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SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Verwendung des Schweizer Hochdeutschen im Fernsehen SRF beanstandet

6043
Mit Ihrer E-Mail vom 23. Juni 2019, ergänzt am 4. Juli und am 9. Juli 2019, beanstandeten Sie die zunehmende Vernachlässigung des Schweizer Hochdeutschen im Fernsehen SRF. Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Ich beziehe mich im Nachfolgenden auf die Fernsehsender der Deutschschweiz von SRF, hier wiederum nur auf die in Deutschland-Hochdeutsch ausgestrahlten und moderierten Sendungen und von diesen wiederum nur auf die Eigenproduktionen. Ich beanstande bei sämtlichen Genannten (dazu gehören Sendungen wie Tagesschau, Literaturclub, Kassensturz et cetera) die Missachtung folgender gesetzlichen Vorschriften:

Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG) vom 24. März 2006 (Stand 1. Januar 2017):

- Artikel 4, Absätze 1, 2 und 3
- Artikel 5
- Artikel 24, Absätze 1, 4 und 5

Ich höre kein Schweizer-Hochdeutsch mehr! Noch ist die Schweiz aber nicht Teil der EU und auch kein Bundesland von Deutschland. Die Sprecher versteht man viel schlechter wie früher. Das Deutsch von Deutschland unterscheidet sich stark von demjenigen der Schweiz. Und wenn ich ein Schweizer Fernsehen habe in unserem Land, erwarte ich auch, die Sprachen der Völker der Schweiz zu hören. Ein grosser Teil der Serafe-Gebühren fliesst in die Unternehmung ‚Schweizer Fernsehen‘.

Auf der SRF-Homepage ist das Laporello aufgeschaltet, sprich ‚SRF in 20 Fakten‘. Ich zitiere daraus: <IST UNVERKENNBAR SCHWEIZERISCH. Wo immer möglich, wählt SRF eine Schweizer Perspektive und schafft damit Nähe. SRF bildet die urbane, moderne wie auch die ländliche, traditionelle Schweiz ab und berichtet aus allen Regionen der Schweiz.> Ist dies schweizerisch, wenn Schweizer Sprecher gezwungen werden in einem Schweizer Sender, Deutschland-Hochdeutsch zu sprechen im Land Schweiz? Ihr Land zu verleugnen? Ich denke Verleugnen ist vielmehr unschweizerisch. Deutschland-Hochdeutsch hat mit Schweiz nichts zu tun. Auch der Korrespondent mit österreichischen Wurzeln wird auf die Aussprache der Deutschen getrimmt. Wo liegen die Unterschiede? Ich habe nicht studiert. Aber ich weiss Folgendes: Das Schweizer-Hochdeutsch ist auch ein Deutsch, hat sich aber über die Jahrtausende aus den unterschiedlichen in der Schweiz vom Schweizer Volk gesprochenen Dialekten und Sprachen (z.B. Französisch) zu einem eigenen Deutsch, einer eigenen Sprache entwickelt. Zum Schweizer-Hochdeutsch. Die Betonungen der Silben ist nicht identisch mit dem D-Hochdeutsch, auch ‚verschluckt‘ der Schweizer die Endungen nicht. Sprich, die Aussprache ist nicht identisch. Die Modulation der Sprache ist eine völlig andere, so auch die Satzmelodie. Weiters variieren Worte und Satzstellungen. Und die Geschwindigkeit des Sprechens. Et cetera.

Beispiele: Das Wort ‚Motor‘. Der Deutsche spricht dies so aus: ‚moːtoːɐ̯‘, mit Betonung auf der ersten Silbe. Der Schweizer betont sie auf der zweiten Silbe und spricht auch das ‚r‘ am Ende normal als ‚r‘ aus. Zweites Beispiel: Egli. Der Deutsche sagt ‚Eeeeegli‘, der Schweizer nicht. Der Deutsche sagt: ‚Müsli‘. Und der Schweizer sagt: ‚Müesli‘. Zwar sagen gewisse Schweizer ‚Müüsli‘, die Deutschen sagen dann sinngemäss aber ‚Mäuschen‘. Und das geht Wort für Wort so. In der Tagesschau. Und anderswo bei SRF. Aktuell. Ich kann es nicht mehr hören, diese Verleugnung des Schweizer Volkes durch das Schweizer Fernsehen.

