SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Fiktive Laudatio der Berner Young Boys in der Sendung «Sportpanorama» beanstandet

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Sie haben mit Ihrem Brief vom 2. Mai 2016 die Passage im „Sportpanorama“ des Fernsehens SRF vom 1. Mai 2016 beanstandet, in der gezeigt wurde, wie eine Laudatio des Berner Fussballclubs Young Boys an die Adresse des zum 7. Mal Schweizer Meister gewordenen FC Basel etwa lauten könnte. YB musste sich einmal mehr mit dem zweiten Platz begnügen. Ihre Beanstandung erfüllt die formalen Voraussetzungen. Ich kann somit auf sie eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

„Ziemlich erstaunt, verwundert und vor allem verärgert habe ich mir gestern Ihren Beitrag im Sportpanorama angeschaut.
Während der ganzen Sendung wird kein Wort über das Samstagspiel von YB in Zürich bei GC berichtet, stattdessen folgt ein sehr parteiischer Beitrag zur 7. Meisterschaft des FC Basels und wie ein Laudatio der Young Boys in etwa klingen könnte.

Die Restschweiz mag das vielleicht lustig finden, aber als YB Fan findet man sich im falschen Film wieder. Von einem öffentlichen Schweizer Fernsehen erwarte ich eine ausgewogene und faire Berichterstattung zu allen Schweizer Fussballvereinen, ohne einzelne Vereine zu bevorzugen oder zu benachteiligen.

Das war mit Abstand etwas vom Schlimmsten, Subjektivsten, das ich je gesehen habe. Ich erwarte eine Entschuldigung und Stellungnahme zum obengenannten Beitrag.“

B. Die Abteilung Sport wurde zur Stellungnahme eingeladen. In ihrem Namen antwortete Nök Ledergerber, Stabschef SRF Sport, nach Rücksprache mit Chefredaktor Peter Staub und Redaktionsleiter Reto Gafner wie folgt:

„Der Beitrag ist eine Spielform einer Hommage mit Augenzwinkern. Mutig und losgelöst von einer üblichen Laudatio. Bei Autorenbeiträgen dieser Art nehmen die Redaktoren bewusst eine Position ein, wechseln in eine Rolle. Unseres Erachtens war der Beitrag nicht verletzend. Klar ist, dass Beiträge dieser Art unterschiedlich aufgefasst werden.

In den sieben Titeljahren von Basel landeten die Young Boys – mit einer Ausnahme – immer auf dem zweiten oder dritten Platz, sind gewissermassen die ‚engsten‘ Verfolger von Basel. Die anderen Teams, die punktuell auch nahe dran waren, die Grasshoppers und der FC Zürich, wurden im Beitrag ebenfalls erwähnt (Urs Fischer war ja als FCZ-Trainer 2010/11 bis kurz vor Meisterschaftsende auf Tuchfühlung mit dem FCB...hat das also selber erlebt und konnte sich dazu im Gespräch auch äussern).

Es ist eine Laudatio aus Sicht des ersten Verfolgers (Young Boys), der auch gerne einmal den Titel gewinnen würde. Eine solche Laudatio kann unmöglich vollständig sein und jeden Super-League-Club aufzählen/erwähnen. Es sind spezielle Momente/Bilder aus den 7 Basler Meisterjahren herausgepickt...

Dafür hat der Reporter zwei ganze Tage unser Archiv nach Bildern durchsucht und ein aus unserer Sicht schönes Stück realisiert.“

C. Soweit die Sicht der zuständigen Redaktion. Damit komme ich zu meinem eigenen Kommentar. Man muss hier unterscheiden zwischen rechtlichen und psychologischen Aspekten. Rechtlich darf das Fernsehen SRF das. Es bewegt sich im Rahmen der Programmautonomie, die ihm erlaubt, zu interpretieren, zu analysieren, zu kommentieren, zu persiflieren, zu karikieren. Es hat gegen keine gesetzliche Bestimmung verstossen. Psychologisch war die fingierte Laudatio aber alles andere als geschickt. Ein anderer Zuschauer schrieb: „Der Beitrag im Sportpanorama vom 1.Mai ‚Laudatio von YB an Basel‘ ist eine Frechheit. Gehört es zum publizistischen Auftrag des SRF, die Zuschauer zu verhöhnen? Einen solchen Beitrag kann auf ,Telebasel‘ gesendet werden - von einem nationalen Fernsehen darf aber mit Recht eine unparteiische Berichterstattung erwartet werden. Eine öffentliche Entschuldigung wäre mehr als angebracht.“ Auch wenn es sich nicht gerade um einen Shitstorm handelt, so scheint doch die Empörung unter YB-Fans über diese Laudatio groß gewesen zu sein, verständlicherweise aus zwei Gründen: Nie hält der Geschlagene die Laudatio an den Sieger. Und im Fussball erwartet der „ewige Zweite“ eher Streicheleinheiten statt Spott. Es war darum keine gute Idee, auf diese Weise dem Schweizer Meister FC Basel zu huldigen. Besser wäre gewesen, die Redaktion hätte eine – durchaus farbige – Analyse von Sieger und Verfolgern der letzten sieben Jahre vorgetragen – aus journalistischer Perspektive, nicht aus der (unfreiwilligen) Sicht der Young Boys.

Meine Empfehlung wäre, dass die Sportredaktion in nächster Zeit einmal eine Geste YB gegenüber macht (wenn es nicht schon passiert ist). Rechtlich hingegen hat das „Sportpanorama“ seine Freiheit nicht missbraucht.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

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