Jassen – ein Zuschauersport par excellence
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Jassen – ein Zuschauersport par excellence

Mit seinen Jass-Sendungen hat Schweizer Fernsehen, lange vor Swissness, Interaktivität und Community, wahrlich auf eine Karte gesetzt, die beim breiten Publikum sticht. Eine Betrachtung zum Reiz des unverwüstlichen Spiels mit 36 Karten am Bildschirm.

– Von Peter Wittwer

«Jemandem beim Spiel über die Schultern zu schauen und möglichst noch mit guten Tipps aufzuwarten, ist unter Jassern verpönt. Ganz anders beim ‹Samschtig-Jass› oder ‹Donnschtig-Jass› vor dem Fernseher: Hier kann jeder ungeniert dem ‹Telefonjasser› in die Karten gucken und sich gefahrlos der Überzeugung hingeben, auf diese plumpen Unterzüge der Jass- und sonstigen Prominenz am Tisch wäre man nie und nimmer reingefallen. Dass am Bildschirm dann selbst krasseste Fehler noch schöngeredet werden, ist ­unverzichtbarer Bestandteil dieses TV-Formats, das schweizerischer nicht sein könnte.

Eine Skat-Sendung nach dem Vorbild des ‹Donnschtig-Jass› im Hauptabendprogramm eines deutschen Senders ist auf jeden Fall nur schwer vorstellbar. In kaum einem Land zwischen Aserbaidschan und Zimbabwe dürfte die Begeisterung für ein Kartenspiel für so beachtliche Einschaltquoten sorgen wie in der Schweiz.

Ein Teil des Erfolgs der Jass-Sendungen liegt sicher darin, dass mit dem ‹Differenzler› eine äusserst bildschirmtaugliche Variante gefunden worden ist. Seine Regeln sind nicht nur für ganz ‹angefressene› ­Jass-Profis leicht nachvollziehbar. Noch entscheidender dürfte aber der Kultstatus sein, den der Volkssport Jassen auch in Kreisen geniesst, von denen man es nicht erwarten würde: Die bunt gemischte Gästeliste des ‹Samschtig-Jass› ist ein lebendiger Beweis dafür, dass auch ausserhalb der Stammtisch-Hochburgen munter gejasst wird. Und weil die Nachwuchsrekrutierung über verregnete WK-Abende heute nicht mehr automatisch klappt, werden mittlerweile landauf und landab sogar Jasskurse für integrationswillige Ausländer angeboten.

Jassen 1

Die Vorabendsendung ‹Stöck-Wyss-Stich› und später der ‹Samschtig-Jass› boten schon früh die Möglichkeit, sich übers ­Telefon aktiv in das einzuschalten, was auf dem Bildschirm passiert. Effektiv mitspielen konnten zwar jeweils nur ein paar wenige Auserwählte, doch im Genick hatten (und haben) die Telefonjasser Hundertausende von ‹Experten›. Zu gewinnen gab es im Gegensatz zu heute nur – in meiner Erinnerung auserlesen hässliche – Billig-Trophäen. Der tiefe Ernst, mit dem Jass-Papst Göpf Egg selig jeweils die gezeigten Leistungen kommentierte, sowie die jassbezogenen ‹Rotstift›-Sketche gehören auch für Leute wie mich, die mit Schweizer Volkstümlichkeit wenig am Hut haben, zum kulturellen Fundus unserer Jugend.

Mit der Weiterentwicklung des Fernsehens hat der handgestrickte und gern belächelte Charme des ‹Samschtig-Jass› nach und nach aufwendig produzierten Jass-Shows Platz gemacht. Beim ‹Donnschtig-Jass› werde ich ob dem üppigen Rahmenprogramm auf schmuck herausgeputzten Dorfplätzen manchmal das Gefühl nicht los, das Jassen werde vor allem als Vehikel gebraucht, um Randregionen die Gelegenheit zu bieten, sich auch einmal ins tele­gene Rampenlicht zu rücken.

Für mich richtig wiederentdeckt habe ich Jassen am Schweizer Fernsehen erst, als ich vor einiger Zeit die Gratis-App zum ‹Samschtig-Jass› auf mein Handy geladen habe und seither eifrig nutze. Nur etwas ärgert mich: Wenn mir im Tram oder Bus jemand beim Spielen über die Schulter guckt und dabei seltsam die Augen verdreht …»

Zum Autor: Peter Wittwer ist begeisterter Jasser und Mitglied der SRG Region Basel

Bilder: Imagopress / Patrick Lüthy


Tipp!
«Samschtig Jass» gibt es als App für iOS im AppStore und als Online-Spiel hier.


Region Basel

SRG.D bei «Donnschtig-Jass»

Während den Sommermonaten pilgerten Hunderte von Jass-Interessierte zur Live-Übertragung der SRF 1-«Donnschtig-Jass»-Sendungen in verschiedenen Deutschschweizer Ortschaften. Betreuend vor Ort war die SRG DeutschschweizDie SRG.D, u.a. die SRG Region Basel (Bild), vertreten durch Geschäftsstellenleiterin Daniela Palla, links, und Mitarbeiterin Sandra Rieder. Die Fotos.


 

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