Viele Sendungen sind in Dialekt gesprochen. Und diese sind bestens verständlich und echt. Dass nun alles Übrige in Nicht-Schweizer-Sprache, sämtliche Informationssendungen wie Tagesschau, Kassensturz (nebst dem Dialekt-Teil werden viele Artikel in D-Hochdeutsch und nicht in CH-Hochdeutsch gebracht), Sportkommentare et cetera in Deutschland-Deutsch daherkommen, ist nicht länger akzeptabel. Bei den Nachrichten kommt es mir heute so vor, als fröne ich einer von Mickeymouse-Gesang untermalten Theatervorstellung. Statt einer neutralen, sachlichen, gut gesprochenen und glaubwürdigen Sendung. Meistens ist es sehr mühsam, über längere Zeit hinhören und hinsehen zu müssen. Besonders aber fühle ich mich als Zuschauerin ‚verarscht‘ von dem SRF-Gesicht, dass mir in ausländischer Sprache, in einstudierter Sprache, mit nichtschweizerischer Betonung und falschem Lächeln etwas zuzwitschert und das Ganze teilweise noch mit Wippbewegungen betont. Oft kommt es vor, dass ich nach diesen Sendungen gar nichts mehr weiss vom Inhalt!

Heute bin ich soweit, dass ich ARD, ZDF und ORF bevorzuge. Auf diesen Sendern wird noch die Sprache deren Länder, deren Völker gesprochen. Ganz normal. Ohne Volksverleugnung. Und ohne Mickeymousegehabe und -gesang. Auch zahle ich mit meinen Steuern an eine sogenannte ‚Integration‘. Ich bin immer davon ausgegangen, dass hiermit eine Integration in die Schweiz gemeint ist. Und nicht eine Förderung der Einverleibung in die Bundesrepublik Deutschland. Unverständlich ist für mich auch, wenn eine Kultursendung wie der Literaturclub auf SRF permanent in Bundeshochdeutsch moderiert wird oder auch eine SRF-Bilanz-Ausstrahlung betreffend einer CH-Volksabstimmung wie der STAF. Passend wie eine Faust aufs Auge. Die betreffenden Leute entstammen einem anderen Volk und haben - bis heute jedenfalls – die Schweizer Kultur nicht in sich. Ein Deutscher Film ist nicht dasselbe wie ein Schweizer Film. Auch hat jedes Volk eine andere Geschichte, einen anderen Hintergrund, eine andere Interpretation.

Für mich hat das SRF klar auch einen Auftrag der Verbreitung / Beibehaltung der CH Volkskultur.Und dazu gehören erst recht die Schweizer Sprachen. In der Deutschschweiz ist das nebst den Schweizer Dialekten das Schweizer-Hochdeutsch (= sogenannte Schweizer Standardsprache).

Beanstandeten RTVG-Artikel im Detail:

Art. 4 Mindestanforderungen an den Programminhalt

1 Alle Sendungen eines Radio- oder Fernsehprogramms müssen die Grundrechte beachten. Die Sendungen haben insbesondere die Menschenwürde zu achten, dürfen weder diskriminierend sein noch zu Rassenhass beitragen noch die öffentliche Sittlichkeit gefährden noch Gewalt verherrlichen oder verharmlosen.

Wenn ein Schweizer Fernsehen im Land Schweiz, also ein Landessender, nicht mehr in der Sprache des Landes sendet, hier in Schweizer-Hochdeutsch, wird die Würde der Angehörigen des Schweizer Volkes, die die Landessprachen beherrschen und sprechen, mit Füssen getreten. Diese Angehörigen des Schweizer Volkes werden diskriminiert. Und der Völkerhass (Rasse sagt man noch bei Tieren und Pflanzen) wird geschürt. Wenn ich meine Sprache nicht mehr höre im eigenen Land, dann stimmt etwas nicht mehr. SRF schürt mit diesem Gehabe den Hass auf die Deutschen beim Publikum. Das darf und kann nicht sein. Unter Anwendung des Schweizer-Hochdeutsch bei SRF würde aber diese

Sprache der Schweizer weiterhin gepflegt und Ausländer könnten sich integrieren. Auch sprachlich. Und Angestellte bei SRF mit deutschschweizerischen Wurzeln müssten ihr Land nicht verleugnen und ihre Landsleute sprachlich belügen. Es ist eine unglaubliche, unhaltbare sprachliche Vergewaltigung, die mir und anderen, dem ‚Stamme der Helvetier Entsprungenen‘, Angehörigen aus dem deutschsprachigen Teil der Confoederatio Helvetica, angetan wird!

