Kirchenbundpräsident Pfarrer Gottfried Locher bei der Predigt in einer Kirche, im Talar mit Lichtstrahlen, die von oben auf ihn herabscheinen
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Rundschau» über Kirchenpräsident Gottfried Locher war nicht einseitig

Ein Fernsehzuschauer beanstandet den «Rundschau»-Beitrag «Kirchenpräsident unter Druck» vom 23. Mai 2018. Er bemängelt die Berichterstattung und Darstellung des Kirchenbundpräsidenten Gottfried Locher als einseitig. Zudem stört er sich an der grafischen Bearbeitung der Bilder von Locher mit Lichteffekten und Strahlen. Diese findet auch bei Ombudsmann Roger Blum keinen Gefallen. Den Vorwurf der Einseitigkeit dagegen kann der Ombudsmann nicht unterstützen.

Gottfried Locher wurde Mitte Juni 2018 als Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) von dessen Abgeordneten wiedergewählt. Im Vorfeld dieser Wahl ist Lochers Amtsverständnis und Geschlechterbild intern heftig kritisiert worden. Im Beitrag «Kirchenpräsident unter Druck» nahm die «Rundschau» die anstehende Verfassungsrevision des Kirchenbunds sowie die Kritik an Locher auf.

Der Beanstander moniert, Locher habe – im Gegensatz zu anderen Interviewpartnern – die Fragen nicht im Vorfeld erhalten. Zudem seien die anderen Interviewpartner und nicht Locher selbst zum Thema Gender befragt worden.

Ursprünglich habe SRF zur laufenden Verfassungsrevision des SEK recherchiert und Interviews geführt, schreibt Mario Poletti, Redaktionsleiter der «Rundschau», in seiner schriftlichen Stellungnahme. Da die Haltung Gottfried Lochers zur Verfassungsrevision öffentlich bekannt gewesen sei, habe man kein Vorgespräch mit ihm führen müssen. Bei anderen Interviewpartnern habe man dies jedoch getan, um ihre Haltung zu erfahren. Das sei normales journalistisches Handwerk, betont Poletti.

Stellungnahme verweigert

Im Verlauf der Gespräche und der eigenen Recherche habe die «Rundschau» von der Kritik an Lochers Person erfahren. Deshalb habe man mit Gottfried Locher mündlich vereinbart, ein allfällig zweites Interview zu führen, so Poletti weiter. Dieses habe er später jedoch mehrfach ausgeschlagen und auf die schriftlichen Fragen der «Rundschau»-Redaktion nicht geantwortet. Nebst Locher seien im beanstandeten Beitrag auch Befürworter von ihm zu Wort gekommen, hält Poletti fest. Den Vorwurf der Einseitigkeit weist Poletti entschieden zurück.

Ombudsmann Roger Blum anerkennt die Bemühungen der «Rundschau»-Redaktion, zahlreiche unterschiedliche Stimmen in der Kontroverse um Gottfried Locher zu sammeln und ihn selbst vor die Kamera zu holen. Dass Locher sich als kommunikativ starke Persönlichkeit einem solchen Gespräch nicht stellte, ist für Blum unverständlich. Dafür habe Josef Hochstrasser, reformierter Pfarrer von Steinhausen, als beredter Verteidiger von Gottfried Locher an der Theke eine starke Performance gehabt. Somit kann Blum den Vorwurf, der Beitrag sei einseitig zulasten Lochers gewesen, nicht unterstützen.

Kritik an grafischen Elementen

Weiter kritisiert der Beanstander grafische Elemente im «Rundschau»-Beitrag. Durch Lichteffekte in Filmteilen mit Locher und mit einer Art «Heiligenschein» rund um ein Foto des Kirchenbundpräsidenten werde Locher karikiert, findet der Beanstander. Mit diesem grafischen Element habe man den Themenkomplex Spiritualität, Kirche und geistliche Leitung optisch aufnehmen wollen, erklärt Poletti. Mit der Gestaltung helfe man den Zuschauerinnen und Zuschauern, sich im Beitrag zurechtzufinden. Doch auch Roger Blum kann diesen grafischen Effekten nichts abgewinnen und gibt hier dem Beanstander recht. Insgesamt unterstützt Blum die Beanstandung also teilweise.


Schlussbericht Ombudsstelle 5492

Zur «Rundschau» vom 23. Mai 2018


Text: SRG.D/dl

Bild: Kirchenbundpräsident Gottfried Locher bei der Predigt. Screenshot aus «Rundschau» vom 23. Mai 2018, SRF

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