Bild von «Rundschau»-Beitrag «Hokus Pokus oder Heilmittel» beanstandet I
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Rundschau»-Beitrag «Hokus Pokus oder Heilmittel» beanstandet I

5937
Mit Ihrer E-Mail vom 20. April 2019 haben Sie den «Rundschau»-Beitrag «Hokuspokus oder Heilmit­tel»[1] vom 17. April 2019 beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Be­anstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

Der Beitrag über Homöopathie der letzten Rundschau hat mich sehr geärgert und hat auch in meinem Umfeld sehr grosse Enttäuschung ausgelöst. Der ganze Bericht war tendenziös, unsauber rechergiert und manipulativ. Sie wundern sich über die immer gehässigeren Töne über dieses Thema; mit diesem Beitrag haben sie diese jedoch noch geschürt. Der Beitrag liess jede objektive Berichterstattung ver­missen. Die Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist es doch die Fakten und Meinungen der Befürworter und Gegner darzustellen, damit sich der Zuschauer eine eigene Meinung bilden kann.

Die Gegner der Homöopathie haben einmal mehr sehr viel Raum erhalten die Anwender der Homöo­pathie lächerlich zu machen und mir geht jedes Verständnis ab, warum zu diesem Thema jedesmal Herr Stadler aufgeboten wird, der ja gar nie wissenschaftlich argumentiert; aber sich immer auf die Wissenschaft beruft. Es gäbe da sicher fundiertere Kritiker. Frau Grans wurde in der Maske dargestellt und beim Schlendern durch Winterthur, aber die Argumente, warum sie nicht mehr von der Wirksam­keit der Methode überzeugt ist, wurde nicht dargelegt.

Die Befürworter der Homöopathie kamen im Beitrag kaum zu Wort und wenn in ganz kleinen Beiträ­gen, welche zudem noch kaum verständlich waren. Aber wie Herr Stadler eine angebliche Potenz her­stellt und sie im Zürichsee verteilt, dafür war ausreichend Raum!

Mann kann in guten Treuen für oder gegen die Homöopathie sein, aber es gilt auch zu respektieren, dass die Schweizerische Bevölkerung diese in einer Abstimmung als Alternativmethode anerkannt hat und es geht nicht an, dass das Fernsehen sich über diese Bevölkerungsgruppe lächerlich macht. Hier fehlt einfach der nötige Respekt.

Das sich keine Herstellerfirma für einen Beitrag bereit erklärt hat- wobei sie auch nicht alle angefragt haben- kann ich mir gut vorstellen. Wer sieht sich schon gern in so einem Beitrag, wo die Meinung schon lange vorher feststeht.

Ich werde die Rundschau mit noch kritischeren Augen betrachten, wenn ich sehe wie unseriös und manipulativ beim Schweizerischen Fernsehen Beiträge produziert werden.

B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Mario Po­letti, Redaktionsleiter «Rundschau», schrieb:

Gerne nehmen wir Stellung zur Beanstandung von Frau X. Sie schreibt, der Rundschau-Be­richt über Homöopathie sei «tendenziös, unsauber recherchiert und manipulativ» gewesen. Das wei­sen wir zurück.

Es sei, so führt sie weiter aus, die Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Senders, Fakten und Meinun­gen von Befürwortern und Gegnern auf den Tisch zu legen. Genau das jedoch haben wir getan.

Anlass für unseren Bericht war der Besuch der prominenten Homöopathie-Kritikerin Natalie Grams in der Schweiz. Grams ist eine ehemalige Homöopathin, die ein Buch über die Wirksamkeit von Homöo­pathie geschrieben hat. Dieses Buch wird derzeit heiss diskutiert. Im Filmbeitrag spricht Frau Grams vor dem Publikum nur kurz, mehr Platz wird den Homöopathie-Gegnern eingeräumt, die Frau Grams heftig kritisieren. Dazu kommt ein Homöopathie-Apotheker vor, der ausführlich erklären kann, wie ho­möopathische Mittel durch Verdünnung und Verschüttelung hergestellt werden, dass sie regen Absatz finden und dass sie wirken. Dazu kommt die Homöopathin, die an einer Schule junge Leute für diesen Beruf ausbildet. Die Liste der Befürworter ist also recht lang, auch wenn Sie angeben, die Befürworter der Homöopathie seien kaum zu Wort gekommen.