2 Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Ansichten und Kommentare müssen als solche erkennbar sein.

Wenn ausländische Moderatorinnen und Moderatoren mit Gedankengut und Empfinden ihrer heimischen Wurzeln in ihrer Heimatsprache moderieren, fühle ich mich nicht angesprochen. Ich kann mir aufgrund der völkerunterschiedlichen Eigenheiten keine Meinung bilden. Sei es bei Sendungen wie dem Literaturclub oder bei politischen Diskussionssendungen wie ‚Standpunkte (Bilanz), STAF‘. Die Schweizer Gäste konzentrieren sich nicht auf den Inhalt, sondern sehen sich genötigt, sich auf die Fremdsprache zu konzentrieren. Inhalt und Sachlichkeit bleiben auf der Strecke.

3 Die Sendungen dürfen die innere oder äussere Sicherheit des Bundes oder der Kantone, ihre verfassungsmässige Ordnung oder die Wahrnehmung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz nicht gefährden.

Einer der Grundsätze des Völkerrechts dürfte sein, dass alle Staaten, ob gross oder klein, gleich sind. Ein weiterer, dass Folter verboten ist. Mit Sprache ist es möglich zu verletzten. Mit Worten. Aber auch mit Verleugnung. Zum Beispiel, wenn der Landessender SRF Deutschland-Hochdeutsch verlangt bei vielen Informations- und Kultursendungen der Schweiz. Ich empfinde das als nichts anderes wie sprachliche Folter. Als Vernichtung der Sprache meines Volkes. Als Schritt zur Einverleibung der Schweiz in Deutschland. Als Kriegserklärung. SRF zerstört mit dem Kriegsbeil meine Sprache. Vernichtet meine schweizerischen Volkswurzeln. Meine Identität.

Art. 5 Jugendgefährdende Sendungen

Programmveranstalter haben durch die Wahl der Sendezeit oder sonstige Massnahmen dafür zu sorgen, dass Minderjährige nicht mit Sendungen konfrontiert werden, welche ihre körperliche, geistig-seelische, sittliche oder soziale Entwicklung gefährden.

Solange wie ein ausländischer Jugendlicher auch der Schweizer Standardsprache, des Schweizer-Hochdeutsch, nicht mächtig ist, wird er nicht in der Schweiz, nicht in unserer Kultur, integriert. Ich nenne das aktuelle Geschehen bei SRF schlicht eine Gefährdung der sozialen Entwicklung.

Art. 24 Programmauftrag

1 Die SRG erfüllt den verfassungsrechtlichen Auftrag im Bereich von Radio und Fernsehen (Programmauftrag). Insbesondere:
a) versorgt sie die gesamte Bevölkerung inhaltlich umfassend mit gleichwertigen Radio- und Fernsehprogrammen in den drei Amtssprachen;

In der deutschsprachigen Schweiz ist die Amtssprache Schweizer-Hochdeutsch. Und nicht die Sprache der Deutschen. Ich zitiere aus Wikipedia ‚Schweizer Hochdeutsch‘: <...Schweizer Hochdeutsch wird in der Schweiz für sämtliche deutschen Texte verwendet, beispielsweise in den Schweizer Medien (sämtlichen Tageszeitungen und Magazinen), in amtlichen Texten, in betrieblichem und privatem Briefverkehr oder in Publikationen von Schweizer Firmen. Dagegen trifft ein Leser in der Schweiz auf ein anderes Hochdeutsch, sobald Textgut oder ihre Verfasser aus anderen deutschen Sprachgebieten stammen.> Dies bestätigt, dass Deutschland-Hochdeutsch keine Schweizer Amtssprache ist.

b.
fördert sie das Verständnis, den Zusammenhalt und den Austausch unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen und gesellschaftlichen Gruppierungen und berücksichtigt sie die Eigenheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone;

Mit Deutschland-Hochdeutsch werden keineswegs die Eigenheiten des Landes Schweiz und die Bedürfnisse der Kantone berücksichtigt und auch nicht die Sprachgemeinschaften der Schweiz und der Zusammenhalt und Austausch unter den Landesteilen der Schweiz gefördert.

c.
fördert sie die engere Verbindung zwischen den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern und der Heimat sowie die Präsenz der Schweiz und das Verständnis für deren Anliegen im Ausland.

