Die publizistische Stimme der Schweiz im Ausland
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Die publizistische Stimme der Schweiz im Ausland

Wie kann die Schweiz ihre aussenpolitische Sonderstellung, ihr Engagement zur Förderung von Frieden und Freiheit, ihre Position zur EU und Personenfreizügigkeit, ihre kulturelle Identität international wirkungsvoll ­kommunizieren? Die Antwort lautet: mit einem speziellen Auslandauftrag, den die SRG SSR – im Interesse des ­L­andes – erfüllt.

Der russische Fernsehkanal Russia Today, das chinesische Fernsehen CCTV, arabische Kanäle wie Al Arabia und Al Jazeera – sie alle rüsten auf und bedienen die internationale Gemeinschaft manipulativ mit demokratiefeindlichen Fake News. Ziel ist es, die Weltgemeinschaft kommunikativ zu destabilisieren und ihr die Sichtweise der Auftrag- und Geldgeber überzustülpen. Je mehr Finanzmittel die Diktatoren dieser Welt in ihre Auslandsender und -Websites investieren, desto gefährlicher wird der Propaganda­krieg im Internet.

Ihr publizistisches Angebot verstärkt haben die BBC und die Deutsche Welle, weil London und Berlin die Bedeutung von «medialer Softpower» im Wettstreit um die globale Kommunikationshoheit erkannt haben.

Günstig und erfolgreich

Auch die Schweiz besitzt vergleichbare Auslandkanäle und -plattformen. Die entsprechende Vereinbarung zwischen dem Bundesrat und der SRG SSR wird alle vier Jahre ausgehandelt. Der sogenannte Auslandauftrag, eine Art «internationaler Service public», mit den beiden Fernsehsendern 3Sat und TV5Monde sowie den beiden Online-Plattformen Swissinfo.ch und tvsvizzera.it (siehe Seite 11), ist für die Eidgenossenschaft ebenso günstig wie erfolgreich. So verfügt beispielsweise Swissinfo über ein Budget von CHF 18 Mio. (Tendenz sinkend), SRI Schweizer Radio International, der internationale Kurzwellendienst, der 2000 aus Kostengründen abgeschaltet worden war, hatte noch ein Budget von CHF 86 Mio. Dabei erreicht Swissinfo heute doppelt so viele Nutzerinnen und Nutzer wie SRI vor 17 Jahren. Der Völkergemeinschaft vermittelt Swissinfo.ch urschweizerische Werte wie Freiheit, Frieden, Respekt und Toleranz.

«Der Völkergemeinschaft vermittelt Swissinfo.ch urschweizerische Werte wie Freiheit, Frieden, Respekt und Toleranz.»

Diese für eine freiheitliche Grundordnung existenziellen Werte zu verbreiten und durch Kooperationen sowie Synergien zu stärken, hat kürzlich eine Gruppe von internationalen Broadcastern unter Leitung von Swissinfo bekräftigt. Die einstimmig verabschiedete Deklaration ist ein Appell an die Gesetzgeber der freien Welt, die publizistischen Angebote ihrer Länder zu pflegen und ihnen die Bedeutung zu geben, welche Softpower-Medien benötigen.

In der Schweiz sind Bundesrat sowie National- und Ständerat gefordert, die seit Jahren fortschreitende Schwächung des Auslandauftrags zu stoppen und den vier publizistischen Auslandangeboten die Finanzmittel zu geben, welche diese zur Erfüllung des Auftrags benötigen, im aussenpolitischen Interesse der Schweiz. Damit die mediale Stimme der Schweiz auf internationalem Parkett weiterhin gehört, gesehen und gelesen wird. Damit die Welt die aussenpolitische Sonderstellung der Schweiz, ihr Engagement zur Förderung von Frieden und Freiheit, ihre Position zur EU und Personenfreizügigkeit sowie die faszinierenden kulturellen Identitäten unseres Landes versteht.


«Internationaler Service public»

  • Die 10-sprachige Internetplattform ­Swissinfo.ch hat sich auf Fragen der schweizerischen Eigenheiten, der direkten Demokratie, des Föderalismus, der Migration, des globalen ­Klimawandels, des Wirtschaftsstandorts Schweiz und der Bankenproblematik spezialisiert. Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer nutzen spezifisch für sie erstellte Dossiers zur Meinungsbildung über eidgenössische ­Abstimmungsvorlagen. 
     