Herr Stadler ist ehemaliger Leiter des Instituts für Immunologie und hat schon über Homöopathie ge­forscht. Es bietet sich an, ihn als Protagonisten für die Gegenseite auszusuchen. Herr Stadler kann sehr wohl wissenschaftlich über die aus seiner Sicht fehlende Wirksamkeit von Homöopathie erzählen. Wir haben uns als Fernseh-Medium dafür entschieden, dass er uns vorführt, was er von Globuli hält – durch Schlucken eines ganzen Fläschchens mit Globuli, durch das Präsentieren einer Verdünnung im Zürichsee. Das war sicher plakativ, aber deshalb nicht unseriös. Stadlers Hauptangriffspunkte («Glo­buli wirken nicht, es sind keine Moleküle des Wirkstoffes mehr vorhanden») werden im Beitrag von der Gegenseite gekontert. Die Homöopathin am Ende des Beitrages sagt: »Es wirkt, wir wissen nur nicht, wie es wirkt».

Wir nehmen sehr ernst, dass die Schweizer Bevölkerung ja zur Kostenübernahme der Krankenkasse bei der Komplementärmedizin gesagt hat. Deshalb haben wir den Sprecher des Bundesamtes für Ge­sundheit interviewt, der die ernstzunehmende Bedeutung des praktizierenden Homöopathen klar um­schreibt:

"Er hat ja einen Facharzttitel gemacht, sonst kann man das gar nicht anbieten und eine Weiterbildung in homöopathischen Leistungen. Es ist jemand, der eine medizinische Ausbildung gemacht hat und dann sagt, es wirkt. Von daher ist das Vertrauensprinzip in diese Leistung, bei der wir sagen, wir ge­hen davon aus, dass es wirkt."

Die Rundschau hat vor allem darüber berichtet, dass ein Glaubensstreit um die Wirkung der Homöo­pathie entbrannt ist. Es ist unserer Meinung nach nicht die Aufgabe eines Polit-Magazins, eine fach­ärztliche Auseinandersetzung zu führen. Es würde wohl eher in den Aufgabenbereich eines Gesund­heitsmagazins wie Puls passen. Wir als Rundschau bildeten die gesellschaftliche Auseinandersetzung im Glaubenskrieg um die Wirkung der Globuli ab. Und dies ist uns, davon sind wir überzeugt, gelun­gen.

Fazit: In unserer Reportage zur Homöopathie lernten wir Gegner und Befürworter kennen. Pro – und Contra-Argumente wurden transparent und verständlich dargestellt. Der Reporter hat beide Positionen kritisch hinterfragt. Darum sind wir überzeugt, dass sich das Publikum zu diesem hochemotionalen Thema jederzeit eine eigene Meinung bilden konnte.

Wir bitten Sie, die Beanstandung abzuweisen.

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Die «Rundschau» beschreibt sich im Sendungsportrait wie folgt: «Rundschau» – Das Politmagazin: Hintergrund und Recherchen über aktuelle Ereignisse und latente Brennpunkte im In- und Ausland. Reportagen und Magazinberichte nah am Geschehen, oft mitten drin ohne je die kritisch-journalistische Distanz zu verlieren. [2]