Eine engere Verbindung zwischen den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern und der Heimat fördert man dann, wenn man auch in den Landessprachen kommuniziert. Und nicht in einer Landessprache des Auslandes. Eine Verbundenheit der Auslandschweizer mit der Schweiz ergibt sich aus dem Volk und der Sprache der Schweizer. Und nicht aus dem Volk und der Sprache der Deutschen.

4 Die SRG trägt bei zur:
a.
freien Meinungsbildung des Publikums durch umfassende, vielfältige und sachgerechte Information insbesondere über politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge;

Über politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge, die Schweiz betreffend, will ich - bei im Schweizer Fernsehen ausgestrahlten Sendungen - von kompetenten Leuten aus meinem Volk, mit meiner Kultur, in einer meiner Landessprachen informiert werden.

b.
kulturellen Entfaltung und zur Stärkung der kulturellen Werte des Landes sowie zur Förderung der schweizerischen Kultur unter besonderer Berücksichtigung der Schweizer Literatur sowie des Schweizer Musik- und Filmschaffens, namentlich durch die Ausstrahlung von Schweizer Produktionen und eigenproduzierten Sendungen;

Beim ständigen Singsang in Deutschland-Hochdeutsch mit vollständig unschweizerischer, und übertriebener Betonung, sprechen wir wohl vielmehr von einer Liquidation der kulturellen Werte der Schweiz. Aber sicher nicht von ‚Förderung der kulturellen Werte des Landes‘. Wir sprechen in Tat und Wahrheit gar von einer Liquidation der Schweiz.

c.
Bildung des Publikums, namentlich durch die regelmässige Ausstrahlung von Sendungen mit bildenden Inhalten;

Zur Bildung gehört auch die Pflege der Sprache. Die Pflege des Schweizer-Hochdeutsch. Wie sonst, wenn nicht über SRF, soll ein Ausländer das Schweizer-Hochdeutsch lernen können? Wie soll sich ein Ausländer integrieren können in der Schweiz? Ich als Deutschschweizerin erwarte, Sendungen (SRF-Eigenproduktionen) in Dialekten wie aber auch in Schweizer-Hochdeutsch zu hören. Sicher aber nicht in Deutschland-Hochdeutsch. Dient diese aktuelle Verwendung des Deutschland-Hochdeutsch bei SRF nicht vielmehr zur sprachlichen Verarmung? Zur Vernichtung einer der Schweizer Amtssprachen? Einer wunderschönen notabende? Zur Vernichtung einer Sprache, die sich über Jahrtausende entwickelt hat? Und nichts mehr mit dem Deutschland-Hochdeutsch zu tun hat?

d.
Unterhaltung.
5 In wichtigen, über die Sprach- und Landesgrenze hinaus interessierenden Informationssendungen ist in der Regel die Standardsprache zu verwenden.

Die Standardsprache der Deutschschweiz ist das Schweizer-Hochdeutsch. Und nicht das Deutschland-Hochdeutsch. Die gesetzlichen Vorgaben sind von SRF einzuhalten. Das Trimmen auf Deutschland-Hochdeutsch samt übertriebenem, einstudiertem, unschweizerischem Betonungs-Singsang, schlicht das einstudierte Papageiengekrächze, hat aufzuhören. Das SRFDeutschschweizerfernsehen soll endlich - nebst in CH-Dialekten - wieder in der Amtssprache der Schweiz, in Schweizer-Hochdeutsch, berichten. Artikel von ausländischen Korrespondenten können auch weiterhin in deren Sprache daherkommen. Nicht haltbar sind für mich hingegen Artikel von Korrespondenten im Ausland, die in der Deutschschweiz aufgewachsen sind und nun gequält auf Deutschland-Hochdeutsch zu sprechen pflegen. Man darf die Herkunft ruhig heraushören. Die Marke Schweiz. Nicht der in der Schweiz lebende und arbeitende Schweizer hat sich in Deutschland zu integrieren und alles Deutsche anzunehmen, sondern der in der Schweiz lebende und arbeitende Deutsche hat sich - wenn schon denn schon - in die Schweiz zu integrieren. Das heisst konkret für SRF, dass Deutschland-Deutsch-Muttersprachige die aus der Deutschschweiz für die Deutschschweiz berichten, und auch die Ausbildner der Sprecher sowie auch die Textschreiber - vor ihrer Einstellung notabene -, sich die Schweizer Sprachen anzueignen haben. Und nicht die in der Schweiz aufgewachsenen Schweizer das Deutschland-Hochdeutsch! Würde SRF Personal einstellen, das in der Schweiz aufgewachsen ist und die Schule besucht hat, könnte Geld eingespart werden. Und die Sprachen der Schweiz würden erhalten bleiben.

