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News – mal ganz anders

Wie können Sendungen informieren, ohne zu «newsig» zu sein? Der neue SRF-Podcast «Die Genderfalle» macht es vor und stellt Fragen zum Thema Gleichstellung auf den Kopf. Ein Blick hinter die Kulissen von SRF 4 News.

Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – aber die Vorlieben nur am biologischen Geschlecht aufzuhängen, ist etwas gar plump. Trotzdem werden viele von uns schon von klein auf mit starren Rollenbildern bekannt gemacht: Mädchen spielen mit pinkfarbenen Einhörnern und Jungs mit dunkelblauen Dinosauriern. Das Emanzipationsthema ist in den Medien fast permanent vertreten – zumindest aus der Frauenperspektive. Die vierteilige Serie «Die Genderfalle», die am 28. Januar 2020 im SRF-Podcastfeed «Hotspot» erschienen ist, geht aber thematisch darüber hinaus und wirft weitere Fragen auf: Wo überall wiederholen wir unbewusst traditionelle Geschlechterrollen? Welche einschneidenden Folgen hat das für Frauen UND Männer? Und worin besteht das Risiko für uns alle, in die Genderfalle zu stolpern? Autorin Isabelle Maissen möchte mit dem Podcast die Gleichstellungsdiskussion aus der ideologischen Kampfecke wegholen. Wie extrem und ausgeprägt die Konsequenzen von klassischen Geschlechtszuordnungen sind, hat nämlich selbst Isabelle überrascht: «Das finde ich bedenklich für ein Land, in welchem die Gleichstellung in der Verfassung steht.»

Input zur Reflexion

Normalerweise steht Isabelle in ihrem Berufsalltag für SRF 4 News hinter dem Radiomikrofon und moderiert die Beiträge live. Mit dem Podcast kommen die News nun aber ein wenig anders daher. Es geht um Gleichstellung – ein latent aktuelles Thema, das jede und jeden betrifft. «Das Thema hat eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz», sagt Isabelle. Der Podcast soll bei der Einordnung des Phänomens helfen. Denn in der Schweiz werde vielfach von einer gewissen Chancengleichheit ausgegangen, was Frauen und Männer betrifft. Wir würden jedoch Gefahr laufen, auf halbem Weg stehen zu bleiben. Isabelle stellt aber klar: «Ich will damit niemanden bekehren, das ist nicht meine Aufgabe als Journalistin.» Vielmehr möchte sie anhand von vier Folgen die Menschen dazu anregen, die Gleichstellung nochmals zu hinterfragen und diese auch in ihrem eigenen Leben verstärkt zu reflektieren.

«Ich habe wahnsinnig viel gelernt und konnte lange an einer Geschichte sein, die für mich eine Herzensangelegenheit ist.»

Intime Hörsituation

In jeder Episode wird ein Themenschwerpunkt aus dem Gleichstellungsspektrum behandelt, der zusammen mit Expertinnen und Experten vertieft wird. Das Rückgrat des Podcasts bilden aber die Protagonistinnen und Protagonisten. «Sie stehen exemplarisch für den informativen Teil – und exponieren sich mit ihrer Geschichte in der Öffentlichkeit», erklärt Isabelle. Sie ist überzeugt, dass die Ansprache auf Augenhöhe näher an den Alltag der Menschen gehe, als wenn bei einer Newssendung verkündet werde, dass der Nationalrat ein Gleichstellungsgesetz verabschiedet hat.

«Bei den Radiosendungen von SRF 4 News sollte man uns Moderatorinnen und Moderatoren als Menschen nicht zu fest spüren.»

Diese Machart wirkt sich auch auf die Sprechhaltung aus: Wo Isabelle bei Moderationen von Informationssendungen am Radio eine eher distanzierte und neutrale Position einnimmt, ist die Hörsituation beim Podcast viel intimer. «Das Radio ist ein Massenmedium, das die Hörerinnen und Hörer meist aus einem Lautsprecher aus einer gewissen Entfernung beschallt.» Ein Podcast hingegen werde oftmals über Kopfhörer konsumiert. So sei sie als Macherin automatisch viel näher am Publikum dran und die Hörsituation um einiges entspannter.

