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Warum wird man Mitglied der SRG?

Seit Anfang Jahr ist Andreas Schefer Präsident der SRG Deutschschweiz. Der frühere DRS 3-Chef steht damit 16’000 Mitgliedern vor, die über die Entwicklung von Schweizer Radio und Fernsehen mitbestimmen. Im Gespräch mit der Medienwoche erklärt Schefer, warum die Trägerschaft bisher kaum eine Rolle spielt in der Debatte um die Zukunft der SRG und wie er das zu ändern gedenkt.

– Nick Lüthi, Leiter Medienwoche

MEDIENWOCHE: Die SRG-Trägerschaft machte im letzten Jahr vor allem mit einer Personalie von sich reden. Ihr Präsident, Raymond Loretan, gab mitten im Abstimmungskampf um das Radio- und Fernsehgesetz seinen Rücktritt bekannt. Jetzt sucht man einen Nachfolger. Wer soll das sein?
Andreas Schefer: Die Trägerschaft braucht an der Spitze eine hochintegrative Persönlichkeit, die gut auftreten kann gegen innen und aussen und einen engen Austausch pflegt mit dem Generaldirektor. Der Präsident ist dessen Vorgesetzter. Natürlich spielt auch die medienpolitische Grosswetterlage eine zentrale Rolle bei der Suche nach der richtigen Person.

In der öffentlichen Diskussion um die Zukunft des Service public hat die SRG-Trägerschaft bisher kaum eine Rolle gespielt. Wieso nicht?
Uns war im Vorfeld der RTVG-Abstimmung lange nicht klar, wie weit wir gehen dürfen. Deshalb ist die Trägerschaft in einer ersten Phase nur sehr verhalten aufgetreten gegen aussen. Dann aber herrschte mehr Klarheit. Der Bundesrat hatte in seiner Antwort auf eine Frage von FDP-Nationalrätin Petra Gössi klar gesagt, dass die SRG-Trägerschaft einen recht grossen Handlungsspielraum hat im öffentlichen Auftreten. Wir werden uns in Zukunft vermehrt mit der Öffentlichkeit auseinandersetzen. Diesen Mangel wollen wir beheben.

Mit welchen Massnahmen?
Ich bin da offen für ganz vieles. Wir könnten vermehrt auch Leistungen erbringen für Nicht-Mitglieder. Bisher waren wir mit unseren Aktivitäten und der Kommunikation wohl zu stark auf unsere Mitglieder fokussiert und zu wenig auf die breite Öffentlichkeit.

Ein möglicher Schritt wäre die Einführung einer Gratis-Mitgliedschaft, wie sie SVP-Nationalrätin Natalie Rickli 2013 forderte. Was halten Sie davon?
Das mag nun vielleicht erstaunen, aber ich kann dieser Forderung durchaus etwas abgewinnen und bin auch bereit, zu prüfen, ob und wie sich das umsetzen liesse, auch wenn juristische Hürden überwunden werden müssten. Es gibt viele Gründe, die für eine Gratis-Mitgliedschaft sprechen. An der Struktur der Trägerschaft müsste man dafür gar nicht viel ändern. Es wäre dann ganz einfach: Wer will, kann beitreten.

«Es ist kein Elite-Club, das möchte ich auch gar nicht. Wir sind die Trägerschaft eines Massenmediums, da sollten wir auch die Masse repräsentieren.»

Die Trägerschaft zählt rund 23’000 Mitglieder, davon allein 16’000 in der Deutschschweiz, denen Sie als Präsident vorstehen. Was sind das für Leute?
Die Mitgliedschaft ist breit gefächert. Dazu zählt der Bergbauer aus Adelboden genauso wie die Fachhochschuldozentin aus Zürich. Im Vorstand der SRG Bern, Freiburg, Wallis zum Beispiel eine ehemalige SVP-Gemeindepräsidentin aus dem Emmental, eine gelernte Gärtnerin und Bäuerin. Es ist kein Elite-Club, das möchte ich auch gar nicht. Wir sind die Trägerschaft eines Massenmediums, da sollten wir auch die Masse repräsentieren. Ich würde mir aber eine altersmässig bessere Durchmischung wünschen.
Warum wird man Mitglied der SRG?
Viele finden über das Programm zu uns, weil ihnen das Angebot gefällt und sie als SRG-Mitglieder näher dran sein wollen. Wie bei jedem Verein und jeder politischen Organisation spielt aber auch der Community-Gedanke eine wichtige Rolle. Im letzten Jahr gab es auch vereinzelte Eintritte als Reaktion auf das provokative Auftreten der SRG-Kritiker im RTVG-Abstimmungskampf.

Welchen Einfluss nimmt die Trägerschaft auf das Programm von Schweizer Radio und Fernsehen?
Die Trägerschaft ist weit weg vom Programm. Und das ist auch gut so. Die journalistische Unabhängigkeit der Redaktionen muss gewahrt bleiben. Aber Einfluss kann die Trägerschaft trotzdem nehmen. Sei es über die Programmkommission oder den Publikumsrat. Deren Befunde fliessen direkt zurück zu den Programmschaffenden.
Mit welchem Ergebnis?
Ein aktuelles Beispiel: Die Trägerschaft drängte über Jahre darauf, dass das Schweizer Fernsehen endlich ein Auslandmagazin einführt – jetzt haben wir es. Aber den stärksten Einfluss auf die Programme nimmt die Trägerschaft über Personalentscheide auf sprachregionaler und nationaler Ebene.

Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Trägerschaft und der Leitung der SRG-Sender beschreiben?
Das kommt immer auf die Leute an und die Zusammensetzung der Gremien. Es gab Zeiten, da haben die Direktoren die Trägerschaft ihre Geringschätzung spüren lassen. Das hat sich aber schon länger gebessert. Heute nimmt SRF-Direktor Ruedi Matter an jeder Sitzung teil und das Einvernehmen ist sehr gut. So trafen sich erst kürzlich die Kommunikationsverantwortlichen von SRF mit der Geschäftsstelle der SRG Deutschschweiz, um ihre Aktivitäten gemeinsam abzustimmen. Diese Zusammenarbeit ist eine Premiere.

«Die Trägerschaft ist eine Basisorganisation, demokratisch strukturiert und legitimiert. Und das ist gut so.»

Warum tritt die Trägerschaft in den Programmen der SRG nicht prominenter auf? Da hat man eigene Kanäle und nutzt sie nicht.
Die Trägerschaft mit eigenen Sendungen?! Das fände ich eine seltsame Vorstellung. Vielleicht auch wegen meiner Vergangenheit als Radiojournalist. Die Sender pochen – zu Recht – sehr stark auf ihre redaktionelle Unabhängigkeit. Eine aktive Präsenz der Trägerschaft in Radio und TV war meines Wissens auch noch nie ernsthaft ein Thema.

Wie stellt sich die Trägerschaft die Zukunft der SRG vor?
Die Meinungen gehen sehr weit auseinander. Praktisch jede Position wird vertreten. Da gibt es keine Befehle von oben. In den Vorständen der regionalen Mitgliedsgesellschaften und auch an der Basis wird intensiv diskutiert, wie es mit der SRG weitergehen soll. Die Trägerschaft ist eine Basisorganisation, demokratisch strukturiert und legitimiert. Und das ist gut so.

Zum Originalartikel der Medienwoche

Text: Nick Lüthi, Leiter Medienwoche

Bild: Thomas Züger

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