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«Deville»-Beiträge «Noten für den Bundesrat», «Wahlprogramme der Parteien», «Wahlkampf von Roger Köppel» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 4. Juni 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Deville» (Fernsehen SRF) vom 2. Juni 2019 und dort diverse Beiträge zum Bundesrat, zu den Parteien und zu den Wahlen.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Über Comedy kann man wie bei Kunst streiten: Dem einen gefällt's, andere zappen weg. Was sich Dominique Deville aber in letztzer Zeit, extrem am vergangenen Sonntag, in seiner Late Night Show in Sachen SVP Bashing (im Besonderen gegen Roger Köppel) leistet, ist auch einem parteilosen Zuschauer wie mir nicht mehr zumutbar. Deville nimmt nicht Parteien aufs Korn, er beschimpft und belächelt mit dummen Sprüchen vor allem die SVP, die seinem linken Denken nicht entspricht. Das hat rein gar nichts mehr mit ‘neutraler politischer’ Unterhaltung zu tun und ist für einen gebührenpflichtigen Sender der SRG inakzeptabel. Es seien nur einige Beispiele genannt.

1. Zeugnisse der Bundesräte (Genau 3 BR werden genannt, davon 2 ungenügende der SVP). Bei Maurer hat man ein Handy ins Bild kopiert nach dem Motto <Lieber am Handy als ufpasse>. Bei Parmelin ist es Note 3,5, nicht 3,5 Promille! <Hoffentlich färben die Zahlen nicht auf die Partei ab>, so Deville.

2. Parteiprogramme müssen ein Up-Date zu 2015 generieren: Auf dem SVP-Bild die Herren Brunner und Rösti. Programme stürzen leicht ab (Bild von Blocher, der am Sechseläuten vom Podest stürzt), leicht zu bedienen, rückwärtskompatibel, funktioniert sogar auf uralten Rechnern! Bei der SP sieht man NUR unbekannte Köpfe aus dem Ausland.

3. Glassammlung zum Thema Umwelt: Junge SVP mit Flaschen <Aber die gehören dann in den braunen Container.>

3. Es gibt im Kanton Zürich im Herbst einige Ständeratskandaten, bisherige und neue (Jositsch SP, Noser FDP , Moser GLP, Schlatter Grüne). Nur Roger Köppel wird kritisiert. Sein Thema ‘Mein WahlKAMPF’ (die Anlehnung an Hitler ist klar zu erkennen!). Er besucht alle 162 Zürcher Gemeinden. Die Vergleiche mit Stalingrad sind wirklich abstossend. Wenn man die Anzahl der Zuhörer in den Gemeinden sieht, dann ist die Aussage von Deville ‘nur 3 alti Papis und ei Honrchueh’ eine massive Beleidigung. Köppel wolle ja sowieso nur Abonnetnen für die Weltwoche suchen! Dann schickt ,man sogar einen Reporter nach Seebach, um diese Kandidatur noch ganz zu veräppeln. Von den anderen Kandidaten hört man rein gar nichts. Wir freuen uns nicht nur auf die lange Sommerpause dieser Sendung, eine Absetzung wäre dringend notwendig. Ich werde mich nach diesem Schreiben an den Ombudsmann auch an die UBI wenden. So geht's nicht!»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für «Deville» antwortete Herr Daniel Kaufmann, Senior Producer Comedy:

«Gerne nehmen wir zur Beanstandung von Herrn X Stellung.

Bei ‘Deville’ handelt es sich um eine Satiresendung. Satire ist ein besonderes Mittel der Meinungsäusserung, bei dem sich die Form bewusst nicht kongruent zu dem verhält, was sie hinterfragen will. Sie übersteigert die Wirklichkeit, verfremdet sie, stellt sie um, kehrt wieder zu ihr zurück, banalisiert sie, karikiert sie, macht sie lächerlich. Dabei ist es aus programmrechtlicher Sicht zentral, dass der satirische Charakter für das Publikum erkennbar ist. Der satirische Charakter bei ‘Deville’ ist klar erkennbar.

In der Sendung vom 2. Juni 2019 hat Dominic Deville einen Blick auf den Wahlherbst geworfen. In einem Einspieler wurden die Parteiprogramme persifliert. Herr X findet in seiner Beanstandung, dass vor allem die SVP Ziel des Spottes war. Aber im besagten Beitrag wurden einige Parteien auf die Schippe genommen: FDP (Exelprogramm), CVP (offene Hose), Grüne (Dick Picks), SP (gehört in die Altkleidersammlung), Juso (zurück in die Ludothek), GLP (Sondermüll). Eine Einseitigkeit sehen wir nicht.

Herr X sieht bei diesem Einspieler bei der SP ‘nur unbekannte Köpfe aus dem Ausland’. Dabei handelt es sich um die Köpfe von Lenin, Marx und Che Guevara. Wir finden nicht, dass diese Personen unbekannt sind.

