Zur Pensionierung von Reinhard Eyer: Ein Walliser Urgestein tritt ab
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Zur Pensionierung von Reinhard Eyer: Ein Walliser Urgestein tritt ab

Wenn SRF-Wallis-Korrespondent Reinhard Eyer Ende Februar mit 65 in Pension geht, tritt ein Vollblutjournalist ab. Ein Urregianer, Bergler mit Ecken und Kanten, Sammler von Geschichten und von Kristallen.

– Von Peter Brandenberger

Der Urregianer: Reinhard Eyer aus dem Oberwallis war dabei, als ab Mitte 1978 im Schweizer Radio die täglichen Regionaljournale entwickelt wurden und im November auf Sendung gingen. Parallel arbeitete er während langer Jahre auch für verschiedene Schweizer Zeitungen und für die Agentur Schweizerische Politische Korrespondenz SPK. Erst in den 1990er Jahren konnte sich Reinhard Eyer ganz auf die Tätigkeit als Wallis-Korrespondent für das Schweizer Radio konzentrieren.

Der Kollege und Vollblutjournalist: Reinhard Eyer hat viele auf der Redaktion in Bern kommen und gehen sehen. Nicht wenige Redaktionsmitglieder kannten ihn lange Zeit nur aus dem Radio und vom Telefon. Bern war vor der Neat-Eröffnung noch viel weiter weg, als es das heute ist. Aber vermutlich haben sie ihn sich genau so vorgestellt, wie er tatsächlich aussieht und ist: ein Bergler mit Charme und Charisma. Dazu ist er ein listiger Kämpfer für sein Wallis. Er kennt alle Wege und Tricks, wie er einem Sendungsproduzenten auf der Suche nach Inhalten eine Geschichte verkaufen kann, die in der Vorwoche noch abgelehnt worden ist. Denn ein Tag ohne Wallis in der Sendung ist kein guter Tag, nicht für das Wallis und schon gar nicht für Eyer.

Dabei hat er nach allen Seiten stets Distanz gewahrt und sich von niemandem vereinnahmen lassen: 36 Jahre über das «Land» berichten, das die eigene Heimat ist, ist keine einfache Aufgabe. Reinhard Eyer hat sie mit grosser Professionalität bravourös gemeistert.

Der Sammler: Bergler sind seit jeher ­Jäger und Sammler, auch da ist Reinhard Eyer nicht anders. Früher sammelte er Schwemmholz, jetzt ist er leidenschaftlicher Strahler. Das Steingut sammelte sich in den Jahren im Radiostudio in Brig an – und im Studio Bern: Ein richtiger Strahler hat immer ein paar Kristalle im Sack, die er neuen Kolleginnen und Kollegen oder anderen sympathischen Menschen überreichen kann. Um gleich wieder leidenschaftlich um Themen, Formen und Ansätze zu ringen. Er selbst wurde mit dem Alter in der Sache zunehmend hartnäckiger. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er sich in seiner Sammelleidenschaft vom weichen Schwemmholz den eckigen und kantigen Kristallen zuwandte.

«Ds Reini»: Als Journalist interessierten ihn zunehmend die Geschichten hinter der Geschichte. Dieses Interesse wird er nicht ablegen, auch wenn er ab 1. März im ­Wallis nicht mehr der Radio-Eyer ist, sondern nur noch «ds Reini». Auch so muss man sich um ihn nicht sorgen: Er wird Kristalle sammeln, er wird weiter Geschichten zu Papier bringen, er wird sich in der chinesischen Kampfkunst des ­Bagua weiterentwickeln und seine Erkenntnisse weitergeben. Und er wird mit stiller Genugtuung zur Kenntnis nehmen, dass es zwei braucht, die ihn ersetzen: Priska Dellberg und Silvia Graber treten in grosse Fusstapfen.

Peter Brandenberger,
Leiter Regionalredaktion BE FR VS, Radio SRF

Bild: zVg.

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