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«Nur no foif Minutä»

Sie wischen schon mit geschickten Bewegungen über den Bildschirm, bevor sie sprechen können: Die Digital Natives. Welche Rolle digitale Medien im heutigen Familienalltag spielen, haben die SRG ­Zürich Schaffhausen und die «Zambo»-Redaktion zum Thema gemacht.

Als sie Kinder waren, hing das Telefon noch am Kabel und war ausschliesslich zum Telefonieren da. Wollten sie ihre Lieblingssendung nicht verpassen, mussten sie pünktlich vor dem Fernseher oder neben dem Radio sitzen. Die heutigen Eltern sind zumindest digital gesehen in einer ganz anderen Welt aufgewachsen als ihr Nachwuchs. Am liebsten schlagen sich diese nämlich mit dem Handy oder dem Tablet die Zeit um die Ohren. Die Mädchen bevorzugen Kommunikations-Apps, die Jungs spielen hingegen häufiger Games. Das zeigt die MIKE-­Studie 2017 (siehe Kasten unten), in der das Mediennutzungsverhalten von Schweizer Kindern im Primarschulalter untersucht wurde.

Diese unterschiedlichen Mediennutzungsverhalten machte die Bildungskommission der SRG Zürich Schaffhausen in ihrer Veranstaltung «Nur no foif Minutä» Ende März zum Thema. Dies in Zusammenarbeit mit den Machern der SRF-Kindersendung «Zambo». Während sich die Kleinen im Radiostudio als Redaktoren und Moderatorinnen ausprobierten, diskutierten die Eltern über die Herausforderungen, welche die digitalen Medien bei der Erziehung mit sich bringen.

Und ein Punkt beschäftigt die Eltern besonders: Wie viel Zeit sollten die Kinder vor dem Bildschirm verbringen? Täglich 20 Minuten dürfe sein 9-jähriger Sohn digitale Medien nutzen, sagt ein Vater. Bei ihnen gebe es keine klare zeit­liche Begrenzung, hält ein anderer fest. Der Sohn müsse einfach zuerst seine Hausaufgaben erledigen und Klavier üben. Es gebe keine für alle gültigen Regeln, sagt Medienpädagogin Silvie Spiess. Denn jedes Kind sei anders. «Wichtig ist, dass man sich für ihren Medienkonsum interessiert, sich dazusetzt und darüber spricht», sagt sie. Denn viele Kinder würden sich mit den Inhalten, die sie in den digitalen Medien sehen, identifizieren. Diese Medien hätten zu Unrecht einen eher schlechten Ruf. Schliesslich könnten die Kinder auf dem Tablet Geschichten lesen, Informationen suchen oder Bilder zeichnen. «Wollen die Kinder ein gedrucktes Buch lesen, würde das von den wenigsten Eltern verboten», sagt Spiess. So sollte der Inhalt im Vordergrund stehen und nicht das Medium, meint sie. Was aber nicht heisse, dass die Kinder die ganze Zeit am Bildschirm sitzen sollten. «Es braucht genauso Zeiten, zu denen sie gar keine Medien nutzen und draussen mit Freunden spielen.»

Sind die Mädchen und Jungs jedoch gerade drinnen, nutzen sie oftmals mehrere Medien gleichzeitig. Wenn seine Tochter am Radio «Zambo» höre, schreibe sie zugleich Kommentare auf der Website der Sendung, so ein Vater. Die Beiträge der Kinder liefern den SRF-Redaktoren wichtige Inputs. «80 Prozent der Radio­beiträge entstehen aus der Community», sagt Christoph Aebersold, Leiter Strategie und Angebote Junge Zielgruppe bei SRF. Die Community, das sind vor allem Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, das Zielpublikum der Sendung. Dass man sich mit «Zambo» nicht an Jugendliche wende, habe einen bestimmten Grund. «Ab 12 Jahren haben die meisten ein eigenes Handy und ein ganz anderes Mediennutzungsverhalten», sagt Aebersold. Zum Alltag würden die digitalen Medien jedoch schon bei den Jüngeren gehören. Dabei gebe es einen grundlegenden Unterschied zu früher: «Die Kinder nutzen das Tablet oder das Handy meist alleine, während beim Fernsehen noch das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund stand.» Zwar gebe es diese Wir-Nutzung immer noch, aber viel weniger, hält Aebersold fest.

Was meinen die Digital Natives dazu? Gerade ist im «Zambo»-Studio Pause angesagt. Er schaue gerne mit seinen Eltern und der Schwester Komödien, sagt Noah. «Zusammen über Witze lachen ist lustiger», so der 11-jährige. Seine Schwester Rebecca hingegen langweilt sich manchmal bei den gemeinsamen Filmabenden. «Ich schnappe mir dann das Tablet und verziehe mich in die Ecke», sagt die 9-Jährige. Auch Fabio gamet lieber alleine, am liebsten Minecraft. Obwohl, so ganz alleine ist er dabei nicht. Schliesslich spielt er gegen seine Kontrahenten. Damit er diese besiegen kann, schaut sich der 10-Jährige in den YouTube-Videos die Tricks seiner Vorbilder ab, bei den Stars in der Gamerszene. Nicht nur beim Spielen, ebenso bei der Anwendung der Geräte habe ihr Sohn viele Kniffe auf Lager, sagt seine Mutter: «Oft hilft er mir, wenn ich nicht mehr weiterkomme.» Das heisse aber nicht, dass er den Umgang mit den digitalen Medien bereits beherrsche. «Gerade wenn es um die Einordnung von Informationen geht, kann er noch vieles lernen.»


MIKE-Studie
Die MIKE-Studie von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW untersucht repräsentativ das Mediennutzungsverhalten von Primarschülerinnen und Primarschülern in der Schweiz. MIKE steht für Medien, Interaktion, Kinder, Eltern. Für die Studie wurden über 1000 Kinder im Alter zwischen sechs und dreizehn Jahren und über 600 Elternteile in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz befragt.


Text: Regina Schneeberger

Bild: Mirco Rederlechner

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