Illustration: Zeigefinger streckt sich in die Luft
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Live-Übertragung des Herren-Slalom sowie «Sport aktuell» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 31. Dezember 2018 beanstandeten Sie die Live-Übertragung des Skirennens vom 22. Dezember 2018 (2. Lauf im Herren-Slalom in Madonna di Campiglio) sowie die Sendung «Sport aktuell» vom gleichen Tag. Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Während der Live-Übertragung des Skirennens (Slalom 2. Laufen Herren in Madonna di Campiglio) kam es, wie öfters bei Skirennen-Übertragungen im SRF leider der Fall ist, zu Geringschätzungen anderer Athleten aus anderen Nationen vor. Doch diesmal war die Übertragung absolut unerträglich und keineswegs entschuldbar.

Zwar ist es nachvollziehbar, dass ein gewisser Patriotismus und Nationalismus bei einer Sportübertragung geltend gemacht werden kann und vorkommt, jedoch darf dies nicht zu einer Diskriminierung mit einer rassistischen Tendenz verleiten. Wenn ein ausländischer Fahrer langsamer fährt als ein führender Schweizer oder wenn ein ausländischer Fahrer gar ausscheidet, ist ein Jubel unangemessen, unanständig, unfair und offenbar ohne Kenntnis des sportlichen Geistes. Wenn dies aber gleich bei mehreren ausländischen Athleten hintereinander auftritt (es betrifft die Fahrer, die nach Daniel Yule gestartet sind), dann liegt einer Minderschätzung anderer Athleten vor und eine Diskriminierung von ausländischen Athleten mit Ansatz zu Rassismus vor.

Auch ein Triumph eines Schweizer Athleten darf nicht als Entschuldigung für eine solche Entgleisung herbeigezogen werden. Bei einem Profimoderator darf man eine professionelle, sachdienliche und faire Berichterstattung erwarten. Ich empfehle daher dringend ein Vergleich zu anderen Moderatoren von anderen Fernsehstationen. Zum Beispiel wie die Moderatoren des Sender ORF eine solche Übertragung professionell und mit hoher Wertschätzung gegenüber anderen Athleten ausüben. Dort wird selbst verständlicherweise nicht gejubelt, wenn ein anderer Athlet ausfällt, auch wenn die eigenen Athleten dadurch rangmässig profitieren können. Sogar die Athleten selber zeigen grösseren Sportgeist und Fairness bei den Rennen und können ebenfalls als Vorbilder herangezogen werden. Das sieht man jeweils an den Reaktionen, besonders im Leaderboard/Sitz wo kein Jubel aufkommt, wenn ein anderer Athlet stürzt oder ausfällt.

In der erwähnten Liveübertragung kamen Wörter wie u.a. Ja und Yes vor und sogar noch mit lauter Stimme in Form eines Jubelgeschrei vor und dies bei einem Ausscheiden eines ausländischen Athleten. Dies ist absolut inakzeptabel und gilt es zu rügen. Dass das SRF u.a. in der Sendung Sportaktuell den Originalton nochmals laufen liess (Ausfall von Marcel Hirscher) zeigt ebenso wenig Wertschätzung gegenüber ausländischen Athleten und zeigt dass auch die Regie wenig Fingerspitzengefühl hat.

Natürlich ist die Sendung zwar vorbei und bereits Geschichte, aber ich hoffe, dass in zukünftigen Übertragungen kein Jubel mehr bei einem Ausfall eines ausländischen Athleten mehr vorkommt.

In meinem Umkreis wird dieses Anliegen auch geteilt und die Empörung ist gross. Es muss auch berücksichtigt werden, dass nicht nur Schweizerinnen und Schweizer eine Übertragung im SRF anschauen, sondern auch aus anderen Nationen wie Norwegen oder Österreich.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die Sportredaktion äusserte sich Herr Notker Ledergerber, Stabchef SRF Sport:

«Zur Beanstandung betreffend Live-Kommentar im Ski Alpin vom 22. Dezember (Slalomsieg Daniel Yule) und Verwendung derselben Passagen als emotionales Gestaltungsmittel im sportaktuell gleichentags nehme ich wie folgt Stellung:

Selbstverständlich ist es die Aufgabe eines Kommentators, neutral und ausgewogen zu berichten und einzuordnen, dessen sind sich unsere Kommentatoren bewusst. Es ist aber auch die Aufgabe, emotional zu sein. Dass bei der äusserst spannenden Ausgangslage – der Walliser Daniel Yule lag nach dem ersten Lauf an vierter Stelle und hatte Chancen auf einem Podestplatz – die Emotionen etwas gar hoch gingen bei Kommentator Stefan Hofmänner und Co-Kommentator und Experte Didier Plaschy (selbst Walliser und vor rund 20 Jahren auch Slalom-Weltcup-Sieger), ist unter diesen Umständen erklärbar.

Die Schweiz musste mehr als 10 Jahre auf einen Slalom-Sieg im Weltcup warten. Dass die beiden Favoriten Henrik Kristoffersen und Manuel Hirscher beide einfädeln würden, war derart überraschend, dass das Kommentatoren-Duo den Emotionen freien Lauf liess. Wir werten es vielmehr als Freude für Daniel Yule und Freude über diesen langersehnten Sieg als Schadenfreude über das Einfädeln der Favoriten. Denn – auch wenn dies für einmal vielleicht weniger zum Ausdruck kam – unsere Kommentatoren würdigen die Leistungen der Athletinnen und Athleten aller Nationen, natürlich mit einem Schweizer Fokus.

Die emotionale Passage wurde im sportaktuell vom Abend noch einmal als Gestaltungsmittel verwendet.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendungen. Es ist bekannt (und auch akzeptiert), dass die journalistische Distanz zu den Akteuren im Sport etwas geringer ist als in der Politik oder in der Wirtschaft. So fiebern auch Kommentatoren mit den landeseigenen Athletinnen und Athleten regelmäßig mit, auch wenn es nie soweit gehen darf, dass die jeweiligen Konkurrentinnen und Konkurrenten herabgewürdigt und verspottet werden. Das ist auch hier nicht der Fall. Man merkt, dass das Kommentatoren-Duo nach dem guten Lauf von Daniel Yule unter enormer Spannung steht: Kann er sich behaupten? Oder läuft ihm die österreichische und norwegische Konkurrenz den Rang ab? Als dann quasi hintereinander zwei Konkurrenten Fehler machen und ausscheiden, äußert sich die Überraschung und das Kopfschütteln bei gleichzeitiger Lösung der Spannung bei den beiden Kommentatoren in erstauntem Glucksen und Lachen. Das würde ich aber nicht als Geringschätzung der Konkurrenten interpretieren, sondern eher als unbeholfene Äusserung des Erstaunens, dass just diese starken Fahrer kapitale Fehler machten. Eine Diskriminierung wäre, wenn die Überzeugung zum Ausdruck gekommen wäre, dass beispielsweise die Österreicher ja eh zu schwerfällig seien, um zu siegen. Da niemand so etwas sagt – was angesichts der Talente in den konkurrierenden Teams ja ohnehin Blödsinn wäre -, liegt keine Diskriminierung vor. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

Gerne nehme ich aber Ihre Intervention zum Anlass, die Sportredaktion zu ermahnen, in der Auswahl und im Coaching der Moderatorinnen und Moderatoren und Kommentatorinnen und Kommentatoren stets darauf hinzuwirken, dass die Würde ausländischer Mannschaften, Teams, Athletinnen und Athleten durchweg geachtet wird. Sportliche Wettkämpfe lassen Patriotismus zu, nicht aber Nationalismus.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

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