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«Echo der Zeit» bagatellisierte nicht

Gegen die Sendung «Echo der Zeit» vom 10. Oktober 2019 ging eine Beanstandung ein. Im Beitrag ging es um die Frage, wie Rechtsextremismus bekämpft werden kann. Der Ombudsmann Roger Blum kann die Beanstandung nicht unterstützen, auch wenn er Verständnis für die Kritik hat.

Im Beitrag «Wie den Rechtsextremismus bekämpfen?» ging es um die Kontextualisierung der antisemitisch motivierten, rechtsextremen Angriffe auf Jüdinnen und Juden in Halle. Die Beanstanderin wirft der Redaktion eine Bagatellisierung der antisemitischen Gewalt in Deutschland sowie die Unterschätzung des Problems des Rechtsextremismus vor. Dabei stützt sie ihre Kritik hauptsächlich auf ein Gespräch mit dem Deutschlandkorrespondenten Peter Voegeli.

«Die ersten Scheiben gehen kaputt»

Voegeli zitiert im beanstandeten Beitrag die sogenannte «broken windows theory». Diese stellt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verfall von Stadtgebieten und Kriminalität her. Voegeli überträgt dies nun auf den deutschen Rechtsstaat. Er funktioniere im Grundsatz, aber es kämen Zweifel auf, ob die Regierung noch in der Lage ist, den Rechtsstaat zu garantieren. Als Beispiele nennt er unter anderem den ausser Rand und Band geratenen Berliner Verkehr. Die Menschen beginnen zu zweifeln, ob dieser Staat seine Regeln wirklich durchsetzt. «Wir haben so eine Art Broken-Window-Situation in Deutschland. Das heisst es funktioniert noch alles, aber die ersten Scheiben gehen kaputt», so Voegeli. Diese Referenz stellt für die Beanstanderin eine «schwerwiegende Relativierung und Bagatellisierung der zunehmenden antisemitischen Gewalt in Deutschland» dar.

Ernster Vorwurf, ernstes Thema

Fredy Gsteiger, stellvertretender Chefredaktor von Radio SRF, äussert sich detailliert zu dieser Beanstandung und betont, wie ernst er den Vorwurf und das Thema nimmt. Der Historiker Voegeli habe im Gespräch mit dem «Echo der Zeit» betont, dass es sich beim Anschlag auf Juden in Halle um eine rechtsextremistische und antisemitische Tat handelte, der bis zu neunzig Menschen hätten zum Opfer fallen können. Den Vorwurf der Verharmlosung oder Bagatellisierung lehnt Gsteiger daher ab. Weiter habe Voegli darzulegen versucht, was – unter anderem – ein Nährboden für eine zunehmende Verrohung bilden könnte und was in letzter Konsequenz auch rechtsextreme und antisemitische Gewalttaten in Deutschland «gesellschaftsfähig» machen kann.

Auch Roger Blum, der sich neben der beanstandeten Ausgabe von «Echo der Zeit» auch verschiedene andere Sendungen von Peter Voegeli angehört hat, kommt zum Schluss, dass dieser in keiner Art und Weise den Antisemitismus bagatellisiert. Vielmehr sind die Beiträge alle profund und differenziert. So sehr Blum die Sorgen der Beanstanderin nachvollziehen kann, hält er ihren Vorwurf im Zusammenhang mit der Sendung als unberechtigt.


Zum Schlussbericht 6172

Zur Sendung «Echo der Zeit» vom 10. Oktober 2019


Text: SRG.D/lh

Bild: SRG.D/Illustration Cleverclip

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