«Wir wollen auch Menschen erreichen, die der SRG kritisch gegenüberstehen»
Der Publikumsrat soll den Dialog zwischen Bevölkerung und SRG Deutschschweiz stärken. Dominic Iseli aus dem Leitungsteam erklärt, wie der Anfang 2025 gestartete Resonanzraum funktioniert, welche Stimmen noch fehlen und warum der Austausch auch nach der Ablehnung der Halbierungsinitiative besonders wichtig ist.
Zur Person
Zur Person
Dominic Iseli ist seit Januar 2026 Mitglied im fünfköpfigen Leitungsteam des Publikumsrats SRG.D. Hauptberuflich ist er Kommunikationsleiter bei SONART.
Herr Iseli, welche Aufgabe hat der Publikumsrat der SRG Deutschschweiz?
Der Publikumsrat bildet die Schnittstelle zwischen der Bevölkerung und dem Programmschaffen von SRF. Er gewährleistet den Dialog zwischen den Medienkonsument:innen und der SRG. Konkret bringt der Rat Rückmeldungen, Beobachtungen und Anregungen aus dem Publikum zu den Programmschaffenden. Er nimmt eine beratende Funktion ein, greift jedoch nicht direkt in das Programm ein.
Wie ist der Publikumsrat strukturiert?
Der Publikumsrat besteht aus dem Resonanzraum, dem Leitungsteam und dem Regionalausschuss. Seit 2025 ist er in dieser Form neu organisiert: mit einem fünfköpfigen Leitungsteam und dem Resonanzraum als offenem Forum, in dem Menschen aus der ganzen Deutschschweiz mitwirken können. Das Leitungsteam legt die Themen fest und gestaltet die sogenannten Dialogfenster, während der Regionalausschuss regionale Perspektiven einbringt. Im Resonanzraum findet der konkrete Dialog mit der Bevölkerung statt.
Wer kann in diesem Resonanzraum mitwirken?
Grundsätzlich alle. Es ist nicht erforderlich, medienaffin, akademisch oder fachlich versiert zu sein. Im Gegenteil: Wir möchten insbesondere auch Menschen erreichen, die die SRG wenig kennen oder ihr kritisch gegenüberstehen. Nur wenn möglichst unterschiedliche Perspektiven vertreten sind, kann der Resonanzraum wirklich genutzt werden.
Ist diese Vielfalt bereits erreicht?
Noch nicht ausreichend. Derzeit sind vor allem medienaffine und gut gebildete Personen vertreten. Deshalb ist es uns ein grosses Anliegen, gezielt weitere Gruppen anzusprechen: sowohl jüngere als auch ältere Menschen, Personen mit Migrationshintergrund sowie Menschen aus verschiedenen Regionen und Lebenswelten. Dafür gehen wir auch aktiv auf Veranstaltungen und direkt auf Menschen zu.
«Das Bedürfnis nach Austausch ist eindeutig gross»
Warum wird dieser Dialog aus Ihrer Sicht gerade jetzt wichtiger?
Das Bedürfnis nach Austausch ist eindeutig gross. Nach der Abstimmung zur SRG-Initiative waren wir überrascht, wie stark das Thema nachwirkt. Genau hier sehen wir unsere Aufgabe: zuzuhören, nachzufragen und aufzunehmen, was die Menschen bewegt. Wenn die SRG allen in der Schweiz gehört, sind dafür auch Plattformen notwendig, auf denen diese Stimmen sichtbar werden.
Wie sieht dieser Dialog konkret aus?
Ein wichtiges Instrument sind die Dialogfenster. Dort führen wir Umfragen, Veranstaltungen und Gespräche zu bestimmten Themen durch, die Medien und Gesellschaft beschäftigen. Bei den Veranstaltungen erhalten die Teilnehmenden oft Einblicke in die Produktion von SRF-Sendungen, können Diskussionen vor Ort verfolgen und treffen mitunter auf SRF-Persönlichkeiten. So entsteht Austausch nicht nur digital, sondern auch direkt und persönlich.
Welche Themen stehen dieses Jahr im Fokus?
In diesem Jahr haben wir zwei Dialogfenster definiert, die bewusst unterschiedliche Gruppen ansprechen. Das eine trägt den Titel «Audiokultur im Wandel» und richtet sich an Menschen, die Radio und Podcasts nutzen. Das andere heisst «Vielfalt leben – gemeinsam verschieden, gemeinsam Schweiz» und beschäftigt sich mit der postmigrantischen Schweiz in den Medien.
«Wir wollen neue Schwerpunkte setzen und dadurch auch andere Bevölkerungsgruppen erreichen»
Nach welchen Kriterien wählen Sie solche Themen aus?
Für uns ist wichtig, dass die Themen möglichst vielfältig sind und nicht immer dieselben Personen ansprechen. Wir wollen neue Schwerpunkte setzen und dadurch auch andere Bevölkerungsgruppen erreichen. Die Themenvorschläge stammen aus Umfragen, Gremien oder aktuellen Debatten. Anschliessend prüfen wir, bei welchen Themen sich ein vertiefter Dialog besonders lohnt.
Und wie gelangen die Erkenntnisse aus diesem Dialog zurück zu SRF?
Wir verstehen uns als Brückenbauer. Die Rückmeldungen aus den Dialogfenstern werden ausgewertet, in Berichten zusammengefasst und an die Programmschaffenden weitergeleitet. Dabei legen wir Wert darauf, dass die Arbeit fundiert ist und nicht einfach auf Einzelkritik basiert. Die Umsetzung liegt letztlich bei den Redaktionen, doch wir möchten Impulse liefern, die ernst genommen werden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Publikumsrats?
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen wissen, dass es dieses Angebot gibt und dass sie sich daran beteiligen können. Viele sind mit dem Publikumsrat noch nicht vertraut, und häufig ist auch die Unterscheidung zwischen SRF und SRG unklar. Besonders bei jüngeren Menschen möchten wir die Bekanntheit des Resonanzraums erhöhen. Denn ein solcher Dialog funktioniert nur, wenn sich möglichst viele engagieren.