«Im Fokus steht das Gewinnen  von neuen Freunden»
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«Im Fokus steht das Gewinnen von neuen Freunden»

Niggi Ullrich will, statt die immer gleichen Feinde zu bekämpfen, neue Leute für die SRG gewinnen: Im Zentrum stehen für den Präsidenten der SRG Region Basel dabei Exponenten und Exponentinnen von gesellschaftsrelevanten Zielgruppen.

LINK: Niggi Ullrich, zum Thema Mitgliedschaft …
Niggli Ullrich: Apropos, wir konnten in Basel soeben das 2000. Mitglied feiern. In den letzten fünf Jahren haben wir mehrere Hundert Neumitglieder gewonnen. An­gesichts des Einwohnerpotenzials unserer Region ist das eine sehr hohe Dichte an Mitgliedern. Ohne Strategie wäre das nicht möglich gewesen.

Gratulation! Bekanntlich wird heute kaum mehr jemand Hals über Kopf Vereinsmitglied – wie gehen Sie vor?
Wir fahren eine Art Dualstrategie: Neben der an Medien interessierten Bürgerschaft sprechen wir gezielt auch Opinionleader aus Service-public-affinen Bereichen der ­Zivilgesellschaft an. Und neben Leuten, die sich von der Mitgliedschaft einen direkten Zugewinn erhoffen wie exklusive Einladungen und qualifizierte Information, suchen wir auch Leute, die sich für die SRG und ihren Auftrag aktiv engagieren wollen.

Tun sie dies nicht am besten als Mitglieder?
Nicht zwingend. Neben Mitgliedern wollen wir auch «Freunde» ausserhalb gewinnen. Leute, die die Performance der SRG als Mehrwert für unsere Gesellschaft sehen, ohne sich gleich bis ans Lebensende zu verpflichten. Das Potenzial dieser Freunde ist grösser als jeder Pyrrhussieg gegen die stets gleichen Argumente der SRG-Feinde.

Das gilt nun wohl fürs gesamte SRG-Umfeld.
Natürlich. Übrigens soll auch nicht in den hochverzweifelten Ruf nach den Jungen eingestimmt werden. Eine Trägerschaft wie unsere lebt vom Mix der Generationen mit der Bereitschaft, sich für eine entwicklungsfähige Gesellschaft einzusetzen, statt Bestehendes mieszumachen.

Eine Trägerschaft wie unsere lebt vom Mix der Generationen mit der Bereitschaft, sich für eine entwicklungsfähige Gesellschaft einzusetzen, statt Bestehendes mieszumachen.

Reicht das angesichts der medialen Entwicklung?
Ein Generationenwechsel steht an. Aber da geht es nicht um die Altersfrage, ­sondern um das Mitgestalten und -tragen von Veränderungen.

Weshalb haben Sie denn in Basel die «U40-Aktion» lanciert, mit der Mitglieder mit Jahrgang 1976 und jünger geworben werden sollten?
Das war im Rahmen unseres Jubiläumsjahrs eine Charme-Offensive mit internem Charakter, die sich an Mitglieder richtete: Wer an unserem Geburtstag mit einem neuen Jungmitglied vorbeikam, bekam das Bier zum Anstossen vom Vorstand serviert und das neue Mitglied natürlich auch.

Sie haben die Worte «gezielt ansprechen» verwendet.
Ich habe dieser Tage einen Brief verfasst, den ich an jüngere Leute, die ich kenne, schicke. Darin verleihe ich meiner Hoffnung Ausdruck, dass sie sich zivilgesellschaftlich engagieren, ihnen nicht alles egal ist. Die SRG ist ein gutes Forum dafür.

Sie setzen auf die individuelle Ebene?
Auch, aber sicher nicht nur. Wir gehen das systematisch an; zunächst in den ­Bereichen Kultur, Sport und Erwachsenenbildung. Im Auge haben wir Leute mit ­tragender Funktion: Intendanten und Kuratorinnen, Sportfunktionäre und Programmverantwortliche. Es soll klar sein, weshalb wir uns an sie richten: Wenn wir dem FCB schreiben, verwenden wir nicht dieselben Argumente wie gegenüber dem Theater.

Weshalb gerade diese drei Gesellschaftsbereiche?
Kultur liegt auf der Hand – mit dem neuen Basler Standort ab 2019 befassen sich hier 250 Programmschaffende rund um die Uhr mit Kultur. Wir wollen das Bewusstsein ­dafür schärfen, dass die SRG einen Kulturauftrag hat, in dessen Rahmen sie publiziert, produziert und fördert. Die Kulturschaffenden sollen diese Zusammenhänge erkennen und sich als Teil des Ganzen ­verstehen. Im Sport gibt es einen anderen Dreh: Genau wie die SRG-Trägerschaft erbringen die oft ehrenamtlichen Funktionäre und Trainer ein grosses zivilgesellschaftliches Engagement, gerade wenn sie mit jungen Leuten arbeiten.

Und bei der Erwachsenenbildung?
Bei einer Volkshochschule oder ­Migros Klubschule braucht es nochmals andere ­Argumente. Die SRG erfüllt im Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen einen Bildungsauftrag sowohl als Programmanbieterin wie auch als Arbeitgeberin.

Ist das Fazit: Weg vom TV-Spot als Mitgliederwerbung?
Spots haben ihre Berechtigung, um erste Aufmerksamkeit zu wecken. An eine ­bindende Wirksamkeit glaube ich weniger. Da erhoffe ich mir mehr davon, wenn ich Leute spezifisch in ihrer gesellschaftlichen Funktion anspreche und dafür sorge, dass sie der SRG mehr als nur «wohlgesinnt» sind.

Text: Alexandra Hänggi

Bild: Imagopress / Patrick Lüthy

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