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«Mini Schwiiz, dini Schwiiz», Folge «Luzern – Tag 1 – Hergiswil bei Willisau» beanstandet I

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Mit Ihrer E-Mail vom 30. Januar 2020 haben Sie die Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» mit der Folge «Luzern – Tag 1 – Hergiswil bei Willisau»[1] vom 27. Januar 2020 beanstandet. Ihre Eingabe er­füllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Ich beanstande, dass in dieser Sendung Lügen an die Bevölkerung erzählt werden. Es ist nicht so, dass die Kuh lediglich Gras fressen muss. Kein Wort von Zwangsschwängern, Schwangerschaft, Ge­burt eines Kälbchen, Wegnehmen des Kälbchens und Aufzucht zur Schlachtung und erneuter künstli­cher Besamung.

Sie haben als öffentlichrechtliches Fernsehen eine gewisse Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung, der Aufklärung und «richtigen» Informationen. Dafür bezahlen wir alle mit «Zwangsabgaben» durch die Serafe.

Ich fordere eine Richtigstellung, respektive ein öffentliche Stellungnahme und eine Sendung, in der Wahrheiten über die Milch Produktion erklärt, keine Lügen.

B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Frau Alexa Brogli, Senior Producer, Bereich Factual Entertainment, schrieb:

  1. Sachverhalt

Frau X beanstandet die Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» vom 27. Januar 2020 wie folgt:

... dass in dieser Sendung Lügen an die Bevölkerung erzählt werden. Es ist nicht so, dass die Kuh le­diglich Gras fressen muss. Kein Wort von Zwangsschwängern, Schwangerschaft, Geburt eines Kälb­chens, Wegnehmen des Kälbchens und Aufzucht zur Schlachtung und erneuter künstlicher Besamung.

Sie haben als öffentlichrechtliches Fernsehen eine gewisse Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung, der Aufklärung und «richtigen» Informationen. Dafür bezahlen wir alle mit den «Zwangsabgaben»; durch die Serafe.

Ich fordere eine Richtigstellung, respektive eine öffentliche Stellungnahme und eine Sendung, in der Wahrheiten über die Milch Produktion erklärt, keine Lügen.

  1. Stellungnahme Redaktion

Frau X beanstandet, dass Lügen über die Milchproduktion erzählt werden. Ebenso fordert sie, dass das Schweizer Fernsehen eine gewisse Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung habe in Bezug auf die Aufklärung mit «richtigen» Informationen. Weiter fordert sie eine Richtigstellung, beziehungs­weise eine Sendung, in der Wahrheiten über die Milchproduktion erklärt werden. Gerne nehmen wir zu den einzelnen Punkten Stellung.

Zu den Lügen über die Milch-Produktion

«Mini Schwiiz, dini Schwiiz» ist eine Unterhaltungssendung, in der Menschen in der Schweiz ihren «Herzensort» präsentieren. Sie zeigen «ihre» Stadt oder «ihr» Dorf – meist den Wohnort – aus einer sehr persönlichen Perspektive und anhand von unterschiedlichen Kategorien wie «Tradition» oder «Kulinarik». In der beanstandeten Sendung wurde Hergiswil bei Willisau im Kanton Luzern von Sonja Lustenberger vorgestellt. Sie hat ihre Mitkandidaten und Mitkandidatinnen auf den «Milch-Kräuter-Kä­seweg», der dort so existiert, mitgenommen. Bei einem kurzen Besuch auf einem Landwirtschaftsbe­trieb (der zu diesem Weg gehört), erzählt der Bauer, «wie aus Gras Milch wird». Er erklärt den Nah­rungszyklus der Kuh; wie das Gras in den Mägen der Kuh verwertet wird, die Nährstoffe dann mit dem Blut in die Milchbildungszellen gelangen und die Reste durch den Darm wieder ausgeschieden werden und so zurück in die Erde kommen. Dies ist seine Kurzerklärung, die er den Besuchern auf seinem Hof mitgibt. Weder der Milchbauer noch Sonja Lustenberger erheben hier den Anspruch den Zuschauern und Zuschauerinnen die Milchwirtschaft in ihrer ganzen Komplexität zu erklären. Ebenfalls ist es nicht die Aufgabe dieser Sendung, einen vertieften Einblick in ein Spezialgebiet zu geben. Es ist eine Unter­haltungssendung, in der die Protagonistinnen und Protagonisten ihren Herzensort anhand ihrer Lieb­lingsaktivitäten vorstellen. Die Sendung bildet diese individuelle Präsentation ab, ohne wertend oder weiterführend einzugreifen. Die Abkürzung, dass «aus Gras Milch wird» sieht die Redaktion nicht als Lüge, sondern als Auswahl eines kleinen Aspektes der Milchproduktion. Dass zur Milchwirtschaft noch wesentlich mehr gehört als «Gras» wird als Allgemeinwissen vorausgesetzt.

Zur Verpflichtung in Bezug auf Aufklärung mit «richtigen» Informationen

Die Milchwirtschaft ist in der Schweiz weit verbreitet und ein wichtiger Aspekt unserer Landwirtschaft. Milch und die Milchproduktion in der Schweiz werden bei SRF immer wieder auch kritisch betrachtet (Beispiel: «Input» vom 19.05.2019: «Gute Milch, böse Milch?»). Das Sendeformat «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» ist für eine vertiefte Recherche jedoch definitiv nicht das richtige Format. Diese Unterhal­tungssendung, die den Lebensalltag und die Realität von Menschen und ihrer Umgebung abbildet, hat weder die Aufgabe noch das Ziel über Themen aufzuklären und kann nicht als Informationsgefäss an­gesehen werden.

