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Nachrichtenmeldung auf Radio SRF 1 zum Israel-Palästinakonflikt beanstandet

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Mit E-Mail vom 24. Dezember 2014 kritisieren Sie die Nachrichten auf Radio SRF 1 vom 24. Dezember um 15 Uhr. Den Erhalt Ihrer Eingabe habe ich mit meinem Brief vom 29. Dezember bereits bestätigt.

Wie üblich, habe ich die Verantwortlichen von Radio SRF gebeten, zu Ihren Kritiken Stellung zu beziehen. Dies ist erfolgt und in der Zwischenzeit habe ich die von Ihnen kritisierte Sendung sehr genau analysieren können. Ich bin somit in der Lage, Ihnen heute meinen Schlussbericht zu senden.

1. Sie begründen Ihre Eingabe wie folgt:

„In den heutigen Nachrichten wurde ein Konflikt zwischen Palästinensern und Israeli einmal mehr sehr tendenziös geschildert. Es wurde gesagt, dass das Israelische Militär auf Palästinenser geschossen hat. Erst am Schluss des Berichts wurde erwähnt, dass die Palästinenser zuerst auf Israelis geschossen hätten. Dies ist nicht das erste Mal, dass nicht in der Reihenfolge der Ereignisse berichtet wird. Warum ist es nicht möglich, die Ereignisse in der zeitlich richtigen Reihenfolge zu schildern? Es kommt ganz klar der Verdacht auf, dass Israel mit einer solchen Berichterstattung schlecht gemacht wird. Für mich ist das klar antisemitisch und somit nicht akzeptabel. Bin gespannt auf Ihre Antwort oder noch besser auf die Auswirkung in den folgenden Sendungen.“

2. Wie bereits erwähnt, haben die Verantwortlichen von Radio SRF zu Ihren Kritiken Stellung bezogen. Herr Roman Mezzasalva, Redaktionsleiter Nachrichten, schreibt dabei Folgendes:

„Herr X kritisiert eine Nachrichtenmeldung vom 24. Dezember, die um 15 Uhr von den verschiedenen Programmen von Radio SRF ausgestrahlt worden ist. Der Wortlaut der Meldung war der folgende:

‚Im Gazastreifen ist bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten ein Kommandant der militanten Palästinenserorganisation Hamas getötet worden. Es handle sich dabei um ein Mitglied ihres militärischen Flügels, teilte die Hamas mit.

Palästinensische Scharfschützen hätten zuvor das Feuer auf eine israelische Patrouille an der Grenzlinie eröffnet, erklärte die israelische Armee.

Letzte Woche flog die israelische Luftwaffe erstmals seit Ende des Gazakrieges wieder einen Angriff auf den Gazastreifen.

Militante Palästinenser hatten zuvor eine Rakete in das israelische Grenzgebiet gefeuert.

Israel und die Palästinenser hatten nach dem Gazakrieg Ende August eine unbefristete Waffenruhe verkündet.’

Herr X bemängelt primär, dass unsere Nachrichtenmeldung ‚nicht in der Reihenfolge der Ereignisse berichtet’. Dadurch komme ‚ganz klar der Verdacht auf, dass Israel mit einer solchen Berichterstattung schlecht gemacht’ werde.

Die Nachrichtenredaktion möchte dazu festhalten, dass sich Nachrichtenmeldungen in allen Medien in den meisten Fällen geradezu dadurch auszeichnen, dass das Neu-este (die News) am Anfang steht und die Vorgeschichte erst danach dargelegt wird.

In der beanstandeten Meldung wird unseres Erachtens im ersten Absatz klar dargelegt, dass die Quelle der News die Hamas ist. Im zweiten Absatz folgt dann die ebenso klar deklarierte Sichtweise der israelischen Armee auf die neuesten Ereignisse. Im dritten und vierten Abschnitt wiederholt sich das Schema unter Einbezug der Handlungen beider Parteien anhand der Ereignisse der Vorwoche. Und schliesslich folgt der parteienübergreifende Hintergrundsatz, dass eigentlich eine von beiden Seiten verkündete Waffenruhe herrschen müsste.

Wir sind deshalb zusammenfassend der Meinung, dass diese Meldung die handwerklichen Regeln des Nachrichtenschreibens vollumfänglich befolgt und es dem Publikum erlaubt, sich eine eigene Meinung zu den dargelegten Fakten zu bilden. Den Verdacht, die Redaktion habe mit dieser Meldung Israel schlecht machen oder antisemitisch handeln wollen, weisen wir in aller Form zurück.“

3. Soweit die Stellungnahme des Redaktionsleiters Nachrichten von Radio SRF. Nach-dem ich den Radiobeitrag angehört habe und die ganze Angelegenheit analysieren konnte, scheinen mir die Argumente von Herrn Roman Mezzasalva sehr plausibel zu sein. Ich kann mich somit kurz halten.

Zuerst möchte ich festhalten, dass Sie nicht den eigentlichen Inhalt, sondern lediglich die Reihenfolge der am Radio wiedergegebenen Informationen kritisieren. Sie verlangen, dass in der Reihenfolge der Ereignisse berichtet werden müsste.

Ich sehe das anders. Es gehört zum Wesen der Radionachrichten, dass zuerst über das Neueste berichtet wird. Im vorliegenden Fall war dies die Tötung eines Kommandanten der militanten Palästinenserorganisation Hamas bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten.

Erst danach – nachdem das Publikum über die „News“ informiert wurde – ist es Aufgabe der Redaktion, das Ereignis in den Gesamtkontext zu stellen.

Dies ist am 24. Dezember um 15 Uhr geradezu in vorbildlicher Art geschehen. Es wurde unterstrichen, dass zuvor palästinensische Scharfschützen das Feuer auf eine israelische Patrouille an der Grenzlinie eröffnet hätten. Es wurde dabei sogar erinnert, dass eine Woche vorher die israelische Luftwaffe erstmals seit Ende des Gaza-krieges einen Angriff auf den Gazastreifen geflogen hatte. Auch darüber wurde das Publikum korrekt informiert: Es handelte sich um eine Reaktion auf eine durch militante Palästinenser gefeuerte Rakete in das israelische Grenzgebiet.

Es wurde deshalb korrekt und umfassend genug berichtet, damit sich das Publikum eine eigene Meinung über die Ereignisse bilden konnte. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, inwiefern Israel durch diese Berichterstattung „schlecht gemacht“ worden sei oder von Antisemitismus die Rede sein könnte.

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung, soweit ich darauf eintreten konnte, als unberechtigt erachte.

4. Ich bitte Sie, das vorliegende Schreiben als meinen Schlussbericht gemäss Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes RTVG entgegenzunehmen. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI (Monbijoustrasse 51A, Postfach 8547, 3001 Bern) orientiert Sie der beiliegende Auszug aus dem Bundesgesetz über Radio und Fernsehen.

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