Radio-Chef zu den SRG-Sendern: «Die Arbeit wird sich flexibler gestalten»
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Radio-Chef zu den SRG-Sendern: «Die Arbeit wird sich flexibler gestalten»

Die SRG-Radios müssen bei ihrer Planung nach links zum Publikum, nach rechts zum Service-public-Auftrag und dabei: immer nach vorne schauen. LINK blickte in die Welt der Radioprogrammentwicklung und sprach auch mit dem Chef der SRF-Radiosender, Röbi Ruckstuhl.

LINK: In der aktuellen Service-public-Debatte kommen die Radiosender von SRF oft besser weg als das Fernsehen. Woran liegt das?
Röbi Ruckstuhl: Das Fernsehen steht viel stärker im Schaufenster und wird daher viel genauer und kritischer beobachtet. Das Radio hingegen ist eher der vertraute Begleiter, der mich unterhält und mir die Welt erklärt. Auf diese Stärke, den Live-Charakter, muss sich das Radio auch in Zukunft konzentrieren. Eigentlich kann man alle einzelnen Elemente, die Radio ausmachen auch im Internet abholen. Was das Radio jedoch einzigartig macht, ist die Kombination dieser Elemente in einer kurzen, gut gemachten Form und präsentiert von einer echten Persönlichkeit.

Wofür braucht es dann eine Programmentwicklerin?
Wir müssen der Radioentwicklung voraus sein, müssen zukunftsgerichtet denken. Die Kunst zu spüren, in welche Richtung es geht, ist ein laufender Prozess, der immer wieder angepasst werden muss. Indem die Programmentwicklerin Qualitätskontrollen und neue Programmkonzepte begleitet, kann auf diese Veränderungen frühzeitig und angemessen reagiert werden.

Was sind die Knacknüsse in der Programmentwicklung?
Das Publikum wird zusammen mit dem Programm älter. Es gibt nun zwei Möglichkeiten zu reagieren. Entweder wir machen einen radikalen Schnitt und beginnen von vorne und verabschieden uns von unseren Stammhörern oder wir versuchen das Programm so zu gestalten, dass weder das Programm noch das Publikum immer älter wird. Und wir haben uns für die zweite Möglichkeit entschieden.

Was wird sich in Zukunft beim Radio verändern?
Insbesondere die Arbeit der Moderatoreninnen und Moderatoren wird sich in Zukunft flexibler gestalten. Sie werden noch stärker zu Persönlichkeiten, die den Sender repräsentieren, auch ausserhalb der Zeit, die sie im Sendestudio verbringen. Beim jungen Publikum läuft schon heute fast alles über Personen. Sie folgen Leuten auf Youtube, die ihnen Beauty-Tipps geben oder sie folgen ihren Stars auf Instagram, um zu sehen, was sie den ganzen Tag tun. Darauf müssen wir uns in Zukunft vermehrt einstellen, wenn wir auch weiterhin ein junges Publikum erreichen wollen.

Interview: Olivia Gähwiler
Bild: SRF / Oscar Alessio


Lesehinweis:  «Dem Programm einen Schritt voraus» - einen Bericht über die Radio SRF-Programmentwicklerin, Susanne Witzig, und ihre Arbeit.
 

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