Wenn ich mir den von Ihnen kritisierten Beitrag «Hokuspokus oder Heilmittel» anschaue, sehe ich ge­nau diese Punkte abgebildet. Die «Rundschau» geht auf das aktuelle Ereignis, den Besuch der Ho­möopathie-Gegnerin und Buchautorin, Dr. med. Natalie Grams, in Winterthur ein. Dazu ist die «Rund­schau» auch an der Veranstaltung mittendrin, erteilt das Wort Befürworterinnen und Befürwortern sowie der Gegenseite. Des Weiteren kommen von jeder Seite Fachleute zu Wort. Einerseits Einerseits der eidg. diplomierte Apotheker, Guido Brun,der dem Publikum verständlich erklärt, wie mittels Verdünnung und Verschüttelung homöopathische Mittel hergestellt werden. Andererseits wird Beda Stadler, der emeritierte Professor und ehemalige Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern ge­zeigt, wie er dem Publikum demonstrativ vorführt, was er persönlich von Globuli hält. Beda Stadler nutzt das Medium Fernsehen, um den Zuschauerinnen und Zuschauern in starken Bildern zu zei­gen, welchen Standpunkt er vertritt. Diese Vorgehensweise ist durchaus legitim. Ausserdem kommt auch der Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit, Gregor Lüthy, zu Wort. Hier wird einem gesund­heitspolitischen Bereich Rechnung getragen.

Im Beitrag wird niemand lächerlich gemacht. Gegner und Befürworter erhielten jeweils ausreichend Raum, um ihre besten Argumente darzulegen. Dazu sehe ich nirgends, dass die «Rundschau» unsau­ber recherchiert hätte. Das Publikum wurde also weder in die Irre geführt, noch war der Beitrag ten­denziös.

Die «Rundschau» hat im von Ihnen kritisierten Beitrag die kritisch-journalistische Distanz nicht verloren. Sie hat den Glaubenskrieg um die Wirksamkeit der Globuli mit dem Fokus eines Politmaga­zins aufgegriffen und mittels vielfältiger Blickwinkel abgebildet. Das Publikum konnte sich dabei frei eine eigene Meinung bilden.Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich die Sendung als sachge­recht taxiere und Ihre Beanstandung deshalb nicht unterstützen kann.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernseh­ge­setzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfü­gung.

Mit freundlichen Grüssen,
Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann

[1] https://www.srf.ch/play/tv/popupvideoplayer?id=ee876fe8-36f5-4c23-92e8-a0b1dc4b2659&startTime=1.564

[2] https://www.srf.ch/sendungen/rundschau/sendungsportraet

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Bild von «Rundschau»-Beitrag: Sitzgespräch mit Ständerat Damian Müller zur Rückschaffung von Eritreern beanstandet

«Rundschau»-Beitrag: Sitzgespräch mit Ständerat Damian Müller zur Rückschaffung von Eritreern beanstandet

5925 | Mit Ihrem Brief vom 14. April 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Rundschau» (Fernsehen SRF) vom 10. April 2019 und dort das Sitzbankgespräch mit Ständerat Damian Müller im Anschluss an den Beitrag «Zurück nach Eritrea: Der Bundesrat macht Druck». Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

Weiterlesen

Bild von «Rundschau»-Bericht «Angst vor Entwaffnung: Waffenfreunde machen mobil» beanstandet II

«Rundschau»-Bericht «Angst vor Entwaffnung: Waffenfreunde machen mobil» beanstandet II

5964 | Mit Ihrer E-Mail vom 27. April 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Rundschau» (Fernsehen SRF) vom 17. April 2019 und dort im Beitrag zum Waffenrecht vor allem die Moderation von Sandro Brotz. Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

Weiterlesen

Bild von Die Krux mit der Aufschlaggeschwindigkeit im Tennis

Die Krux mit der Aufschlaggeschwindigkeit im Tennis

Ein Tennisfan und ehemaliger Physiklehrer beschwerte sich bei der Ombudsstelle darüber, dass das Kommentatoren-Duo Stefan Bürer und Heinz Günthardt «die Aufschlaggeschwindigkeiten systematisch falsch» kommentieren würden. Warum die Aussage «Wahnsinn, dieser Aufschlag hat eine Geschwindigkeit von 120 Meilen erreicht» des Sportkommentators falsch ist, erklärt er in seiner Beanstandung.

Weiterlesen

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit (bitte beachten Sie die Netiquette/AGBs)

Lade Kommentare...
Noch keine Kommentare vorhanden

Leider konnte dein Kommentar nicht verarbeitet werden. Bitte versuche es später nochmals.

Ihr Kommentar wurde erfolgreich gespeichert und wird nach der Freigabe durch SRG Deutschschweiz hier veröffentlicht