Bitte veranlassen Sie, das SRF das Schweizer-Hochdeutsch endlich auf den Bildschirm zurückbringt! Solange wie der deutschsprachige Teil der Regierung meines Landes nebst Schweizer Dialekt Schweizer-Hochdeutsch spricht, solange erwarte ich auch diese Sprache bei SRF zu hören. Aktuell ist es nämlich so, als wenn in England das Staatsfernsehen in Amerikanisch-Englisch ausgestrahlt würde. Oder auf ARD und ZDF in CH-Hochdeutsch. Ist dem so? Nein. Und warum nicht? Weil weder die Briten noch die Deutschen ihr Land verkaufen und verleugnen.

Chrottenschlecht ist auch, wenn im gleichen Satz die Aussprache gewechselt wird. Von Deutschland-Hochdeutsch ausgehend, dann ein Wort in englischer Aussprache, ein weiter Hupf ins Französische und dann noch Orte und Namen in Chuderwälsch - nur nicht in Schweizer Manier. Das ist alles nicht nötig, wenn man im Schweizer-Hochdeutsch spricht.

Ich heisse Nicole X. Der Deutsche spricht meinen Vornamen als Ni'kƆl aus, der Franzose als NicƆl und ich meinen als Nicol. Wenn CH-deutschsprachige Personen mit mir sprechen, sprechen sie den Namen - wie auch den ganzen Satz - deutschschweizerisch aus. Wenn Deutsche mit mir sprechen, dann erklingen Name und Satz in Deutschland-Aussprache. und Wenn Welsche mit mir plaudern, dann erfolgt die Aussprache von Name und Satz eben in Französisch. Es besteht absolut KEIN Grund bei SRF, immer in andere Aussprachen zu wechseln innerhalb des gleichen Satzes! So spricht keiner! Auch sagt kein Schweizer Schinese oder Kinese, sondern Chinese.

Bei SRF spricht auch jeder Moderator Hong Kong unterschiedlich aus (sowohl Betonung wie auch der Buchstabe ‚o‘). SRF soll einfach ihre Moderatoren Schweizer-Hochdeutsch sprechen lassen - dann erübrigt sich dieser fatale Identitäts- und Sprachverlust bei den Moderatoren. Diese unschweizerischen und unterschiedlichen Aussprachen innert Kürze - im gleichen Satz -, noch dazu in rasantem unschweizerischen Tempo ausgesprochen, machen alles viel unverständlicher. Und Nichtsprachbewanderte verwirrt das Ganze vollständig.

Ich kritisiere mit meinem Schreiben keine Person als solche. Jeder von den Angestellten kommt dem nach, was die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat von SRF ihm vorschreibt. Ich stelle schon fest, dass die CH-Muttersprachigen sich besondere Mühe geben, in der Fremdsprache Deutschland-Hochdeutsch oder in einer anderen Fremdsprache zu kommunizieren. Umgekehrt habe ich noch nie eine Bundeshochdeutsch-muttersprachige Person erlebt, die in einer Schweizer Sprache moderiert hätte. Es sei denn ein Satz wie ‚adie mitenand‘- und auch das auf nicht echt Schweizerisch. Beim Schweizer Fernsehen müsste es aber genau so sein. Umgekehrt.»

Am 4. Juli2019 schrieben Sie: « Ergänzend möchte ich dazu noch erwähnen, dass es zum Beispiel in der Schweiz auch noch andere Ausdrücke gibt für gewisse Deutschland-Deutsch Worte wie „bislang“ oder „kriegen“. Gestern habe ich im Fernsehen bei SRF aus Aktualitätsgründen den Begriff „Migros“ mehrfach gehört. Die Leute, die diesen Begriff richtig, in der Amtssprache Schweizer-Hochdeutsch, ausgesprochen haben, waren allesamt die Interviewten mit Schweizer Wurzeln. Bei den Sprechern habe ich wiederum die diversesten Varianten gehört. Die wenigsten aber zutreffend mit Betonung / Aussprache gemäss Schweizer Hochdeutsch. Die Sprache Schweizer-Hochdeutsch soll, so wie die Dialekte der Schweiz, mannigfaltig und vielseitig, insbesondere aber echt sein und bleiben. Und das tut sie längst nicht mehr bei SRF.»

