbesondere kritisiert sie die Sequenz, in der Frau Thiel-Egenter die Verarbeitungsstadien von Hirschfellen und deren Verarbeitung zu Schuhen oder Taschen erläutert (ca. 13:51), als unlautere Werbung. Gerne nehme ich dazu Stellung.

Im Rahmen von ‘Netz Natur Spezial: Die Schweiz und die Jagd’ wurden verschiedene Aspekte der Jagd in der Schweiz angesprochen. Wie Frau X richtig anmerkt, ist Conny Thiel-Egenter nicht nur Biologin, hat an Inhalten der Jägerausbildung in der Schweiz mitgeschrieben und ist selber auch Jägerin, sondern ist als solche auch Mitgründerin und Partnerin von ‘Cervo Volante’.[2] Das Unternehmen ‘Cervo Volante’ verarbeitet Tierfelle, welche im Rahmen der Jagd entstehen. Die Felle von geschossenen Tieren werden heutzutage oftmals weggeworfen, lediglich das Fleisch wird verwertet. In der Sendung hat Moderator Jonas Projer Frau Thiel-Egenter die Möglichkeit zur Illustration der Weiterverarbeitung von Tierfellen gegeben: Frau Thiel zeigte in der Sendung Felle in verschiedenen Stadien der Verarbeitung und das Endprodukt – die Schuhe. Allerdings hat weder Frau Thiel selbst noch der Moderator den Namen des Labels bzw. der Firma erwähnt. Indem der Name der Herstellungsfirma nicht genannt wurde, stand unseres Erachtens nicht die Möglichkeit der Vermarktung dieser Produkte, sondern vielmehr die Verwertung von Tierfellen von geschossenen Tieren im Zentrum dieser Sequenz.

Dass die Ansichten darüber, ob dies nun eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen ist, die sonst weggeworfen würden oder aber, ob es die Jagd als solches überhaupt geben muss und darf, liegt selbstverständlich im Auge des Betrachters. Gerade deshalb stellte Moderator Jonas Projer unmittelbar im Anschluss an diese Sequenz Frau Marion Theus, Präsidentin Wildtierschutz Schweiz und dezidierte Jagdgegnerin, die erste Frage: <Wenn Sie das hören, die nachhaltige Nutzung, dass man sogar das Fell, das Leder verarbeitet, nutzt, nicht einfach fortschmeisst... das überzeugt Sie nicht?>. Frau Theus hatte demnach unmittelbar die Gelegenheit auf das Gesagte zu reagieren, dazu Stellung zu beziehen und aus ihrer Sicht falschen Aussagen zu widersprechen.

Aufgrund obiger Ausführungen ist die Redaktion der Ansicht, dass im Rahmen der Sendung ‘Netz Natur Spezial’ für das Unternehmen von Frau Thiel weder konzessionswidrig Werbung gemacht werden konnte, noch dass inhaltlich falsche Angaben gemacht wurden, denen nicht hätte widersprochen werden können. Die Redaktion beantragt daher, die Beanstandung abzulehnen. - Für Nachfragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Die Sendung war die letzte Folge einer mehrteiligen Serie über die Jagd in der Schweiz. In dieser Sendung diskutierten unter der Leitung von Jonas Projer nachts am Lagerfeuer im Wald von Maur am Greifensee sieben Personen mit unterschiedlichen Positionen den Sinn und die (Nicht-) Notwendigkeit der Jagd. Unter ihnen war Conny Thiel-Egenter, Biologin und Jägerin. Sie zeigte im Laufe der Sendung, wie sie Tierhäute durch Gerbung weiterverwendet und daraus unter anderem Taschen oder Schuhe macht. Sie knüpft damit an die Tradition ihres Vaters an, der Schuster war.

War das verbotene Schleichwerbung? Nein, keineswegs. Es war Zusatz-Information, die zum Thema gehört. Wenn ich eine Sendung über das Brot mache, dann zeige ich auch den Bauer, der Getreide anbaut, den Müller, der das Korn mahlt, und den Bäcker, der backt. Das sind verschiedene Facetten eines Prozesses, die das Publikum informieren und weiterbilden. So war es auch hier. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


[1] https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur?srg_shorturl_source=netznatur

[2] https://cervovolante.com

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