Herr X meint, die Macher von Deville hätten beim Bundesratsfoto Ueli Maurer ein Handy ins Bild kopiert. Nein, das Bild ist original, Ueli Maurer hält tatsächlich ein Handy in der Hand.

Herr X stösst sich am Begriff ‘Mein Wahlkampf’ für Roger Köppels Ständeratstour und sieht einen Vergleich zu Hitler, den er ‘abstossend’ findet. Der Titel ‘Mein Wahlkampf’ stammt von Roger Köppel. Falls sich Herr X dabei an etwas erinnert fühlt, das er abstossend findet, müsste er sich bei Roger Köppel darüber beschweren.

Deville ist eine Satiresendung. Das beinhaltet, dass sich die Sendung über Politikerinnen und Parteien lustig macht. Über die SVP, aber auch über die anderen. Genau wie in der Sendung vom 2. Juni.

Wir bedanken uns für die Gelegenheit zur Stellungnahme.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Ich kann Ihre Wahrnehmung nicht nachvollziehen, denn auf meinem Bildschirm war der Spott viel parteiübergreifender als beim Ihrigen, jedenfalls bei den Bundesratsnoten und bei den Parteiprogrammen.

Die Grundlage für die Schulnoten der Bundesräte lieferte die Umfrage des «Tages-Anzeigers».[2] Sie ergab, dass nur Karin Keller-Sutter (FDP), Viola Amherd (CVP) und Alain Berset (SP) mit «genügend» abschnitten, während die Werte für Ueli Maurer (SVP), Simonetta Sommaruga (SP), Ignazio Cassis (FDP) und Guy Parmelin (SVP) ungenügend ausfielen. Die SVP ist dabei die einzige Partei, bei der beide Minister unbefriedigend abschnitten (und zwar nicht in der Meinung irgendwelcher Journalistinnen oder Satiriker, sondern in der Meinung der Bevölkerung). Es war logisch, dass Dominic Deville auf sie zu sprechen kam. Er hätte aber auch noch das Ergebnis von Simonetta Sommaruga erwähnen müssen. Auf dem Foto des Gesamtbundesrates hat man übrigens Bundespräsident Ueli Maurer nicht ein Handy hineinkopiert. Es handelt sich vielmehr um das offizielle Foto des Bundesrates 2019, auf dem der Bundespräsident das Volk fotografiert.[3]

Bei den Parteiprogrammen kamen die CVP und die Grünen heftig an die Kasse. Beide wurden mit den sexuellen Eskapaden von Mitgliedern in Verbindung gebracht, so mit Staatsrat Christophe Darbellay bei der CVP und mit Alt-Nationalrat und Alt-Stadtammann Geri Müller bei den Grünen. Die SP wird als retro und veraltet durch den Kakao gezogen und mit Wladimir I. Lenin, Karl Marx und Che Guevara assoziiert, also mit revolutionären und teilweise brutal-gewalttätigen Geistern. Das Einzige, was mich hier störte, war die Entsorgungsempfehlung für das Programm der Jungen SVP: zum Altglas und dort zum Braunglas. Das lässt sich durch Fakten nicht rechtfertigen. Die Junge SVP mag teilweise nationalkonservativ sei, doch faschistisch ist sie nicht.[4]

Dass Roger Köppels eigenwilliger Wahlkampf Thema wird, ist indes nicht verwunderlich, auch nicht, dass Anspielungen auf seine Biographie gemacht werden (Daniel Ryser: In Badehosen nach Stalingrad. Der Weg von Roger Köppel. Basel: Echtzeit-Verlag 2018).[5]

Alles in allem handelte es sich um witzige, kenntnisreiche Satire, die niemanden und keine politische Richtung verschonte. Der Schnitzer mit der jungen SVP wäre zwar in einer Informationssendung ein klarer Verstoß gegen das Sachgerechtigkeitsgebot und gegen das Diskriminierungsverbot. Bei einer Satiresendung, die über eine weit auszulegende Kunst- und Meinungsäußerungsfreiheit verfügt, soll der Hinweis genügen, dass dieser Witz nicht auf einem wahren Kern beruht . Aber aufs Ganze gesehen muss ich Ihre Behauptung, dass Dominic Deville «mit seinen dummen Sprüchen» vor allem die SVP beschimpfe und belächle und dass eine solche Sendung für «einen gebührenpflichtigen Sender der SRG» inakzeptabel sei, zurückweisen. Ihre Beanstandung kann ich folglich nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann

[1] https://www.srf.ch/play/tv/deville/video/monolog-die-gemeinde-eule?id=2ada09b5-1698-410b-9b85-7ea35c5cffcd

[2] https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/die-neuen-bundesraetinnen-setzen-sich-an-die-spitze/story/26140883

[3] https://www.admin.ch/gov/de/start/bundesrat/bilder-und-reden-des-bundesrats/offizielle-bundesratsbilder.html#

[4] https://jsvp.ch/standpunkte/

[5] https://www.persoenlich.com/gesellschaft/daniel-rysers-biografie-auf-dem-markt

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