SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Rundschau»-Sondersendung zum Assad-Interview beanstandet

4384
Mit Ihrer e-Mail vom 20. Oktober 2016 beanstandeten Sie Aussagen des Journalisten Dr. Kurt Pelda im Journalistengespräch im Anschluss an das Interview mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, das die Sendung „Rundschau“ von Fernsehen SRF am 19. Oktober 2016 ausgestrahlt hat. Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen, die eine Beanstandung erfüllen muss. Ich kann somit auf sie eintreten.

 

A. Sie richteten Ihre Beanstandung in direkter Ansprache an Dr. Kurt Pelda und begründeten sie wie folgt:

„Im Nachgang zum gestern 19.10.2016 auf SRF ausgestrahlten Interview von Sandro Brotz mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad sind Sie wieder mal als sog. ‚Syrien-Experte‘ zu Wort gekommen. Gleich in Ihrem ersten Satz bezeichneten Sie Präsident Assad als ‚pathologischen Lügner‘. Eine unverschämte Anmassung und Arroganz. Sie sollten mal etwas kleinere Brötchen backen und von Ihrem arroganten Ross runterkommen. Pathologisch ist höchstens Ihr Hass auf den demokratisch gewählten Präsidenten Assad und das ihn unterstützende syrische Volk.

Ihre einseitige ‚Berichterstattung‘ zu Syrien ist nichts Neues. Bekanntlich sind Sie seit Jahren bekennender FSA-Fanboy (FSA = Freie Syrische Armee). Auch diese sogenannten ‚moderaten Rebellen‘ sprich Terroristen köpfen ihre wehrlosen Gefangenen und vergewaltigen nach Belieben. Für Sie offenbar kein Problem. Offensichtlich haben Sie von Ihren FSA-Terroristenfreunden eine nachhaltige Gehirnwäsche verpasst bekommen. Und stellen sich seit Jahren uneingeschränkt in deren Propagandadienst.

Als angeblicher ‚Syrien-Experte‘ waren Sie sich auch gestern nicht zu dumm, die fremdinszenierten angeblichen Giftgaseinsätze der regulären Syrischen Armee bzw. Syrischen Luftwaffe anzuhängen. Obwohl bis heute keinerlei unabhängigen Beweise dazu vorliegen (!) und ein solches Vorgehen für die Regierungstruppen auch keinen Sinn macht.

Der Syrienkonflikt war nie ein ‚Bürgerkrieg‘, sondern von Anfang an eine false-flag Aggression des Westens gegen Damaskus und das syrische Volk. Die Kämpfer sind ausländisch, die Waffen sind ausländisch, die Agenda ist ausländisch.

Assad wird vom Grossteil der syrischen Bevölkerung, aber auch vielen freien Nationen zunehmend unterstützt. Das kommt nicht von ungefähr. Gerade in diesen sehr schweren Kriegszeiten hat der umsichtig und vernünftig agierende Präsident Assad der ganzen Welt unter Beweis gestellt, dass er der richtige Präsident ist.

Die beim Thema Syrien stark fremdgesteuerten Mainstream-Medien haben die Öffentlichkeit über diesen schmutzigen Proxykrieg lange Zeit systematisch falsch informiert.   

Ihr hochgradig diffamierender und manipulativer anti-Assad Hass-‚Journalismus‘ bildet dabei den absoluten Tiefpunkt der hiesigen Syrienberichterstattung. Sie betreiben seit Jahren massive Diffamierung, Hetzpropaganda und Falschinformation. Ausgewogener, der Wahrheit verpflichteter Journalismus sieht definitiv anders aus.

Als ‚Syrien-Experte‘ sind Sie unglaubwürdig geworden. Jemand sollte Ihnen endlich mal den Stöpsel ziehen. Ihre journalistische ‚Berichterstattung‘ zu Syrien ist eine absolute Zumutung und abstossend.“

 

B. Die Betroffenen, also die Redaktion der „Rundschau“ und der Journalist Dr. Kurt Pelda, erhielten natürlich Gelegenheit, zu Ihrer Beanstandung Stellung zu nehmen. Zuerst gebe ich Herrn Kurt Pelda das Wort:

„Die Beanstandung von X disqualifiziert sich selbst. Ohne Grund beleidigt mich Herr X darin, bezeichnet mich als ‚arrogant‘ und ‚dumm‘, und er wirft mir vor, ich sei ein ‚bekennender FSA-Fanboy‘, ich hätte eine ‚nachhaltige Gehirnwäsche‘ verpasst bekommen und es sei für mich kein Problem, wenn Rebellen wehrlose Gefangenen köpften. Ich betriebe seit Jahren ‚massive Diffamierung, Hetzpropaganda und Falschinformation‘. Wohl gemerkt bringt Herr X für all diese Anschuldigungen keinen einzigen Beweis vor.