  • Der internationale Kultursender 3sat überträgt täglich während 2,5 Stunden wichtige SRF-Sendungen wie die ­«Tagesschau» oder «Sternstunde». Mit diesen Beiträgen ­werden europaweit 70 Millionen Haushalte erreicht.
     
  • Der französischsprachige TV-Sender TV5Monde, der viele Sendungen des welschen Fernsehens RTS überträgt, erreicht 300 Millionen Haushalte in 200 Ländern. Sendungen wie «Téléjournal» und «Temps présent» werden im Internet mit Untertiteln versehen und in weiteren Sprachen ausgestrahlt.
     
  • tvsvizzera.it ist eine italienischsprachige Website mit Streaming- Inhalten, die ein glaubwürdiges ­Informationsangebot für Italien ­liefert und in diesem Sprachraum die oft missverstandenen Interessen der Schweiz erklärt.

Text: Peter Schibli

Bild: Illustration: Swissinfo.ch, Foto: Marcel Grubenmann

 

SchibliPeter.jpgPeter Schibli ist Leiter der SRG-Unternehmenseinheit SWI swissinfo.ch und vertritt gegenüber dem BAKOM und der Bundespolitik die Interessen der SRG bezüglich TV5Monde, 3Sat sowie tvsvizzera.it

 

Swissinfo.ch im Porträt

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  1. Felix Schwaibold 05.12.2017 18:03

    hat man das Radiosender Schweizer Radio international (SRI) das von 1935 bis am 30 Oktober 2004 eingestellt würde nur über Kurzwelle und Satellit und auch in die Schweiz per kabel empfangen können aber nicht über Internet via livestram?

  2. Jean Blanc 05.12.2017 18:09

    Ich wohne etwa zu 50 % in Frankreich, und seit "Beromünster" abgeschaltet ist (ich konnte die Mittelwelle gut empfangen), habe ich via SRG keinen Kontakt mehr zur Schweiz. Dies nur zum Auslandauftrag.

  3. Dieter Hafner 05.12.2017 22:10

    Es ist schon interessant , wie wenig uns die Stimme der Schweiz im Ausland wert ist. Nach der Schliessung von Swiss Radio International sind vor einiger Zeit auch die portugiesisch gesprochenen Schweizer Nachrichten (und wohl noch weitere...) dem Sparzwang geopfert worden.

  4. Peter Guler 05.12.2017 22:51

    Was braucht es noch um dem Schweizer Stimmvolk die Augen zu öffnen? Erst kürzlich habe ich gelesen, dass die No-Bilag Initiative zur Zeit noch mehr Befürworter hat als wir Gegner der Vorlage. Muss die Schweiz wirklich erst in den Schlamassel gestürzt werden, bevor sie in den kommenden Jahren mit sehr viel mehr Geld wieder auf Kurs gebracht werden kann?
    Die SRG hat in den vergangenen Monaten alles daran gesetzt um dies zu verhindern. Mehr geht wirklich nicht.
    Ist der Weg am Ende das Szenario, einmal einen Tag so zu schalten, wie es bei einem Ja in unserer Presselandschaft und speziell bei der SRG aussehen würde? Ich bin sicher, dass ein Aufschrei durch das ganze Land gehen würde!

  5. D. Rapold 06.12.2017 07:12

    Sehr gut! Danke IHNEN! Wir müssen wirklich aufpassen, dass das erlaubte Denken in Demokratien, das darin mündet, dass Meinungsvielfalt herrscht, & damit aber auch ein Wettstreit & die damit verbundene Unsicherheit, nicht von autoritärem &/oder autoritativem Denken überrollt & unsere differenzierte Stimme marginalisiert wird - dazu tragen Sie im Namen von UNS bei!

  6. Olivier Heer 06.12.2017 10:32

    Mit solchen Argumenten überzeugen Sie nur die linken gesinnten Wähler, aber kaum
    andere Wähler. Die liberalen denkenden Zuhörer oder Leser wissen schon lange, dass SRF und die Tagesanzeiger Presse Gruppe vor allem linke Anliegen und die Ringier-Axel Springer Gruppe, deutsche SPD und wirtschaftliche Anliegen vertreten