Zur Forderung einer Sendung mit Wahrheiten über die Milchproduktion

Wie im obigen Punkt schon erwähnt, sind Milch, Milchpreise und auch die Milchproduktion immer wie­der Themen in Sendungen von SRF. Vor allem auch in Nachrichten- und Konsumentensendungen wer­den die Milchwirtschaft und der Milchkonsum von verschiedenen Seiten beleuchtet. Im Online-Archiv auf srf.ch finden sich viele Sendungen zum Thema. Zwei Beispiele finden sich in der Fusszeile.[2],[3]

  1. Zusammenfassung

Die Unterhaltungssendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» zeigt den persönlichen Blick der Protagonistin auf ihren «Herzensort». Sie wählte diesen «Milch-Kräuter-Käseweg» aus und die Präsentation des Bauern ist (auch ohne Kameras) Teil davon. Von Seite SRF wurde in diesem Programmpunkt inhaltlich nichts inszeniert. Ebenfalls ist es nicht Teil dieser Sendung, spezifische Themengebiete genauer zu be­trachten oder aufzuarbeiten. Allerdings gibt es bei SRF sehr gute und viele Sendegefässe, die sich der Milchproduktion immer wieder vertieft widmen. Aus diesen Gründen sind wir der Meinung, dass die Beanstandung nicht zu unterstützen ist.

Wir bedanken uns für die Gelegenheit zur Stellungnahme.

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Folge. In der knapp 25-minütigen Unter­haltungssendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» gehen jeweils fünf Schweizerinnen und Schweizer auf einen kleinen Ausflug durch ihre Region. Dabei zeigen sie an einem Tag der Woche ihren Heimatort von einer persönlichen Seite. Das Ziel ist es, am meisten zu punkten. Am Ende jedes Tages bewerten die Gäste ihre Erlebnisse anhand von Bewertungskriterien mit Punkten. Letztlich geht es darum, wel­cher Gastgeber mit seiner Präsentation am meisten überzeugen kann und den Wochensieg holt.[4] In der von Ihnen monierten Sendung führt die Protagonistin, Sonja Lustenberger, die Gäste durch die Region um Hergiswil bei Willisau. Dabei macht sie einen Halt beim Milchbauern Christoph Kunz. Die­ser erklärt der kleinen Gruppe in wenigen Worten, wie «aus Gras Milch» wird.[5]

Wie eingangs bereits erwähnt, handelt es sich um eine Unterhaltungssendung und nicht um eine Informationssendung oder um eine Dokumentation. Dass der Milchbauer während seines rund einein­halbminütigen Auftritts mit seinen Erklärungen an der Oberfläche bleibt und den Gästen, die seinen Hof besuchen, nichts – wie Sie kritisieren – «von Zwangsschwängern, Schwangerschaft, Geburt eines Kälbchen [sic.], Wegnehmen des Kälbchens und Aufzucht zur Schlachtung und erneuter künstlicher Besamung» erzählt, liegt auf der Hand. Eine solche Ausführung passt nicht ins Konzept einer Unter­haltungssendung. Es geht bei «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» nicht um Tatsachen und Fakten, son­dern um Unterhaltung. Das Publikum lernt eine Region mit Land und Leuten kennen, kann sich an Stimmungen und Landschaftsbildern freuen. Wer sich über Milch und Milchwirtschaft informieren möchte, stehen andere Sendungen, wie beispielsweise diejenigen, die Frau Alexa Brogli in der Stel­lungnahme beschrieben hat («Gute Milch, böse Milch?», «Input» bei Radio SRF 1 vom 10.05.2019[6]; «Adieu Nutztierhaltung – Ein Bauer steigt aus», «Kontext» bei Radio SRF 2 Kultur vom 16.04.20192oder «Mythos Milch», «Kontext» bei Radio SRF 2 Kultur vom 23.07.20143) zur Verfügung.

Das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen hält fest: «Redaktionelle Sendungen mit Informations­gehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine ei­gene Meinung bilden kann» (RTVG, Art. 4, Abs. 2)[7]. In der von Ihnen monierten Sendung handelt es sich nicht um eine redaktionelle Sendung mit Informationsgehalt, sondern um reine Unterhal­tung.

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen kann.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernseh­geset­zes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfü­gung.

Mit freundlichen Grüssen,
Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann


[1] https://www.srf.ch/play/tv/mini-schwiiz-dini-schwiiz/video/luzern---tag-1---hergiswil-bei-willisau?id=a8f7ca7e-2a1f-4be8-a176-945264a03eb7

[2] https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/kuh-bewegt-gemueter-milch-trinken-kuehe-schlachten

[3] https://www.srf.ch/sendungen/kontext/mythos-milch

[4] https://www.srf.ch/play/tv/sendung/mini-schwiiz-dini-schwiiz?id=9bdd1330-0ee1-46df-851e-daea6420f45f

[5] https://www.srf.ch/play/tv/mini-schwiiz-dini-schwiiz/video/luzern---tag-1---hergiswil-bei-willisau?id=a8f7ca7e-2a1f-4be8-a176-945264a03eb7[Timecode: 07:00 – 08:40]

[6] https://www.srf.ch/play/radio/input/audio/gute-milch-boese-milch?id=8f3b5c6d-a140-4796-87be-0bfcb58b8eff

[7] https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20001794/201607010000/784.40.pdf

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