«Die SRG muss mehr als ein Fanclub sein»
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«Die SRG muss mehr als ein Fanclub sein»

Jung, aktiv und kreativ: Die Jungen erobern die Trägerschaft mit neuen, unkonventionellen Ideen und unbändigem Tatendrang. LINK hat vier dieser Jungen zum Gespräch getroffen.

«Viele glauben, sich für die SRG einzusetzen, sei nicht sexy», erklärt Olivier Dolder, 31-jähriges Vorstandsmitglied der SRG Luzern. «Aber es gibt dort so viele spannende Herausforderungen, dass es richtig Spass macht.» «Und man trifft interessante Leute jeden Alters», sagt Jasmin Rippstein, Vorstandsmitglied der SRG Aargau Solothurn. Vor allem: «Wir können eigene Projekte realisieren.»

Tatsächlich ist auffällig, dass sich plötzlich vermehrt junge Menschen in den SRG-Gremien engagieren. Sie wollen aber nicht bei Apérohäppchen «smalltalken», sondern sie setzen sich sehr aktiv ein für den Service public und die SRG. «Eine Demokratie braucht unabhängige Medien», erklärt Politologe Olivier Dolder sein Engagement. «Gerade in Zeiten von ‹alternativen Fakten› ist es wichtig, dass der Zugang zu einer unabhängigen Berichterstattung für alle offen ist», fordert Mario Stübi. Der 32-jährige freischaffende Redaktor hat vor wenigen Monaten das Präsidium der SRG Luzern übernommen. Sein Ziel ist es, dass «die SRG wieder ein Ort ist, wo man interessante Leute trifft, wo man sich mit Nationalräten oder einem Ständerat, mit Fernsehmoderatoren oder Menschen aus dem Kulturbereich austauschen kann.»

«Gerade in Zeiten von ‹alternativen Fakten› ist es wichtig, dass der Zugang zu einer unabhängigen Berichterstattung für alle offen ist.» Mario Stübi

Kultur und Minderheiten sind für die Bündner Publikumsrätin Ursina Haller die Motivation, sich bei Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR) zu engagieren. Die 31-jährige Journalistin ist überzeugt, dass RTR eine ganz wichtige Rolle hat. «Ohne die SRG hätten wir Rätoromanen kaum Zugang zu Informationen in unserer Muttersprache. Vor allem das Radio spielt für den Erhalt unserer Sprache und der Kultur eine wichtige Rolle.»

Mit Energie und Überzeugungskraft, mit kreativen Ideen und frechen Konzepten haben die «neuen Jungen» ihre ersten Projekte mit Erfolg umgesetzt – immer mit dem Ziel, den jungen Menschen die Notwendigkeit von Service public, von unabhängigen, seriös recherchierenden und glaubwürdigen Medien näherzubringen.

«Mir ist aufgefallen, wie viel Unwissenheit herrscht», erklärt Jasmin Rippstein. Die 30-jährige Kommunikationsberaterin war bereits beim Aufbau von SRG Insider der SRG Deutschschweiz involviert. «Viele Leute haben keine Ahnung, was die SRG alles leistet. Oder sie schauen SRF-Beiträge auf YouTube oder Facebook und sind sich dessen gar nicht bewusst. Andere wiederum meinen beispielsweise, der ‹Bachelor› sei von SRF und sagen: Für eine solche Sendung zahlen wir doch keine Billag-Gebühren!»

Will man die Jungen erreichen, muss man dorthin gehen, wo sie ohnehin sind. Mit diesem Grundsatz geht zum Beispiel die SRG AG SO vermehrt Partnerschaften mit Lokalitäten ein, wo sich die junge Zielgruppe trifft. So wurden in einem Kulturlokal in Olten die «Bargespräche» lanciert, das sind lockere Abende, zu denen jeweils SRF-Schaffende eingeladen werden, und beim Unikom-Radio Kanal K wurde der erste Anlass der Veranstaltungsreihe «Bier, Bagels und Billag» durchgeführt.

Eine ähnliche Veranstaltung hat die SRG Luzern vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Olivier Dolder: «Unsere ‹Medien-Beizen-Tour› ist ein niederschwelliges Angebot für alle. Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich. Wir wollen auch niemanden zwingen – wenn jemand später freiwillig Mitglied wird, freut uns das.»

Grundsätzlich geniessen die Jungen bei der Organisation solcher Projekte grosse Narrenfreiheit, was eine tolle Herausforderung sei: «Wir können unsere Themen setzen, auch solche, die nicht unbedingt direkt mit der SRG oder unserem Regionaljournal zusammenhängen», freut sich Mario Stübi. «So besuchen wir beispielsweise auch das Jugendradio 3fach und das Privatfernsehen Tele1, die beide natürlich auch von Gebührengeldern profitieren.»

Aber nicht immer stossen die Ideen der Jungen auf Anhieb auf offene Ohren, wie Olivier Dolder bemerkt: «Wir planen eine Art Forum, bei dem junge Menschen ausgewählte Aspekte des Medienangebots offen diskutieren. Hier gibt es Stimmen, die uns darauf hinweisen, bestehende Gremien nicht zu konkurrenzieren. Das ist aber natürlich nicht unsere Absicht. Im Gegenteil: Wir wollen den Jungen eine zusätzliche Stimme und der Trägerschaft damit mehr Relevanz geben.» Denn: Junge Menschen wollen sich einbringen, wollen teilhaben. Das zeigt auch die Erfahrung von Jasmin Rippstein. Wie Ursina Haller ist sie überzeugt. «Die SRG muss mehr sein als ein Fanclub.» Da muss auch Kritik erlaubt sein, denn bei der SRG und bei SRF ist nicht immer alles nur gut, sind sich die Jungen einig.

«Wir wollen den Jungen eine zusätzliche Stimme und der Trägerschaft damit mehr Relevanz geben.» Olivier Dolder

Doch in die negativen Stimmen einreihen möchte sich die Kommunikationsberaterin, die selbst vier Jahre bei der SRG gearbeitet hat, nicht. Im Gegenteil: «Es ärgert mich, dass man immer nur die lauten Nörgler hört. Ich weiss, dass es auch viele – leider meist stille – Unterstützer der SRG gibt. Ich meine, es ist an der Zeit, dass sich diese ebenso laut zu Wort melden.» Zusammen mit der SRG AG SO plant sie daher im Frühsommer eine «Aktion, um all jenen, die die SRG und SRF gut finden, die Möglichkeit zu geben, dies auch gegen aussen zu zeigen.»

Und schon kommt Mario Stübi ins Schwärmen – und die nächste Idee wird geboren: «Cool wäre es, wenn Sportler wie Roger Federer, Kulturschaffende oder Promis wie Christa Rigozzi sich öffentlich zur SRG bekennen und ihrem Publikum sagen würden: ‹Wenn ihr mich weiterhin sehen wollt, müsst ihr die «No-Billag»-Initiative ablehnen!› Solche Werbespots wären dann schon fast ‹sexy›!»


Engagiert und zielgerichtet

Die Jungen der SRG-Gremien wollen ihre gleichaltrigen Mitmenschen für die Auseinandersetzung mit den Medien gewinnen und der Trägerschaft wieder mehr Relevanz geben. 

Junge SRG: Olivier Dolder, Ursina Haller, Jasmin Rippstein, Mario Stübi


Text: Patricia Diermeier Reichardt

Bild: Thomas Züger

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