Neue Herausforderung

Um sich auf diese neuen Gegebenheiten einzustellen, ging Isabelle nach über 20 Jahren Radioerfahrung nochmals in die Sprechausbildung. «Ich habe dort gelernt, dass der Text an und für sich schon sehr viel ausmacht. Bei einem Podcast muss ich die Übergänge anders texten als für eine Radiosendung», sagt Isabelle. Dabei hat sie eng mit ihrer Produzentin Maj-Britt Horlacher zusammengearbeitet.

«Für mich war es eine grosse Herausforderung, dass ich eine Radiofrau bin – ein Podcast aber nicht wie ein längerer Radiobeitrag klingen sollte.»

Im Radio sind Beiträge kurz und prägnant – manchmal zählt jede Sekunde. Bei einem Podcast ist die Aufmerksamkeitsspanne jedoch länger. Diese Freiheiten beim Timing hat Isabelle voll ausgekostet: Die einzelnen Folgen von «Die Genderfalle» dauern etwas mehr als 20 Minuten. «Die Geschichte ist dann fertig, wenn sie zu Ende erzählt ist», sagt sie schmunzelnd.


Wie entsteht «Die Genderfalle»

Isabelle hat am PC ein Browserfenster geöffnet, bei welchem Abführmittelverpackungen in grün und pink zu sehen sind

Bei der Recherche für die Folge über Gendermarketing stösst Isabelle auf verschiedene Produkte, die getreu dem Motto «Pink it and shrink it» (mach es klein und mach es rosa) angeboten werden. So beispielsweise auch ein Abführmittel, das in unterschiedlichen Farbeditionen für Frauen und Männer erhältlich ist.


Isabelle sitzt mit einer Expertin am Tisch. Die Expertin hält eine Kaffeetasse in der Hand und Isabelle hält ihr das Mikrofon hin.

Um eine möglichst lebendige Atmosphäre zu schaffen, macht Isabelle die Aufnahmen mit den Protagonistinnen und Experten nicht in einem Studio. Das Experteninterview für die vierte Folge nimmt Isabelle beispielsweise mit einem Flash-Mikrofon in einer Kommunikationsagentur in Basel auf.


Isabelle sitzt mit Kopfhörern in einem Zugabteil und hat den Laptop vor sich auf den Tisch gestellt

Um die Reisezeit für die Interviews möglichst gut zu nutzen, überträgt Isabelle bereits im Zug die Audioaufnahmen vom Flash-Mikrofon ins Digas (Programm, in dem alle Audiodateien und Songs gespeichert sind und bearbeitet werden können) und selektiert die aufgenommenen Töne.


Isabelle sitzt mit Kopfhörern am Pult vor dem Bildschirm und hat das Schnittprogramm für die Audiospur geöffnet

Zurück im Büro schneidet Isabelle die Audiospur zurecht. Teilweise wählt sie ganze Gesprächssituationen aus, die eins zu eins im Podcast zu hören sind, und manchmal auch nur vereinzelte Aussagen, die sie dann anhand eines Textes nochmals reflektiert.


Isabelle sitzt am Bildschirm vor einem Bücherregal und trägt Kopfhörer. Sie schaut konzentriert auf den Bildschirm.

Um die Aussagen der Protagonisten und Expertinnen in einen Zusammenhang zu bringen, schreibt Isabelle ein Manuskript mit Überleitungstexten. Zusätzlich werden Fakten und weitere Informationen in die einzelnen Folgen reingepackt, um das Thema abzurunden.


Isabelle befindet sich im Radiostudio und sitzt vor dem Mikrofon. In der Hand hält sie einen Zettel, von welchem sie den Text abliest.

Anhand des ausgedruckten Manuskripts spricht Isabelle die Übergangstexte im Studio ein. Damit sie nicht die Sprechhaltung einnimmt, mit der sie einen Newsbeitrag moderieren würde, setzt sie sich für die Podcast-Aufnahme hin.


Ausstrahlung: am 28. Januar 2020 im SRF-Podcastfeed «Hotspot»


Text: SRG.D/vg

Bild: SRG.D

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