Am 9. Juli 2019 ergänzten Sie: « Soeben, in der Tagesschau, wurde das Wort „Seco" (Staatssekretariat für Wirtschaft) ausgesprochen. Es wurde als Sekooo ausgesprochen, was schlicht kein Deutschschweizer mit Schweizer Wurzeln sagt. Meine Befürchtung ist, dass die SRF-Berufssprecher die Sprache der Schweiz, meine Sprache, verlernen oder einige von ihnen diese nie gelernt haben. Und das erachte ich als ein äusserst gravierendes Problem. Daraus resultiert ein Wischiwaschi. Mir liegt sehr viel daran, dass die Schweizer Sprachen allesamt erhalten bleiben - nicht nur im Wortschatz, sondern auch in der Aussprache.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für Fernsehen SRF äußerte sich Herr Gregor Meier, stellvertretender Chefredaktor:

«Aufgrund verschiedener Hörerrückmeldungen wissen wir, dass ein Teil der Hörerschaft ein sehr gepflegtes, an der Bühnenaussprache orientiertes Hochdeutsch hören möchte und dass gleichzeitig ein anderer Teil der Hörerschaft ein Hochdeutsch mit mundartlichen Anklängen erwartet, ohne dass die Aussprache zu nah an der Mundart ist. Die Kritik bewegt sich entsprechend zwischen ‘zu deutsch’ und ‘zu mundartlich’.

In dieser Spannung von unterschiedlichen Hörerwartungen bei SRF suchen wir in der Ausbildung nach einer Variante der deutschen Standardsprache, die in möglichst vielen Ohren vertraut wirkt. Diese soll für alle Menschen, die in unserem Land leben, auf Anhieb verständlich sein: für den Tessiner genauso wie für die Bündnerin oder die Hörerin aus der Romandie oder die Familie aus einem anderen Land.

Die Sprechausbildung unterstützt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Mikrofon darin, ein Hochdeutsch zu sprechen, das verständlich ist, selbstverständlich und natürlich klingt und zur Situation, der journalistischen Form und der Sprecherrolle passt. So gehen wir zum Beispiel davon aus, dass für die Nachrichtensprecherin ein anderes – stärker am Duden orientiertes Hochdeutsch – adäquat ist als für den Korrespondenten aus der Region. Kommt dieser zum Beispiel aus dem Bündnerland, so stört es in der Regel nicht, wenn ihm bei der Realisierung der Vokale die Herkunft anzuhören ist. Vielmehr wird dann dieses Hochdeutsch mit regionalen Anklängen meist als passend zur Rolle wahrgenommen. Bei SRF können auch Frauen und Männer arbeiten, die nicht in der Schweiz geboren sind. Das gilt auch für Menschen aus Deutschland.

Im Training mit den Sprecherinnen und Sprechen orientieren wir uns an einer schweizerischen Variante der deutschen Standardsprache.

Im Zweifelsfall ermuntern wir zu einer Variante, von der wir annehmen, dass sie die Kompetenz und Glaubwürdigkeit der Person in ihrer Aufgabe am besten zur Geltung bringt. Dabei ist uns die Orientierung an der Wirklichkeit der gesprochenen Sprache ein Anliegen. Einer Sprache, die lebt und sich im Gebrauch im Verlauf der Zeit auch ändert. Ebenso wichtig ist uns, die Hörgewohnheiten unseres Publikums ernst zu nehmen. In diesem Sinne sind wir auch dankbar über die vorliegende Beanstandung.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Problematik. Mit Ihrem Anliegen bin ich im Grundsatz voll einverstanden: In der Schweiz spricht und schreibt man schweizerische Hochlautung, die helvetische Variante des Hochdeutschen, und nicht die Hochlautung deutscher Bühnen, deutscher Fernseh- und Hörfunksender und deutscher Zeitungen. Und es ist richtig und logisch, wenn sich auch Radio und Fernsehen SRF dieser schweizerischen Variante befleissigen.

