Wie die SRF Media School Medienkompetenz bei Kindern fördert

Wie lernen Kinder in Zeiten von Fake News und künstlicher Intelligenz Informationen kritisch zu prüfen? Mit einem neuen Dossier zum Thema Recherche zeigt die «SRF Media School» Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Klasse, wie sie Informationen finden, Quellen beurteilen und KI sinnvoll einsetzen können. Moderator der Videoreihe ist SRF-Host und Lehrer Raphael Labhart.

Herr Labhart, mit welchen falschen Vorstellungen vom Journalismus begegnen Ihnen Jugendliche?

Im Grunde sind es dieselben wie bei Erwachsenen. Zum Beispiel die Annahme, es gebe eine Realität und eine Wahrheit, die sich eins zu eins wiedergeben lasse, als reichte es, einfach ein Mikrofon hinzuhalten, um die Welt abzubilden. Bei Jugendlichen kommt häufig eine gewisse Naivität hinzu, während Erwachsene ebenso wenig vor Fake News oder einseitigen Darstellungen gefeit sind. Manchmal beobachten ich auch eine Romantisierung des Berufs: die Vorstellung, man nehme ein Mikrofon in die Hand, gehe nach draussen und habe danach automatisch eine spannende Geschichte. Dabei ist Journalismus harte Arbeit, die viel Disziplin erfordert, damit am Ende ein guter Beitrag entsteht.

Was müssen Jugendliche lernen, um glaubwürdige von fragwürdigen Informationen unterscheiden zu können?

Mein Vater sagte immer: Du musst nicht Mathematiker werden, aber du musst gut genug in Mathe sein, um einschätzen zu können, ob ein Resultat plausibel ist oder nicht. Diese Fähigkeit brauchen wir auch im Umgang mit Medien. Nicht alles, was schwarz auf weiss in der Zeitung steht, in einem Video gezeigt oder in einem Radiobeitrag zu hören ist, bildet automatisch die Wahrheit oder Realität ab. Solche Informationen auf ihre Plausibilität zu prüfen und dabei auch sich selbst zu hinterfragen, ist ein wesentlicher Teil der Medienkompetenz. Damit sollte man möglichst früh beginnen.

Mit künstlicher Intelligenz lassen sich täuschend echte falsche Informationen erstellen. Brauchen wir deshalb neue Prüfmechanismen?

Die grundlegenden Fragen waren schon immer wichtig: Kann das sein? Woher stammt die Information? Wem nützt sie? An wen richtet sich dieser Inhalt? Durch künstliche Intelligenz haben diese Fragen zusätzlich an Dringlichkeit gewonnen. Es geht darum, nachzuhaken, nachzufragen und Informationen kritisch zu überprüfen. Diese Kompetenzen werden auch im Lehrplan 21 stark betont, was die «Media School» entsprechend berücksichtigt.

Die «Media School» vermittelt Medienkompetenz mit dem Absender SRF. Wie stellen Sie sicher, dass die Jugendlichen auch SRF kritisch hinterfragen?

Indem wir genau dazu einladen. SRF hat die Wahrheit nicht gepachtet, die «Media School» hat die Wahrheit nicht gepachtet und auch keine Lehrperson hat die Wahrheit gepachtet. Die Jugendlichen sollen auch das hinterfragen, was SRF ihnen präsentiert. Aus meiner Sicht muss jedes glaubwürdige Medienhaus damit leben, dass seine Inhalte hinterfragt werden, und entsprechende Möglichkeiten für diesen Austausch schaffen. Früher geschah dieser Austausch etwa über Leserbriefe, heute gibt es Userforen, Social Media oder den direkten Dialog mit denjenigen, die die Inhalte produzieren.

Besteht dennoch die Gefahr, dass Medienkompetenz mit Vertrauen in die eigene Marke gleichgesetzt wird?

Ja, diese Gefahr besteht. Man sollte sie jedoch nicht nur als Risiko sehen, sondern auch als Chance, der wiederum kritisch begegnet werden muss. Entscheidend sind dabei Transparenz und die Bereitschaft, sich selbst hinterfragen zu lassen.

Welche Verantwortung trägt SRF bei der Vermittlung von Medienkompetenz?

In politischen Debatten um den Service public geht es oft darum, was die SRG oder SRF an Information und Unterhaltung bieten kann, soll oder muss. Der Bildungsauftrag wird dabei manchmal übersehen. Insbesondere SRF Kids und SRF School müssen diesen Bildungsauftrag aus meiner Sicht transparent erfüllen und sichtbar machen, welche entsprechenden Angebote es gibt. Dabei müssen höchste Qualitätsansprüche gelten. Letztlich ist dies ein journalistischer Auftrag mit pädagogisch-didaktischem Anspruch: Medienbildung umfasst einerseits Medienkunde und andererseits die Erweiterung der eigenen Kenntnisse.

Woran würden Sie in einigen Jahren erkennen, dass die «Media School» tatsächlich Wirkung gezeigt hat?

Ich möchte mir nicht anmassen zu behaupten, dass die «Media School» eine gesellschaftliche Tiefenwirkung entfalten wird. Vielmehr geht es darum, eine Haltung zu fördern, die kritisches Denken unterstützt und Medieninhalten grundsätzlich mit Vorsicht begegnet. Die «Media School» kann einen Anstoss geben, eine Einladung oder Motivation sein, sich vertieft mit diesen Themen auseinanderzusetzen und das kritische Denken zu üben. Wenn eines Tages jemand sagt: «Daran kann ich mich erinnern, das ist mir geblieben», dann darf man sich darüber freuen. Mehr sollte man sich über das eigene Tun nicht einbilden.

Text: Nicole Krättli

Bild: zVg/SRF

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