«Puls»: «Wir wollen informieren und sicher keine Panik schüren»
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«Puls»: «Wir wollen informieren und sicher keine Panik schüren»

Sie sind zwei der prägenden Figuren bei «Puls»: Nicole Westenfelder als Produzentin und Thomas Kissling als «Hausarzt der Nation». Im Interview geben sie Einblick in ihre tägliche Arbeit – und erzählen, was sie selbst für ihre Gesundheit tun.

LINK: Welche Geschichte von «Puls» ist ­Ihnen beiden am meisten in Erinnerung oder hat Sie auch persönlich stark bewegt?
Thomas Kissling: Bei mir war das die Spezialsendung über den Wallfahrtsort Lourdes in Südfrankreich, wo wir Schweizer Pilger begleiteten. Da ist viel Aufopferung und Glaube an ein Wunder dabei, und das war für mich eindrücklich zu sehen.

Nicole Westenfelder: Schön, wenn du als Schulmediziner das sagst (lacht). Bei mir ist es so, dass es mir grundsätzlich immer sehr nahegeht, wenn wir Protagonisten in einer ganz schwierigen gesundheitlichen Situation begleiten. Ich denke etwa an jene junge Frau, die nach einem Töffunfall im Wachkoma liegt, sich von ­ihren schweren Hirnschäden nie mehr ­erholen wird – und wie die verzweifelten Eltern an ihrem Bett sitzen.

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Welche Kriterien haben Sie denn für die Gestaltung einer «Puls»-Sendung?
Westenfelder: Einfach gesagt denken wir den ganzen Tag darüber nach, welche ­Geschichten wir wie erzählen könnten. Wir wollen eine Ratgebersendung mit ­Unterhaltungswert sein, die unabhängig ist und aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen aufzeigt und kommentiert. Eine Geschichte muss dabei neu, ­relevant und emotional sowie mit guten Bildern zu ­unterlegen sein. Dabei gibt es natürlich Aktualitäten wie zum Beispiel die Vogelgrippe – und daneben auch «klassische» Themen wie Allergien, Bluthochdruck oder ­Diabetes, die immer ­wieder kommen.

Und wie oft bringen Sie Themen aus der Praxis mit, Thomas Kissling? Oder ist das eher tabu?
Kissling: Nein, das ist keineswegs tabu, und wahrscheinlich bringe ich nach Ansicht der Redaktion zu wenig Themen ein. Aber ich weise schon immer wieder auf neue Studien hin, die ich interessant finde, oder bringe Patienten mit, an denen sich eine Geschichte exemplifizieren lässt.

Und wie bereiten Sie sich als freier ­Mitarbeiter auf eine Sendung konkret vor?
Kissling: Ich bekomme meistens bereits am Donnerstag oder Freitag die Themen, lese mich dann übers Wochenende ein, und am Montag treffe ich um 13.30 Uhr im Studio ein für die Regiesitzung. Dort wird dann der genaue Ablauf der Sendung besprochen, ich schaue die Beiträge schon mal an und wir besprechen die möglichen Diskussionspunkte mit der Moderatorin. Anschliessend gibts Stellproben, und dann gehts los. Ich bin froh, ist es eine Live-Sendung, denn dann muss man auf den Punkt konzentriert sein.

Erleben Sie es als positiv, der «Hausarzt der Nation» zu sein, oder gibt es auch Schattenseiten der Bekanntheit?
Kissling: Klar steht man manchmal – vor allem auch in der Freizeit – besonders ­unter Beobachtung, aber ich empfinde es eigentlich trotzdem nur als positiv. Wir müssen einfach immer wieder sagen, dass ich nicht alle Zuschauerinnen und Zuschauer der Sendung auch dann persönlich in meiner Praxis behandeln kann (lacht). Auch Neid unter den Kollegen verspüre ich nicht, höchstens von einigen Spezialärzten bekomme ich mal wieder böse Mails.

Wie oft erleben Sie Druckversuche der Pharma- oder Medizinalindustrie, gewisse Themen zu pushen?
Westenfelder: Da kann ich guten Gewissens sagen, dass es das gar nicht gibt. Wir schauen uns auch den Absender einer Nachricht immer sehr genau an, recherchieren weiter und treffen dann unsere eigene Einschätzung. Und wir ­nennen die Medikamente ja meist auch nicht beim ­Namen, sondern weisen «nur» auf die Wirkstoffe hin.

Kissling: Die genannten Firmen wissen natürlich auch, dass ein Druckversuch da keine Chance hätte oder sogar kontraproduktiv wäre.

Können umgekehrt auch Sie mit einer «Puls»-Sendung sogenanntes Agenda-Setting betreiben, also die Industrie oder die Forschung und Lehre ein Stück weit mit beeinflussen?
Westenfelder: Nicht dass ich wüsste. Wir sind ja in der Redaktion nicht Ärzte, sondern unsere Aufgabe ist es, Themen verständlich aufzubereiten, allenfalls einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.

Kissling: Aber man kann vielleicht manchmal ein bisschen «Gegensteuer» ­geben zu gewissen Trends.

Westenfelder: Das stimmt. Wir sind bei «Puls» generell eher zurückhaltend ­gegenüber Hypes. Wir wollen informieren und sicher keine Panik schüren.

Was machen Sie beide als Profis denn für Ihre Gesundheit? Wie nehmen Sie Ihre Eigenverantwortung wahr?
Kissling: Ich rauche nicht und probiere – nicht immer gleich erfolgreich – mich regelmässig zu bewegen. Aber am allerwichtigsten finde ich, dass man selbst mit seinem Leben zufrieden ist und seine ganz persönliche Balance findet. Und dabei soll man auch keinesfalls genussfeindlich oder stur sein, denn das ist oft kontraproduktiv.

Westenfelder: Bei mir ist die Situation etwas speziell, da ich vor rund zwei ­Jahren einen heftigen Bandscheibenvorfall hatte, der immer noch in den Fuss ausstrahlt. Ich muss also sehr genau auf meine innere Stimme hören. Daneben rauche auch ich nicht, erst recht nicht, weil meine Mutter bereits sehr jung an Brustkrebs gestorben ist. Seit jener Zeit, als ich sie in den Tod begleitet habe, habe ich auch einen ganz speziellen Zugang zu allen Gesundheitsthemen.

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Gibt es noch Themen, die Sie beide in ­einer der nächsten «Puls»-Sendungen einmal abhandeln wollen und sich aber bisher nicht realisieren liessen?
Westenfelder: Ich wünschte, ich hätte solche Themen (lacht). Wenn man so lange dabei ist wie ich, dann ist eher das Gegenteil der Fall, dass man nämlich fast alles in der einen oder andern Form schon mal abgehandelt hat. Aber ja, ich würde mir manchmal vielleicht etwas mehr psychologische Themen in der Sendung wünschen, wie zum Beispiel Mobbing.

Kissling: Bei aller gebührenden ­Zurückhaltung würde ich mir mehr ­gesundheitspolitische Themen ­wünschen, wie zum Beispiel den ­Hausärztemangel.

Text: Interview: Matthias Wipf

Bild: SRF / Oscar Alessio

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