Illustration des Tagesschau-Studios mit einer Moderatorin
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Keine Verteufelung von tierischen Produkten in Sommerserie

In ihrer Sommerserie untersuchte die «Tagesschau» den ökologischen Fussabdruck von verschiedenen Parlamentarier:innen. Der Zürcher Bauernverband kritisierte einige Beiträge als einseitig. Heimische Fleisch- und Milchprodukte würden verteufelt. Informationen zu pflanzlichen Ersatzprodukten seien unvollständig und nicht korrekt. Die Ombudsleute können die Beanstandung nicht unterstützen.

Bei der Serie mitgemacht haben Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus den sechs grössten Parteien. Angeschaut wurde mit ihnen insbesondere das Verhalten in den Bereichen Wohnen, Mobilität und Essen. Darauf wurde ihr ökologischer Fussabdruck ermittelt.

In der Serie werde darauf verwiesen, so der Zürcher Bauernverband, dass sich der ökologische Fussabdruck durch Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte verbessern würde. Es werde der Konsum von pflanzlichen Eiweissen empfohlen. Dabei werde die Produktion der tierischen Produkte vernachlässigt, moniert der Beanstander. Ob etwa ein Milchprodukt graslandbasiert oder auf Basis von Getreide produziert worden sei, habe einen erheblichen Einfluss auf dessen Ökobilanz. Zudem seien die Empfehlungen zu pflanzlichen Eiweissen fachlich nicht korrekt. Der ökologische Fussabdruck von Hafermilch beispielsweise falle höher aus als jener von heimisch produzierter Kuhmilch.

Produktionsweise berücksichtigt

Der ökologische Fussabdruck sei mit Hilfe des WWF-Foodprintrechners erstellt worden, informiert die «Tagesschau» in ihrer Stellungnahme. Dieser berücksichtige auch die vorgelagerten Produktionsschritte. Die unterschiedlichen Produktionsweisen würden einkalkuliert, die Testresultate seien objektiv. Die Journalistin gebe selber keine Empfehlung zum Konsum von pflanzlichen Eiweiss-Produkten ab. Es werde transparent gemacht, dass die pflanzlichen Eiweisse laut dem Fussabdruck-Rechner weniger ins Gewicht fallen würden.

Bessere Umweltbilanz von Milchalternativen

Die Redaktion verweist auf nationale und internationale Studien, welche generell geringere Umweltbelastungen für pflanzliche Nahrungsmittel aufzeigten. Die Kernaussage des WWF-Rechners in Bezug auf den unterschiedlichen Einfluss von tierischen und pflanzlichen Eiweissen auf den ökologischen Fussabdruck sei also korrekt.

Es sei ebenfalls wissenschaftliche belegt, dass Milchalternativen deutlich weniger Treibhausgase erzeugten. So schneide Hafermilch bei der Umweltbilanz deutlich besser ab als Kuhmilch.

Sichtweise der Protagonist:innen gezeigt

Das sehen auch die Ombudsleute so. Dass eine vegetarische Ernährungsweise erheblich weniger CO2-Emissionen erzeuge als der Konsum von Fleisch- und Milchprodukten sei mittlerweile aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen breit akzeptiert. Für die Ombudsleute ist es keine Verteufelung der heimischen Fleisch- und Milchproduktion, wenn an das Gewissen appelliert werde, sich bei deren Konsum zu überlegen, wie stark man damit den ökologischen Fussabdruck belaste. Ausserdem haben die getesteten Persönlichkeiten in der Serie ihre Gründe für den Fleisch- und Milchkonsum einbringen können. Damit sei auch die «andere» Seite gezeigt worden. Die Ombudsleute stellen keine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots fest.

Zur «Tagesschau»-Sommerserie 2022

Schlussbericht Ombudsstelle 8864


Text: SRG.D/dl

Bild: SRG.D/Illustration Cleverclip

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