Dabei ist Folgendes zu unterscheiden:

  1. Die Schweizerische Bundesverfassung legt als eine der Landessprachen weder Schweizerdeutsch (also Dialekt) noch eine helvetische Variante fest. Artikel 4 sagt schlicht: [1]«Die Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch». Wer in der Schweiz lebt, kann Dialekt oder Hochdeutsch und dieses mit helvetischer, schwäbischer, vorarlbergischer oder bayerischer Färbung etc. sprechen. Die Bundesverfassung verlangt nichts Bestimmtes.
  2. Die Schweiz grenzt sich aber von den anderen deutschsprachigen Ländern und Regionen (wie Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Luxemburg, Südtirol und Ostbelgien) durch eine eigene Standardsprache ab. Diese unterscheidet sich nicht nur im Wortschatz und in Wendungen, sondern auch in der Betonung. Was den Wortschatz betrifft, so klärt das hervorragende und hilfreiche «Variantenwörterbuch des Deutschen»[2], was im deutschen Sprachraum wo gilt.
  3. Es gehört zur schweizerischen Identität, dass in der Schweiz die schweizerische Hochlautung gesprochen wird. So sagt man zum Beispiel im Unterschied zu Deutschland:
    Altersheim statt Altenheim
    Antönen statt andeuten
    Bancomat statt Geldautomat
    Billett statt Fahrkarte
    Car statt Reisebus
    Coiffeur statt Friseur
    Couvert statt Briefumschlag
    Dessert statt Nachtisch
    Estrich statt Dachboden
    Fahrausweis statt Führerschein
    Ferien statt Urlaub
    Gang statt Flur
    Glacé statt Eis
    Goalie statt Torwart
    Kirsch statt Kirschwasser
    Kondukteur statt Schaffner
    Konsument statt Verbraucher
    Lift statt Aufzug
    Parkieren statt parken
    Passe-Vite statt Flotte Lotte
    Penalty statt Elfmeter
    Plastiksack statt Tüte
    Pommes frites statt Pommes
    Postauto statt Postbus
    Rahm statt Sahne
    Redaktor statt Redakteur
    Rösti statt Röstkartoffeln
    Sanitär statt Flaschner
    Schuhmacher statt Schuster
    Teigwaren statt Nudeln
    Tram statt Straßenbahn
    Velo statt Fahrrad
    Wischen statt kehren
    Zügeln statt umziehen.
  4. Die schweizerische Standardsprache darf aber nicht mit den Dialekten verwechselt werden. Es ist nochmals etwas ganz Anderes, wenn jemand Züritüütsch, Baseldytsch, Bärndütsch oder Bündner Dialekt spricht statt die helvetische Variante des Hochdeutschen. Dialekte weisen eine einfachere Grammatik auf und sind noch ursprünglicher als die Standardsprache.

Nach diesen Vorbemerkungen komme ich zu Ihren Argumenten. Ich halte Ihren Versuch, den Gebrauch der Schweizer Standardsprache über die Bestimmungen des Radio- und Fernsehgesetzes einzufordern, für gekünstelt, ja absurd. Der Anspruch auf eine bestimmte Standardsprache ist kein Grundrecht. Eher unter die Grundrechte fällt das Recht, eine Immigrantensprache sprechen zu dürfen. Die Meinungsbildung wird durch die Sprache von Moderatorinnen und Journalisten nicht beeinträchtigt. Der Verzicht auf eine Einheitssprache ist nicht jugendgefährdend. Besonders abenteuerlich argumentieren Sie, wenn Sie behaupten, die Verwendung des Bühnenhochdeutschen sei ein Schritt zur Einverleibung der Schweiz in die Bundesrepublik Deutschland. Das ist ziemlich nationalistisch-puristisch gedacht! Auf die weiteren Punkte möchte ich gar nicht eingehen. Man kann die Verwendung der Schweizer Hochlautung in den Sendungen von Radio und Fernsehen SRF nicht rechtlich einfordern. Aber es ist historisch und kulturell richtig, wenn SRF diese Sprache verwendet. In diesem Sinne unterstütze ich Ihr Anliegen. Aber in der formalistischen und intransigenten Form lehne ich die Beanstandung ab und pflichte Ihrer Begründung mitnichten bei.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Roger Blum, Ombudsmann​


[1] https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19995395/index.html

[2] Ammon, Ulrich / Bickel, Hans / Ebner, Jakob / Esterhammer, Ruth / Gasser, Markus / Hofer, Lorenz / Kellermeier-Rehbein, Birte / Löffler, Heinrich / Mangott, Doris / Moser, Hans / Schläpfer, Robert / Schloßmacher, Michael / Schmidlin, Regula / Vallaster, Günter (2004): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin: de Gruyter.

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