Besonders verletzend ist seine Passage, wonach ich mich ‚uneingeschränkt in deren Propagandadienst‘ stelle, ich bin laut X also ein Propagandist der Freien Syrischen Armee (FSA). Sollte Herr X diese Beschuldigungen wiederholen, werde ich ihn wegen Ehrverletzung und Verleumdung gemäss Strafgesetzbuch Art. 173 und 174 und wegen Geschäftsschädigung verklagen. Der unbewiesene Vorwurf, ich würde für irgendjemanden Propaganda betreiben, stellt meine Existenz als Journalist in Frage. Da ich freier Journalist und selbständig bin, ist mein guter Ruf mein einziges Kapital. Wer dieses schädigt und mir damit meine Existenzberechtigung abspricht, muss mit rechtlichen Schritten meinerseits rechnen.

Herr X behauptet, man habe mich an der Rundschau-Theke als ‚Syrien-Experten‘ zu Wort kommen lassen. Schon das ist falsch. Die Moderatorin Susanne Wille hat weder von mir noch von Pascal Weber als ‚Experten‘, sondern als ‚Syrien-Kennern‘ gesprochen. Das ist nicht das gleiche.

Chemiewaffen

Ich habe den syrischen Diktator Assad im Interview als einen pathologischen Lügner bezeichnet. Das ist mein gutes Recht, eine solche Aussage fällt unter die Meinungsfreiheit, und wenn Herr Assad sich dadurch in seiner Ehre verletzt fühlt, steht ihm der Rechtsweg offen.

Seit Jahren behauptet Assad zum Beispiel, sein Regime setze keine Chemiewaffen ein. Das ist eine über die letzten Jahre stetig wiederholte Lüge. Hier die Beweise, dass das Regime Chlorgas, eine verbotene Massenvernichtungswaffe, mithin als eine international Chemiewaffe, eingesetzt hat. Es handelt sich um Uno-Berichte, die um vieles glaubwürdiger sind als alle gegenteiligen Behauptungen Assad.

Artikel in der NZZ am Sonntag vom 23.10.2016:

Bericht des Uno-Menschenrechtsrats in Genf,13.10.2014 (siehe letzten Satz der abgebildeten Zusammenfassung):

 

Amnesty International

Auf die Frage nach seinen Foltergefängnissen behauptete Assad im Interview, die Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International sei keine unabhängige Organisation, sondern werde von Qatar finanziert. Amnesty hat diese Behauptung entrüstet zurückgewiesen. Assad hat offensichtlich nicht die Wahrheit gesagt. Darauf wies Moderatorin Susanne Wille bereits in der Sendung hin.

Bombardierung von Spitälern

Assad behauptet, seine Luftwaffe würde keine Krankenhäuser bombardieren. Ich habe zwischen 2012 und 2014 mehrfach das Dar-al-Shifa-Krankenhaus in Ost-Aleppo besucht, dort auch gefilmt (die Bilder wurden u.a. in der Rundschau ausgestrahlt) und habe mit eigenen Augen die Zerstörungen am Spital gesehen, die durch Luftangriffe verursacht wurden. Entsprechendes Videomaterial kann ich vorlegen. Dazu gibt es auch eine ganze Reihe Presseberichte. Stellvertretend für viele andere Attacken auf Krankenhäuser gebe ich hier den Anfang eines Berichts von Amnesty International wieder.[1] Darin wird Russland und der syrischen Luftwaffe vorgeworfen, Spitäler systematisch anzugreifen. Das deckt sich mit meinen eigenen Beobachtungen und Interviews mit unzähligen Zeugen in Syrien.

Fassbomben

Assad sagt im Interview, dass sich in den Beständen seiner Streitkräfte keine so genannten Fassbomben, sondern nur Bomben befänden. Eine Fassbombe ist ein kruder Sprengkörper, der in der Regel und im Gegensatz zu einer konventionellen Freifallbombe keine Leitwerke besitzt und sehr billig herzustellen ist. Abgesehen davon, dass ich in Syrien schon unzählige Male Überreste von Fassbomben bzw. Blindgänger davon gesehen und gefilmt habe, wirft auch ein Bericht des Uno-Menschenrechtsrats in Genf dem Regime unmissverständlich vor, mit Fassbomben (barrel bombs) Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen angegriffen zu haben.[2] Es kann also keine Zweifel geben, dass Assad lügt und seine Luftwaffe sehr wohl Fassbomben einsetzt. Dies ist übrigens auch durch unzählige Videos und sogar Fotos aus dem Innern von Armeehelikoptern belegt, auf denen man Fassbomben klar erkennen kann.

Hier drei Auszüge aus dem Uno-Bericht, in denen Fassbombenangriffe auf Krankenhäuser dokumentiert werden.